Mainzer Bistumsnachrichten Nr. 38

Mainz, 3. November 2019: Eröffneten die Solidaritätsaktion des Bonifatiuswerkes (v.l.n.r.): Heinz Paus vom Bonifatiuswerk, Gundula Gause, Erzbischof James Patrick Green, Bischof Peter Kohlgraf, Monsignore Georg Austen, Staatsminister Konrad Wolf, Ulrich Franke vom Bonifatiuswerk und Kardinal Anders Arborelius. (c) Bistum Mainz / Blum
Mainz, 3. November 2019: Eröffneten die Solidaritätsaktion des Bonifatiuswerkes (v.l.n.r.): Heinz Paus vom Bonifatiuswerk, Gundula Gause, Erzbischof James Patrick Green, Bischof Peter Kohlgraf, Monsignore Georg Austen, Staatsminister Konrad Wolf, Ulrich Franke vom Bonifatiuswerk und Kardinal Anders Arborelius.
Mi 6. Nov 2019
am (MBN)

Weitere Bilder zu den MBN Nr. 38/2019 in der Bildergalerie am Ende der Seite.

Vorschau

  • Kohlgraf ruft zur Teilnahme an PGR-Wahlen auf
  • Segnung der COJ-Räume im Priesterseminar (8.11.)
  • Vortrag zu 24/7 Gebet in Mainz-Bretzenheim (19.11.)
  • „Bewegter“ Gottesdienst in Nierstein (24.11.)

Berichte

  • Solidaritätsaktion des Bonifatiuswerkes in Mainz eröffnet        
  • Predigt von Bischof Kohlgraf zu Allerseelen

 

Vorschau

„Gehen Sie zur Wahl“ (9. & 10.11.)

Bischof Peter Kohlgraf ruft zur Teilnahme an den Pfarrgemeinderatswahlen auf

Mainz. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat zur Teilnahme an den Pfarrgemeinderatswahlen in den Pfarreien des Bistums Mainz am Samstag, 9., und Sonntag, 10. November, aufgerufen. „Gehen Sie am 9. und 10. November 2019 zur Wahl. Nur so erhalten die neuen Pfarrgemeinderäte den Rückhalt aus der Gemeinde, den sie für ihre wertvolle Arbeit benötigen. Schon jetzt danke ich Ihnen allen für Ihr lebendiges Zeugnis und Ihre Bereitschaft zur Mitgestaltung der Kirche heute und morgen im Bistum Mainz“, schreibt Kohlgraf in seinem Grußwort zur diesjährigen Pfarrgemeinderatswahl (PGR-Wahl). Im Bistum Mainz sind rund 650.000 Katholikinnen und Katholiken aufgerufen, an die Wahlurnen zu gehen.

Der Bischof würdigt zudem das Motto der Wahl „Kirche gemeinsam gestalten“. Er schreibt: „Das Motto der diesjährigen trifft genau, worauf es in den nächsten Jahren ankommt. Es geht darum, Frauen und Männer zu finden, denen die Kirche am Herzen liegt, die im Pfarrgemeinderat gerne Verantwortung für ihre Kirche übernehmen wollen, und die Freude daran haben, Kirche vor Ort zu gestalten.“ Und weiter: „Vielfältige Begabungen und Fähigkeiten werden in Zukunft notwendig sein, damit Kirche in der Welt von heute und für die Menschen sichtbar und spürbar wird. Pfarrgemeinderäte geben der Kirche ein Gesicht und eine Stimme. Wir brauchen Gestalterinnen und Gestalter und Visionärinnen und Visionäre, die mit anderen Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen beraten, wo der Weg der Kirche geleitet vom Heiligen Geist hinführen kann.“

Zum 14. Mal Pfarrgemeinderatswahlen

Rund 2.700 Kandidatinnen und Kandidaten haben sich für die Pfarrgemeinderatswahlen im Bistum Mainz aufstellen lassen. Aufgabe der Laien-Gremien ist es, das Leben der Pfarreien mitzugestalten. Gewählt wird in 320 Pfarreien und Filialen sowie 18 muttersprachlichen Gemeinden. Allgemeine Briefwahl führen rund 80 Prozent der Pfarreien durch. Bei diesem Wahlverfahren werden jedem Wahlberechtigten die Unterlagen für die Briefwahl nach Hause zugestellt. Dieses Verfahren hat zu einer Erhöhung der Wahlbeteiligung geführt.

Von allen Pfarreien und Filialen werden 150 Pfarreien zudem Gesamtpfarrgemeinderäte wählen, insgesamt werden es 60 Gesamtpfarrgemeinderäte sein. Mit etwa 60 Prozent stellen die Frauen die Mehrheit der Kandidatinnen und Kandidaten. Wie bereits in den vergangenen Jahren findet die Wahl an einem gemeinsamen Termin mit den benachbarten Diözesen Fulda und Limburg statt. Im Jahr 2015 hatten sich rund 16,6 Prozent der Katholikinnen und Katholiken an den Pfarrgemeinderatswahlen beteiligt. Erstmals gibt es im Bistum Mainz die Möglichkeit, dass Jugendvertreterinnen und Jugendvertreter durch eine eigene Jugendversammlung direkt in den Pfarrgemeinderat gewählt werden können.

Wahlabend im Rechenzentrum (10.11.)

Anlässlich der Pfarrgemeinderatswahlen im Bistum Mainz wird die Diözese bereits am Sonntagabend, 10. November, ein vorläufiges Endergebnis der Wahl vorlegen können. Im Rechenzentrum des Bischöflichen Ordinariates am Bischofsplatz in Mainz werden ab 16.00 Uhr die Ergebnisse aus den einzelnen Gemeinden per Telefon, E-Mail oder Telefax erfasst. Ulrich Janson von der Diözesanstelle für Pfarrgemeinde-, Seelsorge- und Dekanatsräte rechnet mit einem ersten verlässlichen Trend ab 20.00 Uhr. Das vorläufige Endergebnis wird gegen 22.00 Uhr erwartet. Die Ergebnisse sind - laufend aktualisiert - außerdem über die Internetseite www.pfarrgemeinderatswahlen.de online verfügbar. Die Pfarrgemeinden informieren das Bischöfliche Ordinariat nicht nur über das Wahlergebnis, sondern auch über die Wahlbeteiligung, die Altersstruktur der Gewählten sowie über den Anteil von Frauen und Männern in den neu gewählten Pfarrgemeinderäten.

Stichwort: Pfarrgemeinderat

Entstanden ist der Pfarrgemeinderat als Gremium der Laien nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965). Die Mitverantwortung aller Gemeindemitglieder für die Sendung der Kirche ist Leitidee des Gremiums. Die Räte sollen das Leben in den Gemeinden mitgestalten und Sorge für die Gemeindemitglieder tragen. Eine weitere wichtige Aufgabe ist die Beratung des Pfarrers in pastoralen Fragen. In den Statuten des Bistums Mainz heißt es dazu: „Aufgabe des Pfarrgemeinderates ist es, die gemeinsame Sendung aller Glieder der Pfarrgemeinde darzustellen. Im Pfarrgemeinderat sollen sich Pfarrer und Laien über die Angelegenheiten der Gemeinde informieren, gemeinsam darüber beraten und gemeinsame Beschlüsse fassen.“

Nach einem Beschluss der Würzburger Synode im Jahr 1975 sind in Deutschland Pfarr-gemeinderäte in jeder Gemeinde verbindlich vorgeschrieben. Je nach Größe der Gemein-de werden zwischen drei und elf Mitglieder direkt in den Pfarrgemeinderat gewählt. Außerdem kann der Rat weitere Mitglieder (bis zu einem Drittel der festgelegten Mitglieder-zahl) hinzuwählen. Kraft ihres Amtes gehören unter anderen Pfarrer, Diakone, sowie Pastoral- und Gemeindereferenten dem Pfarrgemeinderat an. Im Bistum Mainz fanden 1968 die ersten Pfarrgemeinderatswahlen statt. Das 50-jährige Jubiläum wurde 2018 im Bistum Mainz mit einer großen Sternwallfahrt zum Mainzer Dom begangen.

Hinweis: Diözesanstelle für Pfarrgemeinde-, Seelsorge- und Dekanatsräte, Bischöfliches Ordinariat Mainz, Postfach 1560, 55005 Mainz, Telefon: 06131/253-201, E-Mail: pgr@bistum-mainz.de, Internet: www.pfarrgemeinderatswahlen.de

am (MBN)

 

Einweihung mit Bischof Kohlgraf (8.11.)

Sieben Frauen und ein Mann haben ein COJ beim Bistum Mainz begonnen

Mainz. Am Freitag, 8. November, wird der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf die Räumlichkeiten des Christlichen Orientierungsjahres (COJ) einweihen. Die Feier beginnt um 7.00 Uhr mit einem Gottesdienst in der Augustinerkirche/Seminarkirche (Augustinerstraße 34, 55116 Mainz), anschließend segnet Kohlgraf die Räume, die sich im Mainzer Priesterseminar befinden. Zum 1. September haben sieben Frauen und ein Mann das neue Angebot das Bistums Mainz wahrgenommen. 

Hinweis: www.coj-mainz.de

am (MBN)     

                                                                                                   

„24/7 Gebet in einer Pfarrei“ (19.11.)

Vortrag von David Craig und Dekan Bernd Hasse in Mainz-St. Bernhard

Mainz-Bretzenheim. „24/7 Gebet in einer Pfarrei. Das geht?!“ heißt ein Vortrag von David Craig aus den USA und Dekan Bernhard Hesse aus Kempten/Bayern am Dienstag, 19. November, um 19.30 Uhr im Gemeindezentrum der Pfarrei St. Bernhard (Hans Böckler-Straße 19) in Mainz-Bretzenheim. Die Referenten werden „von ihren Erfahrungen mit dem Gebet rund um die Uhr, Tag und Nacht, 365 Tage im Jahr in ganz normalen Pfarrgemeinden“ berichten, wie es in der Ankündigung heißt. Laut Internetseite der Pfarrgruppe Zaybachtal soll die Kapelle der Heiligen Familie (Bahnstraße 32) „ein Ort werden, an dem Gott angebetet wird - Tag und Nacht - 365 Tage im Jahr“.

Hinweis: www.pfarrgruppe-zaybachtal.de

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„Mach Dich fertig“ (24.11.)

„Bewegter“ Gottesdienst in der Rundsporthalle Nierstein

Nierstein. Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) im Dekanat Mainz-Süd bietet am Sonntag, 24. November, eine besondere Art Gottesdienst an. Unter dem Motto „Mach Dich fertig“ findet um 18.00 Uhr in der Rundsporthalle Nierstein (Roßbergstraße 2-16) ein „bewegter“ Gottesdienst statt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden gebeten, bequeme Kleidung anzuziehen und Hallenturnschuhe mitzubringen.

Hinweis: Weitere Informationen im Internet unter www.bdkj-mainz-sued.de oder bei Facebook unter „kjz mainz-süd“.

am (MBN) 

Berichte

Bundesweite Solidaritätsaktion des Bonifatiuswerkes in Mainz eröffnet

Gottesdienst im Mainzer Dom / Verleihung des Bonifatiuspreises im Erbacher Hof

Mainz. Das Bonifatiuswerk und das Bistum Mainz haben am Sonntag, 3. November, die bundesweite Diaspora-Aktion der katholischen Kirche eröffnet. Mit Blick auf die zunehmende Entchristlichung der Gesellschaft sagte der Generalsekretär des Hilfswerkes, Monsignore Georg Austen, beim Eröffnungsgottesdienst in Mainz: „Hinaus aus dem Schneckenhaus ist das Gebot der Stunde für uns als Christen. Durch Taufe und Firmung sind wir befähigt und beauftragt, mit unseren Fertigkeiten und Gaben die Frohe Botschaft in die Gesellschaft zu tragen und am Aufbau des Reiches Gottes mitzuwirken. Auch wenn wir als Christen zahlenmäßig weniger werden, so leisten viele Gläubige wertvolle Arbeit für das gesamte Gemeinwesen.“ Während des anschließenden Festaktes – moderiert von ZDF-Nachrichtensprecherin Gundula Gause – wurde der „Bonifatiuspreis für missionarisches Handeln in Deutschland“ verliehen.

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf – der mit zehn Bischöfen aus Nordeuropa und dem Baltikum den Festgottesdienst zelebrierte – rief in seiner Predigt dazu auf, dem Vorbild des Heiligen Bonifatius zu folgen. Jeder Christ müsse sich mutig zu seinem Glauben bekennen und ihn anderen vorschlagen. Mit Bezug auf das Leitwort der Diaspora-Aktion „Werde Glaubensstifter“ sagte Bischof Kohlgraf: „Der heilige Bonifatius sei uns Motivation und Leitfigur: eine pilgernde Kirche zu bleiben, eine weltweite Gemeinschaft mit einer glaubwürdigen Lebensgestalt.“

Die Diaspora-Aktion ist eine bundesweite Solidaritätsaktion der katholischen Kirche. Dabei sammelt das Bonifatiuswerk für Katholiken die in Deutschland, Nordeuropa und dem Baltikum in der Minderheit leben. Die Aktion endet am Sonntag, 17. November, mit dem Diaspora-Sonntag. Im vergangenen Jahr wurden 2,2 Millionen Euro gespendet. Im Namen des Heiligen Stuhls dankte der Apostolische Nuntius in Nordeuropa, Erzbischof James Patrick Green, für die Unterstützung durch das Bonifatiuswerk. „Ohne diese Hilfe wäre die wirksame Verkündigung der Frohen Botschaft in den nordischen Ländern fast unmöglich.“

Glückwünsche zum 170. Jubiläum des Bonifatiuswerkes und Dankesworte für die seitdem geleistete Arbeit übermittelten der schwedische Kardinal Anders Arborelius und der rheinlandpfälzische Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur, Professor Dr. Konrad Wolf. Das Laienhilfswerk wurde am 4. Oktober 1849 als „Missionsverein für Deutschland“ während des dritten Katholikentages in Regensburg gegründet.

Bonifatiuspreis für missionarisches Handeln in Deutschland 

In Mainz wurde auch der Bonifatiuspreis verliehen. Damit würdigt das Bonifatiuswerk alle drei Jahre den Einsatz von Menschen, die in ihren Gemeinden, Schulen, Verbänden, Orden und Institutionen den Glauben in engagierter Weise weitergeben. Eingegangen waren 220 Bewerbungen aus allen 27 deutschen Diözesen. „Mit dem Bonifatiuspreis ehren wir Glaubensimpulse, die dazu anregen, selbst aktiv und kreativ zu werden. Die eingereichten Projekte zeigen, dass in Deutschland trotz aller gesellschaftlicher Skepsis vielfältige missionarische Aufbrüche möglich sind und auch geschehen“, sagte Bonifatiuswerk-Präsident Heinz Paus.

1. Platz Bonifatiuspreis

Mit dem ersten Platz wurde das Projekt „One Minute Homilies“ der Deutschen Provinz der Jesuiten in Berlin im Erzbistum Berlin ausgezeichnet. Die Jesuiten veröffentlichen jede Woche eine Mini-Predigt in den Sozialen Medien, in der sie das Evangelium des Tages in nur einer Minute erklären. Mit ihren Videos erreichen sie bis zu 2.500 Nutzer. Ihr Ziel ist es, auch Menschen zu erreichen, die nur selten in eine Kirche gehen, aber grundsätzlich auf der Suche nach spirituellen Impulsen sind.

2. Platz Bonifatiuspreis

Auf dem zweiten Platz landete die Liebfrauengemeinde in Kiel mit dem Projekt „Café unterm Kirchturm und Postshop“. Neben Besinnungstagen, Gottesdiensten und Meditationsgebeten lädt die Gemeinde mit einem Café und einer Poststelle dazu ein, sich über den Glauben auszutauschen. Auf diese Weise möchte die Gemeinde der Kirche ein konkretes und einladendes Gesicht geben und auch Nichtchristen ansprechen.

3. Platz Bonifatiuspreis

Das Kinderzeltlager der Pfarrgruppe Alzeyer Hügelland im Bistum Mainz erhielt für seinen „Escape-Room“ den dritten Preis. Während der letzten 72-Stunden-Aktion wurden Kirche und Pfarrhaus der Gemeinde in einen Escape-Room verwandelt. Aufgabe war es, ein an die „Hochzeit zu Kana“ angelehntes Rätsel zu lösen. Menschen, die nur wenig Bezug zu Bibel haben, wurden so mit Glaubensinhalten in Berührung gebracht.

Sonderpreis

Den Sonderpreis erhielt das St. Benno-Gymnasium Dresden im Bistum Dresden-Meißen. Seit 25 Jahren werden dort Jugendliche durch den „Komm-und-sieh-Kurs“ in ihrer Identitätssuche und ihrer religiösen Identitätsbildung unterstützt. Der Kurs umfasst Exerzitien im Alltag, regelmäßige Gruppentreffen und eine neuntägige Fahrt nach Assisi.

Preisgeld und Jury

Der im Jahr 2006 von Prälat Erich Läufer gestiftete Bonifatiuspreis stand in diesem Jahr unter dem Motto „Abenteuer Glaube. Entdecker gesucht“. Der erste Preis ist mit 3.000, der zweite mit 2.000, der dritte mit 1.000 Euro und der Sonderpreis mit 800 Euro dotiert. Jurymitglied und ZDF-Moderatorin Gundula Gause zeigte sich von der Kreativität der eingereichten Projekte beeindruckt. Für sie selbst sei der Glaube fester Bestandteil ihres Alltags und gehöre zu ihrem Koordinatensystem, sagte sie zu ihrer Motivation in der Jury mitzuwirken.

Der Jury gehörten auch die Bundesministerin Julia Klöckner, der Bischof Kohlgraf, die BDKJ-Bundesvorsitzende Lisi Maier, die Franziskanerin Schwester Maria Magdalena Jardin, Prälat Erich Läufer und der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes Georg Austen an.

PM (MBN)

 

Kohlgraf: Die Grundfarbe des christlichen ‚Jenseits’ ist hell

Gottesdienst an Allerseelen im Mainzer Dom mit Gang zu den Bischofsgräbern

Mainz. „Das Bewusstsein dafür, dass unsere Verstorbenen unseres Gebetes bedürfen, ist weitgehend verschwunden. Allerdings gehören die Vorstellung einer Läuterung nach dem Tod und der Glaube an ein persönliches Gericht über das Leben durch Christus weiterhin zu den zentralen Inhalten unseres christlichen Glaubens.“ Das sagte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf beim Allerseelen-Gottesdienst am Samstagmorgen, 2. November. Weiter betonte Kohlgraf: „Christus ist nicht gekommen, um zu richten, sondern um zu retten. Die Grundfarbe des christlichen ‚Jenseits’ ist hell. Das berechtigt uns, auch für unsere Toten nicht in Angst zu beten, sondern in dem Vertrauen, dass sie gerettet sind.“  

Der Glaube an ein Gericht sei „unverzichtbar, wenn wir an eine letztgültige Liebe glauben, die den Armen und den Opfern der Geschichte, sowie auch den Tätern von Unrecht und Verbrechen Gerechtigkeit und Recht verschaffen wird“, sagte der Bischof. Und weiter: „Der Mensch ist verantwortlich für sein Tun, im Letzten kann er weder die Gesellschaft noch die äußeren Umstände, noch seine Gene für sein Tun verantwortlich machen. Gott richtet die Gedanken und Regungen der Herzen. Nur wenn der Mensch frei ist, wenn er verantwortlich ist, ist die Rede von einem letzten Gericht sinnvoll. Ja, ich bin jemandem verantwortlich. Allerdings jemandem, der mich retten, nicht richten will.“  

Neuere Ansätze in der Theologie zum Gericht

Bischof Kohlgraf verwies auf neuere Ansätze in der Theologie zum Gericht: „Im Tod begegne ich Christus, ich erkenne ihn, wie er ist: ganz Liebe und Zuwendung. Das wird eine unbeschreibliche Erfahrung sein. Wer aber auf eine solche Liebe trifft, der erkennt in einem Augenblick, wie wenig oder wie viel er oder sie selbst dieser Liebe in seinem Leben entsprochen hat. Gericht ist also Selbsterkenntnis des Menschen, die sehr schmerzlich sein kann. Das hilft mir, die Rede vom Gericht ernst zu nehmen, aber mir nicht Christus als einen Richter vorzustellen, der über mir thront, und mich und mein Leben von oben herab behandelt.“

Weiter sagte Kohlgraf: „Diese Begegnung mit dem liebenden Gott ist auch Läuterung. Selbsterkenntnis kann wehtun. Fegefeuer, Läuterung ist kein Ort, den Gott erfunden hat, um Menschen zu quälen, sondern es ist eine Begegnung, ein Akt der Selbsterkenntnis und Veränderung. Wenn wir für Verstorbene beten, begleiten wir sie in diesem Geschehen. Unser Gebet wird schon ankommen, aber es muss nicht einen zornigen Richter gnädig stimmen, sondern wir tragen den Menschen, der uns voraus gegangen ist, mit unserem Gebet, wir stärken ihn, und bleiben ihm verbunden. Niemand geht allein in diese Begegnung mit Christus, wir begleiten unsere Verstorbenen.“

Mit dem Gottesdienst im Mainzer Dom wurde der verstorbenen Mainzer Bischöfe und Mitglieder des Domstiftes gedacht. Nach der Eucharistiefeier ging Kohlgraf gemeinsam mit den Konzelebranten und den Gläubigen zu den Gräbern der Bischöfe im Mainzer Dom. Dabei besprengte Bischof Kohlgraf jedes Grab mit Weihwasser. An jedem Grabstein war außerdem eine Kerze aufgestellt. Die Prozession führte vom Westchor über den Mittelgang des Domes auf den Domfriedhof, in die Memorie, in die Bischofsgruft unter dem Hauptaltar und die Gotthard-Kapelle. Die Gräber im nördlichen Seitenschiff sind aktuell wegen der Baustelle für die neue Domorgel nicht zugänglich. Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst durch die Männerstimmen der Chöre am Dom unter Leitung von Domkapellmeister Professor Karsten Storck sowie Domorganist Professor Daniel Beckmann an der Orgel.

An Allerheiligen (1. November) ehrt die Kirche nicht nur alle offiziell heiliggesprochenen Menschen, sondern auch die Menschen, die ein christliches Leben geführt haben, ohne dass ihre Lebensführung einer größeren Öffentlichkeit bekannt geworden ist. Allerheiligen ist zunächst kein Tag des Totengedächtnisses, sondern feiert das neue Leben, das die Heiligen führen und das allen Christen verheißen ist. Vielfach ist der Tag durch den Gang zu den Gräbern von Angehörigen geprägt. Der Allerseelentag am 2. November gilt dem Gedächtnis der Verstorbenen.

tob (MBN)

Bilder zu den MBN Nr. 38/2019

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