Schmuckband Rad

Predigt zum 4. Sonntag in der Fastenzeit – Joh 9, 1-41

Bibelstelle Johannes 9, 1-41 (c) E. Bihler
Bibelstelle Johannes 9, 1-41
Sa 21. Mär 2020
Pfarrer Thomas Kalathil

Predigt zum 4. Sonntag in der Fastenzeit – Joh 9, 1-41

und Corona-Virus  – 22.03.2020

Pfr. Thomas Kalathil, Erbes-Büdesheim

 

„Rabbi, wer hat gesündigt?“ Diese Frage hören wir im heutigen Evangelium. Vor Jesus und seinen Jüngern steht ein kranker blinder Mensch.  Aber es gab sehr viele unterschiedliche Sichtweisen.

Einige versuchten, in dem Zustand des Blinden eine Sünde zu sehen… Das waren die Denkmuster der damaligen Menschen. Nach ihrer Interpretation ist Krankheit die Folge der Sünde, eine Strafe für die Sünde. Darum fragen sie: „Wer hat gesündigt?“

Jesus sucht hier aber keinen Sünder, sondern er sieht in diesem Blinden einen, der seine Hilfe braucht. Ein Mensch, der seine Heilung braucht.

Wir leben in einer ungewöhnlichen Situation, in einer Zeit der Krankheit: Ja, das Corona-Virus hat viele unserer Pläne durcheinander gebracht. Viele tausende Menschen sind schon daran gestorben.

Tausende von Menschen sind in Krankenhäusern in stationärer Behandlung. Viele bleiben zuhause. Die Welt ist noch etwas unsicherer geworden und man weiß nicht, wie es in den nächsten Tagen und Wochen sein wird.

In dieser Zeit der Not hört man von einigen die Frage:

„Wo ist Gott? Wo sind die Religionen? Wo ist die Kirche?

Ist das eine Strafe Gottes? …“

Manche stellen diese Fragen weil sie verzweifelt sind.

Andere wollen damit die Gläubigen verspotten.

 

Für mich klingen diese Fragen gleich wie im Evangelium:

Man sucht einen Sündenbock in dieser Situation.

Gott ist für viele daran schuld.

Oder Gott ist machtlos gegen diese Krankheit.

Das wollen sie mit ihren Fragen sagen.

Meine Lieben, dazu habe ich nur eine Antwort:

Unser Gott ist kein strafender Gott.

Unsere Krankheiten sind nicht seine Strafen.

Gott hat uns allen Vernunft gegeben, in unserer Welt verantwortungsvoll zu leben. Aber viele von uns haben das vergessen und unsere eigene Welt kreiert. Krankheiten, Katastrophen sind auch deren Folge.

Wie können wir uns in dieser Situation verhalten?

Wichtig ist, dass man zu Gott zurückkehrt. Man soll die wunderbare Ordnung Gottes in die Welt zurückbringen. (Beispiele: Nächstenliebe, Achtsamkeit zeigen…) Ja, wenn wir mit ihm gehen, wenn wir mit ihm unser Leben gestalten, dann werden wir diese Kraft bekommen um solche Situationen zu meistern.

Viele Dinge, die im Leben geschehen, sind Zeichen Gottes um unser Verhalten zu überprüfen.

Diese Krankheit ist auch ein Zeichen an uns.

Wir haben jetzt Zeit für vieles… Wir müssen uns auch für Gott jetzt Zeit nehmen. Seine Antwort hören wir in der Ruhe in den leeren Kirchen, bei einem Gebet, bei einem Spaziergang und auch in der heiligen Schrift.

Gier und Erfolg sind nicht alles… Es gibt andere Tugenden im Leben.

Bleiben wir auch in dieser Krisensituation stark.

Zeigen wir unsere menschlichen und göttlichen Seiten.

Laden wir Gott in unser Leben ein.

Bleiben wir Menschen mit Verantwortung und Vernunft.

Ja, Gott ist mit uns, auch in dieser Zeit, auch in den schlechten Zeiten.

Denn er ist der Gott, der Menschen wie Mose, Ijob, Josef und Maria, Jesus und vielen geholfen hat – sie gestärkt hat. Diese besondere Erfahrung in dieser Fastenzeit erinnert uns daran. Bleiben wir stark. Wir brauchen keinen Sündenbock, sondern einen Retter, der uns Hoffnung schenkt. Dieser Gott ist unser Heil und unsere Heilung.

Er segne uns. Amen!

 

Evangelium nach Johannes 9, 1-41

9.1. Unterwegs sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war. 2 Da fragten ihn seine Jünger: Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst oder seine Eltern, sodass er blind geboren wurde? 3 Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern die Werke Gottes sollen an ihm offenbar werden. 4 Wir müssen, solange es Tag ist, die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat; es kommt die Nacht, in der niemand mehr wirken kann. 5 Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt. 6 Als er dies gesagt hatte, spuckte er auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen 7 und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach! Das heißt übersetzt: der Gesandte. Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen. 8 Die Nachbarn und jene, die ihn früher als Bettler gesehen hatten, sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte? 9 Einige sagten: Er ist es. Andere sagten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich. Er selbst aber sagte: Ich bin es. 10 Da fragten sie ihn: Wie sind deine Augen geöffnet worden? 11 Er antwortete: Der Mann, der Jesus heißt, machte einen Teig, bestrich damit meine Augen und sagte zu mir: Geh zum Schiloach und wasch dich! Ich ging hin, wusch mich und konnte sehen. 12 Sie fragten ihn: Wo ist er? Er sagte: Ich weiß es nicht. 13 Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisäern. 14 Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte. 15 Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei. Er antwortete ihnen: Er legte mir einen Teig auf die Augen und ich wusch mich und jetzt sehe ich. 16 Einige der Pharisäer sagten: Dieser Mensch ist nicht von Gott, weil er den Sabbat nicht hält. Andere aber sagten: Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun? So entstand eine Spaltung unter ihnen. 17 Da fragten sie den Blinden noch einmal: Was sagst du selbst über ihn? Er hat doch deine Augen geöffnet. Der Mann sagte: Er ist ein Prophet. 18 Die Juden aber wollten nicht glauben, dass er blind gewesen und sehend geworden war. Daher riefen sie die Eltern des von der Blindheit Geheilten 19 und fragten sie: Ist das euer Sohn, von dem ihr sagt, dass er blind geboren wurde? Wie kommt es, dass er jetzt sieht? 20 Seine Eltern antworteten: Wir wissen, dass er unser Sohn ist und dass er blind geboren wurde. 21 Wie es kommt, dass er jetzt sieht, das wissen wir nicht. Und wer seine Augen geöffnet hat, das wissen wir auch nicht. Fragt doch ihn selbst, er ist alt genug und kann selbst für sich sprechen! 22 Das sagten seine Eltern, weil sie sich vor den Juden fürchteten; denn die Juden hatten schon beschlossen, jeden, der ihn als den Christus bekenne, aus der Synagoge auszustoßen. 23 Deswegen sagten seine Eltern: Er ist alt genug, fragt ihn selbst! 24 Da riefen die Pharisäer den Mann, der blind gewesen war, zum zweiten Mal und sagten zu ihm: Gib Gott die Ehre! Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist. 25 Er antwortete: Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht. Nur das eine weiß ich, dass ich blind war und jetzt sehe. 26 Sie fragten ihn: Was hat er mit dir gemacht? Wie hat er deine Augen geöffnet? 27 Er antwortete ihnen: Ich habe es euch bereits gesagt, aber ihr habt nicht gehört. Warum wollt ihr es noch einmal hören? Wollt etwa auch ihr seine Jünger werden? 28 Da beschimpften sie ihn: Du bist ein Jünger dieses Menschen; wir aber sind Jünger des Mose. 29 Wir wissen, dass zu Mose Gott gesprochen hat; aber von dem da wissen wir nicht, woher er kommt. 30 Der Mensch antwortete ihnen: Darin liegt ja das Erstaunliche, dass ihr nicht wisst, woher er kommt; dabei hat er doch meine Augen geöffnet. 31 Wir wissen, dass Gott Sünder nicht erhört; wer aber Gott fürchtet und seinen Willen tut, den erhört er. 32 Noch nie hat man gehört, dass jemand die Augen eines Blindgeborenen geöffnet hat. 33 Wenn dieser nicht von Gott wäre, dann hätte er gewiss nichts ausrichten können. 34 Sie entgegneten ihm: Du bist ganz und gar in Sünden geboren und du willst uns belehren? Und sie stießen ihn hinaus. 35 Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten, und als er ihn traf, sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn? 36 Da antwortete jener und sagte: Wer ist das, Herr, damit ich an ihn glaube? 37 Jesus sagte zu ihm: Du hast ihn bereits gesehen; er, der mit dir redet, ist es. 38 Er aber sagte: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder. 39 Da sprach Jesus: Um zu richten, bin ich in diese Welt gekommen: damit die nicht Sehenden sehen und die Sehenden blind werden. 40 Einige Pharisäer, die bei ihm waren, hörten dies. Und sie fragten ihn: Sind etwa auch wir blind? 41 Jesus sagte zu ihnen: Wenn ihr blind wärt, hättet ihr keine Sünde. Jetzt aber sagt ihr: Wir sehen. Darum bleibt eure Sünde.