Mainzer Bistumsnachrichten Nr. 45

vom 5. Dezember 2018

Arbeitsmedizinischer Dienst (c) Bistum Mainz / Blum
Arbeitsmedizinischer Dienst
Mi, 5. Dez 2018
(MBN)
Tag der Diakone (c) Bistum mainz / Andrijevich
Tag der Diakone

Berichte

  • Geistlicher Tag der Diakone mit Institutio
  • Predigt von Bischof Kohlgraf beim Abendlob im Dom
  • UNESCO würdigt WELTfairÄNDERER
  • Spiel „Monster Melodies“ gewinnt Publikumspreis
  • Neuer Arbeitsmedizinischer Dienst im Bistum Mainz
  • Schwerpunkt „Teilhabe“ bei „Nachhaltig predigen"

Vorschau

  • Traditionelle Vigil in der Seminarkirche (7.12.)
  • 200. Todestag von Bischof Colmar (15.12.)

MBN vor 40 Jahren

  • Gemeinsamer Abend von Kardinal Volk und Ministerpräsident Vogel

 

Berichte

Kohlgraf: Wir sollen zu einer „lebendigen Bibel“ werden

Geistlicher Tag der Diakone mit dem Mainzer Bischof im Priesterseminar

Mainz. „Die Bibel bleibt toter Buchstabe, wenn wir nicht zur lebendigen Bibel, zum lebendigen Wort Gottes werden.“ Das sagte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf am Samstag, 1. Dezember, in seiner Predigt bei der Eucharistiefeier im Rahmen des Geistlichen Tages der Diakone im Mainzer Priesterseminar. Und weiter. „Ist uns das eigentlich klar, dass wir Gott repräsentieren als Getaufte und Gefirmte, als Lektoren, Diakone und Priester? Dass wir die Bibel glaubwürdig oder unglaubwürdig machen? Noch vor jedem gedruckten Buch sind wir die lebendige Bibel, die die Menschen lesen, so dass sie das Wort Gottes glauben oder ablehnen.“

Wörtlich sagte Kohlgraf: „Es geht darum, das Wort Gottes zu lieben, und wenn es nur wenige Stellen sind, die mich faszinieren. Und die mein Leben prägen. Vor der Priesterweihe war dies mein Primizspruch aus der Apostelgeschichte (Apg 17,28): ‚In Ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir.’ Damals stand die Entscheidung für mein Leben an: Kannst du das, willst du das? In dem Wort aus der Apostelgeschichte fand ich mein Vertrauen wieder, dass ich ein Leben lang in ihm sein werden, er mich nie verlassen wird. Ich habe mich in vielen Situationen meines Lebens dann immer wieder an dieses Versprechen erinnert. Zur Bischofsweihe habe ich mich für das Wort vom nahegekommenen Gottesreich entschieden. Auch dieses Wort enthält ein tragendes Versprechen. Gott wirkt in der Welt, in der Kirche. Die Kirche ist kein Selbstzweck, sondern Instrument des Gottesreiches, Zeichen und Werkzeug. Wenn unsere Welt Gottes Welt ist, wenn die Kirche seine Kirche ist, wird er sie nicht verlassen. Ich darf in meinem Leben dieser Gottesherrschaft dienen, mich ihm zur Verfügung stellen. Eigentlich sollte jeder so ein Wort haben, das ihm zum Lebensmotto wird. Wer sich durch einen Bibeltext zum Guten bewegen lässt, hat mehr verstanden als jeder große Theologe, der vielleicht nur über die Bibel nachdenkt.“

In der Institutio durch Bischof Kohlgraf empfingen beim Gottesdienst Matthias Görtz, Nidderau-Heldenbergen, Markus Landua, Worms, sowie Marcus Ostheimer, Schaafheim-Mosbach, die Beauftragung zu Lektoren und Akolythen. Konzelebranten waren Domkapitular Prälat Hans-Jürgen Eberhardt, Pfarrer Markus Warsberg, Bischöflicher Beauftragter für den Ständigen Diakonat, und Pfarrer Winfried Hommel, Spiritual der Diakone und Leiter des Institutes zur Geistlichen Begleitung. Weitere Mitwirkende waren der Ausbildungsreferent, Diakon Norbert Tiegel, und der Sprecher der Diakone, Diakon Wolfgang Ludwig.

Zu Beginn des Tages ging Bischof Kohlgraf bei einem Impuls in der Aula des Priesterseminars auf den Pastoralen Weg des Bistums ein. Kohlgraf machte deutlich, dass es beim Pastoralen Weg darum gehe, „die Zeichen der Zeit zuerkennen. Wir müssen uns fragen: Was ist unser Auftrag als Kirche in der heutigen Welt?“ Es wäre falsch, den Pastoralen Weg bloß als Strukturreform zu sehen, bei dem es nur um Geld und Ressourcen gehe, sagte der Bischof. Kohlgraf warb auch unter den Diakonen um Beteiligung am Pastoralen Weg. Er wies darauf hin, dass es auf Dekanatsebene jeweils ein Projektteam geben werde; dieses habe die Aufgabe, die einzelnen Themengruppen zu bündeln. Der Bischof betonte, dass eine breite Beteiligung - gerade auch von Vertretern anderer Kirchorte, die nicht zu den Territorialgemeinden gehören - erforderlich sei.

Die Diakone hatten sich seit der Diözesanversammlung intensiv mit den Überlegungen des Bischofs auseinandergesetzt. In den vier Regionalgruppen und in der Sprecherkonferenz wurden Stellungnahmen formuliert, die einen Beitrag zur Rolle des Ständigen Diakons in der künftigen Pastoral geben wollen. Die Begrüßung hatte der neue Personaldezernent, Domkapitular Prälat Hans-Jürgen Eberhardt, übernommen.

Am Nachmittag fand außerdem die Jahresversammlung der Ständigen Diakone statt, bei der die Situation in der Berufsgruppe Thema war. Diakon Ludwig sowie die Regionen-Sprecher Dr. Bernhard Dörr, Goran Andrijevic, Martin Huber und Ralf Michael Bohne und Pfarrer Warsberg nahmen dabei zu aktuellen Fragen Stellung. Der Tag endete mit einer gemeinsamen Vesper. Bei dem traditionellen Geistlichen Tag der Diakone versammeln sich die Ständigen Diakone im Bistum Mainz mit ihren Frauen, die Bewerber im Diakonatskreis (Pastoralkurs), die Interessenten am Diakonat (zum Beispiel die Teilnehmer am Würzburger Fernkurs Theologie) und die Witwen der verstorbenen Diakone.

Es gibt 135 Ständige Diakone im Bistum Mainz

Zurzeit gibt es 135 Ständige Diakone im Bistum Mainz. Davon befinden sich 48 im Ruhestand, der im Regelfall mit 65 beginnt. Neuerdings können die Seelsorger als „Diakone mit Zivilberuf“ auf Antrag bis zum 70. oder den 75. Geburtstag im Dienst bleiben. Von den 87 aktiven Ständigen Diakonen sind 24 hauptberufliche Seelsorger, 63 „Diakone mit Zivilberuf“. Zehn Diakone kommen aus anderen Diözesen oder Ordensgemeinschaften. Vier verbringen ihren Ruhestand außerhalb der Diözese. Fünf aktive Diakone haben ihren Wohnsitz in anderen Diözesen und tun ihren Dienst dort. Die meisten Ständigen Diakone sind verheiratet. Das Mindestalter für die Weihe liegt bei 35 Jahren, das Höchstalter bei 55. Voraussetzung für die Aufnahme in den Diakonatskreis (Pastoralkurs) ist ein theologischer Abschluss, in der Regel beim Fernkurs der Würzburger Domschule, sowie Bewährung in Beruf und Familie, im ehrenamtlichen Dienst in der Gemeinde und im religiösen Leben. Ein Infotag findet am 6. April 2019 statt.

tob/mw (MBN)

 

Erfolg ist keiner der Namen Gottes

Predigt von Bischof Kohlgraf zum Auftakt der Abendlob-Reihe im Mainzer Dom

Mainz. „Gott lässt sich nicht durch menschliche Machtkategorien instrumentalisieren. Wir müssen neu lernen, dass Erfolg keiner der Namen Gottes ist. Wenn Menschen ihre Machtansprüche mit Gott begründen, wird es gefährlich. Das ist ein hochaktuelles Thema.“ Das sagte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf in seiner Predigt am Sonntagabend, 2. Dezember, im Mainzer Dom. Er predigte zum Auftakt der neuen Reihe „Abendlob im Advent“ am ersten Adventssonntag. Die Predigt stand unter der Überschrift „Elija. Steh auf und iss! Sonst ist der Weg zu weit für dich (1 Kön 19,7)“. Beim Abendlob am Sonntag, 9. Dezember, um 17.00 Uhr predigt Weihbischof Bentz unter der Überschrift „Jesaja. Blinde führe ich auf Wegen, die sie nicht kennen (Jes 42,16)“.

Weiter sagte der Bischof: „Wir reden heute aus aktuellem Anlass über klerikalistische Verhaltensweisen. Wir spüren, dass jede Macht über andere Menschen mit scheinbar göttlichem Anspruch hochproblematisch ist. Auch heute neigen wir dazu, göttlichen Einfluss mit statistischem Erfolg, mit Zahlen, politischem Einfluss und pastoralen Erfolgsmeldungen zu belegen. Allerdings ist die Zeit vorbei, in der wir als Kirche auf der Welle des Erfolgs schwimmen. Die Reaktion des Elija kenne ich und kennen viele von uns. Wir setzen uns hin uns sind verzweifelt. Die Erfolgslosigkeit, die Wüstensituation muss man erst einmal akzeptieren. Wir sind Gottes Ruf gefolgt, wir haben uns in seinen Dienst gestellt, und dann bleiben die äußeren Erfolge aus. Die Zahlen gehen zurück, der Einfluss ist nicht wie erhofft, die Leute tun, was sie wollen, die Ressourcen werden weniger, und die Kirche wird angefragt und kritisiert wie wohl noch nie. In welcher Situation ist Gott dem Elija, ist Gott uns, seiner Kirche näher? Er ist immer dabei, doch er führt den Propheten auf einen Lernweg, dass der Erfolg nicht der einzige Ort seiner Gegenwart ist.“

Kohlgraf ging auch auf den anstehenden Pastoralen Weg im Bistum Mainz ein: „Nach einer langen Zeit scheinbarer Sicherheiten sehen wir, dass vieles nicht mehr tragfähig ist. Wir können uns wie Elija hinsetzen und uns bedauern. Helfen tut dies nicht, auch wenn es verständlich ist. Wir müssen weitergehen mit der Nahrung, die er uns gibt. Und die haben wir im Gepäck: sein Wort, seine Sakramente, seine Verheißungen und die Gemeinschaft der Glaubenden, in der er gegenwärtig bleibt. Wir werden den Weg nicht gehen können, wenn wir diese Nahrung nicht stärker zu schätzen lernen. Wir müssen wie Elija Gott selbst als Nahrung neu entdecken, das Du, die Leidenschaft für ihn. Worüber diskutieren wir? Über Strukturen, über Geld, über Gewohnheiten und vieles andere. Unsere Leidenschaft muss Gott selbst werden. Wenn wir ihn nicht zu unserem Thema machen, sind alle weiteren Debatten überflüssig. Geld und Gebäude, Gewohnheiten und menschliche Sicherheiten können nicht wichtiger sein als die Frage nach dem Gott, den wir zu bezeugen haben. Ich wünsche mir, dass uns das im Bistum gelingt, sonst unterscheiden wir uns nicht von den Götzendienern, gegen die Elija zu Felde gezogen ist. Auf dem Weg brauchen wir die Höhle, die Erfahrung eines bergenden Gottes. Unser Weg darf nicht nur von Aktionen und Diskussionen geprägt sein, sondern es muss Glaubenserfahrungen geben, in denen wir uns diese bergende Nähe Gottes schenken lassen. Wir sollen einander stützen und tragen, bergen und behüten.“

tob (MBN)

 

Deutsche UNESCO-Kommission würdigt WELTfairÄNDERER

Bildungsangebot des Jugendamtes als herausragende Bildungsinitiativen ausgezeichnet

Bonn. Unter dem Motto „Ausgezeichnet“ haben Staatssekretär Christian Luft vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission (DUK) Professorin Dr. Maria Böhmer, 32 Lernorte, 43 Netzwerke und sechs Kommunen für ihr herausragendes Engagement für Bildung für nachhaltige Entwicklung prämiert. Bei der Veranstaltung am Donnerstag, 28. November, in Bonn wurde auch das Netzwerk „Werde WELTfairÄNDERER“ ausgezeichnet. In diesem Netzwerk sind alle (Erz-)Bistümer zusammengeschlossen, die das aufsuchende Bildungsformat anbieten. Die Idee dazu stammt aus dem Bistum Mainz und hat sich in Trägerschaft des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Mainz und des Bischöflichen Jugendamtes (BJA) seit 2010 entwickelt. Mittlerweile gibt es fünf weiteren (Erz-)Bistümer, die sich daran beteiligen und aus christlicher Überzeugung in der Bildung für nachhaltige Entwicklung engagieren.

Unter dem Motto „Das Wenige, das du tun kannst, ist viel“ (Albert Schweitzer) sensibilisiert und motiviert das Bildungsformat Kinder, Jugendliche und jungen Erwachsenen im Kontext der Bildung für nachhaltige Entwicklung für das wichtige Thema der Schöpfungsbewahrung und der sozialen Gerechtigkeit in der eigenen Lebenswelt. In Workshops, mobilen Ausstellungen und in Unterrichtseinheiten werden die verschiedenen Aspekte der Bildung zur nachhaltigen Entwicklung (BNE) spielerisch, erlebnis- und erfahrungsorientiert vermittelt und gemeinsam nach konkreten Handlungsoptionen gesucht. „Die Veränderungskraft jedes Einzelnen ist größer als man denkt. „In jeder Schülerin und jedem Schüler steckt ein WELTfairÄNDERER. Dieses Potential wollen wir vermitteln und dazu ermutigen, in der je eigenen Lebenswelt aktiv zu werden“, sagt Anna Ditschler, eine der vielen ehrenamtlichen Teamer, die die Wochen an den Schulen durchführen.

Das Potential und die Verstetigung des aufsuchenden Bildungsformates, an dem über die Jahre hinweg in den verschiedenen (Erz-)Bistümern in Summe schon über 50 Aktionswochen durchgeführt und über 35.000 Schülerinnen und Schüler erreicht werden konnten, würdigt erneut auch das BMBF und die Deutsche UNESCO-Kommission, die das Bildungsangebot als Netzwerk auszeichnet. In der Begründung schreibt die Jury: „Die WELTfairÄNDERER sind ein Netzwerk bestehend aus haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden, welches sich der Vernetzung von Menschen, die in den Bistümern in der Schularbeit tätig sind, verschrieben hat. Die WELTfairÄNDERER sind ein hervorragendes Beispiel dafür, wie man von einem Projekt zu einem strukturell verankerten Netzwerk bei der Umsetzung von BNE im Weltaktionsprogramm gelangen kann. Die Möglichkeiten der Partizipation der jugendlichen Beteiligten, innerhalb der Planung und Gestaltung von Aktionswochen, sind besonders hervorzuheben.“

Auch der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf zeigte sich erfreut über die Auszeichnung: „Ich freue mich mit den jungen WELTfairÄNDERERN, dass ihr Engagement für die Bewahrung der Schöpfung und der Einsatz für eine nachhaltige Entwicklung auch von der deutschen UNESCO-Kommission gewürdigt wird. Es ist wichtig, dass wir uns als Kirche in diesem Bereich engagieren - und es ist besonders schön, wenn dies, wie bei den WELTfairÄNDERERN, in so erfrischenden und motivierenden Art geschieht.“

Seit 2016 zeichnen das BMBF und die DUK einmal im Jahr im Rahmen der nationalen Umsetzung des UNESCO-Weltaktionsprogramms Bildung für nachhaltige Entwicklung Bildungsinitiativen aus. Die Auswahl trifft eine Jury bestehend aus Mitgliedern der Nationalen Plattform BNE sowie Vertretern des BMBF, der Freien Universität Berlin und der DUK. Neben Lerninhalt, Methoden und Lernprozessen richten die ausgezeichneten Akteure ihr gesamtes Handeln auf BNE aus. Sie orientieren auch die eigene Bewirtschaftung an Prinzipien der Nachhaltigkeit. Somit tragen sie dazu bei, BNE strukturell in der deutschen Bildungslandschaft zu verankern. Als offizieller Beitrag zum Weltaktionsprogramm stellen sie sich ab sofort auf der Internetseite des BNE-Portals vor und profitieren vom Austausch mit anderen Akteuren in einem breiten Wissens- und Praxisnetzwerk. Darüber hinaus stehen die Freie Universität Berlin und die DUK den Initiativen bei Fragen zu der Weiterentwicklung beratend zur Seite.

Hinweis: Weitere Informationen unter www.bne-portal.de/auszeichnungen und www.bmbf.de/bne sowie www.weltfairaenderer.de

PM (MBN)

 

„Monster Melodies“ gewinnt Publikumspreis

Martinus-Bibliothek am Kulturhackathon „Coding da Vinci Rhein-Main 2018“ beteiligt

Mainz. Das Projekt „Monster Melodies“ mit Daten der Martinus-Bibliothek hat den Publikumspreis beim Kulturhackathon „Coding da Vinci Rhein-Main 2018“ gewonnen. Die Projektpräsentation und die Preisverleihung fanden am Samstag, 1. Dezember, im Landesmuseum Mainz statt. Im Rahmen des Kulturhackathons hatten verschiedene Kulturinstitutionen aus dem Rhein-Main-Gebiet, darunter auch die Martinus-Bibliothek, Kulturdaten öffentlich zur Verfügung gestellt. Aus diesen Daten konnten die beteiligten Teams innerhalb von fünf Wochen kreative Software entwickeln.

Zum Team des Projektes „Monster Melodies“ gehörten Felix Werthschulte, Annett Gesierich und Christian Binz. Von Seiten der Martinus-Bibliothek war Martina Pauly an dem Projekt beteiligt. Die Martinus-Bibliothek stellte für das Projekt aus verschiedenen Bibeln den Datensatz „Monster und Drachen“ zur Verfügung. Bei „Monster Melodies“ handelt es sich um ein Online-Spiel, bei dem Monster durch Melodien des Darmstädter Hofkapellmeisters Christoph Graupner, deren Notenmanuskripte die Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt zur Verfügung stellte, besänftigt werden.

Hinweis: Das Spiel kann unter  https://monstermelodies.netlify.com mit den Internetbrowsern Firefox, Safari, Chrome ausprobiert werden.

PM/am (MBN)

 

Neuer Arbeitsmedizinischer Dienst im Bistum zum 1. Januar 2019

BAD Gesundheitsvorsorge und Sicherheitstechnik aus Wiesbaden vorgestellt

Mainz. Der Mainzer Generalvikar, Weihbischof Dr. Udo Markus Bentz, hat bei einem Treffen am Dienstag, 4. Dezember, im Bischöflichen Ordinariat Mainz gemeinsam mit dem Leiter der Stabsstelle Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, Oberverwaltungsrat Christian Döhren, den neuen Arbeitsmedizinischen Dienst für das Bistum Mainz begrüßt. Die Mitarbeiter der BAD Gesundheitsvorsorge und Sicherheitstechnik GmbH sind künftig Ansprechpartner für das Bischöfliche Ordinariat inklusive seiner Außenstellen, Schulen, Bildungs- und Tagungshäuser und diözesanen Einrichtungen, den Kirchengemeinden und deren Zusammenschlüsse einschließlich der Kindertagesstätten, die Bischöfliche Dotation mit der Dombauhütte und das Bischöfliche Priesterseminar.

Der BAD ist damit beauftragt, auf den Erhalt und die Förderung der Gesundheit der Beschäftigten hinzuwirken. In diesem Rahmen unterstützt er die Verantwortungsträger bei allen Fragen des Gesundheitsschutzes und untersucht, beurteilt und berät die Beschäftigten arbeitsmedizinisch.

Von Seiten der BAD Gesundheitsvorsorge und Sicherheitstechnik GmbH nahmen an dem Treffen teil: Dr. Claudia Krause, Regionalleitung Wiesbaden, Sabrina Tartler, Vertriebsbeauftragte Kundenmanagement, Christine Spika, Koordinatorin für das Bistum Mainz, und Ruth Arnold, Assistenz der Koordinatorin.

tob (MBN)

 

Neue Reihe von „Nachhaltig predigen“

Ökumenisches Projekt zum Kirchenjahr 2018/2019

Mainz. Mit dem neuen Kirchenjahr 2018/2019, das am ersten Advent begonnen hat, startet eine neue Reihe der ökumenischen Predigtanregungen „Nachhaltig predigen“, an dem auch das Bistum Mainz beteiligt ist. Die Angebote des seit dem Jahr 2005 laufenden Projektes sind über die Internetadresse www.nachhaltig-predigen.de verfügbar. Die Predigtanregungen orientieren sich an der katholischen Leseordnung bzw. der evangelischen Perikopenordnung für die Sonn- und Feiertage. Ergänzend zu den Predigtanregungen wird in diesem Jahr als Schwerpunktthema „Teilhabe“ erarbeitet. An der Internetplattform www.nachhaltig-predigen.de beteiligen sich 25 Bistümer und Landeskirchen, darunter die beiden Zürcher Kantonalkirchen und zwei Diözesen der Anglikanischen Kirche.

Hinweis: www.nachhaltig-predigen.de

am/PM (MBN)

 

Vorschau

Vigil in der Seminarkirche (7.12.)

Kooperation zwischen Fakultät, Priesterseminar und Kirchenmusik

Mainz. Unter der Überschrift „Tröstet, tröstet mein Volk“ findet am Freitag, 7. Dezember, von 19.00 bis 21.30 Uhr in der Mainzer Augustinerkirche die traditionelle Vigil zum Vorabend des Seminarfeiertags statt. Dieser nächtliche, nur bei Kerzenschein gefeierte Gottesdienst, der als Kooperation zwischen Katholisch-Theologischer Fakultät, Priesterseminar und der Kirchenmusik an den Ausbildungsstätten gefeiert wird, widmet sich in seinen langen biblischen Lesungen in diesem Jahr einem Teil des Buches Jesaja (Kapitel 40 bis 55). Immer wieder steht dabei die Heilzusage Gottes, eben der Trost für das Volk, im Zentrum. Selten bietet sich sonst die Gelegenheit, einen längeren biblischen Text am Stück in eindrücklicher Atmosphäre zu hören.

Eine Besonderheit stellt in diesem Jahr die Tatsache dar, dass die Akteure der Vigil von der Jerusalemer Dormitio-Abtei ins Heilige Land eingeladen wurden, um dort und in Tabgha „Musik und Gesang für den Frieden“ erklingen zu lassen. Die 40 Mitwirkenden sind über das erste Adventswochenende - gefördert durch das Auswärtige Amt - nach Israel geflogen. Die einstudierten Motetten (Schütz bis Near) werden dann noch einmal in der Mainzer Vigil erklingen.

PM (MBN)

 

Retter des Mainzer Domes

Vor 200 Jahren starb erster Bischof des Bistums Mainz, Joseph Ludwig Colmar (15.12.)

Mainz. Er war der erster Bischof von Mainz nach dem Ende des Mainzer Erzbistums. Und er war der Retter der bereits zum Abriss frei gegebenen Dome in Mainz und Speyer: Joseph Ludwig Colmar (1760-1818). Sein Todestag am 15. Dezember jährt sich 2018 zum 200. Mal. Colmar wurde am 22. Juni 1760 im elsässischen Straßburg geboren, wo er auch seine theologische Ausbildung erhielt; am 20. Dezember 1783 wurde er zum Priester geweiht und wirkte anschließend als Lehrer am königlichen Kolleg in Straßburg, zudem übernahm er die Stelle eines Vikars. 1791, es war die Zeit der revolutionären Schreckensherrschaft, verweigerte er den Eid auf die Zivilverfassung des Klerus und musste unter Lebensgefahr im Untergrund seinem priesterlichen Beruf nachgehen. Von 1799 bis 1802 war Colmar dann Domprediger in Straßburg.

Napoleon Bonaparte ernannte Colmar 1802 zum Bischof des neuen neugegründeten Bistums Mainz: am 24. August wurde er in Paris zum Bischof geweiht und am 3. Oktober in Mainz-St. Peter in sein Amt eingeführt. Das damalige linksrheinische französische Bistum Mainz lag im Gebiet des Departements „Donnersberg“ und bestand aus Teilen des ehemaligen Erzbistums Mainz und der ehemaligen Bistümer Worms, Speyer und Metz. Die Situation der Diözese war prekär: Der Mainzer Dom war ein Magazin, ein Priesterseminar existierte nicht, die Klöster waren geleert, die Pfarreien in materieller Not. Gleichzeitig stieß der neue Bischof auf Ablehnung: Er kam nicht wie die früheren Mainzer Erzbischöfe aus dem hohen Adel und galt als „Günstling Napoleons“. Trotzdem sei es Colmar zu verdanken, „dass dieses neue Bistum nicht ein hoffnungsloser Fall blieb“, urteilte der frühere Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, über ihn.

Einer der ersten Erfolge Colmars als Bischof war die Rettung der Dome in Mainz und später in Speyer; auch das Priesterseminar wurde neu gegründet. Zudem strukturierte und organisierte er die Diözese Mainz neu, unternahm zahlreiche Visitationsreisen und förderte feierliche Gottesdienste, Bruderschaften und Wallfahrten, um das religiöse Leben wiederzubeleben; zudem war Colmar sozial engagiert - zeitlebens kümmerte er sich um kranke Menschen. Am 15. Dezember 1818 stirbt Colmar an einer Lungenentzündung; seine Grabplatte befindet sich im Mittelgang des Mainzer Doms. „Er hat den Grund gelegt für die Welle der Erneuerung, die von Mainz aus das katholische Deutschland ergriff. Sein Wirken war der Beginn einer Bewegung, deren Fortgang und Sieg er nicht mehr erlebt hat. Freund und Feind sind sich darüber einig, dass von Bischof Colmar, vom Mainz des Bischofs Colmar, die katholische Erneuerung in Deutschland ihren Ausgang nahm“, würdigte Professor Dr. Georg May Colmar in einem Vortrag im Jahr 2010. Der Mainzer Kirchenrechtler hat die Publikation „Bischof Joseph Ludwig Colmar (1760-1818) als Seelsorger“ veröffentlicht.

Hinweis: Georg May: Bischof Joseph Ludwig Colmar (1760-1818) als Seelsorger. Erschienen in der Reihe Mainzer Perspektiven. (Aus der Geschichte des Bistums, Band 5; herausgegeben von Barbara Nichtweiß.) Bistum Mainz Publikationen, Mainz 2010. 104 Seiten, fünf Euro. ISBN 978-3-934450-44-8. Erhältlich ist das Buch im Infoladen des Bistums Mainz, Heiliggrabgasse 8 (Ecke Augustinerstraße), 55116 Mainz, Telefon: 06131/253-888, Internet: www.bistum-mainz.de/infoladen, E-Mail: infoladen@bistum-mainz.de

am (MBN)

 

MBN vor 40 Jahren

Unter der Überschrift „Kirche wirkt Staatsverdrossenheit entgegen“ berichten die Bistumsnachrichten über einen gemeinsamen Abend von Kardinal Volk und Ministerpräsident Vogel: „Mit dem Bischof von Mainz, Kardinal Hermann Volk, und dem rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten, Dr. Bernhard Vogel, hatte der katholische Kontakt-Club-Mainz (KCM) am Dienstagabend, 5. Dezember, zu einer Diskussion des Verhältnisses von ‚Staat und Kirche’ ebenso prominente wie sachkundige Referenten gewonnen. Anlass, dieses Thema zu erörtern, war das zehnjährige Bestehen des Katholischen Büros Mainz, Kommissariat der Bischöfe in Rheinland-Pfalz bei der Landesregierung. Prälat Roland Ries, der Leiter des Katholischen Büros, ist Mitbegründer und Mitorganisator des seit Jahren allmonatlich tagenden Kontakt-Clubs, in dem sich Mainzer Politiker, Journalisten und Kirchenmänner zu freiem Meinungsaustausch treffen. Ries galt denn auch der Dank der Versammlung und der Referenten. Thema, Referenten und Anlass des ‚Dezember-Clubs’ hatten zahlreiche Vertreter des öffentlichen Lebens in Mainz versammelt, darunter die Generalvikare der fünf im Lande vertretenen (Erz-)Bistümer Köln, Limburg. Mainz, Speyer und Trier.

Ministerpräsident Dr. Vogel wies zur Bestimmung des Verhältnisses Staat - Kirche in der Bundesrepublik darauf hin, dass die religiöse Freiheit verfassungsrechtlich gewährleistet und, speziell in Rheinland-Pfalz, von vornherein positiv fixiert ist: ‚Im Bewusstsein der Verantwortung vor Gott ...’ beginnt die Landesverfassung, ‚hat sich das Volk von Rheinland-Pfalz diese Verfassung gegeben’. Vogel demonstrierte an den 1962 mit der evangelischen Kirche und 1969 mit dem Heiligen Stuhl abgeschlossenen Staat-Kirche-Verträgen wie in Rheinland-Pfalz die Grundlagen für ein partnerschaftliches Miteinander und einen fairen Interessenausgleich ausgebaut worden sind. In diesem Zusammenhang dankte Vogel dem Katholischen Büro für seine entscheidende Mitwirkung bei dem Kirchenvertrag und mehreren Gesetzen und appellierte an die Kirche, die Grundwerte-Debatte fortzusetzen, weil der weltanschaulich neutrale Staat nicht wertneutral sein dürfe. Er rief außerdem die freien gesellschaftlichen Kräfte, nicht zuletzt die Kirche, auf, die staatlich nicht besetzten Freiräume mit eigenen Initiativen auszufüllen. Nur deren großes Engagement könne ein zu starkes Vordringen des Staates verhindern.

Kardinal Volk begründete die Notwendigkeit der Partnerschaft von Kirche und Staat mit ‚demselben Menschen’, um den sich beide Institutionen zu kümmern hätten. Der Staat sei auf einen Bestand von allgemein anerkannten Gesetzen und Regeln, von Verhaltensweisen und Ordnungselementen angewiesen, die gar nicht leicht immer vom Staat selbst her zu begründen seien. Hier habe die Kirche eine Aufgabe. Ihre Aufgabe sei nicht nur jenseits der Aufgaben des Staates, sondern sie ‚anerkenne auch ausdrücklich die Aufgabe des Staates und verpflichte ihre Mitglieder, ihre Aufgaben als Bürger des Staates zu erfüllen. Die Kirche wirke einer Staatsverdrossenheit entgegen. Hier habe sie eine wesentliche Aufgabe. Am Beispiel der ‚dauernden Schulreformen’ und der Neuregelung des Paragraphen 218 StGb machte Kardinal Volk ebenso die Veränderungen im Bewusstsein und in der Wertauffassung der Menschen deutlich, wie die zunehmenden Eingriffe des Staates, der normative Vorstellungen zu schaffen versuche. In dieser Situation müsse sich der Christ bewusst sein, dass der Staat nicht sein Gewissen ersetze. Da das Menschenbild der Menschen heute immer weiter auseinandergehe, werde politisches Handeln immer schwieriger und trotz des zunehmenden Gewichtes des Staates sei nicht zu übersehen, dass der Staat selbst die Grundfrage des Menschen, die Sinnfrage, nicht beantworten könne. Für die Kirche gehe es dabei nicht nur um sie selbst, sondern auch ganz unabdingbar und unmittelbar um ihren Beitrag zur Konsolidierung der menschlichen Gesellschaft. Zunehmende Macht des Menschen erfordere zunehmende Selbstdisziplin. In dieser Situation sei es nicht Sache der Kirche, Kassandrarufe auszustoßen; sondern dem Menschen Ordnungsbilder zu vermitteln, und dies nicht nur um des individuellen Heiles willen, sondern als einen wesentlichen Beitrag der Kirche in der Wirklichkeit der Menschheit und der Welt überhaupt.“

Im Vorfeld seines 75. Geburtstages ist Kardinal Hermann Volk mit dem Großkreuz des Malteser-Ordens ausgezeichnet worden. Die MBN schreiben dazu: „Das Großkreuz ‚pro piis meritis’ (zu deutsch: ‚Für fromme Verdienste’) verlieh der Malteser-Ritterorden Kardinal Hermann Volk in einer Feierstunde, die am 6. Dezember in Mainz stattfand. Mit dieser Ehrung, die im Auftrag der ‚Regierung des Souveränen Malteserordens’ durch Dr. Johannes Prinz zu Löwenstein-Wertheim vorgenommen wurde, würdigte der Orden die Verdienste des Mainzer Bischofs um den Aufbau des Malteser-Hilfsdienstes (MHD) in der Diözese Mainz. Seit Aufnahme seiner Arbeit im Jahre 1962 - im selben Jahr war Hermann Volk zum Bischof von Mainz ernannt worden - konnte der MHD auch im Bereich dieses Bistums zur zweitgrößten Hilfsorganisation aufsteigen.

Was Kardinal Volk von der Ehrung hält, formulierte er in seiner spontanen Antwort auf die Laudatio des Prinzen: ‚Das für mich Bestürzende ist, dass ich meine, den Fahrern des MHD, den ehrenamtlichen Helfern, gebührt eigentlich sowas eher als mir: Denn die Arbeit des Alltags machen ja andere als ich; der allergrößte Teil dieser Arbeit wird ehrenamtlich getan.’“

Eine zentrale Schulsportanlage für die Mainzer Schulen in kirchlicher Trägerschaft regte der stellvertretende Vorsitzende des Bundesarbeitskreises ‚Kirche und Sport’ in der katholischen Kirche Deutschlands, Professor Dr. Egon Rösch, Mainz, an. In einem Schreiben an das Bischöfliche Ordinariat, die Direktoren und die Elternbeiräte dieser Schulen schlug er vor, die Sportstätten im katholischen Jugendwerk am Fort Gonsenheim dazu auszubauen. Den mehr als 5.000 Schülern an diesen Schulen stünden nur fünf eigene, kleinere Turnhallen zur Verfügung, die zum Teil sehr schlecht mit Sportgeräten ausgestattet seien. Ausweichmöglichkeiten seien nur wenig vorhanden.“

Mainzer Bistumsnachrichten Nr. 32 vom 7. Dezember 1978

 

Die Leiterin der Bischöflichen Pressestelle, Ruth Baron, hat im Vorfeld des 75. Geburtstages von Kardinal Hermann Volk eine kleine Anekdotensammlung über den Mainzer Bischof veröffentlicht. Wir dokumentieren den vollständigen Text mit der Überschrift „Kardinal Hermann Volk - wie ihn die Menschen auch erleben“: „Zehn Jahre ist es her, dass Fernsehjournalisten auf die Idee kamen, den Alltag eines Bischofs zu verfolgen. Sie wollten ihren Zuschauern zeigen, was ein solcher Mann tut, wenn er nicht in der Kirche predigt oder in den Gemeinden firmt. Denn das konnten alle miterleben. Aber sonst? Sie wollten also einen ganzen Tag mit der Kamera den Bischof von Mainz, Hermann Volk, begleiten. Es war gar nicht so leicht, ihn zu diesem Experiment zu überreden. Als es dann noch hieß: ‚Wir beginnen mit der Morgenmesse in der Hauskapelle’, wehrte er ab: ‚Was denken die Gläubigen, wenn ich mich selbst beim Beten fotografieren lasse?’ Die Entgegnung eines Journalisten: ‚Aber ein Bischof muss den Tag doch mit dem Gebet beginnen’, machte ihn nachdenklich. So durfte die Kamera ihn bis zur Kapellentür begleiten, ein Schwenk über die Kapelle. Schnitt. Gebetet hat er allein.

Es ist kennzeichnend für den Menschen, den Priester, Theologieprofessor, Bischof und Kardinal Volk, dass er zuhört, die Argumente des anderen aufnimmt, überlegt und abwägt. Sind sie sachlich richtig und begründet, folgt er ihnen soweit er kann, ohne seinen eigenen, reiflich überlegten Standpunkt aufzugeben. Diese Erfahrung haben viele Menschen gemacht, denen er in seinem 75-jährigen Leben begegnet ist. Und sie kam für viele unerwartet.

‚Ich will hören, was sie auf dem Herzen haben und nicht selbst reden’, leitete er denn auch das stundenlange Gespräch mit Betriebsräten aus dem Bistum im Ketteler-Jubiläumsjahr ein. Und diese packten aus vor ihrem Bischof, fassten jedes ‚heiße Eisen’ an. Und er frug nur, wenn ihm etwas unklar war.

Vor seiner Fahrt nach Rom zu seinem ersten Konklave, das nach dem Tod Papst Pauls VI. den Nachfolger zu wählen hatte, erhielt ein Journalist bei einem Interview auf seine Frage, ob nicht auch er, Kardinal Volk, Papst werden könnte, die schmunzelnde Antwort: ‚Niemand in der Welt denkt daran, mich zum Papst und damit zum Bischof von Rom wählen zu wollen. Ich kann noch nicht einmal Italienisch. Und mein Latein? Es gäbe viele rote Korrekturtinte in meinen lateinischen Manuskripten.’ Die Antwort war ohne Koketterie und Eitelkeit, sie war einfach wahr und humorvoll. So reagierte er auch auf den ‚Kardinalfehler’, der im Domjubiläumsjahr den deutschen Blätterwald rauschen ließ: Der Computer hatte ihm ein Kind und damit die falsche Steuerklasse zugeschrieben, eine Verwechslung mit einem Familienvater gleichen Namens. Es wurde in der Fastnachtszeit ruchbar, und wer hätte da in Mainz nicht seinen Spaß daran. Kinder sind für ihn nicht ein abstrakter Begriff. Kardinal Volk hat acht Neffen und Nichten und zehn Großneffen und -nichten. Schlagfertig ist er auch sonst: Als eine Sekretärin eine Weinflasche aufzumachen beginnt, bezweifelt er, dass sie das könne. Sie, eine Rheinhessin, entgegnet, sie sei mit Wein getauft. ‚Ob diese Taufe auch gültig ist?’, frug er tiefernst.

Der Bischof hatte sich in seiner Behörde, dem Bischöflichen Ordinariat, zu einem Gespräch verabredet. Als die Gesprächspartnerin etwas atemlos, aber mit dem Glockenschlag pünktlich eintraf, war der ‚Chef’ schon da. Sie entschuldigte sich beschämt und bekam die Antwort: ‚Ich war unhöflich, denn ich war zu früh.’ Es ist die Höflichkeit des Herzens, Zwillingsschwester des Humors, die ihm die Herzen der Menschen gewinnt. Wie viele Briefe beatwortet er nachts am Schreibtisch eigenhändig, zusätzliche Belastung für ihn, kostbares Skriptum für den Empfänger.

In seine ersten Bischofsjahre fällt eine andere Begebenheit. Als Gäste des Kultusministeriums war eine Gruppe von südamerikanischen Lehrern in Mainz, alle katholisch, alle gewerkschaftlich organisiert. Sie baten darum, den Bischof besuchen und sprechen zu dürfen. Der Termin kam überraschend, war kaum unterzubringen. Sprachliche Schwierigkeiten verstärkten wegen der Übersetzungsnotwendigkeit die zeitliche Enge, die auch für die Besucher bestand. Es wurde möglich gemacht, die Weingläser schon während der Reden gefüllt, damit noch schnell angestoßen werden konnte. Ein Helfer stand wartend mit dem Tablett voller Gläser. Der Bischof nahm es ihm ab: ‚Ich bediene meine Gäste selbst.’ Das hatten die Südamerikaner noch nicht erlebt. Die knappe Zeit wurde weit überschritten. Die Begegnung mit Menschen lässt den Terminkalender vergessen.

Der Premiere des ‚Großen Welttheaters’ im Mainzer Dom während des Jubiläumsjahres folgte eine Premierenfeier auf Einladung des Kardinals für die Schauspieler. Es war ein langer und heißer Tag gewesen, dieser große Festsonntag, mit vielen Kardinälen und Bischöfen als Gäste, von denen einige im Bischofshaus übernachteten. Der Kardinal brachte sie nach der Vorstellung nachhause und kam gegen Mitternacht wieder zurück zur Feier. Dort entwickelte er in einer fast einstündigen Rede den Schauspielern seine Gedanken zur Aufführung und zur Thematik des Stückes. Ihr Kommentar: ‚Wir haben jetzt erst richtig begriffen, was wir gespielt haben.’ Wen wundert’s? Soll doch die längste Rede, die Kardinal Volk je gehalten hat - drei Stunden - vor langen Jahren der Einführung in Paul Claudels ‚Seidenen Schuh’ gegolten haben. Und heute erinnert er sich noch gerne daran, dass er als Kaplan ‚Das Große Welttheater’ aufführungsreif einstudiert hatte und dann - vor der Premiere - versetzt wurde.

Und noch viel früher während einer Dogmatik-Vorlesung des Professors Volk an der Universität Münster: Er erinnerte sich an eine Schulstunde als junger Pfarrer, in der er den Kindern die Herrlichkeit des Himmels in allen leuchtenden Farben ausmalte. Da zeigte - so der Professor - ein Junge plötzlich heftig auf und fragte mit ganz ernstem Gesicht: ‚Kann man im Himmel auch Fußball spielen?’ Die Entschiedenheit der Frage machte deutlich: Für einen Himmel ohne Fußball hätte er kaum ein müdes Lächeln übrig. Was sollte ich antworten? Ich habe ihm gesagt: ‚Ich bin sicher, dass du Fußball spielen kannst, wenn du es willst. Aber ich bin nicht sicher, dass du dann noch Fußball spielen willst.’ Er war sicher, dass er spielen wollte. Kunst und Schwierigkeit der Verkündigung in der Praxis, welcher Priester wollte sie leugnen!

Als ein Journalist Bischof Volk während der Konzilszeit mit der Frage überfiel: ‚Bitte sagen Sie mir die Ergebnisse des Konzils in zwei Minuten’, reagierte er: ‚Mann Gottes, die Ergebnisse von drei Jahren Arbeit in zwei Minuten? Sind Sie noch zu retten?’ Und doch gab es während einer Konzilspause in Mainz ein erstes Pressegespräch, lud er, vom Konzil heimgekehrt, Journalisten zu sich nach Hause ein, fanden von dieser Zeit an regelmäßige Pressegespräche zum Tag der Massenmedien statt, war er als erster Kirchenmann Gast der Mainzer Landespressekonferenz und bald ein viel gesuchter und oft gefundener Partner für Interviews in Presse, Rundfunk und Fernsehen, deren Redaktionen er auch besuchte. Der verstorbene Erzbischof von Paderborn, Kardinal Jaeger, sagte einmal von seinem Kollegen Volk: ‚Er zählt zu den wenigen, von denen es in einem Spruch der Väter heißt: Wer ist weise? Der von allen Menschen lernt.’

Und wer ist gütig, könnte man weiter fragen? Der bereit ist zu helfen, sich mit dem Herzen engagiert, schnell sich ein Bild macht und zupackt. Bei seinen wochenlangen Firm- und Visitationsreisen durch die Pfarrgemeinden seines Bistums spricht der Bischof nicht nur mit den Gläubigen dort. Er geht durch die Fabrikhallen und die Kindergärten, besucht Schulen, Altenheime und Haftanstalten, erfährt von den Sorgen der Ausländer ebenso wie von den Nöten der sozialen Randgruppen, von den Müttern, die nicht wissen, wie sie ihre Kinder großziehen können. ‚Sie haben eine Heimat in der Kirche, die über Staatsgrenzen verbindet’, versichert er den Aussiedlern im Flüchtlingslager. Der Witwe eines verunglückten Türken überweist er 2.000 D-Mark. Er schreibt an die Caritas internationalis in Rom und an den Nuntius in der Bundesrepublik mit der Bitte, bei der Zusammenführung eines jungen polnischen Ehepaares zu helfen. Er setzt sich für die Freilassung von politischen Häftlingen und die Begnadigung von Todeskandidaten ein. Und er versucht zu trösten, als bei dem Explosionsunglück auf dem spanischen Campingplatz die Menschen sterben: ‚Das ist unser aller Alltag: Wir sind dem Ereignishaften ausgesetzt. Aber darin besteht die Erlösung als Befreiung: Nicht Befreiung von dem Ereignishaften - das unser Leben ist - aber von der zerstörerischen Übermacht des Ereignishaften. Jesus Christus ist Bild und Ursache dieser Befreiung. Erst wenn der Sohn euch frei macht, seid ihr wahrhaft frei.’“

Mainzer Bistumsnachrichten Nr. 32 vom 7. Dezember 1978

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