Schmuckband Rad

Wallfahrt zum Hl. Philipp von Zell

Immer am Montag nach dem 3. Mai findet in Zell die Philippswallfahrt für das Bistum Mainz statt.

Unsere Pfarrgruppe nimmt als Fußwallfahrer teil.

 

Wer war Philipp von Zell?

Zellertal. Sein Grab ist nicht mehr in Zell und die Wallfahrt war lange unterbrochen. Vielleicht ist dies der Grund, dass der Patron der Pfalz nicht einmal im Kalender seines Heimatbistums Speyer vorkommt und auch im angrenzenden Bistum Mainz fast völlig vergessen ist. Dabei steht er für die Missionsbewegung, die im 8. Jahrhundert in der frühen Karolingerzeit dieser Region das Christentum gebracht hat. Philipp war Angelsachse. Er gehörte damit zu einem germanischen Stamm, der England erobert und dabei das römisch-britische Christentum der ersten Jahrhunderte verdrängt hatte. Erst Ende des 6. Jahrhunderts wurden durch Papst Gregor Benediktiner von St. Andreas in Rom unter Leitung des Abtes Augustinus auf die Insel gesandt. Dort bildeten sich Klöster, aus denen die Mission wie die des Bonifatius und seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hervorging. Philipp war Wandermönch. In kleinen Gruppen verkündeten diese Prediger das Evangelium. Eigenartige Begegnungen kann man sich vorstellen, wenn die Fremdlinge mit angelsächsischem Akzent in den heute rheinhessischen und pfälzischen Dörfern ankamen. Ebenfalls im 8. Jahrhundert war Pirmin unterwegs. Er kam wohl aus dem heutigen Frankreich und war sowohl von angelsächsischen wie von iroschottischen Missionsmustern geprägt. Von ihm gibt es wie bei Bonifatius viel mehr historische Zeugnisse als bei Philipp. Pirmins letzte Gründung in Hornbach in der Westpfalz war lange Zeit für das Zellertal zuständig.

Wohl von den Gründern der englischen Kirche hatten alle, Bonifatius, Pirmin und Philipp eine enge Verbindung nach Rom übernommen. Wie später Bonifatius zog auch Philipp nach Rom und wurde dort zum Priester geweiht. Auf dem Rückweg kam er ins Zellertal und blieb dort. Aus der Zelle des Mönchs und einer St. Michaelskapelle wurde eine gewaltige Kollegiatskirche, die in der Reformationszeit unterging. Immerhin gibt es in den Archiven Zeugnisse aus dem Mittelalter. Sein Grab ist verschollen. Aber seine Missionsidee bleibt. Gerade wenn der Glaube auf dem Land stark zurückgeht, wird es neue Impulse brauchen. Wenn am Montag, 4. Mai, 19 Uhr der Benediktiner Franziskus von Heereman OSB, Abt der Abtei Neuburg bei Heidelberg, predigt, nimmt er die monastische Linie des Philipp aus dem 8. Jahrhundert auf und fragt nach neuen Formen der Evangelisierung. Auch der Umstand, dass namentlich die Wittelsbacher Fürsten von Heidelberg den Wallfahrtsort mit der Bitte um Kindersegen aufsuchten, hat eine aktuelle Komponente. Die demographische Entwicklung mit einem enormen Rückgang der Kinderzahl macht diese Frage aktuell. Ob Philipp auch ein guter Patron gegen Diebstahl ist? Räuber, die ihm zwei Ochsen gestohlen hatten, sollen im Nebel auf der Flucht wieder ins Kloster zurückgeführt worden sein. Philipp hätte sie liebevoll empfangen. Also gab es schon bei ihm die Barmherzigkeit, die im Heiligen Jahr, das von Papst Franziskus ausgerufen wurde, die Kirche prägen soll. Die rheinhessischen Pilger, die am 4. Mai nach Zell kommen, halten sich statt an Ochsen an Hähnchen. Die gibt es nach dem Wallfahrtsamt in Mölsheim.

Markus Warsberg