Evangelium nach Mt 2, 1-11: Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, siehe, da kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen. Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem. Er ließ alle Hohepriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Christus geboren werden solle. Sie antworteten ihm: in Betlehem in Judäa; denn so steht es geschrieben bei dem Propheten: Du, Betlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel. Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war. Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach dem Kind; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige! Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen. Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.
Impuls
Wir alle kennen die vertraute Erzählung von den drei Weisen aus dem Morgenland. Männer, die aufbrechen, ohne alles zu wissen. Männer, die sich auf den Weg machen, weil sie einem Stern folgen – einem Zeichen Gottes.
Drei Menschen – drei Wege – drei Gaben
Die Weisen bringen drei verschiedene Gaben: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Wir wissen nicht viel über diese Männer. Vielleicht waren sie ganz unterschiedlich: Herkunft, Temperament, Glauben, Erfahrung. Vielleicht haben sie unterwegs gestritten, vielleicht diskutiert, ob der Stern wirklich der richtige Hinweis ist. Vielleicht hatten sie Zweifel: Sind wir noch auf dem Weg? Haben wir uns verirrt?
Doch trotz aller Unterschiede führt sie derselbe Stern. Und jede ihrer Gaben ist wertvoll. Denn jede Gabe erzählt etwas über das Herz dessen, der sie bringt.
Gold – das Dauerhafte
Gold steht für das, was Bestand hat. Es glänzt, hat Gewicht, ist kostbar. Es erinnert an langfristige Vorhaben, an Ziele und Werte, die uns wichtig sind – und bleiben sollen. Gold steht dafür, was ich in meine Arbeit dauerhaft einbringen möchte:
Weihrauch – das Schöne des Augenblicks
Weihrauch verbrennt nur ein einziges Mal – und doch erfüllt er alles mit seinem Duft. Er steht für das, was im Moment geschieht: pastorale Projekte, Begegnungen, Augenblicke, die anderen guttun. Weihrauch erinnert daran, dass nicht alles für die Ewigkeit sein muss, um wertvoll zu sein. Manches ist kostbar gerade weil es einzigartig, weil es vergänglich ist. Und vielleicht weckt so ein angenehmer Duft den Wunsch bei anderen, selbst etwas „Duftendes“ beizutragen:
Myrrhe – die Gabe für die Verwundeten
Myrrhe ist Salbe. Medizin. Heilmittel. Myrrhe erinnert uns daran, dass wir nicht nur Stärken haben – sondern auch Schwächen. Dass wir Bereiche haben, in denen wir Unterstützung brauchen, in denen wir scheitern, in denen wir offen und ehrlich zugeben müssen:
Die Myrrhe lädt uns ein, unsere Verletzlichkeit nicht zu verstecken – sondern zu Gott zu bringen. Denn das Kind in der Krippe ist nicht der ferne, unberührbare Gott. Es ist ein Gott, der unsere Zerbrechlichkeit teilt.
Unser Stern
Und so wie die Weisen damals einen Stern hatten, der ihnen Orientierung gab, so braucht auch unser Leben einen Stern – ein Zeichen, das uns zeigt, wohin wir gehen.
Vielleicht ist es ein Mensch. Vielleicht ein Wort, das mich begleitet. Vielleicht das stille Wissen: Gott geht mit.
Der gemeinsame Weg
Die Weisen gehen nicht allein. Gemeinsam finden sie zum Kind. Auch wir gehen als Gemeinschaft der Ehren- und Hauptamtlichen, als Gemeinde, als Kirche. Und manchmal trägt der eine den anderen. Manchmal sieht einer den Stern klarer. Manchmal zweifelt einer – und die anderen halten ihn fest. Wir bleiben nur gemeinsam auf den Weg.
Gebet: Barmherziger Gott, so bringen auch wir – wie die Weisen – unsere Gaben zu Jesus: das Dauerhafte, das Vergängliche, und das Verwundete. Und so dürfen wir gewiss sein: Jede Gabe ist wertvoll. Und wir dürfen darauf vertrauen, Du, Gott, nimmst sie alle mit Deiner Liebe an.