Mainzer Bistumsnachrichten Nr. 2

Mainz, 11. Januar 2020: Bischof Peter Kohlgraf dankte den
Mainz, 11. Januar 2020: Bischof Peter Kohlgraf dankte den "Singkids" der Mainzer Martinus-Schule Oberstadt für die musikalische Gestaltung des Neujahrsempfangs.
Mi 15. Jan 2020
am (MBN)

Weitere Bilder zu den MBN Nr. 2/2020 in einer Bildergalerie am Ende dieser Seite.

Berichte

  • 220 Gäste beim Neujahrsempfang mit Bischof Kohlgraf
  • Zentrale Veranstaltung zum Weltfriedenstag
  • Sternsinger brachten Segenswünsche ins Ordinariat

Vorschau

  • Bistum Mainz schreibt erneut Umweltpreis aus
  • Gesprächsabend zur Fastnacht ist ausverkauft
  • Neujahrsempfang der Betriebsseelsorge (21.1.)
  • Veranstaltungen zum Gedenktag 27. Januar (ab 22.1.)

Publikation

  • Archiv zur Mittelrheinischen Kirchengeschichte

Berichte

Ein Jahr intensiver Arbeit an den Pastoralkonzepten

Rund 220 Gäste beim Neujahrsempfang des Bistums Mainz im Erbacher Hof

Mainz. „Nachdem sich auf Bistums- und Dekanatsebene die notwendigen Gremien gebildet haben, wird das Jahr 2020 ein Jahr intensiver Arbeit an den Pastoralkonzepten für die zukünftigen Pfarreien in unserem Bistum sein. Es geht darum, wie wir evangeliumsgemäß und zukunftsfähig in unserem Bistum Kirche sein können. Dazu werden im kommenden Jahr auf Bistums- und Dekanatsebene aussagekräftige Zwischenergebnisse erwartet.“ Das sagte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf beim Neujahrsempfang des Bistums Mainz. Er dankte allen Menschen, die sich im Bistum Mainz haupt- oder ehrenamtlich engagieren, für ihren vielfältigen Dienst: „Es ist nicht selbstverständlich, dass Menschen dieser Kirche ein Gesicht geben, gerade in einer Zeit, in der es oft nicht einfach ist, sich zur Katholischen Kirche zu bekennen.“ Zu dem traditionellen Empfang des Bischofs waren am Samstag, 11. Januar, rund 220 Gäste aus dem ganzen Bistum Mainz in den Ketteler-Saal des Erbacher Hofes in Mainz gekommen.

Für das Gelingen der anstehenden Arbeitsphase beim Pastoralen Weg seien besonders die Kommunikation untereinander, die geistliche Dimension des Weges und das Bild der neuen Pfarreien als Netzwerke entscheidend, sagte Kohlgraf: „Da in verschiedenen Gremien und an verschiedenen Orten sicher verschiedene Vorstellungen entwickelt werden, wird es auf einen intensiven Austausch und ein geduldiges Ringen aller Beteiligten ankommen, damit wir miteinander auf dem Weg bleiben. Die Runden der regionalen Statusgespräche und Austauschforen im März und November, die Halbzeitgespräche im Mai, die Versammlungen der synodalen Gremien und weitere Kommunikationsformate sollen dies ermöglichen. Die Arbeit im Kontext des Pastoralen Weges und die dazu notwendige Kommunikation kann nur gelingen, wenn alle Beteiligten dieser Arbeit und Kommunikation eine erkennbare Priorität einräumen.“

Ebenso wichtig sei es, sich die geistliche Dimension des Pastoralen Weges in Erinnerung zu rufen: „Immer wieder gibt es die Vermutung, dass es beim Pastoralen Weg doch vorrangig um Strukturen gehe. Grundlegender geht es aber darum, die kommenden Wege im Vertrauen auf Gottes Gegenwart und im Hören auf sein Wort mitzugehen. Diese und andere geistliche Haltungen werden darüber entscheiden, wie wir miteinander sprechen und umgehen, was wir hoffen und planen.“

Notwendig sei darüber hinaus, sich bewusst zu machen, dass mit der Bildung der neuen Pfarreien auch ein neues Verständnis von Pfarrei einhergeht: „Die Bildung von 50 Pfarreien in unserem Bistum ruft Bedenken hervor und ist für viele wenig verlockend. Dies liegt meines Erachtens vor allem daran, dass mit ‚Pfarrei’ das Bild der bisherigen ‚Pfarrgemeinden’ verbunden wird. Eine einfache Vergrößerung der Flächen der Pfarreien bei weitgehend gleichbleibenden Strukturen wäre in der Tat wenig verheißungsvoll. Es ist immer wieder zu verdeutlichen, dass wir uns die neuen Pfarreien als ein Netzwerk vielfältiger Gemeinden und Kirchorte wünschen, in denen Glaube vor Ort gelebt werden kann und gleichzeitig eine gute Zusammenarbeit und Vernetzung gelingt. Dies werde unter anderem nochmals mit einem Infoflyer „Pfarreien als Netzwerk“ deutlich gemacht.

Der Pastorale Weg im Bistum Mainz

Beim Pastoralen Weg des Bistums Mainz, der sich als Prozess der geistlichen und strukturellen Erneuerung der Kirche im Bistum Mainz versteht, gibt es drei Phasen: Bis 2021 soll in einer ersten Phase in den Dekanaten ein Konzept erarbeitet werden. Von 2021 bis spätestens zum Jahr 2030 sollen in einer zweiten Phase die derzeit 134 Pastoralen Einheiten (Pfarrgruppen und Pfarreienverbünde) im Bistum dann nach und nach zu künftig rund 50 Pfarreien zusammengeführt werden. Dabei wird es voraussichtlich in den Dekanaten zu Ungleichzeitigkeiten kommen. Sobald eine neue Pfarrei errichtet ist, werden dann in der dritten Phase durch Pfarreientwicklungsprozesse die erarbeiteten Konzepte umgesetzt. In allen Phasen gibt es Möglichkeiten und Formen der Beteiligung.

Weitere Themen und Termine

Breiten Raum werde nach wie vor die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der Kirche auf Bistumsebene und auf Ebene der Bischofskonferenz einnehmen. Kohlgraf erinnerte daran, das der Synodale Weg, den die Deutsche Bischofskonferenz gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) führt, in drei der vier Themenbereiche im Wesentlichen auf die Ergebnisse der MHG-Studie zurückgeht. Ende Januar wird die erste Plenarsitzung des Synodalen Weges in Frankfurt stattfinden (31. Januar-1. Februar). Von Seiten des Bistums Mainz werden daran teilnehmen: Bischof Kohlgraf, Weihbischof Dr. Udo Markus Bentz, Pfarrer Markus Konrad (Priesterrat), Martin Buhl (Katholikenrat/ZdK), Daniela Ordowski (BDKJ/ZdK), Vera Scheuermeyer (BDKJ/ZdK) und Isabella Vergata (Muttersprachliche Gemeinden/ZdK).

Wichtige Termine für das Bistum im Jahr 2020 seien neben der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (2.-5. März) in Mainz auch die Eröffnung der diesjährigen Missio-Aktion im Mainzer Dom (4. Oktober), die zweite Jugendsynode (7. bis 8. November), das Gedenken an den 75. Todestag von Pater Alfred Delp SJ, der seine Jugend im Bistum Mainz verbracht hat, sowie die Vorbereitung auf den dritten Ökumenischen Kirchentag im Mai 2021 in Frankfurt, bei dem das Bistum Mainz eines der „gastgebenden Bistümer“ ist.

Die Geschäftsführende Vorsitzende der Diözesanversammlung, Dr. Hildegard Dziuk aus Darmstadt, rief dazu auf, das Licht von Bethlehem in der Welt zum Leuchten zu bringen: „Dort, wo Menschen einander ohne Ansehen der Person beistehen, wo Menschen sich einsetzen für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung, wo Menschen fähig sind, Verantwortung zu übernehmen und Unrecht wiedergutzumachen, kurz gesagt: wo immer Menschen bereit sind, ihren Glauben an Gott in Wort und Tat zu verkünden und unermüdlich mit bauen an seinem Reich, da kann man das Licht aus Bethlehem aufblitzen sehen.“ Es sei notwendig, „dass wir jeden Tag neu den Mut aufbringen, Hassbotschaften zu widersprechen. Einen Fanatiker können wir nicht überzeugen, aber wir haben sehr wohl Einfluss darauf, wo sich die große Masse der Unentschlossenen hinbewegt“.

Die Begrüßung und Moderation hatte Seelsorgedezernent, Ordinariatsdirektor Hans Jürgen Dörr, übernommen, der auch für die Pastoralen Räte im Bistum Mainz zuständig ist. Es sei wichtig, sich auf dem Pastoralen Weg des Bistums immer wieder in Erinnerung zu rufen, „dass wir zuerst zu denen gehen müssen, die an den Rändern von Kirche und Gesellschaft stehen“. Und weiter: „Als Kirche müssen wir uns immer wieder fragen: Sind wir eine geschlossene Gesellschaft oder eine Kirche mit offenen Türen.“ Dörr vertrat den Mainzer Weihbischof und Generalvikar, Dr. Udo Markus Bentz, der noch bis 15. Januar die Deutsche Bischofskonferenz beim 20. Internationalen Bischofstreffen im Heiligen Land vertritt. Bentz ist bei der Deutschen Bischofskonferenz Vorsitzender der Arbeitsgruppe Naher und Mittlerer Osten der Kommission Weltkirche.

Musikalisch gestaltet wurde der Empfang von den Singkids der dritten und vierten Klassen der Mainzer Martinus-Schule Oberstadt unter Leitung von Carina Ohler und der Mainzer Domkantorin Jutta Hörl. Zu Beginn hatten Sternsinger der Mainzer Pfarreien St. Peter / St. Emmeran ihre Segenswünsche überbracht. Eingeladen zum traditionellen Neujahrsempfang waren unter anderen die Mitglieder des Domkapitels und der Dezernentenkonferenz, die Ordensoberen und die Leitungen der Geistlichen Gemeinschaften, die Leiter der Bistumsschulen, die Mitglieder des Diözesan-Pastoralrates, des Diözesan-Kirchensteuerrates, der Verbände im Bistum Mainz und der diözesanen Einrichtungen sowie der Dekanatsräte der insgesamt 20 Dekanate im Bistum Mainz.

tob (MBN)

 

Kohlgraf: „Die Welt braucht Handwerker des Friedens“

Gottesdienst und Empfang zum Weltfriedenstag in Heidesheim

Heidesheim. „Die Welt braucht Handwerker des Friedens. Irgendjemand muss in seinem Umfeld nach seinen Möglichkeiten anfangen, auch wenn andere ihn belächeln.“ Das sagte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf in seiner Predigt zum Weltfriedenstag am Sonntag, 12. Januar. Wenn der Papst zum Jahreswechsel stets an die Krisen- und Kriegsgebiete auf der Erde erinnere, dann verändere dies zunächst nichts, sagte Kohlgraf, der seit Oktober 2019 Präsident der deutschen Sektion von Pax Christi ist. „Ich meine aber, es ist neben der Erinnerung und der Solidarität immer auch ein Appell und eine Hoffnung, die nicht sterben will: ‚Ihr könnt Frieden schaffen’ und Gott gebe seinen Segen. Auch da mag mancher seinen zynischen Kommentar geben. Wer hofft, erscheint manchmal naiv und weltfremd.“ Der Gottesdienst in der Pfarrei St. Philippus und Jakobus war Auftakt der zentralen Veranstaltung des Bistums Mainz zum Weltfriedenstag.

Wörtlich sagte Bischof Kohlgraf: „Wenn wir unsere kleinen Schritte zum Frieden setzen, steht da nicht zuerst die Frage, ob sich das lohnt. Gelohnt hat sich das Verhalten Jesu für ihn wahrhaftig nicht. Für mich ist die erste Frage die Frage nach einem wahrhaftigen und menschenwürdigen Leben. Und das gelingt nur in echter Nachfolge des Gekreuzigten: nicht der Ruf zum Kreuzzug, sondern der Ruf zur Nachfolge in der Gewaltlosigkeit und zum Frieden trifft mich. Es fängt bei jeder Zeugin und jedem Zeugen des Friedens an. Im Kleinen und Privaten, und es möge sich im Großen bewähren.“ Und weiter: „Gott ist aus der Gewaltspirale selbst ausgestiegen. Das macht den Friedensdialog zu einem geradezu göttlichen Projekt, im Privaten wie im Politischen.“

Kohlgraf ging auf die Bedeutung des Dialoges für die Friedensarbeit ein: „Dialog muss Unrecht benennen, er muss nach konkreten Schritten suchen, auf dem Weg zum Frieden weiter zu kommen, er muss Sorge tragen, dass der andere sein Gesicht nicht verliert, er bemüht sich um Mäßigung des Tons und vielleicht: er versucht den anderen zu verstehen, auch wenn er dessen Position nicht zu teilen vermag. Dialog kann ein langer und mühsamer Weg sein.“ Als Beispiele für Friedenshandwerker ging Kohlgraf in seiner Predigt außerdem auf Franz von Assisi und die sieben Trappistenmönche ein, die im Jahr 1996 in Algerien ermordet worden waren.

Die Botschaft von Papst Franziskus zum Weltfriedenstag am 1. Januar steht unter der Überschrift: „Der Friede als Weg der Hoffnung: Dialog, Versöhnung und ökologische Umkehr“. Der Weltfriedenstag wird in der Katholischen Kirche seit 1968 weltweit am 1. Januar begangen. Im Bistum Mainz ist es seit vielen Jahren üblich, an einem der folgenden Sonntage in einer zentralen Veranstaltung das Anliegen des Tages aufzugreifen.

Konzelebranten des Gottesdienstes waren Ortspfarrer Markus Metzler und Pfarrer Michael Baunacke, der Geistliche Beirat von Pax Christi im Bistum Mainz. Die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes hatten die Katholische Kirchenmusik Heidesheim unter Leitung von Zena Becker sowie der Chor „Klangfarben“ unter Leitung von Andreas Hesping-Barthelmes übernommen. Die Kollekte im Gottesdienst ist für das Maximilian-Kolbe-Werk bestimmt, das Überlebende aus Ghettos und Konzentrationslagern unterstützt.

Beim anschließenden Empfang im Gemeindesaal stellte sich die internationale katholische Friedensbewegung Pax Christi vor, die den Weltfriedenstag jährlich mitgestaltet. Vorgestellt wurden auch die Arbeit der Flüchtlingshilfe Heidesheim-Wackernheim sowie die Initiative „Fridays for future“ und das Netzwerk „Bingen for future“. Bischof Kohlgraf würdigte in einem Schlusswort das vielfältige Engagement der Gruppen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Eva-Maria Hartmann. Veranstalter des Tages waren die Pfarrei St. Philippus und Jakobus in Heidesheim, zusammen mit dem Pax Christi-Regionalverband Rhein-Main (Bistümer Limburg und Mainz) und der Geschäftsstelle Weltkirche/Gerechtigkeit und Frieden im Bischöflichen Ordinariat Mainz.

tob (MBN)

 

Segenswünsche für das neue Jahr

Weihbischof Bentz empfing Sternsinger im Bischöflichen Ordinariat

Mainz. Eine Sternsingergruppe der Martinus-Schule in der Weißliliengasse in Mainz ist am Mittwoch, 8. Januar, vom Mainzer Weihbischof Dr. Udo Markus Bentz, Generalvikar des Bistums Mainz, sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Bischöflichen Ordinariat in Mainz empfangen worden. Die Schüler der fünften und sechsten Klasse überbrachten ihre traditionellen Segenswünsche zum neuen Jahr und sammelten Spenden für Not leidende Kinder in der Welt. Die 62. Aktion Dreikönigssingen steht unter dem Leitwort „Segen bringen, Segen sein. Frieden! Im Libanon und weltweit“. Die Aktion wird getragen vom Aachener Kindermissionswerk und dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ).

Hinweis: www.sternsinger.de

tob (MBN)

Vorschau

„Klimaschutz ist Leben für Morgen“

Bistum Mainz schreibt wieder einen Umweltpreis aus

Mainz. Das Bistum Mainz schreibt auch in diesem Jahr einen Umweltpreis aus. Gesucht werden Projekte zum Klimaschutz für die Bereiche Gebäude, Mobilität, Kohlenstoffdioxid-Emissionen und Beschaffung. Preiswürdig sind alle Projekte, die in besonderer Weise die Anregungen des Maßnahmenkataloges im Klimaschutzkonzept für das Bistum Mainz umsetzen.

Das Preisgeld beläuft sich auf insgesamt 5.000 Euro; es werden bis zu vier Preisträger ausgezeichnet. Zusätzlich werden zwei Sonderpreise für Kindergärten und Schulen in Höhe von je 500 Euro vergeben. Eine unabhängige Jury wird im Januar 2021 die Bewerbungen sichten und die Preisträger auswählen. Jedes Jurymitglied bewertet die Bewerbungen nach einem festgelegten Kriterienkatalog. Bewerben können sich alle kirchlichen Gruppen, Verbände, Einrichtungen, Stiftungen, Kindergärten, Schulen, Pfarreien und Klöster im Bistum Mainz. Bewerbungsschluss ist der 1. Dezember 2020.

Hinweis: Weitere Informationen im Internet unter www.bistum-mainz.de/umweltpreis

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„Meenzer Bube, Meenzer Mädcher …“ (28.1.)

Gesprächsabend zur fünften Jahreszeit im Erbacher Hof in Mainz

Mainz. Mit dem Thema „Nachwuchs in der Mainzer Fastnacht“ beschäftigt sich der diesjährige Gesprächsabend zur fünften Jahreszeit der Bistumsakademie Erbacher Hof. Peter Krawietz, Vizepräsident des Bundes Deutscher Karneval, Cathrin Tronser, Sitzungspräsidentin GdP, Manuela Weber von der Kleppergarde sowie Erhard und Sebastian Grom sprechen am Dienstag, 28. Januar, um 19.11 Uhr über „Meenzer Bube, Meenzer Mädcher“. Die Veranstaltung ist bereits ausverkauft.

am (MBN)

 

 „Arbeit ist das halbe Leben?“ (21.1.)

Neujahrsempfang der Betriebsseelsorge Südhessen mit Karikaturenausstellung

Rüsselsheim. Die Betriebsseelsorge Rheinhessen lädt am Dienstag, 21. Januar, um 18.00 Uhr zu ihrem Neujahrsempfang ein. Der Empfang im Kulturzentrum „Das Rind“ (Mainstraße 11 in Rüsselsheim) steht unter der Überschrift „Arbeit ist das halbe Leben? Karikaturen zu Mensch, Maschinen und Moneten“. Gezeigt wird die Karikaturen-Ausstellung der Betriebsseelsorge Bamberg, dessen Leiter Dr. Manfred Böhm auch den einleitenden Impuls halten wird.

Hinweis: Weitere Informationen bei Betriebsseelsorgerin Ingrid Reidt, Telefon: 06142-64104, Internet: www.arbeitswelt-bistum-mainz.de

am (MBN)

 

Ausstellung „Deutsch machen“ (ab 22.1.)

Veranstaltungen der Ökumenischen Arbeitsgruppe zum Gedenktag 27. Januar

Mainz. Alodia Witaszek, 1938 in Polen geboren, war fünf Jahre alt, als ihr Vater von deutschen Besatzern hingerichtet und die Mutter in ein KZ gebracht wurde. Die blonde und blauäugige Alodia wurde als „rassenützlich“ angesehen und in ein „Lebensborn“-Heim gegeben. Sie war eines der Kinder, die von deutschen Nationalsozialisten in den besetzten Gebieten geraubt wurden. Um die Schicksale dieser Kinder geht es in der Ausstellung „Deutsch machen“ der Ökumenischen Arbeitsgruppe Gedenktag 27. Januar. Die inzwischen 81-jährige Alodia Witaszek wird an der Eröffnung der Schau am Mittwoch, 22. Januar, um 18.00 Uhr in der Mainzer Christuskirche teilnehmen.

„Wo Sie ein gutes Blut finden, haben Sie es für Deutschland zu gewinnen, oder Sie haben dafür zu sorgen, dass es nicht mehr existiert. Auf keinen Fall darf es auf der Seite unserer Gegner leben.“ Das erklärte Heinrich Himmler, „Reichsführer SS“, im September 1942 vor höheren SS-Offizieren. Worum es dabei ging? „Um Kindesraub“, betont Peter-Otto Ullrich von der Ökumenischen Arbeitsgruppe Gedenktag 27. Januar. Himmler hatte schon vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs die Auffassung geäußert, dass „auch in der slawischen Rasse nordische Blutträger“ vorhanden seien. Und diese Kinder sollten geraubt werden. Die Ausstellung „Deutsch machen: Kinderraub der Nazis in besetzten Gebieten“ zeigt die ideologischen Motive der Täter auf und schildert die Schicksale der Kinder und ihrer Mütter. Die Schwerpunkte der Schau liegen auf Polen und Norwegen.

Zunächst wird beispielhaft die Geschichte von Alodia Witaszek erzählt. Sie wird am 3. Januar 1938 in Poznan (Posen) als drittes Kind von Halina und Franciszek Witaszek geboren. Es folgen ihre zwei Jahre jüngere Schwester Daria und ihr 1942 geborener Bruder Krysztof. Im April 1942 wird der Vater wegen aktiven Widerstandes verhaftet, die Mutter wird im „Fort VII“ interniert. Am 8. Januar 1943 wird der Vater hingerichtet, die Tat aber wird geheim gehalten. Ab Mitte Januar 1943 werden Alodia und ihre jüngere Schwester Daria in die Obhut von Großonkel Antoni und dessen Ehefrau Mala in Posen gegeben. Im Februar 1943 werden die beiden Mädchen einer „Gesundheitsprüfung“ in der Gestapo-Dienststelle unterzogen. Am 25. März 1943 wird die Mutter im Frauenlager des KZ Auschwitz-Birkenau registriert.

Am 9. September 1943 werden die beiden Schwestern gewaltsam von Onkel und Tante getrennt und mit positiver „Eindeutschungsperspektive“ in das „Jugendverwahrlager Litzmannstadt“ transportiert. Im November 1943 werden sie in das „Lebensborn“-Heim in Bad Polzin überstellt. Hier erfolgt der zwangsweise durchgeführte „Identitätswechsel“. Aus Alodia Witaszek wird das vermeintliche „Waisenkind“ Alice Wittke. Es wird dem kinderlosen Ehepaar Luise und Wilhelm Dahl aus Stendal als „Geschenk des Führers“ zugewiesen. Ihre Schwester Daria wird als Dora Wittke einem Ehepaar in Wien zur Adoption gegeben.

Am 16. Mai 1945 kehrt die Mutter Halina aus der KZ-Haft in Ravensbrück zurück und sucht vergeblich nach ihren Töchtern Alodia und Daria. Erst am 1. Oktober 1947 erhält sie die Nachricht vom Beauftragten der polnischen Regierung für die Rückführung der geraubten Kinder über den Verbleib von Alodia und Daria. Am 7. November 1947 kehrt Alodia Witaszek zurück zu ihrer Mutter nach Polen. Es beginnt der lange schmerzhafte Prozess der „Repatriierung“ in Polen. Es ist die Rückkehr in eine fast vergessene Familie. Alodia bleibt in Kontakt mit ihrer Adoptivmutter, mit der sie sich sehr gut verstanden hat. Auch zwischen beiden Müttern besteht ein lebenslanges gutes Verhältnis.

Vor zehn Jahren kam Alodia Witaszek-Napierala erstmals auf Einladung des Maximilian Kolbe-Werks als Zeitzeugin ins Bistum Mainz. Seither erzählt sie hier, in Köln, Freiburg und Sachsen ihre Geschichte, „die sie noch immer sehr belastet“, berichtet Peter-Otto Ullrich. „Aber Alodia sieht ihre Lebensaufgabe darin, an die geraubten Kinder und deren Schicksale zu erinnern.“ Allein aus Polen wurden mindestens 20.000 Kinder ins Reichsgebiet verschleppt. Peter-Otto Ullrich: „Der Raub der Kinder war ein Raub der Identität.“

Völlig anders war die Situation in Norwegen. Die Methoden, sich der Kinder von  „rassereinen“ Norwegerinnen und deutschen Besatzungssoldaten zu bemächtigen, unterschieden sich erheblich von den im Osten praktizierten Rauben. Insgesamt verlief die Besatzungszeit recht friedlich. Viele deutsche Soldaten verliebten sich in junge Norwegerinnen. Die Zahl der Kinder aus diesen Verbindungen wird auf 12.000 geschätzt. Als nichtehelich Geborene hatten die Kinder die gleiche Staatsbürgerschaft wie ihre Mütter. Die Deutschen behielten sich allerdings das Recht vor, alle Wehrmachtskinder, die sie „haben wollten“ aufgrund ihres „deutschen Blutes“ als „Deutsche“ zu reklamieren.

Nach dem Krieg wurden die norwegischen Mütter und ihre von deutschen Soldaten gezeugten Kinder in ihrer Heimat jahrzehntelang stigmatisiert. Ihr Schicksal war lange ein Tabu in der norwegischen Gesellschaft. Erst 1986 kam es zur Gründung der „Norsk krigsbarns forening“ (Vereinigung norwegischer Kriegskinder). Im gleichen Jahr wurde das norwegische Adoptionsrecht dahingehend novelliert, dass jeder Bürger nun das Recht hat zu erfahren, wer seine leiblichen Eltern sind. Im März 2005 wurden individuelle Entschädigungen beschlossen, die bis zu 200.000 Kronen für jedes Kriegskind vorsah, dem Leid zugefügt worden war.

Auch auf die Schicksale der „nichteindeutschungsfähigen“ Kinder geht die Ausstellung ein. Ein polnischer Zeitzeuge wird zitiert mit den Worten: „Die polnischen christlichen Kinder konnten getötet werden. Die Sinti- und Roma- und jüdischen Kinder mussten getötet werden. Das war der Unterschied.“ Ein Fazit am Ende der Ausstellung lautet: „Der Kindermord legt in aller Schärfe den Ausnahmecharakter der Ermordung der Juden Europas bloß, weil er gewissermaßen die Quintessenz dessen ist, was wir ‚Holocaust’ nennen. Niemals zuvor hatte in unserem Kulturkreis jemand sämtliche Kinder eines Volkes ermorden lassen wollen.“

Ausstellungseröffnung am 22. Januar mit Weihbischof Bentz

Die Ausstellung wird am Mittwoch, 22. Januar, ab 18.00 Uhr in der Christuskirche durch Weihbischof Dr. Udo Markus Bentz, Präses Dr. Ulrich Oelschläger und Landtagspräsident Hendrik Hering eröffnet. Alodia Witaszek-Napierala ist anschließend drei Tage lang in Mainz, um im „Haus des Erinnerns“ Gespräche mit Schulklassen zu führen. Eine Lesung mit Konzert zu Ehren von Alodia Witaszek findet am Donnerstag, 23. Januar, ab 19.00 Uhr in der Synagoge in Mainz-Weisenau statt. Ein ökumenischer Gottesdienst findet am Sonntag, 26. Januar, ab 19.00 Uhr in der ESG-Kirche statt.

Weitere Stationen der Ausstellung: Mainzer Dom vom Mittwoch, 29. Januar, bis Montag, 3. Februar; Evangelische Studierenden Gemeinde (ESG), Am Gonsenheimer Spieß, Dienstag, 4., bis Sonntag, 9. Februar; Ketteler-Kolleg, Rektor-Plum-Weg 10, von Donnerstag, 27. Februar, bis Montag, 16. März; Jugendhaus Don Bosco, Am Fort Gonsenheim 54, vom Dienstag, 17. März, bis Donnerstag, 9. April.

ath (MBN)

Publikation

Beiträge zur Quellenforschung

71. Jahrgang des Archivs für Mittelrheinische Kirchengeschichte erschienen

Mainz. Der 71. Jahrgang des Archivs für Mittelrheinische Kirchengeschichte ist erschienen. Die Publikation der Gesellschaft für Mittelrheinische Kirchengeschichte (GfMK) widmet sich der Kirchengeschichte in den Bistümern Fulda, Erfurt, Limburg, Mainz, Speyer und Trier. Daneben enthält sie Beiträge zur Quellenforschung sowie Berichte aus der Arbeit der kirchlichen Denkmalpflege und in der Rubrik „Kirchenhistorische Chronik“ Berichte von den Fakultäten der Bistümer und der Jahrestagung der Gesellschaft. Das Archiv erscheint mit der aktuellen Ausgabe erstmals im Aschendorff-Verlag Münster und in neuer Gestaltung.

Von Seiten der Denkmalpflege im Bistum Mainz berichtet Diana Ecker über Restaurierungs- und Renovierungsarbeiten im Jahr 2018. Die Entwicklungen an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Johannes Gutenberg-Universität Mainz stellt Dr. Thomas Berger vor. Bernhard Schneider erinnert in einem Beitrag an den im Jahr 2019 verstorbenen Mainzer Bistumspriester Professor Dr. Peter Walter der unter anderem auch Präsident der Gesellschaft für Mittelrheinische Kirchengeschichte war. Im vergangenen Jahr hat außerdem Gabriela Hart vom Institut für Mainzer Kirchengeschichte die Geschäftsführung des Gesellschaft für Mittelrheinische Kirchengeschichte übernommen.

Herausgegeben wird die Reihe von Privatdozent Dr. Michael Oberweis (Mainz), Professor Dr. Hans Ammerich (Speyer), Dr. Marie-Louise Crone (Limburg), Dr. Alessandra Sorbello-Staub (Fulda), Professor Dr. Christoph Nebgen (Saarbrücken), Professor Dr. Bernhard Schneider (Trier), Professor Dr. Winfried Weber (Trier) und Professor Dr. Jörg Seiler (Erfurt).

Hinweise: 

  • Archiv für Mittelrheinische Kirchengeschichte nebst Berichten zur kirchlichen Denkmalpflege, hrsg. von Michael Oberweis, 71. Jahrgang 2019, Aschendorff-Verlag, Münster 2019, 30 Euro, ISSN 0066-6432.

tob (MBN)

Bilder zu den MBN Nr. 2/2020

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