Mainzer Bistumsnachrichten Nr. 1

Mainz, 18. Dezember 2019: Eine Gruppe von Pfadfinderinnen und Pfadfindern hat das Friedenslicht aus Bethlehem zu Bischof Peter Kohlgraf ins Mainzer Bischofshaus gebracht. (c) Bistum Mainz / Blum
Mainz, 18. Dezember 2019: Eine Gruppe von Pfadfinderinnen und Pfadfindern hat das Friedenslicht aus Bethlehem zu Bischof Peter Kohlgraf ins Mainzer Bischofshaus gebracht.
Mi 8. Jan 2020
am (MBN)

Weiteres Bild zu den MBN Nr. 1/2020 in einer Bildergalerie am Ende dieser Seite.

Berichte

  • Friedenslicht für Bischof Peter Kohlgraf
  • Tausende von Sternsingern im Bistum unterwegs

Vorschau

  • Weihbischof Bentz im Heiligen Land (11.-15.1.)

Personalie

  • Regina Freisberg wird neue Diözesancaritasdirektorin

Dokumentationen

  • Predigt zum Jahresschluss
  • Kohlgraf predigte an Weihnachten
  • Bentz predigte in der Christmette

Terminvorschau 2020

  • Aktualisierte Terminvorschau für das Jahr 2020

Berichte

Friedenslicht für Bischof Kohlgraf

Pfadfinder brachten das Licht aus Bethlehem ins Mainzer Bischofshaus

Mainz. Eine Gruppe von Pfadfinderinnen und Pfadfindern hat das Friedenslicht aus Bethlehem am Mittwoch, 18. Dezember, ins Mainzer Bischofshaus gebracht. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf nahm das Licht im Bischofshaus entgegen und dankte den Pfadfindern für ihren Einsatz. Angeführt wurde die Mainzer Gruppe von Pfadfindern der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) und der Pfadfinderinnenschaft St. Georg (PSG) von Kurat Daniel Kretsch und dem Mainzer Diözesanjugendseelsorger Mathias Berger.

Seit 1994 tragen die deutschen Pfadfinderverbände im Advent das Licht aus der Geburtsgrotte in Bethlehem als Zeichen des Friedens in Gemeinden, Familien und zu Prominenten. In diesem Jahr steht die Aktion unter dem Motto „Mut zum Frieden“. Getragen wird die Aktion Friedenslicht unter anderem von der DPSG, PSG und dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Die Aussendungsfeier mit dem Mainzer Weihbischof und Generalvikar, Dr. Udo Markus Bentz, hatte am dritten Adventssonntag im Mainzer Dom stattgefunden. Am Montag hatten die Pfadfinder das Friedenslicht bereits in die Mainzer Staatskanzlei zu Ministerpräsidentin Malu Dreyer gebracht.

tob (MBN)

 

Segen bringen - Segen sein

Im Bistum Mainz sind zum Jahreswechsel wieder tausende Sternsinger unterwegs

Mainz. Unter dem Leitwort „Segen bringen, Segen sein. Frieden! Im Libanon und weltweit“ steht in den Tagen um den 6. Januar 2020 die 62. bundesweite Aktion Dreikönigssingen. Sie wird getragen vom Aachener Kindermissionswerk und dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Aus dem Bistum Mainz werden sich auch in diesem Jahr wieder viele tausend Kinder und Jugendliche beteiligen. Eröffnet wird die Aktion Dreikönigssingen am Samstag, 28. Dezember, in Osnabrück. Im Mittelpunkt der aktuellen Aktion Dreikönigssingen steht das Thema „Frieden“; das Beispielland ist in diesem Jahr der Libanon. 

Der Mainzer Weihbischof und Generalvikar  Dr. Udo Markus Bentz feiert am Samstag, 28. Dezember, um 14.00 Uhr in der katholischen Kirche Christkönig in Wölfersheim einen Aussendungsgottesdienst für die Sternsinger der oberhessischen Dekanate; der Gottesdienst findet im Rahmen eines Sternsingertages in der Wetterauhalle in Wölfersheim statt.

Sternsinger aus dem Bistum Mainz bei Merkel, Bouffier und Dreyer

Zum Empfang der Sternsinger bei Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin am Dienstag, 7. Januar 2020, um 10.00 Uhr werden Sternsinger aus der katholischen Pfarrgemeinde Liebfrauen aus Nidda (Dekanat Wetterau-Ost) das Bistum Mainz vertreten. Sternsinger aus dem Bistum Mainz werden auch wieder vom hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier und von der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer empfangen.

In die Staatskanzlei nach Mainz sind am Donnerstag, 9. Januar 2020, um 15.00 Uhr Gruppen aus den rheinland-pfälzischen Bistümern Limburg, Mainz, Speyer und Trier eingeladen – aus dem Bistum Mainz kommt eine Gruppe aus Mariä Himmelfahrt in Mainz-Weisenau sowie Sternsingerinnen und Sternsinger aus der Pfarrei Mainz-St. Peter. In die hessische Staatskanzlei in Wiesbaden kommen am Mittwoch, 15. Januar 2020, um 10.00 Uhr Sternsingergruppen aus den Bistümern Limburg, Fulda und Mainz – aus dem Bistum Mainz kommt eine Gruppe aus der ökumenischen Zentrum in Darmstadt-Kranichstein.

Im Jahr 2019 wurden im Bistum Mainz rund 1,66 Millionen Euro gesammelt

Seit ihrem Start 1959 hat sich die Aktion zur weltweit größten Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder entwickelt. Bei der Aktion 2018/2019 hatten die Mädchen und Jungen rund 50,24 Millionen Euro gesammelt. Rund 300.000 Mädchen und Jungen sowie rund 90.000 Begleiter hatten sich in 10.226 Pfarrgemeinden, Schulen und Kindergärten beteiligt. 1.832 Projekte für Not leidende Kinder in weltweit 111 Ländern konnten die Sternsinger 2018 unterstützen. Im Bistum Mainz sammelten 314 Sternsinger-Gruppen rund um den Jahreswechsel 2018/2019 rund 1,66 Millionen Euro.

Mit den Mitteln fördert die Aktion Dreikönigssingen weltweit Projekte in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Pastoral, Ernährung, soziale Integration und Rehabilitation sowie Nothilfe. Auch in diesem Jahr werden die Mädchen und Jungen – verkleidet als Heilige Drei Könige - den Segen „C + M + B * 2019“ in die Häuser bringen – die Buchstaben C, M und B stehen für die lateinischen Worte „Christus mansionem benedicat“ – „Christus segne dieses Haus“. Im Dezember 2015 war das „Sternsingen“ in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden.

Hinweis: Weitere Informationen zur Aktion Dreikönigssingen im Bistum Mainz auf der Internetseite http://sternsinger.bistummainz.de sowie unter www.sternsinger.de 

am (MBN)

 

Vorschau

20. Internationales Bischofstreffen im Heiligen Land (11.-15.1.)

Mainzer Weihbischof Dr. Udo Markus Bentz vertritt die Deutsche Bischofskonferenz

Bonn/Mainz. Das 20. Internationale Bischofstreffen im Heiligen Land findet vom 11. bis 15. Januar 2020 statt. 13 Bischöfe aus zehn europäischen und nordamerikanischen Bischofskonferenzen werden daran teilnehmen. Die Deutsche Bischofskonferenz wird durch den Vorsitzenden der Arbeitsgruppe Naher und Mittlerer Osten der Kommission Weltkirche, Weihbischof Dr. Udo Markus Bentz (Mainz), vertreten.

Die jährlich stattfindenden Bischofstreffen haben das Ziel, die Verbundenheit der Weltkirche mit den Christen im Heiligen Land zum Ausdruck zu bringen und internationale Aufmerksamkeit für die Situation der Kirchen in der Region herzustellen. Darüber hinaus sollen Möglichkeiten der Verständigung zwischen Israelis und Palästinensern erörtert werden.

Das diesjährige Treffen setzt den Fokus auf die Situation in Gaza, Ramallah, Jerusalem und Bethanien. Im vergangenen Jahrzehnt ist die Bischofsgruppe während ihrer Konferenzen einer Reihe von Konfliktsituationen im Heiligen Land begegnet. Die Ergebnisse der Analysen wurden in die Öffentlichkeit und in den politischen Dialog mit den eigenen Regierungen eingebracht. Beim Treffen ab dem kommenden Wochenende soll geprüft werden, wie sich einzelne Orte und Dimensionen des israelisch-palästinensischen Konflikts seither entwickelt haben und wie die von Unrecht Betroffenen besser unterstützt werden können.

Die Bischöfe werden sich deshalb erneut mit der humanitären Situation im Gazastreifen, der prekären Lage von Palästinensern in der Jerusalemer Altstadt und dem Siedlungsbau im Westjordanland auseinandersetzen. Beim Besuch der Comboni-Schwestern in Bethanien sollen die konkreten Folgen der Grenzanlagen für das kirchliche Leben in der Region untersucht werden.

Des Weiteren werden vor Ort Herausforderungen von Bildung und Ausbildung thematisiert. Vor dem Hintergrund der steten Konfliktlage und Abwanderung von arabischen Christen aus dem Heiligen Land und dem zeitgleichen Zuzug katholischer Migranten vor allem aus dem asiatischen Raum nach Israel ist der Bildungssektor gefragt, den Menschen neue Perspektiven zu eröffnen. Gerade die Ordensgemeinschaften leisten hier seit vielen Jahrzehnten eine für den israelischen und palästinensischen Staat unverzichtbare Aufgabe und zwar vom Kindergarten an über höhere Schulen bis hin zu Berufsausbildung und Universität.

Das 20. Internationale Bischofstreffen beginnt in Gaza mit einem Besuch der dortigen katholischen Pfarrei und Gesprächen in christlichen Familien. In Jerusalem stehen Gespräche mit dem Apostolischen Administrator des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem, Erzbischof Pierbattista Pizzaballa, sowie weiteren Kirchenvertretern und Jugendorganisationen auf dem Programm. In Ramallah sind eine Begegnung mit Präsident Mahmoud Abbas und der Besuch einer lateinischen Schule vorgesehen.

An der Konferenz werden neben Weihbischof Dr. Udo Markus Bentz folgende Bischöfe teilnehmen: Erzbischof Timothy Brogio (Militärseelsorge der Bischofskonferenz der USA); Bischof em. Pierre Bürcher (Rejkjavik, Skandinavische Bischofskonferenz); Bischof Rodolfo Cetoloni (Grosseto, Italienische Bischofskonferenz); Erzbischof Richard Gagnon (Winnipeg, Kanadische Bischofskonferenz); Weihbischof Nicholas Hudson (London, Bischofskonferenz von England und Wales); Weihbischof William Kenney CP (Birmingham, Bischofskonferenz von England und Wales); Bischof Declan Lang (Clifton, Bischofskonferenz von England und Wales); Bischof Alan McGuckian (Raphoe, Irische Bischofskonferenz); Bischof William Nolan (Galloway, Schottische Bischofskonferenz); Bischof Marc Stenger (Troyes, Französische Bischofskonferenz); Bischof Noel Treanor (Down and Connor, Irische Bischofskonferenz) und Erzbischof Joan Enric Vives Sicilia (Urgell, Spanische Bischofskonferenz). Darüber hinaus werden Repräsentanten des Rats der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) vertreten sein.

Das Internationale Bischofstreffen verfolgt das Ziel, Christen und Kirchen im Heiligen Land in ihrem Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Verständigung zwischen den Völkern und Religionsgemeinschaften zu stärken und die Verbindung der Weltkirche mit ihnen zu festigen. Die Bischöfe besuchen während ihres Treffens als Pilger die Heiligen Stätten im Land und feiern dort Gottesdienste. So sollen auch die Gläubigen in ihren Heimatländern zu Pilgerreisen ermutigt werden.

SDBK (MBN)

 

Personalie

Regina Freisberg wird neue Diözesancaritasdirektorin in Mainz

Expertin für Kinder- und Jugendhilfe wird Nachfolgerin von Thomas Domnick

Mainz. Regina Freisberg wird neue Mainzer Diözesancaritasdirektorin. Wie der Auf-sichtsrat des Caritasverbands für die Diözese Mainz am Mittwoch, 18. Dezember, mitgeteilt hat, tritt die 56-Jährige zum 1. März 2020 die Nachfolge von Thomas Domnick an. Dieser war als Geschäftsführer zum Theresien Kinder- und Jugendhilfezentrum in Offenbach gewechselt. Freisberg leitet zurzeit das Jugendhilfezentrum Bernardshof in Mayen.

„Wir freuen uns sehr, mit Regina Freisberg nicht nur eine erfahrene Führungskraft, sondern auch eine ausgewiesene Expertin der Kinder- und Jugendhilfe gewonnen zu haben“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende, Weihbischof Dr. Udo Markus Bentz. „Als langjährige Leitung eines Jugendhilfezentrums ist Regina Freisberg ganz nah dran an der alltäglichen Arbeit unserer Mitglieder. Ich bin überzeugt, dass sie für die Caritas im Bistum Mainz wertvolle Impulse setzen wird.“

Nicola Adick, Dezernentin für Caritas und Soziale Arbeit und Diözesancaritasdirektorin im Bistum Mainz, sagte: „Ich freue mich darauf, gemeinsam Herausforderungen anzugehen, etwa die sozialpolitische Interessensvertretung für Menschen am Rande unserer Gesellschaft.“ Sie freue sich sehr auf die „spannende, herausfordernde Aufgabe“, sagte die Diplom-Sozialpädagogin und studierte Soziologin Freisberg. „Ich werde mein Fachwissen und meine Erfahrung einbringen, um die Zukunft der Caritas im Bistum Mainz gemeinsam mit Nicola Adick zu gestalten.“

Regina Freisberg wurde am 6. Januar 1963 in Neuwied geboren. Nach einer Ausbil-dung zur Bäckereifachverkäuferin, Fachabitur und einem Auslandsaufenthalt in Ecuador erwarb sie an den Fachhochschulen Koblenz und Köln ein Diplom in Sozialpädagogik, absolvierte im Anschluss noch einen Magisterstudiengang Soziologie an der Universität Bonn. Nach einer Tätigkeit als Dozentin und Organisationsberaterin leitete sie von 1996 bis Ende 2001 als Verbandsgeschäftsführerin den Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) e.V. in Münster i.W. Anfang 2002 wechselte sie als Direktorin zum Jugendhilfezentrum Bernardshof in Mayen. Freisberg ist Mitglied des Vorstandes katholischer Schulen in Rheinland-Pfalz und Mitglied im Beirat der Versicherer im Raum der Kirchen. In ihrer Freizeit schätzt Regina Freisberg das Pilgern, Wandern, Reisen, Lesen bzw. Hörbücher sowie alte und moderne Architektur.

PM (MBN)

 

Dokumentationen

Mit Vertrauen in die Zukunft von Gesellschaft und Kirche

Predigt von Bischof Peter Kohlgraf im Mainzer Dom zum Jahresschluss

Mainz. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat an Silvester, 31. Dezember, im Mainzer Dom einen Gottesdienst zum Jahresschluss gefeiert. Im Folgenden dokumentieren wir den Wortlaut seiner Predigt:

„Lobpreiset all zu dieser Zeit, wo Sonn und Jahr sich wendet“ - so heißt es in einem Lied zum Jahreswechsel (GL 258). Tatsächlich berührt ein Jahreswechsel viele Menschen auch emotional. Sie schauen zurück und gehen mit mehr oder weniger optimistischen Gefühlen in das neue Jahr. Am Ende eines Jahres schauen wir zurück: Vielleicht war es ein gutes Jahr mit schönen Begegnungen, vielleicht hat sich manches gut entwickelt. Kinder sind in die Familie hineingeboren worden, Menschen haben sich gefunden, beruflich sind wir weiter gekommen. Dann gilt es Danke zu sagen, auch für die alltäglichen Lebensbedingungen, die wir oft für selbstverständlich halten. Vielleicht mussten wir uns aber auch von lieben Menschen verabschieden, und die Trauer hält uns gefangen, es lief nicht alles rund, manches ist nicht abgeschlossen. Dann können wir als glaubende Menschen die Hände und das Herz öffnen und uns dem liebenden Gott anvertrauen. Wir sind eingeladen, unser Leben Gott hinzuhalten.

Natürlich schaue ich als Bischof von Mainz mit Ihnen zurück in ein bewegtes Jahr. In unserem Bistum haben wir uns auf den „Pastoralen Weg“ gemacht. In den Dekanaten haben viele Menschen begonnen, sich den Herausforderungen unserer Zeit zu stellen. Veränderungen bereiten auch Sorgen. Und natürlich stehen Veränderungen an. Niemand geht die kommenden Wege einfach aus einer Laune heraus. Gesellschaft und Kirche verändern sich. In deutlichen Worten hat dies vor wenigen Tagen Papst Franziskus formuliert. In einer Pressemeldung heißt es: „Von der Situation des Christentums zeichnete der Papst ein nüchternes Bild. ‚Wir haben keine christliche Leitkultur, es gibt keine mehr! Wir sind heute nicht mehr die einzigen, die Kultur prägen, und wir sind weder die ersten noch die, denen am meisten Gehör geschenkt wird‘, sagte er. „Der Glaube, vor allem in Europa, aber auch im Großteil des Westens, stellt keine selbstverständliche Voraussetzung des allgemeinen Lebens mehr dar“, so Franziskus. (…) Erneut forderte der Papst von der Kirche einen verstärkten Dienst an Armen, Ausgegrenzten und besonders Migranten. Sie stellten „einen Schrei in der Wüste unserer Menschheit“ dar. Es gehe um „Brüder und Schwestern“, die von der globalisierten Gesellschaft ausgesondert würden. Die Kirche müsse Zeugnis dafür geben, „dass es für Gott niemanden gibt, der fremd oder ausgeschlossen ist“. Das Mittelmeer sei für „zu viele zu einem Friedhof geworden“.[1]

Dass wir als Kirche nicht mehr die bestimmende Kultur sind, ist noch nicht überall wirklich angekommen. Natürlich hängt der Pastorale Weg auch damit zusammen. Nicht nur die Zahl der Hauptamtlichen wird sich verändern, nicht nur die finanziellen und räumlichen Ressourcen, sondern auch die Zahl der aktiven Gläubigen und die Art ihres Engagements. Zu Recht erinnert uns der Papst an die Notwendigkeit der Evangelisierung, die darauf basiert, dass alle Getauften ihren Glauben leben und bezeugen. Auf dem Pastoralen Weg soll es darum gehen, im Rahmen der in Zukunft verfügbaren Möglichkeiten danach zu suchen, wie wir als Kirche und Gemeinde die Schönheit des Glaubens bezeugen können. Im vergangenen Jahr haben Weihbischof Bentz und ich verschiedene Dekanate visitiert, es hat viele Gespräche gegeben und wir müssen im Gespräch bleiben. Neben manchen Fragen sind uns viele Menschen begegnet, die sich außerordentlich für den Glauben, das Evangelium, die Kirche und andere Menschen engagieren. Ihnen wollen wir heute von Herzen Danke sagen und Respekt bezeugen. In der heutigen Situation ist es nicht einfach, sein Christsein öffentlich zu leben und zu bekennen. In diesem Jahr haben viele Menschen unsere Kirche verlassen. Das lässt mich nicht gleichgültig. Es steht uns nicht an, hier ein Urteil zu sprechen. Gott allein kennt das Herz des Menschen. Ich will nur sagen: Es bleibt ein Schmerz, dass es uns als Kirche nicht gelungen ist zu zeigen, dass wir als Gemeinschaft des Glaubens und der Weitergabe eines „Lebens in Fülle“ (Joh 10,10) berufen sind. Wir überlegen im Bistum Mainz, wie wir mit den Vielen, die bei uns bleiben, guten Kontakt halten können. Niemand ist uns gleichgültig. Ich hoffe als Bischof, dass wir Wege finden, dass dies nicht nur schöne Worte bleiben.

Der Papst spricht die politischen Themen an, die auch uns als Kirche bewegen. Der Dienst an den Armen ist auch für uns ein zentrales Thema. Der um sich greifende Populismus mit seinen einfachen und oft menschenverachtenden Antworten macht uns Sorge. In Deutschland macht sich ein zunehmender Antisemitismus breit. Ich erinnere an den grausamen Anschlag in Halle. Wenn in unseren Texten immer wieder die Gläubigen des Judentums als unsere älteren Schwestern und Brüder angesprochen werden, muss dies in unserem Miteinander und einer aktiven Mitsorge gelebt werden. Seit kurzem bin ich Präsident der deutschen Sektion der katholischen Friedensbewegung pax christi und nehme wahr, dass Aufrüstung, Waffenhandel und kriegerische Tendenzen „Urständ“ feiern. Als Christinnen und Christen müssen wir alles tun, um bereits in der Erziehung, in der Jugendarbeit und anderen Feldern an der Versöhnungskompetenz zu arbeiten. Die katholischen Hilfswerke haben nicht umsonst die Sorge um den Frieden als ihr verbindendes Anliegen für 2020 formuliert. Viele besonders junge Menschen gehen für den Erhalt der Schöpfung auf die Straße, ein Anliegen, das wir als Kirche voll und ganz teilen.

Im Bistum Mainz beschäftigt uns weiter der Missbrauch von Kindern, Jugendlichen und Schutzbedürftigen durch Kleriker und kirchliche Mitarbeiter und dessen Aufarbeitung. In diesem Jahr hat Rechtsanwalt Weber seine Arbeit aufgenommen, die Vorfälle und die systemischen Hintergründe unserem Bistum aufzuklären. Er arbeitet unabhängig, d.h. ich als Bischof, der Generalvikar und andere aus der Leitung des Bistums nehmen keinen Einfluss und werden am Abschluss seiner Arbeit die Ergebnisse vorgestellt bekommen. Ich bitte alle, die von Missbrauchstaten und dem Umgang damit wissen, sich an ihn zu wenden. Daneben arbeiten verschiedene, auch extern besetzte Gruppen, an den notwendigen Themen der Aufarbeitung. Zum 1. Januar 2020 werden alle Bistümer in Deutschland einheitliche Leitlinien und Kriterien einer Präventionsordnung als Bistumsgesetz erlassen, so dass in ganz Deutschland einheitliche Regelungen gelten. Wir bleiben an dem Thema intensiv dran, und werden bald auch konkret informieren, wie der Stand der Arbeiten bei uns im Bistum ist.

Vor dem Hintergrund des Missbrauchs in der Katholischen Kirche sind die Vorbereitungen zum „Synodalen Weg“ der Katholischen Kirche in Deutschland getroffen, Ende Januar wird die erste Synodalversammlung in Frankfurt stattfinden. Niemand kann sagen, wie dieser Weg endet. Aber dass wir miteinander reden müssen, bestreiten nur die wenigsten. Und die Themen sind keine spezifisch deutschen Themen: die Frage der Macht und der geteilten Verantwortung, eine dem Evangelium gemäße und menschengerechte Sexualmoral, die Glaube und Vernunft zusammenbringt, das Thema der priesterlichen Lebensform und auch das Anliegen, über die Rolle der Frauen in den Diensten und Ämtern der Kirche zu sprechen. Diese Themen drängen viele, und der Druck kommt natürlich auch bei mir an. Es geht um eine glaubwürdige Gestalt der Kirche, und damit auch um die Weitergabe des Glaubens. Ich bitte, den kommenden Weg mit Gebet zu begleiten und die Möglichkeiten zu nutzen, sich aktiv zu beteiligen. Allerdings sage ich auch deutlich: Wir dürfen den „Erfolg“ nicht allein davon abhängig machen, dass sich die eigene Meinung am Ende zeitnah durchsetzt. Manche Wege brauchen lange Zeit, für manche Frage braucht es dann auch die weltkirchliche Konsensfindung und Meinungsbildung. Es mag nach wenig klingen, aber für mich ist es ein Erfolg, wenn alle Gläubigen miteinander beten und diskutieren, nach dem Willen Gottes für unsere Zeit fragen, und wir dann natürlich konkret das umsetzen, was derzeit schon umzusetzen ist. Auch in den Fragen des Synodalen Weges ist noch nicht unbedingt angekommen, dass es nicht einfach nur darum geht, alten Wein in neue Schläuche, sondern neuen Wein in neue Schläuche zu füllen. Es geht nicht nur um eine schöne neue Verpackung. Ich bete darum, dass wir herausfinden, was dieses Bild meint, das Jesus bereits so im Evangelium sagt (vgl. Mk 2,21f.)

Ja, die Kirche verändert sich, und es ist nicht leicht zu akzeptieren, dass wir nicht wissen, welche Form am Ende steht. Wer nach den Zeichen der Zeit fragt und dem, was Gott uns wohl sagen will, ist kein Opportunist und hechelt nicht dem Zeitgeist hinterher. Schwarzmalerei allein hilft aber ebenfalls nicht. Zu viele wissen jetzt schon, dass es so nicht gehen kann. Mir schrieb ein alter Priester dieser Tage, dass ihn die manchmal hysterischen Debatten nicht beunruhigen: Wir lebten in Gottes Welt und in seiner Kirche. Jemand anderes erinnerte mich an Papst Johannes XXIII., der zur Eröffnung des II. Vatikanums schrieb: „Wir müssen diesen Unglückspropheten widersprechen, die immer nur Unheil voraussagen, als ob der Untergang der Welt unmittelbar bevorstünde.“ Auch Jesus warnt vor selbsternannten Unheilspropheten, die es auch in unserer Kirche zur Genüge gibt. Von allen wünsche ich mir, dass wir zuerst lernen, uns zu verändern, bevor wir anderen Moral predigen und urteilen.

So gehe ich mit Vertrauen in die oft noch unklare Zukunft unserer Gesellschaft und unserer Kirche. Auch wie sich mein persönliches Leben entwickelt, weiß ich nicht. Und das geht wohl den meisten so am heutigen Abend. Aber wir legen unser Leben in seine Hände, an dem Punkt, an dem Sonn und Jahr sich wendet. Es ist seine Welt, seine Zeit und unser Leben liegt auch in seiner Hand. Der Herr hat Tag und Jahr geschenkt (Gl 258,1). Das glaube ich fest und so will ich in ein neues Jahr gehen.

(MBN)

 

„Bevor wir lehren, müssen wir hören“

Predigt von Bischof Peter Kohlgraf am ersten Weihnachtsfeiertag im Mainzer Dom

Mainz. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat am ersten Weihnachtsfeiertag, 25. Dezember, den Weihnachtsgottesdienst im Mainzer Dom gefeiert. Im Folgenden dokumentieren wir den Wortlaut seiner Predigt:

Es muss einen Grund haben, dass Gott sich in einer Person offenbart, nicht in einem Buch oder in einem Text - so versteht jedenfalls die christliche Überlieferung die Offenbarung Gottes. Auch wenn wir ein heiliges Buch haben und darin die Grundlage unseres Christseins sehen, ist das Christentum in seinem Kern keine Buch-Religion. Eine Person zeigt uns, wie und wer Gott ist. Das Wort wurde Fleisch, nicht Buch oder Text. Gott selbst wird berührbar, erfahrbar, sichtbar in der Person eines konkreten Menschen, in der Person Jesu von Nazareth. Er kommt aus seiner Ewigkeit in die Zeit. Er wird sterblich, verwundbar, lebt in den Grenzen seiner menschlichen Natur und seiner Zeit. Gott offenbart nicht etwas, ein Wissen oder eine besondere Erkenntnis, sondern sich selbst. Besonders der Prolog des Johannesevangeliums verkündet diesen Kern des Evangeliums: Das Wort war von Ewigkeit her bei Gott, und es wurde Fleisch.

Eine Begegnung mit einer faszinierenden Person kann ich nie derart abschließen, dass ich meine, sie nun ganz verstanden zu haben. Ich begegne einer Person, und nehme sie wahr in einer Begegnung. Ich nehme sie als Ganzes wahr, nicht nur in ihren Teilen. Ich addiere nicht einzelne Beobachtungen zusammen, damit findet keine wirkliche Begegnung statt. In der Begegnung zwischen mir und einer anderen Person mit all dem, was sie ausmacht, findet die Entscheidung statt: Diesem Menschen kann ich vertrauen, auf ihn kann ich mich verlassen[2]. Bei Jesus kann ich sein Lebenszeugnis nicht von seinen Worten und Taten trennen. Er ist ganz wahrhaftig, er wendet sich den Menschen zu, besonders denen am Rand, er lehrt die Menschen besonders in Gleichnissen, in die sich der Mensch hineingeben muss, um sich verändern zu lassen. Er ist radikal in seinen Forderungen der Liebe zu Gott und dem Nächsten. Das wird dadurch glaubwürdig, dass er nicht nur ein wenig liebt, sondern die Liebe selbst verkörpert, eine Liebe, die für Gott und den Nächsten brennt. Bereits die Einfachheit seiner Geburt wird von den Menschen später als Beweis dafür genommen, dass er als Sohn Gottes nicht auf einem hohen Ross sitzt, dass er seine Macht nicht in einem irdischen Sinne versteht. Am Ende stirbt er am Kreuz. Wer so liebt wie dieser Jesus, rechnet damit, dass eine lieblose Welt diese Liebe nicht ertragen kann, weil sie eigene Lebenskonzepte und Machtansprüche bedroht sieht. Wort und Tat, Leben und Person sind eine wahrhaftige Einheit. Das macht für viele Menschen diesen Jesus so faszinierend, so interessant, aber auch so herausfordernd. Für andere bleibt er eine Bedrohung oder ein Spottobjekt.

Gott offenbart sich in einem Menschen, einer Person. Glaube ist nun Begegnung mit ihm - bis heute. Um Offenbarung verstehen zu können, braucht es die Vorentscheidung, ob ich diesem Jesus vertrauen will. Ob ich in ihm dieses Wort Gottes sehen will, zumindest die Entscheidung, ob ich mit ihm in ein Gespräch oder eine Beziehung treten will, um ihn besser kennen zu lernen. Es braucht sozusagen ein offenes Fenster, damit das Licht leuchten kann - in mein eigenes Leben hinein. Es wird nur schwer zu einer tieferen Begegnung mit diesem Jesus kommen, wenn ich ihn nicht als ganze Person in mein Leben hineinnehme, sondern nur einzelne Facetten akzeptieren kann. Wer Jesu Verhalten faszinierend findet, aber seine Botschaft nicht an sich heranlässt, wird ihn nicht wirklich kennen lernen. Wer ihn als guten Menschen akzeptiert, aber seinen Anspruch, Gott und sein Reich zu verkörpern, nicht annehmen will, wird an der Oberfläche bleiben. Wer nicht mit der Möglichkeit Gottes rechnet, sich in diesem Menschen einmalig gezeigt zu haben, dringt nicht in die Tiefe vor. Wir erleben das in den verschiedenen Personen in den Evangelien. Auch die, die Wunder Jesu sehen, kommen nur dann zu einem vertieften Glauben, wenn sie eine Grundentscheidung für den Glauben treffen, Jesus zu vertrauen, sich auf ihn zu verlassen. Jesus kann immer dort Wunder tun, wo Menschen zu glauben bereit sind. Glaube ist jedoch immer gleichzeitig ein Geschenk. Um einen Vergleich zu verwenden[3]: „Wenn die Mutter viele Tage und Wochen das Kind angelächelt hat, erhält sie einmal das Lächeln des Kindes zurück. Sie hat im Herzen des Kindes die Liebe geweckt.“ Damit beginnt das Spiel der Liebe zwischen zwei Menschen. „So legt sich Gott als Liebe vor dem Menschen aus: von Gott her leuchtet die Liebe auf und stiftet dem Menschenherzen das Liebeslicht ein, das gerade diese - die absolute Liebe - zu sehen vermag. (…) Wie kein Kind ohne Geliebtwerden zur Liebe erwacht, so kein Menschenherz zum Verstehen Gottes ohne die freie Zuwendung seiner Gnade - im Bild seines Sohnes.“[4] Indem uns Gott selbst das Gesicht seiner Liebe zeigt, ermöglicht er, dass in uns die Liebe erwacht und wir uns in die Beziehung zu ihm hineingeben.

Es muss einen Sinn haben, dass Gott sich in einer Person offenbart und uns kein Buch schickt. Der tiefste Grund liegt wohl in dieser Liebe, von der auch das Johannesevangelium immer wieder spricht. Er will offenbar zuerst nicht mit guten Argumenten oder überzeugenden Gesetzen die Menschen zum Heil führen, sondern in einer lebendigen Beziehung. Und dennoch lesen wir gerade in den Evangelien und den Texten des Neuen Testaments von ihm, und er wird darin lebendig. Wir lernen ihn kennen über glaubwürdige Zeuginnen und Zeugen, über Menschen, die in diese Beziehung eingestiegen sind. Die Evangelien sind Glaubenszeugnisse dieser Freundinnen und Freunde Jesu, in denen diese Erfahrung der Liebe zu leuchten begonnen hat. Bis heute sind wir als Kirche zunächst in der Situation derer, die diese Zeugnisse lesen und das Wort dieser ersten Generation hören. Das gilt sowohl für diejenigen, die in der Kirche lehren, als auch für alle, die nach ihrem Glauben in dieser Zeit suchen. Bevor wir lehren, müssen wir hören. Jesus schreibt kein Buch, und so gilt es im Rahmen der Wahrheitsfindung in der Kirche auch nicht in erster Linie, sich mit Satzwahrheiten „tot zu schlagen“. Zu oft ist auch Jesus Menschen begegnet, die sicher sind in der Kenntnis der Gebote, sie aber im Wesentlichen als Forderungen für andere verstehen. Religiöses Wissen wird leicht zum Herrschaftsinstrument über andere. Im Leben der Kirche geht es nicht darum, Macht zu sichern, besonders an Weihnachten wird diese Versuchung entlarvt. Christ sein und Kirche sein gehen nur, indem sich alle zunächst als Hörerinnen und „Hörer des Wortes“ (Karl Rahner) verstehen, als Beziehungspartner des lebendigen Wortes, das Christus ist. Weil es lebendige Zeuginnen und Zeugen des lebendigen Christus sind, die uns das Evangelium überliefert haben, wird es für mich umso glaubwürdiger; es sind Texte, die brennen vor Begeisterung, sie sind Ausdruck einer lebendigen Beziehung, die Menschen damals in sich die Liebe haben wecken lassen. Das ist der tiefste Auftrag der Kirche bis heute. So wie bei Jesus Lehre, Leben, Tat und seine Person eine glaubwürdige Einheit sind, so soll es auch in der Kirche sein, die sich als sein Leib versteht (vgl. Lumen Gentium 8). Es genügt nicht, sich auf die göttliche Stiftung durch Jesus zu beziehen, es bleibt Auftrag der Menschen, seine Gegenwart in Tat und Wort in der Liebe zu bezeugen. Wo die Einheit zwischen Tat und Wort, Lehre und Leben auseinanderbricht, wird das Angebot und die Gegenwart der Liebe Gottes verdunkelt oder unmöglich gemacht. Auch die Kirche hat den Menschen nicht ein Buch zu überreichen, sondern das Zeugnis der Liebe in Tat und Wort. Alle Texte, die wir haben, seien es biblische oder theologische Zeugnisse, haben nur dann Wert, wenn sie Ausdruck der Liebe, der Sorge und der Nähe zu den Menschen in ihrer Suche nach dem Heil sind.

In der Geburt in Bethlehem findet Gott einen Weg, seine Liebe und Nähe zu zeigen. Das macht diesen Gott so überzeugend, so lebensnah, so herausfordernd. Jeder einzelne Mensch, der diesem Jesus glauben will und glaubt, und die Kirche als Ganze wird immer dann andere Menschen mitnehmen können, wenn sie in die Schule, in die Beziehung zu diesem Jesus gehen, den Christen als Sohn Gottes und als wahren Menschen bekennen, wenn sie ihr Leben und ihr Glaubensangebot als Ausdruck seiner Liebe und seines Lichtes verstehen. Möge dies besonders der Kirche in dieser Zeit gelingen. Es geht darum, seine Liebe und seine Nähe zu bezeugen. Gott gebe seinen Segen! 

(MBN)

 

Friede! Mit Dir!

Predigt von Weihbsichof Dr. Udo Markus  Bentz in der Christmette im Mainzer Dom

Mainz. Der Mainzer Weihbischof Dr. Udo Markus Bentz hat am Heiligen Abend, 24. Dezember, die Christmette im Mainzer Dom einen Gottesdienst gefeiert. Im Folgenden dokumentieren wir den Wortlaut seiner Predigt:

„Weihnachten ist nicht mehr zu retten!“ Diese steile These hat der Historiker Wolffsohn am Sonntag im Deutschlandfunk aufgestellt. Weihnachten als religiöses Fest sei vorbei. Lediglich als kommerzielles Fest sei es noch überlebensfähig. Der Historiker macht den Kirchen den Vorwurf, in der Vermittlung der Botschaft dieses Festes zu versagen. Klar, dass sich dagegen Widerspruch regt - und zwar zu Recht! Weihnachten muss nicht gerettet werden! Die Botschaft dieser Heiligen Nacht bleibt mehr als „anschlussfähig“ - auch in einer sogenannten „säkularen“ Gesellschaft. Die biblische Kernbotschaft sagt etwas Gültiges nicht über „Gott und Welt“, sondern vor allem über Gott und den Menschen.

„Euch ist heute der Retter geboren, Christus, der Herr! Ehre Gott in der Höhe und Friede auf Erden, den Menschen seiner Gnade!“ - Diese Botschaft der Engel auf den Feldern von Bethlehem ist die Kernbotschaft dieser Heiligen Nacht und des Weihnachtsfestes überhaupt. Diese Botschaft vom Frieden den Menschen seiner Gnade ist kein allmystisches, berauschendes Glücksgefühl, das spätestens nach der Heiligen Nacht wieder verfliegt. Auch ist der Friede, den wir Christen an Weihnachten feiern, kein selbstgemachtes Konstrukt politischer Diplomatie. Die Botschaft der Engel vom Frieden auf Erden ist: Gottes Initiative – auf uns Menschen zu.

Der Evangelist Lukas setzt in dieser „idyllischen“ Erzählung von der Heiligen Nacht auf den Feldern Bethlehems geradezu einen zwar untergründigen, aber auch deutlich politischen Impuls. Diese Provokation muss man wahrnehmen:

Die Hintergrundfolie, vor der man die Botschaft vom Frieden in der biblischen Weihnachtserzählung besser versteht, ist das damalige Selbstverständnis des römischen Kaisers. Im ganzen römischen Reich herrschte Frieden, die pax romana. Dieser Friede der Regierungszeit des Augustus baute jedoch auf dem Tribut blutiger Kriege, der Unterwerfung und der militärischen Unterdrückung der Völker auf. Die Menschen in der Provinz Judäa erlebten diesen fragilen Frieden durch die militärische Präsenz tagtäglich. Augustus proklamiert mit seiner Regierung einen immerwährenden Frieden. Augustus ließ sich als Friedensherrscher „Retter, Heiland, Herr“ nennen. - Das waren die protokollarischen Begrüßungsformeln für den römischen Augustus. Wenn nun Lukas in der Weihnachtserzählung die Engel sagen lässt: „Euch ist heute der Retter geboren, Christus der Herr“ - und weiter: „Frieden auf Erden!“ Dann wird deutlich: Der von Krieg, Gewalt und Blut erzwungenen „pax romana“ wird der Friede, der von diesem neugeborenen Kind ausgeht, gegenübergestellt. Es ist ein Friede anderer Art. Ein Friede anderen Ursprungs.

Der Friede, der von Weihnachten her zugesagt wird, ist mehr als die Unterbrechung von Krieg. Er ist etwas anderes als die Aufrechterhaltung einer ausbalancierten Taktik nach dem Motto: „Lässt du mich in Ruhe, lasse ich Dich in Ruhe“.

Dieser Friede auf den Feldern von Bethlehem in der Heiligen Nacht beginnt nicht mit einem „äußerlichen Agreement“. Er kommt nicht von außen in den Menschen hinein, sondern dieser Friede nimmt seinen Lauf von versöhnungsbereiten, friedensfähigen Menschen - und breitet sich aus von den einzelnen Menschen ausgehend hinein in das Miteinander der Gesellschaft und darüber in das Miteinander der Völkergemeinschaft.

Wir wissen heute mehr denn je, dass die Friedensfähigkeit eines Staates nach außen - mit anderen Völkern - abhängig ist von dessen Fähigkeit, Frieden nach innen - in der eigenen Gesellschaft - möglich zu machen. Wir wissen aber auch und erleben es derzeit hautnah, wie labil dieser Friede sein kann, wie leicht verletzbar ein friedliches gesellschaftliches Miteinander ist durch die Verantwortungslosigkeit schon einiger Wenigen. Wir wissen und erleben es, dass es in mancher Hinsicht zwar Friede an der Oberfläche gibt, aber man sich unterschwellig doch mit geballter Faust in der Tasche gegenübersteht. - Das gilt für die internationale Politik, das gilt aktuell auch für manche gesellschaftlichen Kräfte in unserem Land, das gilt für unser persönliches Umfeld. Und ehrlich: In mancher Hinsicht gilt das doch leider auch für uns als Kirche.

Deshalb: Frieden setzt die innere Friedensbereitschaft und die Friedensfähigkeit der Einzelnen voraus.  Um diese Friedensfähigkeit geht es. Die Weihnachtsbotschaft geht genau diesen Weg: Gott kennt die Sehnsucht eines jeden Menschen nach Frieden. Frieden ist das Verlangen, das den Menschen am tiefsten prägt. Nur die Erfahrung von innerem Frieden macht das Leben erfüllend und sinnstiftend. Dieser wechselseitige Zusammenhang von äußerem und inneren Frieden ist - wenn ich das so sagen darf - die „Friedenskonzeption“ der Weihnachtserzählung: ein Friede, der jedem einzelnen von Gott ausgehend zugesprochen wird. Friede den Menschen seiner Gnade!

Was heißt das? Ein unversöhntes Herz ist die Wurzel allen Unfriedens. Angst ist die Wurzel des Unfriedens: die Angst zu kurz zu kommen, die Angst nicht genug zu haben, die Angst zu wenig wahrgenommen zu werden. Egoismus ist die Wurzel des Unfriedens: der Drang, uns über andere zu stellen, uns auf Biegen und Brechen selbst zu behaupten, überhebliche Verhärtung. -  All das macht uns unfähig, friedfertig miteinander zu leben. Es gibt so viele Formen offenkundiger oder verborgener Aggression - in allen Lebenszusammenhängen: in unseren intimsten Beziehungen, in unserem Miteinander im Berufsleben, in unserer gesellschaftlichen Gegenwart und auch in unsrer Kirche.

Darauf antwortet Gott nicht mit moralischen Appellen und auch nicht mit einer ausgefeilten Friedensethik: das Kind in der Krippe - es ist „entwaffnend“ im wahrsten Sinne des Wortes! Die Botschaft der Engel auf den Feldern von Bethlehem sagt: Vor Gott braucht es keine Schutzwall ängstlicher Selbstbehauptung. Mensch, du bist von Gott her so sehr angenommen und geliebt auch in all der Gebrochenheit deiner Hoffnung und Sehnsucht, der Gebrochenheit deines Lebens, dass du in Frieden mit dir selbst leben kannst. Lass Dich mit Gott versöhnen! Friede den Menschen seiner Gnade! 

Wer sich von diesem Kind der Krippe „entwaffnen“ lässt, dessen versöhntes Herz wird wieder neu fähig zu Respekt, entwickelt einen neuen Sinn für Gerechtigkeit, lebt in neuer Weise Aufrichtigkeit, Rücksichtnahme und Toleranz, und nimmt in neuer Weise Verantwortung nicht nur für sich selbst sondern auch für das Miteinander wahr!

Der Friede von Weihnachten ist so eben nicht ein „rein innerlicher und privater Herzensfriede“ von weihnachtlich gestimmten Menschen. Der Friede von Weihnachten ist gewissermaßen ein innerer Impuls, der innere Anstoß, eine Initialzündung Gottes in uns - die Anfangszusage an den Menschen, uns befähigt Frieden zu wirken in einem versöhnten Miteinander, das seine Kreise zieht.

Schwestern und Brüder, wir werden weiterhin – auch nach Weihnachten, auch im neuen Jahr – den Zwiespalt zwischen unsrer Sehnsucht nach Heil und Frieden einerseits und der Realität unversöhnter Aggression erleben. Lassen wir uns vor lauter Nüchternheit über die sogenannten „Realitäten des Lebens“ die Flügel unsrer Hoffnung nicht stutzen. „Friede! Mir Dir!“ Zusage und Auftrag!

Ist Weihnachten noch zu retten? Das war meine Ausgangsfrage. Weihnachten muss nicht gerettet werden! Weihnachten will gelebt werden! Amen.

(MBN)

 

[1] https://www.katholisch.de/artikel/23999-papst-will-tiefgreifende-reformen-keine-christliche-leitkultur-mehr (21.12.2019).

[2] Vgl. dazu Hansjürgen Verweyen, Gottes letztes Wort. Grundriss der Fundamentaltheologie, Düsseldorf 1991, 392f.

[3] Vgl. ebd. 396, mit Verweis auf einen Text von Hans Urs von Balthasar.

[4] Hans Urs von Balthasar, Herrlichkeit III/1: Im Raum der Metaphysik, 1967, 945f.

Terminvorschau 2020

Ein Blick ins Jahr 2020

Aktualisierte Terminvorschau für das Bistum Mainz 

Mainz. In dieser aktualisierten Vorschau für das Bistum Mainz (Stand: 2. Januar 2020) sind ausgewählte Termine für das Jahr 2020 chronologisch zusammengestellt. Eine erste Fassung dieser Übersicht wurde bereits im November 2019 veröffentlicht. Änderungen im laufenden Jahr werden im ausführlichen, monatlich erscheinenden Terminkalender der Pressestelle veröffentlicht (www.bistum-mainz.de/presse).

(MBN)

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