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Altenstadt/Engelthal. Die im Januar dieses Jahres neu gewählte Äbtissin der Benediktinerinnen-Abtei Kloster Engelthal in Altenstadt/Wetterau, Elisabeth Kralemann OSB (53), hat am Sonntag, 11. Mai, in der Klosterkirche durch Kardinal Karl Lehmann die kirchliche Benediktion und damit die Weihe zur Äbtissin empfangen. Mit der feierlichen Segnung überreichte ihr Lehmann die Insignien für ihre neue Aufgabe: die Regel des heiligen Benedikt, den Ring und den Äbtissinnenstab. Das Brustkreuz hatte sie bereits am Tag ihrer Wahl (24.1.2003) empfangen, an dem sie für 12 Jahre gewählt wurde.
Als Wahlspruch für ihren Dienst als Äbtissin hat Elisabeth Kralemann ein Wort aus dem zweiten Kapitel der Regel des heiligen Benedikt gewählt: „In Christo unum – Eins in Christus". Die Einheit sei Benedikt, der von Papst Paul VI. zum „Schutzpatron Europas" erklärt wurde, ein zentrales Anliegen, betonte Kralemann. „Benedikt war sich der großen sozialen und charakterlichen Unterschiede bewusst, die so leicht unüberwindliche Barrieren im Zusammenleben von Menschen darstellen und fand die tiefere Einheit allein in Gott." In Anlehnung an Paulus habe er erkannt: „Was das Einssein begründet, ist nicht zuerst menschliches Bemühen, sondern der eine Herr und der gleiche Dienst, die gemeinsame Mitte und der verbindende Auftrag." Allen innerhalb und außerhalb des Klosters gelte die Zusage: „In Christus, dem Guten Hirten, ist uns die Einheit geschenkt; sie ist die tiefere Wirklichkeit, aus der wir leben dürfen.
Das Brustkreuz und den Hirtenstab der neuen Äbtissin hatten bereits ihre beiden Vorgängerinnen, Diethild Eickhoff OSB, und Gabriel Cosack OSB, getragen. Kralemann ist die dritte Äbtissin der Benediktinerinnen-Abtei seit der Erhebung des Klosters zur selbständigen Abtei im Jahre 1965. Die ehemalige Zisterzienserinnen-Abtei, die 1803 aufgehoben worden war, wurde 1962 als Tochtergründung der Benediktinerinnen-Abtei Herstelle/Weser als Kloster neu gegründet. Das Bistum Mainz hatte 1952 und 1961 die Kirche, die Klostergebäude und das Gelände innerhalb der alten Klausurmauer zurückgekauft.
In seiner Predigt betonte Kardinal Lehmann, dass eine Äbtissin eine für die heutigen Lebensverhältnisse fast unglaubliche Vollmacht habe. Darüber entscheide einzig und allein die Klostergemeinde, die sie gewählt hat. „Hier werden alle übrigen Maße gesprengt", unterstrich er und fragte: „Können Menschen einem anderen so viele Rechte einräumen?" Die Antwort darauf könne allein der Glaube geben. Eigentlicher Abt und wahrer Herr des Klosters sei nach Überzeugung des Ordensgründers, des heiligen Benedikt von Nursia, Jesus Christus selbst. Abt und Äbtissin könnten diese Stellvertreter Christi nur sein, wenn sie die hohe Aufgabe ganz und gar nach dem Ur- und Vorbild Jesu Christi erfüllen, der gemäß dem Lukasevangelium fordert: „Die Könige herrschen über ihre Völker und die Mächtigen lassen sich Wohltäter nennen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern der Größte unter euch soll werden wie der Kleinste und der Führende soll werden wie der Diener." (Lk 11,24-26). Nach der Regel des heiligen Benedikt solle der Abt mit seinen Weisungen „wie ein Sauerteig der göttlichen Gerechtigkeit die Herzen der Jünger durchdringen".
An diesem „Sonntag des Guten Hirten", der in der katholischen Kirche auch Welttag der Geistlichen Berufe ist, betonte Lehmann, dass das Amt der Äbtissin ein „wahrer Hirtendienst" sei. Dazu heißt es im Weihegebet: „Gott, allmächtiger Vater, Du hast Deinen Sohn in die Welt gesandt, damit er den Menschen diene und als Guter Hirte das Leben hingebe für seine Herde." Die Äbtissin müsse allen die gleiche Liebe entgegen bringen. Dazu gehöre auch die Aufgabe des Ausgleichs zwischen den Generationen und die Fähigkeit, sich dem Einzelnen zuzuwenden. Die Äbtissin habe Strenge mit Liebenswürdigkeit und Gerechtigkeit und Liebe miteinander zu verbinden. Über aller seelsorglichen Klugheit stehe die Sorge, dass niemand verloren geht oder zu Schaden kommt. Der Dienst des Hirten zeige sich hier am tiefsten, unterstrich Lehmann.
Abtpräses Anno Schoenen OSB, Maria Laach, der schon im Januar die Wahl geleitet hatte, hieß zu Beginn des Gottesdienstes die zahlreichen Ehrengäste willkommen. Zu den Konzelebranten des festlichen Weihegottesdienstes gehörten neben Kardinal Lehmann und ihm die Mainzer Weihbischöfe Dr. Werner Guballa und Dr. Ulrich Neymeyr, Generalvikar Dietmar Giebelmann und Domdekan Heinz Heckwolf, aus dem Benediktinerorden Abt Franziskus Heeremann von Zuydtwyck OSB, Neuburg, und der bisherige und der neue Spiritual des Klosters Engelthal, P. Ildefons Reinhard OSB und P. Dr. Anselm Rosenthal OSB, Maria Laach, sowie der in der Nähe von Engelthal aufgewachsene Schulpfarrer, Dr. Alexander Nawar, Offenbach. Zu den zahlreichen Vertretern der Orden und Klöstern, die Schoenen begrüßte, gehörten mehrere Äbte und Äbtissinnen der benediktinischen Ordensfamilie, unter ihnen die Äbte Norbert Stoffels, Neresheim, Benedikt Müntnich, Maria Laach, Pius Engelbert, Gerleve, und Ansgar Schmidt, Trier-St. Matthias, und die Äbtissinen Dr. Judith Frei, Varensell, und Hagia Witzenrath, Herstelle, die Vorsitzende des Ordensrates im Bistum Mainz, Schwester Brigitta Buchler, sowie Vertreterinnen und Vertreter evangelischer Kommunitäten wie der Jesusbruderschaft, Gnadenthal, und der evangelischen Michaelsbruderschaft Hessen. Als Vertreter der Politik hieß der Abtpräses den hessischen Landtagspräsidenten Norbert Kartmann sowie die Vertreter des Landkreises, Tobias Utter, und der Gemeinde Altenstadt, Bürgermeister Norbert Syguda, willkommen, besonders herzlich auch die nächsten Familienangehörigen der neuen Äbtissin, unter ihnen ihre Mutter und ihre Großmutter Margret, und Ruth Kralemann, sowie die beiden Brüder Detlef und Dr. Ulrich Kralemann. Mit sehr herzlichen Worten dankte sie am Schluss des Gottesdienstes allen Konzelebranten und allen übrigen Teilnehmern und Gästen des Weihegottesdienstes, sowie den Männern und Frauen, die sie auf ihrem bisherigen Lebensweg begleitet und auch über Jahre mit ihr zusammengearbeitet haben.
Elisabeth Kralemann wurde am 9. Juli 1949 in Bielefeld geboren. Nach Abitur, Studium und Berufstätigkeit als Lehrerin für Grund- und Hauptschule in Berlin, trat sie 1976 in die Benediktinerinnen-Abtei Kloster Engelthal ein. Sie legte am 2. Oktober 1978 ihre zeitliche und am 14. September 1982 ihre feierliche Profess ab. Von 1980 bis 1983 belegte sie in München den Studiengang Religionspädagogik und Kirchliche Bildungsarbeit und schloss ihn mit dem Diplom ab. Mehr als 15 Jahre war sie als Novizenmeisterin für die Begleitung der Frauen verantwortlich, die neu ins Kloster kamen und für deren Einführung in das monastische Leben. Zudem hat sie in der Kunst- und Buchhandlung sowie im Gästehaus des Klosters Engelthal mitgearbeitet. Sie gehörte über Jahre auch dem Rat der Äbtissin an und war Vertreterin der Abtei im Ordensrat des Bistums Mainz.
Elisabeth Kralemann wurde bei der Überreichung der Insignien von Kardinal Lehmann an erster Stelle ein Buch mit der Ordensregel Benedikts überreicht, die um 540 im Kloster Montecassino entstanden ist. Es gehört zu ihrem Aufgaben als Äbtissin, diese Regel für die Gemeinschaft auszulegen und mit ihr zu leben. Die Symbolik des Äbtissinnenrings verweist auf Dauer, Ewigkeit, Unauflöslichkeit und Treue, und auf ihre Bindung an die ihr anvertraute Gemeinschaft. Der Ring von Äbtissin Elisabeth Kralemann enthält einen in Gold gefassten blauen Achat, in dem ein Engelsköpfchen eingraviert wurde, so wie es in den alten Engelthaler Wappen zu sehen ist. Der Stab verweist auf die Hirtensorge der neuen Äbtissin. Er ist für Äbte und Äbtissinnen seit dem 5. Jahrhundert bezeugt. Diesen Stab, den Kardinal Lehmann ihr überreichte, trugen schon ihre beiden Vorgängerinnen in der Benediktinerinnen-Abtei Engelthal. Er zeigt als Krümme ein silbergetriebenes, sich entfaltendes Dreiblatt, Symbol des Kreuzes und des Lebensbaumes. Den Knauf des Stabes bildet die Inschrift in lateinischer Sprache: „Das Holz hat Hoffnung – Abgehauen schlägt es wieder aus." (Hiob 14,7). Der Äbtissinnenstab ist wie das Brustkreuz eine Arbeit von Schwester Lioba Munz OSB, Fulda (gest. 1997).
Sk (MBN)
Mainz. Der Bischof von Mainz, Kardinal Karl Lehmann, hat den neuernannten Mitgliedern in der Führung des Bistums Mainz am Dienstag, 13. Mai, im Erbacher Hof ihre Ernennungsurkunden überreicht. Lehmann wies darauf hin, dass es einen so einschneidenden Wechsel bei den Aufgabenstellungen im Bistum während seiner Amtszeit bisher nicht gegeben habe und es ihn wahrscheinlich nicht mehr geben werde, solange er Bischof sei. Gleichzeitig entpflichtete er Weihbischof em. Wolfgang Rolly von seinen Aufgaben als Domdekan und Bischofsvikar für die Weiterbildung. Er wies darauf hin, dass die offizielle Verabschiedung für Rolly am Pfingstmontag, 9. Juni, stattfinden wird.
Lehmann sagte, dass er es bewusst vermieden habe die Zahl der Dezernate anlässlich dieses Personalwechsels zu verringern, „um zu zeigen, dass uns bestimmte Aufgaben sehr wichtig im Ganzen sind". Lehmann entpflichtete Weihbischof Dr. Werner Guballa als Generalvikar, Dezernent „Pastorale Räte", Dezernent des Zentraldezernates, Moderator der Kurie und Ökonom des Bistums. Gleichzeitig überreichte er ihm die Urkunde zum Bischofsvikar für die Geistlichen im Dezernat „Personal" und für das Institut zur geistlichen Begleitung der hauptberuflich in der Seelsorge tätigen. Weihbischof Dr. Ulrich Neymeyr erhielt seine Ernennung zum Bischofsvikar für das Dezernat „Jugendseelsorge". Prälat Dietmar Giebelmann wurde als Dezernent „Personal" entpflichtet und bekam aus der Hand des Kardinals seine Ernennungsurkunde zum Generalvikar, Moderator der Kurie, Ökonom des Bistums, Dezernent des Zentraldezernates und Dezernent „Pastorale Räte". Domkapitular Heckwolf wurde als Dezernent „Jugendseelsorge" entpflichtet und zum Domdekan ernannt und damit Vorsitzender der Bischöflichen Dotation. Der bisher stellvertretende Dezernent „Personal", Eberhard Hüser, wurde von Kardinal Lehmann zum Dezernent „Personal" ernannt und führt damit den Titel Ordinariatsdirektor. Prälat Jürgen Nabbefeld erhielt seine Ernennung als Dezernent „Weiterbildung". Alle Ernennungen sind zum 1. Mai in Kraft getreten.
In seinem Schlusswort dankte Generalvikar Giebelmann für das Vertrauen, das Kardinal Lehmann in die Neuernannten gesetzt habe. Gleichzeitig erbat er von den Mitarbeitern „eine vertrauensvolle Zusammenarbeit". Eröffnet hatte er seine Rede mit dem Satz: „Wir arbeiten gerne für Sie, Kardinal Lehmann." Giebelmann fuhr fort: „Wie ein Fels zusammenstehen, lautet unser Motto". Er selbst habe im vergangenen Jahr erfahren dürfen, wie Kardinal Lehmann „sich wie ein Fels vor einen stellen kann. Dafür danke ich Ihnen", sagte der Generalvikar. Auch die Mitarbeiter müssten „untereinander und miteinander wie ein Fels zusammenstehen". Der Vorsitzende der Mitarbeitervertretung (MAV), Günter Zwingert, wünschte den Neuernannten in seinem Grußwort alles Gute für die neuen Aufgaben. Den musikalischen Rahmen der Amtseinführung gestalteten der Chor der Regionalkantoren, sowie Gregor Knop (Flöte), Dan Zerfaß, Thomas Lennartz und Ralf Stiewe (alle Klavier). Kardinal Lehmann sprach ihnen allen am Ende der Feierstunde ein Dankeschön für die Gestaltung aus.
tob (MBN)
Mainz. Der Rabbiner Leo Trepp ist anlässlich seines 90. Geburtstages (4. März 2003) für sein herausragendes Engagement für die christlich-jüdische Verständigung und seinen Einsatz für Toleranz und Aussöhnung mit dem Ehrenring der Stadt Mainz ausgezeichnet worden. Oberbürgermeister Jens Beutel überreichte die hohe Auszeichnung am Mittwochabend, 7. Mai, im Ratssaal der Stadt. Beutel würdigte Trepp mit den Worten: „Sie sind ein Vermittler von Vergangenheit und Gegenwart, von Jung und Alt, Juden und Christen, Deutschen und Amerikanern." Er erinnerte daran, dass Trepp bereits 1993 mit der Gutenberg-Plakette der Stadt Mainz ausgezeichnet wurde.
Die Laudatio anlässlich der Überreichung des Ehrenrings hielt der Bischof von Mainz, Kardinal Karl Lehmann. „Dieser Abend ist ein Geschenk, dass wir nämlich nicht in die Gefahr kommen zu vergessen, was sich im Blick auf unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger vor allem in den Jahren 1933 bis 1945 ereignet hat", erklärte er. Trepp helfe ganz besonders, das Schicksal des jüdischen Volkes nicht als etwas Fernes und Außerordentliches darzustellen, denn er sei ein „echter Mainzer, der zu uns gehört". Der Bischof ließ den Lebenslauf Trepps lebendig werden, der am 4. März 1913 in Mainz geboren wurde, das Mainzer Gymnasium am Kurfürstlichen Schloss besuchte, Theologie und Philologie in Frankfurt, Berlin und Würzburg studierte und zugleich in Frankfurt die Talmud-Hochschule besuchte. 1936 sei Trepp dem Ruf nach Oldenburg als Landesrabbiner gefolgt, ein Amt, das er bis zu seiner Inhaftierung im Jahr 1939 und dem Transport in das Konzentrationslager Sachsenhausen inne hatte.
Ihm sei jedoch die Flucht gelungen und die Auswanderung nach England. Von dort wanderte er nach einjährigem Aufenthalt in die Vereinigten Staaten aus und war von 1940 bis 1951 in verschiedenen Gemeinden. Aber das Leid sei mit der Auswanderung nach Amerika für Leo Trepp nicht zu Ende gewesen. Vergeblich bemühte er sich, seine Eltern in die USA nachkommen zu lassen, aber sie erhielten kein Einreisevisum. So starb sein Vater in Mainz und wurde hier beerdigt, seine Mutter von den Nazis ermordet. Leo Trepp lehrte von 1951 bis zu seiner Emeritierung als Professor für Philosophie und Geisteswissenschaften am Napa-College in Kalifornien.
Kardinal Lehmann bekannte, er empfinde es immer wieder als ein Wunder, dass Menschen, die ein solches Schicksal erlebt hatten, die Hand zur Versöhnung ausstreckten. In vielen Besuchen in Deutschland habe Leo Trepp sich darum bemüht, das Werk der Versöhnung fortzusetzen. Auf seinen Studienfahrten z.T. mit Studenten, standen unter den deutschen Städten immer Mainz und Oldenburg an erster Stelle. Darüber hinaus habe er u.a. an den Universitäten in Heidelberg, Osnabrück, Münster, Bonn, Hamburg, Innsbruck, Tübingen und Wuppertal wie auch in Fulda, dem Herkunftsort seiner Familie väterlicherseits, Vorträge gehalten. 1954 habe Trepp auch wieder seine Heimatstadt Mainz besucht.
Lehmann hob besonders hervor, dass der Fachbereich Evangelische Theologie der Mainzer Universität Trepp wieder ein Zuhause gegeben habe, seit dem Jahr 1983 und seit 1988 als Honorarprofessor. Dies sei vor allem ein Verdienst der Professoren Eugen Rapp, Günter Mayer und Otto Böscher gewesen. Lehmann stellte auch heraus, dass Trepp viele wertvolle Veröffentlichungen über das Judentum und die Geschichte der deutschen Juden geschrieben habe. Eine besondere Kostbarkeit sei das 1992 erschienene Buch „Der jüdische Gottesdienst". Darin liege die Quelle, „die dem Glauben wirklich Kraft zum Überleben und zum Erneuern schenkt". Nachdrücklich dankte er ihm für das Vermächtnis seines Lebens: „Wir sind dankbar für Ihre Treue zu unserem Land, und ganz besonders zu Mainz."
Der Vorsitzende des Fördervereins Synagoge Weisenau, Staatssekretär a.D. Dr. Heinrich Schreiner, der seit Jahren mit Leo Trepp freundschaftlich eng verbunden ist, erinnerte daran, dass der Rabbiner wesentlich zur Wiederherstellung der Synagoge beigetragen und diese am 27. Mai 1996 geweiht habe. Der Weihetag sei genau auf den Tag genau 900 Jahre nach der Ermordung von mehr als 1000 Mainzer Juden während des ersten Kreuzzuges erfolgt. Darin haben, wie Schreiner hervorhob, am Weihetag Bischof Lehmann und der damalige Probst für Rheinhessen, Hermann Petersen, erinnert und ihre Scham über das Leid bekundet, das Juden von Christen zugefügt wurde. In den sieben Jahren seit Wiedereröffnung der Weisenauer Synagoge, habe Leo Trepp dort öfter Gottesdienste gefeiert und Vorträge gehalten.
In seinem Dankeswort erklärte Trepp, dass er seit langem in San Francisco zu Hause sei. Sein anderer Wohnort sei jedoch Mainz. Trepp dankte besonders dafür, dass ihm der Fachbereich Evangelische Theologie an der Mainzer Universität eine Heimat gegeben habe. Dies sei für einen jüdischen Theologen einmalig in der Welt. Er dankte auch Kardinal Lehmann, dass er ihm 1998 die Möglichkeit gegeben hatte, erstmals im Mainzer Dom zu sprechen. Trepp erinnerte an das Leiden der jüdischen Mitbürger/innen in Deutschland und betonte, dass die Ideologie der Nationalsozialisten mit ihrem „absoluten Götzendienst" und ihrer Menschenverachtung eine geschichtliche Zäsur für die Juden in Deutschland gelegt hätte. Doch diese Zäsur könne durch das Mitfühlen, die Empathie, überwunden werden. Beispielhaft verwies er auf zwei herausragende Gestalten der katholischen Kirche, die nach seinen Worten diese Empathie gelebt haben: Papst Johannes XXIII., der eine jüdische Delegation mit den Worten empfing: „Ich bin Johannes, Euer Bruder." und Kardinal Augustin Bea, der die Erklärungen des Vatikans über das Verhältnis von Christen und Juden maßgeblich beeinflusst habe.
Auch der von den Nazis ermordete Berliner Probst Lichtenberg, könne ein lebendiger Prediger dieser Empathie sein, unterstrich er. Trepp rief die Bürgerinnen und Bürger dazu auf, in einer solchen Empathie zu leben und Hass und Intoleranz zu bekämpfen. „Wir als Mainzer sind dazu fähig." Das sei sein Ruf an seine Mitbrüder und Mitschwestern hier in Mainz. Den ihm geschenkten Ehrenring betrachte er als Zeichen der Treue in diesem gemeinsamen Bemühen um das Wahre, Gute und Schöne, um Menschlichkeit und Toleranz. Die mehr als 400 Teilnehmer an der Feier dankten Trepp mit starkem Beifall und Standing Ovations für seine Rede und seine Verdienste.
Oberbürgermeister Beutel hatte bei der Begrüßung betont, dass der Ratssaal selten so gefüllt sei wie an diesem Tag. Unter den Gästen hieß er neben Kardinal Lehmann namentlich die Mainzer Weihbischöfe Dr. Werner Guballa und Dr. Ulrich Neymeyr, den evangelischen Stadtdekan Wolfgang Drewello, den katholischen Dekan Heinz Schmitz, den Kulturdezernenten der Stadt, Peter Krawietz, den Direktor der Akademie des Bistums Mainz Erbacher Hof, Dr. Peter Reifenberg, die Vertreter des Stadtrates, der Mainzer Universität und der Jüdischen Gemeinde willkommen, besonders herzlich Dr. Ekkehard Seeber als Vertreter des Oldenburger Oberbürgermeisters. Musikalisch gestaltet wurde die Feier von Professor Joshua Eppstein (Violine) und Uwe Brandt (Klavier), beide Saarbrücken. Sie spielten unter großem Beifall Werke von Ernest Bloch und zum Abschluss Beethovens Sonate in G-dur.
Sk (MBN)
Vallendar. Kardinal Walter Kasper, Präsident des Päpstliches Rates für die Förderung der Einheit der Christen, ist mit der theologischen Ehrendoktorwürde der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Pallottiner in Vallendar ausgezeichnet worden. Bei der Überreichung der Urkunde am Samstag, 10. Mai, in der Aula der Hochschule wies Hochschulrektor Prof. Dr. Paul Rheinbay auf die „hervorragenden wissenschaftlichen und glaubensvermittelnden Leistungen" des Theologen hin, die „für das christliche Denken und das katholische Selbstverständnis Maßstäbe gesetzt" hätten.
Mit der Verleihung der Ehrendoktorwürde dankte die Theologische Fakultät der Hochschule dem Kardinal für seinen über 40-jährigen Einsatz im Dienst der Ökumene der christlichen Kirchen. „Sein realistischer Blick auf mögliche Wege, ‚das alle eins seien’ verbindet sich mit einer spürbaren Leidenschaft für die Katholizität der Kirche in ihrer ganzen Vielfalt", sagte Rheinbay. Zu dem Akademischen Festakt begrüßte er über 300 Gäste, unter ihnen den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, den Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann, den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses i.R. Manfred Kock, den Trierer Alt-Bischof Dr. Hermann Josef Spital, Bischof Dr. Franz Kamphaus, weitere katholische Bischöfe und zahlreiche Repräsentanten christlicher Kirchen sowie Weggefährten des Kardinals aus Kirche, Hochschulen und Politik.
Kardinal Lehmann beschrieb in seiner Laudatio den Lebensweg des akademischen Lehrers, Bischofs und Kardinals Walter Kasper, der zunächst Professor für Dogmatik in Münster und Tübingen war bis er 1989 Bischof von Rottenburg-Stuttgart wurde. Er machte deutlich, wie dieser schon vor seiner Berufung zum Sekretär des Päpstlichen Einheitsrates in der „Sorge um die Ökumene" eine durchlaufende Perspektive gesehen habe. Lehmann würdigte nicht nur die Kirchlichkeit und Wissenschaftlichkeit des Theologen Kasper, sondern auch dessen Offenheit, sich mit der geistigen und gesellschaftlichen Gegenwart im Licht des Glaubens auseinander zu setzen. Schließlich habe der Papst mit Kasper „einen der renommiertesten Theologen der katholischen Kirche" in das Amt des Präsidenten dieses römischen Kurienorgans berufen. Als eine der wichtigsten Anliegen der Sendung in der Kirche bezeichnete er die „Sorge um die Einheit". „Die Ehrenpromotion für Kardinal Kasper kann uns bewusst machen, wie zentral diese Sendung in der Kirche von heute ist", betonte Lehmann in seiner Laudatio.
In seiner Ansprache wie auch bei einem vorausgehenden Pressegespräch umschrieb Kardinal Kasper die aktuelle ökumenische Situation als eine Zeit, die „nach mancherlei jugendlichen Träumen in eine Zeit der Reife und des Erwachsenseins eingetreten" sei. Je näher die Christen einander gekommen seien, umso schmerzhafter spürten sie, was sie noch trenne. Kasper stellte klar, dass die ökumenische Bewegung nicht die Bekehrung zu anderen Konfessionen erstrebe, die im Einzellfall möglich und zu respektieren sei, sondern die Bekehrung zu Jesus Christus: „In dem Maße wie wir ihm näher kommen, kommen wir auch untereinander näher", betonte er. Ökumene sei „kein diplomatisches Geschäft oder eine rein akademische Angelegenheit", sondern vielmehr ein „geistlicher Prozess". Nach Aussage seines Präsidenten will der Päpstliche Einheitsrat „genau diesen spirituellen Aspekt" besonders fördern.
Als einen „wesentlichen Mangel" der deutschen Ökumene-Diskussion bezeichnete Kardinal Kasper eine Beschränkung auf den protestantisch-katholischen Dialog. Seiner Einschätzung nach können die Probleme der westlichen Kirchenspaltung nur gelöst werden, wenn eine „einseitig westorientierte ökumenische Theologie" überwunden wird und es zu einer „ökumenischen Osterweiterung" kommt. Dazu könne die gegenwärtige „Osterweiterung" durch jene Staaten, deren Kultur von der ostkirchlichen Tradition bestimmt sei, einen zusätzlichen Anstoß geben. Kardinal Kasper wörtlich: „Die politische Einigung von West- und Osteuropa kann nur gelingen, wenn es auch zu einer kulturellen Annäherung und das heißt zu einer Annäherung der West- und der Ostkirche kommt." Auf ökumenischem Gebiet seien hier in den letzten Wochen und Monaten „deutliche Zeichen der Entspannung" zu erkennen. Vor allem mit der Kirche von Griechenland, der rumänischen, serbischen und bulgarischen orthodoxen Kirche gebe es „erstaunliche Fortschritte" und eine sich anbahnende intensive Zusammenarbeit, die noch vor wenigen Jahren undenkbar erschienen wären. „Wir stehen am Anfang einer viel versprechenden Entwicklung von großer kirchlicher und europäischer Bedeutung", stellte der Kardinal fest.
Vom Ökumenischen Kirchentag in Berlin, an dem Kasper einen Tag lang teilnimmt, erhofft er sich „ein gemeinsames Zeugnis von der frohen und befreienden Botschaft". Nur so könnten die Christen einander und der Welt ein Segen sein. Als „ökumenische Zukunftsperspektive" sieht der Kardinal eine „Einheit in versöhnter Vielfalt". Kardinal Kasper: „Alle Kirchen haben ihre Geistgaben, in keiner Kirche sind alle Geistgaben konkret voll verwirklicht. Alle haben auf je ihre Weise etwas einzubringen". Ausdrücklich dankte der Kardinal dem EKD-Ratsvorsitzenden Manfred Kock für seine „überzeugende ökumenische Brüderlichkeit". Diese sei heute „alles andere als selbstverständlich". Kock hob seinerseits in seinem Grußwort die „ökumenische Sensibilität" von Kardinal Kasper hervor, der weder klare Worte noch große Gelassenheit scheue. Zwar lebe das ökumenische Gespräch auch davon, dass man die Unterschiede wahrhaftig benenne und kontrovers-theologische Sachfragen mit großem Ernst kläre. Aber das entscheidende Kennzeichen der Ökumene sei der Respekt vor dem Gegenüber. Mit dieser Haltung sei Kardinal Kasper „einer der wichtigsten ökumenischen Brückenbauer".
A.W. (MBN)
Mainz. Künftige Religionslehrerinnen und Religionslehrer sollen ein klares theologisches Grundwissen beherrschen und in einer praxisorientierten Ausbildung die Fähigkeit erwerben, dieses Wissen mit den notwendigen inhaltlichen und didaktischen Differenzierungen schulartspezifisch ihren Schülerinnen und Schülern vermitteln zu können. In diesen Forderungen waren sich die Bischöfe und Theologieprofessoren des deutschen Sprachraums beim 28. Mainzer Gespräch einig. In der rheinland-pfälzischen Landehauptstadt diskutierten sie auf Einladung des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, am Montag, 12. Mai, kirchliche Anforderungen an die Studiengänge für das Lehramt in katholischer Religion.
Dazu hatten der Katholisch-Theologische Fakultätentag und eine Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz Vorschläge erarbeitet. Anliegen der Reform ist es, den Veränderungen im Hochschulbereich gerecht zu werden, ohne die spezifischen Anforderungen der Theologie zu vernachlässigen. Im Blick auf notwendige Veränderungen hatten die Kommissionen für Erziehung und Schule sowie für Wissenschaft und Kultur der Deutschen Bischofskonferenz in den Jahren 2000 bis 2002 einen Konsultationsprozess zur Reform der Religionslehrerbildung durchgeführt und parallel dazu der Katholisch-Theologische Fakultätentag sich in mehreren Jahresversammlungen der wissenschaftlichen Ausbildung der Religionslehrer/innen gewidmet. Die Gesprächsteilnehmer in Mainz waren sich einig, dass es einen einheitlichen „Kernbereich" geben muss, der für alle theologischen Lehramtsstudiengänge grundlegend und verpflichtend sein soll. Damit soll der Wechsel der Studienorte für die Studierenden ebenso ermöglicht werden, wie die Durchlässigkeit der verschiedenen Studiengänge.
Die geplanten „kirchlichen Anforderungen", die zum ersten Mal seit 1982 wieder fortgeschrieben werden sollen, haben das Ziel, im „Kernbereich" ein solides theologisches Grundwissen zu vermitteln und darauf aufbauend im Blick auf die Berufspraxis als Religionslehrer vertiefte Kenntnisse in Bibelwissenschaft, Kirchengeschichte, systematischer Theologie und praktischer Theologie zu erwerben. Es wurde länger darüber diskutiert, welche Konsequenzen die von der Kultusministerkonferenz geforderte Modularisierung aller Studiengänge für die katholische Theologie erfordert. Es herrscht noch Unklarheit, aus welchen „Modulen" (Bausteinen) die einzelnen Studiengänge sich zusammen setzen sollen. Mit der Neuerung sollen nicht nur Mindestanforderungen an die Religionslehrerinnen und Religionslehrer festgeschrieben werden, sondern auch die Studierenden mehr Transparenz und Sicherheit für ihre Studienplanung und die ihnen abverlangten Prüfungen erhalten. Bei den kirchlichen Anforderungen an die Studiengänge für die katholischen Religionslehrer geht es, so wurde betont, um einen Grundkonsens und eine Rahmenordnung, nicht um detaillierte Festlegungen für die einzelnen Fächer.
Die Teilnehmer des 28. Mainzer Gesprächs rechnen noch in diesem Jahr mit einer Einigung zum Kernbereich der theologischen Studiengänge, wobei der Diplom-Studiengang einen Sonderstatus hat und weitgehend behalten werden soll. Die Anforderungen zum Kernbereich sollen für die Lehramtsstudiengänge genauso gelten wie die geplanten Bachelor- und Master-Studiengänge, die auch für die Katholische Theologie nach dem Willen der Kultusminister-konferenz eingeführt werden sollen. Für die Entwicklung von Modulen für die genannten Fächergruppen sei ein Zeitraum nur schwer festzulegen.
Die Bischöfe und Theologieprofessoren diskutierten außerdem Überlegungen, wie auch für die Fachbereiche Katholische Theologie Drittmittel gewonnen und so die finanzielle Situation der Theologischen Fakultäten verbessert werden kann. Im Unterschied zu den Naturwissenschaften sei es generell für die Geisteswissenschaften und erst recht für die Theologie schwierig, nichtstaatliche finanzielle Fördermittel zu gewinnen und so auch die staatlichen Zuschüsse, die sich an den Drittmitteln orientieren, zu vermehren. Es wurde angeregt, diesbezüglich nach Wegen zur Verbesserung der finanziellen Situation der Theologischen Fakultäten zu suchen.
Weitere Themen des 28. Mainzer Gesprächs waren u.a. die Reform des Begutachtersystems der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für die evangelische und die katholische Theologie sowie die ökumenische Bedeutung der lutherisch-katholischen Studie „Communio Sanctorum", zu der die Deutsche Bischofskonferenz im März 2003 eine Stellungnahme veröffentlicht hat. Teilnehmer des Gesprächs waren neben Kardinal Lehmann der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Friedrich Wetter als Vorsitzender der Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz, und der Erzbischof von Salzburg, Dr. Alois Kothgasser SDB, sowie auf Seiten der Theologieprofessoren der gewählte Sprecher aller theologischen Arbeitsgemeinschaften, der Kirchenrechtler Prof. Dr. Alfred Hierold, Bamberg, der das Gespräch moderierte. Ebenfalls beteiligt waren der Vorsitzende des Katholisch-Theologischen Fakultätentages, Prof. Dr. Peter Neuner, München, der Vorsitzende der Dekanekonferenz der Katholisch-Theologischen Fakultäten Österreichs, Prof. Dr. Friedrich Schleinzer, Salzburg, und der Vertreter der Europäischen Gesellschaft für Theologie, Prof. Dr. Leo Karrer, Fribourg, Schweiz, sowie die Sprecher der einzelnen theologischen Disziplinen des deutschen Sprachraumes.
Sk (MBN)
Mainz. Gegen eine „exklusive Ausbildung für die Sonderseelsorge" hat sich der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, ausgesprochen. Eine zu intensive Spezialisierung schade einer recht verstandenen Gemeindepastoral, sagte er am Mittwoch, 7. Mai, beim „Tag der Theologiestudierenden" im Mainzer Priesterseminar. Auch in Zukunft werde „der allergrößte Teil unserer Stellen im Bereich Gemeindepastoral sein". So wichtig und „unverzichtbar" Sonderseelsorge in verschiedenen Bereichen auch sei, „darf sie nicht aus dem pastoralen Auftrag herausgenommen und überhöht werden", sagte er.
Während die Gemeindepastoral einen Seelsorgebereich territorial umschreibt (Pfarrgemeinde), ist die Sonderseelsorge personal definiert. Sie widmet sich einer bestimmten Personengruppe in besonderer Weise, z. B. Jugendseelsorge, Krankenhausseelsorge oder Notfallseelsorge. Kardinal Lehmann lädt die Theologiestudierenden, die sich auf einen pastoralen Beruf im Bistum Mainz vorbereiten, einmal im Jahr zum „Tag der Theologiestudierenden" ein. Der Tag stand in diesem Jahr unter der Überschrift „Sonderseelsorge – neue Felder, alte Ziele?". Die rund 60 Teilnehmer bereiten sich im Bischöflichen Priesterseminar, der Fachakademie zur Ausbildung von Gemeindereferenten, der Katholischen Fachhochschule und an Universitäten auf ihren Beruf vor.
Lehmann warnte vor einer zu frühen Spezialisierung in den pastoralen Berufen. Dadurch würden sich für die Studenten keine besseren Berufschancen ergeben. Es sei notwendig, den Beruf mit „einer Grundfähigkeit für alle Handlungsfelder zu erstreben". Erst aus einer solchen „gründlichen Gesamtkenntnis" heraus sei es sinnvoll, eine Spezialisierung anzustreben. Er legte den Studenten besonders ein exemplarisches Kennen lernen unterschiedlicher Lebensräume in Theorie und Praxis ans Herz. Dabei gehe es vor allem darum, zu testen, wofür man besonders gut geeignet ist.
Zum Auftakt der Veranstaltung hielt der Soziologe Prof. Dr. Thomas Hermsen, der an der Katholischen Fachhochschule Mainz lehrt, ein Grundsatzreferat zum Thema des Tages „Sonderseelsorge – neue Felder, alte Ziele?". Nach einer Darstellung der momentanen gesellschaftlichen Situation aus soziologischer Perspektive und der spezifischen Situation der Seelsorge kam Hermsen zu dem Schluss, dass der Funktionsverlust der Kirche in vielen Bereichen als ein Produkt der Ausdifferenzierung der modernen Gesellschaft zu sehen sei. Er konstatierte einen Abschied vom christlichen Religionsmonopol und stellte eine starke Diessseits-Orientierung und „Patchwork-Religiosität" fest, bei der man sich aus verschiedenen Weltanschauungen nur einzelne Glaubenssätze zu eigen macht.
Hermsen verwies aber auch auf die Chancen, die diese gesellschaftlichen Entwicklungen der Kirche bieten. So seien etwa spezifische Angebote für bestimmte Gruppen genau das, was der Situation der Menschen heute entspreche. Seelsorge heute solle helfen, die wachsende Individualisierung zu bewältigen, erläuterte Hermsen, und zog das Fazit, dass Sonderseelsorge alte Ziele auf neuen Feldern verwirklichen könne und solle.
Im Anschluss an den Vortrag ergab sich eine Diskussion mit den Zuhörern, die ihre eigenen Erfahrungen äußerten, bevor die Arbeit des Studientages in Kleingruppen fortgeführt wurde. Als Referenten für die Gruppenarbeit waren Vertreterinnen und Vertreter aus verschiedensten Bereichen der Sonderseelsorge eingeladen worden. Krankenhaus- oder Gefängnisseelsorge wurden vertreten von Pastoralrefentin Barbara Wolf-Gröninger (Universitätsklinikum Mainz) und Gemeindereferent Gerd Tuchscherer (Justizvollzugsanstalten in Friedberg und Gießen). Die vergleichsweise neuen Arbeitsfelder „Notfallseelsorge" und das „Netzwerk Leben", das schwangere Frauen unterstützt, wurden repräsentiert von Pastoralreferent Joachim Michalik (Notfallseelsorge) bzw. Carola Daniel und Thomas Renner von den Projektstellen „Gemeindeorientierung". Daneben gab es auch Arbeitsgruppen zur Flughafenseelsorge, geleitet von Pater Walter Maader S.A.C. (Flughafen Frankfurt), zur Betriebsseelsorge mit Thomas Domnick, dem Leiter des Referates Berufs- und Arbeitswelt und zur City-Seelsorge, unter der Moderation von Pater Leo Groothuis, Leiter des Informations- und Begegnungsszentrusms des Dekanates Mainz-Stadt „Nr. 10 – Kirche am Markt".
tob / ER (MBN)
Mainz. Zum Dienst in der Notfallseelsorge wurden am Sonntag, 11. Mai, wurden im Rahmen eines Gottesdienstes in Mainz-St. Alban vier Seelsorger des Stadtdekanates Mainz beauftragt. Der katholische Dekan des Dekanats Mainz-Stadt, Heinz Schmitz, und sein evangelischer Kollege, Wolfgang Drewello, überreichten die Beauftragungsurkunden des Mainzer Bischofs Karl Kardinal Lehmann und eine Signalweste mit der Aufschrift „Notfallseelsorge".
Pfarrer Winfried Hommel, Mainz, Pastoralreferent Norbert Nichell, Mainz-Bretzenheim, und die Gemeindereferenten Joachim Josten, Dahlheim, und Matthias Selzer, Mainz-Mombach haben sich in den letzten Wochen und Monaten mit einem Notfallseelsorgekurs, einem Erste-Hilfe-Kurs und durch die Hospitanz auf Einsatzfahrzeugen der Rettungskräfte auf ihren Dienst vorbereitet. Darauf wies der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft ökumenische Notfallseelsorge in Mainz, Jürgen Nikolay, hin, bevor er den neuen Kollegen für ihre Bereitschaft zu diesem Dienst dankte. Nikolay erläuterte auf Anfrage, dass die Arbeitsgemeinschaft seit April 2000 besteht und nun 22 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen hat. Diese seien entweder bei der katholischen oder der evangelischen Kirche angestellt und werden für ihren Dienst von ihrem Bischof beauftragt, führte Nikolay aus, wobei es Zufall sei, dass bei der heutigen Feier nur katholische Seelsorger beauftragt worden wären.
Nach der Ausbildung haben alle Notfallseelsorger etwa fünfmal im Jahr eine Woche lang Rufbereitschaft. In dieser Zeit tragen sie einen Funkmeldeempfänger und werden im Notfall von den Rettungskräften angefordert, erläuterte Norbert Nichell. Die Alarmierung könne etwa bei schweren Verkehrsunfällen, erfolgloser Reanimation oder auch zum Überbringen einer Todesnachricht erfolgen. Immer wenn Personen in akuten Notsituationen mehr als medizinische Hilfe bräuchten, seien die Notfallseelsorger zum Einsatz bereit, erklärte er. Matthias Selzer blickte auf die erste Woche Rufbereitschaft zurück und beschrieb sie als eine Art „Grenzerfahrung", bei der man einen Radius von etwa fünfzehn Kilometern nicht überschreiten dürfe, um immer in erreichbarer Nähe zu bleiben und schnell genug am Einsatzort zu sein.
Dekan Drewello betonte während des Gottesdienstes, dass die Notfallseelsorge sich nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zu den Rettungsdiensten sehe. Dekan Schmitz wies darauf hin, dass die Arbeit in der Notfallseelsorge Teil des pastoralen Auftrags sei und eigentlich jeder Christ in Notsituationen zu Hilfe aufgefordert sei. Trotzdem bedürfe es in der heutigen Zeit eine eigene Beauftragung und eine besondere Organisation für diesen Dienst an den Mitmenschen. Beide Dekane dankten den vier neuen Notfallseelsorgern für ihre Bereitschaft zu diesem Dienst.
ER (MBN)
Bonn. Die Deutsche Bischofskonferenz vergibt in diesem Jahr erstmals den „Katholischen Medienpreis". Die Auszeichnung löst den seit 1974 verliehenen „Katholischen Journalistenpreis" ab und soll dazu beitragen, Journalistinnen und Journalisten auch künftig zu qualitäts- und werteorientiertem Journalismus zu motivieren. Verliehen wird der „Katholische Medienpreis" am 8. Oktober in München durch Kardinal Karl Lehmann, den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz.
Die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung wird an Arbeiten vergeben, welche die Orientierung an christlichen Werten sowie das Verständnis für Menschen und gesellschaftliche Zusammenhänge fördern, das humanitäre und soziale Verantwortungsbewusstsein stärken und zum Zusammenleben unterschiedlicher Gemeinschaften, Religionen, Kulturen und Einzelpersonen beitragen. Besonderes Augenmerk gilt der Förderung junger Autorinnen und Autoren. Der Preis von jeweils 5.000 Euro wird in den Kategorien Elektronik und Print verliehen und ist nicht teilbar.
Der Jury, die über die Verleihung des Katholischen Medienpreises entscheidet, gehören jeweils zwei Mitglieder bzw. Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz (Vorsitzender: Weihbischof Friedrich Ostermann, Münster; Dr. Claudia Nothelle, ARD-Hauptstadtstudio Berlin), der Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands (Gisela Steinhauer, WDR-Hörfunk, Köln; Gernot Facius, „Die Welt", Bonn) und des Katholischen Medienverbandes (Bernhard Remmers, „Kirchenbote Osnabrück"; Ulrich Engelberg, „Ruhrwort", Essen) an.
Für den „Katholischen Medienpreis" sind deutschsprachige Beiträge aus den Bereichen Fernsehen, Film, Hörfunk, Printmedien und Internet (sofern es sich um einen ausschließlich journalistischen Beitrag handelt) zugelassen, die zwischen dem 1. Juli 2002 und dem 30. Juni 2003 in einem Medium des deutschen Sprachraums veröffentlicht wurden. Wissenschaftliche Arbeiten, theologische Abhandlungen und Verkündigungssendungen sind ausgeschlossen. Die Einreichung kann entweder von der Autorin/dem Autor selbst oder von einer natürlichen juristischen Person erfolgen. Den Arbeiten sind die Angaben zur Person (berufliche Position etc.) der Autorin/des Autors beizufügen.
Die Arbeit (Papier, Tonkassette, CD-Rom, VHS, Filmrolle, Verweis auf die Fundstelle für einen Internetbeitrag) ist in einfacher Ausfertigung an die Geschäftsstelle des „Katholischen Medienpreises", Bonner Talweg 177, 53129 Bonn, einzusenden. Die eingereichten Beiträge verbleiben im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz. Einsendeschluss ist der 7. Juli 2003.
Der Preis wird unter Ausschluss des Rechtsweges verliehen. Die Entscheidungen sind nicht anfechtbar.
Hinweis: Anmeldeformulare für den „Katholischen Medienpreis 2003" erhalten Sie ebenfalls unter http://www.gkp.de/ oder http://www.katholischer-medienverband.de/. Weitere Einzelheiten bei der Geschäftsstelle des „Katholischen Medienpreises" im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz unter Tel. 0228/103236, E-Mail: gesellschaft@dbk.de
SDBK (MBN)
Mainz/Dijon. Sechs Priester aus dem Bistum Dijon, die während des zweiten Weltkrieges als Zwangsarbeiter in Deutschland arbeiten mussten, besuchen das Bistum Mainz. Das zehntägige Besuchsprogramm von Freitag, 16., bis Sonntag, 25. Mai, umfasst eine Vielzahl von Begegnungen und Besichtigungen. Der Besuch wurde im Rahmen der Partnerschaft zwischen den beiden Bistümern vereinbart.
Die Gäste aus Dijon, die vom dortigen Generalvikar Gérard Dampt geführt werden (der selbst kein Zwangsarbeiter gewesen ist), werden am Freitagnachmittag um 15.00 Uhr durch den Mainzer Weihbischof Dr. Werner Guballa und Marie Rose Reinhardt, Mainz-Bretzenheim, am Ortseingang von Otterberg empfangen (15.00 Uhr). Dort ist um 16.00 Uhr der Besuch der ehemaligen Zisterzienserkirche geplant. Die Simultankirche ist im burgundischen Zisterzienserbaustil errichtet worden. Anschließend beziehen die Priester ihr Quartier im Diözesan-Exerzitienhaus auf dem Binger Rochusberg.
Am Samstag/Sonntag, 17./18.Mai, nehmen die Priester aus dem Bistum Dijon an den Freundschaftstagen Rheinland-Pfalz in Bacharach teil. Dort werden sie um 15.00 Uhr durch Landtagspräsident Christoph Grimm, der auch Präsident des Partnerschaftsverbandes Rheinland-Pfalz-Burgund ist, und seinen Partner auf französischer Seite, Präsident Martin Thieffenant, sowie dem Bürgermeister von Bacharach, Dieter Kochskämper, empfangen. Nach Bacharach werden die Gäste wiederum von Weihbischof Guballa und Frau Reinhardt begleitet. Diese ist sowohl im Partnerschaftsverband Rheinland-Pfalz-Burgund aktiv wie auch in der kirchlichen Partnerschaft der beiden Bistümer und in der Partnerschaft ihrer Pfarrei Mainz-Bretzenheim-St. Bernhard mit der Pfarrei St. Bernard in Dijon.
Am Sonntag um 11.00 Uhr werden die französischen Priester an der Pflanzung der Europa-Eiche am Bouleplatz in Bacharach durch den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck teilnehmen. Mit dabei ist neben Frau Reinhardt Domkapitular Prälat Günther Emig, Mainz. Um 12.00 Uhr findet in der Kirche St. Peter in Bacharach ein ökumenischer Gottesdienst statt.
Ein offizieller Empfang der Zwangsarbeiterpriester durch die Mainzer Bistumsleitung ist am Montag, 19. Mai, um 12.00 Uhr, im Erbacher Hof, durch Kardinal Karl Lehmann, Weihbischof Dr. Guballa, und Generalvikar Giebelmann vorgesehen. Ab diesem Montag sind die Priester-Gäste im Berthier-Haus in Mainz-Bretzenheim. Das Besichtigungsprogramm umfasst u.a. Besuche in den Bretzenheimer Kirchen St. Bernhard und St. Georg (19.5.), des Mainzer Doms, der St. Ignaz-Kirche und des Priesterseminars (20.5.). Bei dem Gespräch im Priesterseminar werden neben dem Apostolischen Protonotar Martin Luley, Generalvikar Dietmar Giebelmann sowie Regens Horst Schneider auch Domkapitular em. Josef Seuffert, Prälat Hubert Bittorf, Pfarrer Edmund von Jungenfeld und Pfarrer Hans-Joachim Wahl teilnehmen.
Am darauffolgenden Tag erfolgt die Besichtigung der St. Stephanskirche mit den Chagall-Fenstern in Mainz, und ein Empfang im Mainzer Rathaus durch den Kulturdezernenten der Stadt, Peter Krawietz (ca. 11.00 Uhr). Der 20. Mai ist Verfassungstag in Rheinland-Pfalz. Deshalb ist ein Empfang durch Landtagspräsident Christoph Grimm (14.00 Uhr) vorgesehen.
Für Donnerstag und Freitag sind ein Empfang durch den französischen Generalkonsul in Frankreich M. Labrosse (Zeppelinallee 105) in Frankfurt geplant (11.00 Uhr) und anschließend eine Besichtigung des Römers und des Frankfurter Domes. Zur Begleitung gehören Generalvikar Giebelmann und Frau Reinhardt. Auf der Rheinfahrt nach Koblenz am Freitag (23.5.) werden die Gäste von Domkapitular Prälat Ernst Kalb und Frau Reinhardt begleitet. Am Samstag (24.5.) steht ein Besuch in Worms mit der Besichtigung des Domes St. Peter auf dem Programm. Nach einem Gottesdienst in Konzelebration am Sonntagvormittag kehren die Gäste nach Dijon zurück.
Sk (MBN)
Mainz. Zu der öffentlichen Festveranstaltung des ersten Deutschen Seminaristentages am Sonntag, 18. Mai, um 14.00 Uhr in der Mainzer Rheingoldhalle sind alle Interessierten herzlich eingeladen. Unter der Überschrift „Es ist Zeit, von Gott zu reden. Unsere Welt braucht Priester" werden in einer Mischung aus Interviews, Filmbeiträgen und Musik zentrale Aspekte des Priesterseins vorgestellt. Die Veranstaltung ist in drei Schwerpunkte unterteilt: „Faszination des Priesterlichen", „Prophetische Existenz" und „Priester mit einer Mission". Als Gäste werden zum Priesterberuf Stellung beziehen unter anderen: der Berliner Schauspieler Henning Vogt (er spielte Kaplan Leon Marx in der Serie „Himmel und Erde"), Drehbuchautor Andreas Mayer aus München, Pfarrer Stephan Wahl aus Saarbrücken (Wort zum Sonntag), der Wiener Pastoraltheologe Professor Paul-Michael Zulehner, die Dresdner Religionsphilosophin Professorin Hanna-Barbara Gerl-Falkowitz, der Kölner Fernsehjournalist und Buchautor Dr. Ulrich Harbecke, der Sekretär der Weltjugendtages 2005 in Köln, Pfarrer Georg Austen, und der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann.
Der erste Deutsche Seminaristentag von Samstag, 17., bis Sonntag, 18. Mai, versteht sich als Aufbruchssignal für den Priesternachwuchs in Deutschland. Unter der Überschrift „gottgeweiht und weltgewandt – Priester für das 21. Jahrhundert" kommen über 700 Priesterkandidaten und Verantwortliche aus der Priesterausbildung nach Mainz. Die Veranstaltung ist der Auftakt zu einem Aktionsplan, der bis zum Jahr 2005 das Verständnis für das Priesteramt fördern, Lebens- und Arbeitsmöglichkeiten von Priestern verbessern, die Priesterbildung den Herausforderungen der Zeit anpassen und die Berufungspastoral profilieren soll. Veranstalter ist die Deutsche Regentenkonferenz, das Gremium der Regenten aller deutschen Priesterseminare. Regens wird der Leiter eines Seminars genannt.
Hinweis: Weitere Informationen bei Dr. Peter Klasvogt, Vorsitzender der Deutschen Regentenkonferenz, Tel.: 05251/87738-200, E-Mail: peter.klasvogt@erzbistum-paderborn.de
tob (MBN)
Mainz. Unter dem Titel „Dome im Licht" werden bis einschließlich Donnerstag, 19. Juni, im Haus am Dom in Mainz Bilder der Kaiserdome am Rhein gezeigt. Die großformatigen Ölgemälde hat die in Heidelberg lebende Architektin, Malerin und Schriftstellerin Dr. Maria Letizia Mancino-Cremer in den letzten Jahren geschaffen. Sie zeigen Außenansichten der Dome von Speyer, Mainz und Worms.
Die Ausstellung wird von der Akademie des Bistums Mainz Erbacher Hof in Zusammenarbeit mit dem Dombauverein Mainz veranstaltet. Bei der Vernissage am Montagabend, 12. Mai, führte der Kunsthistoriker Dieter Gube, Koblenz, in das Werk der Künstlerin ein. Er hob hervor, dass Letizia Mancino von den mittelalterlichen romanischen Gotteshäusern besonders fasziniert ist. In vielen Variationen hat sie die romanischen Dome als Burgen Gottes dargestellt. Dabei lässt sie die Architektur der Kirchen, die nicht nur Gottesburgen, sondern auch Zelte Gottes unter den Menschen sind, transparent werden und beleuchtet ihren Charakter als Gleichnisse des himmlischen Jerusalem durch ein variationsreiches Spiel mit Farben.
Dabei kontrastiert die Künstlerin unterschiedliche Farben oder variiert eine Farbe in zahllosen Abstufungen. So ist zum Beispiel der Wormser Dom im Mondlicht von einem mystischen Blau umgeben. Die Malerin verweist durch ihre Lichtwirkungen auf die Transzendenz, auf die Majestät Gottes in roter Farbe oder die Faszination des Himmels in Blau, Farben, aus denen sich für den Betrachter auch eine spirituelle Tiefe öffnet. Mancinos Architekturbilder werden durch Farbe und Licht in unterschiedliche Stimmungen getaucht. „Ihre Bilder veranschaulichen spirituelle Transzendenz", unterstrich Gube. So habe sie „wahre Meditationsbilder" geschaffen. Denn die Dome seien „Gefäß" des Transzendenten. Ihre Mauern erglühen und durch ihre Fenster mag rot oder golden das Licht herausleuchten. Die Malerin ermöglicht es den Betrachtern, ihre Dombilder als „Seelenlandschaften" zu erleben.
Die Mehrzahl der in der Ausstellung gezeigten Bilder sind dem Speyerer Dom gewidmet, den sie als ersten unter den drei Kaiserdomen für sich entdeckt hat, zwei stellen den Mainzer Dom dar und eines den Wormser Dom. In ihren Bildern wird auch Geschichte lebendig. In ihrer scheinbar zeitlosen romanischen Urgestalt waren die Dome immer wieder Veränderungen und sogar Zerstörungen ausgesetzt. So malte Mancino die Ruine des Speyerer Domes, der in den Jahren 1689 und 1794 zerstört wurde. Eines der Bilder zeigt den „Dom in Flammen", ein anderes die neuromanische Westseite des Domes. Der Direktor der Bistumsakademie Erbacher Hof, Dr. Peter Reifenberg, und der Vorsitzende des Dombauvereins Mainz, Anton Issel, schreiben hierzu im Ausstellungsprospekt: „Die Bilder Mancinos sind Spuren eines unermüdlichen Herantastens an das steingewordene göttliche Geheimnis der drei Dome. Dem Betrachter öffnet sich im Wechsel von vertrauter Perspektive und befremdender Ansicht der Blick für die Schönheit des Heiligen: Alt Bekanntes erscheint plötzlich in neuem Glanz." Reifenberg betonte bei der Begrüßung, dass die Kaiserdome am Rhein geschwisterlich miteinander verbunden sind, und verwies auf einen Dreiklang der roten, gelben und marmorierten Sandsteine. Er erinnerte daran, dass in den drei Städten am Rhein das Christentum bereits durch die Römer Fuß gefasst hatte. Reifenberg unterstrich, dass die Akademie Erbacher Hof immer wieder das Gespräch zwischen Kirche und Kunst zu vermitteln versuche und dies auch in zahlreichen Ausstellungen zum Ausdruck gekommen sei. In Vielem, zum Beispiel anlässlich des Katholikentages 1998 in Mainz habe es eine erfreuliche Zusammenarbeit und Unterstützung durch Issel gegeben. Dieses Engagement werde die Akademie auch in Zukunft fortführen.
Musikalisch umrahmt wurde die Vernissage durch die Pianistin Martina Graf-Nießner, die Werke von J. S. Bach, Debussy und Brahms spielte. Gube schloss mit dem Gedicht „Unterwegs" von Hilde Domin, die Mancino so sehr schätzt, dass sie eine Reihe ihrer Gedichte ins Italienische übertragen hat. Die Dichterin ist in diesen Versen „unterwegs in einer Fruchthülle aus Licht". Das Interesse Mancinos an der deutschen Literatur wird auch daraus deutlich, dass sie seit 1992 Vorsitzende der Goethe-Gesellschaft in Heidelberg ist. Kürzlich hielt sie in Mainz einen viel beachteten, begeistert aufgenommenen Vortrag im Erbacher Hof: „Rom mit den Augen Goethes gesehen".
Letizia Mancino wurde in Rom geboren. In ihrer Heimatstadt studierte sie Architektur und schloss die Promotion an. Danach folgte ein Aufbaustudium in Denkmalpflege. Seit 1976 arbeitete sie als Architektin in Rom und lebt seit 1984 in Heidelberg. Hier war sie u.a. an der künstlerischen Gestaltung der Ausstellung „Bibliotheca Palatina" und an der architektonischen Planung und Gestaltung der Ausstellung „Codex Manesse" sowie einer Ausstellung über Goethes Farbenlehre beteiligt. Ihre Bilder hat Mancino in vielen Ausstellungen u.a. in Rom, Heidelberg, Mannheim, Speyer, Ludwigshafen, Neustadt/Weinstraße, Chemnitz und Koblenz gezeigt.
Sk (MBN)
Mainz. Bis Pfingsten findet jeden Montag von 18.00 bis 18.30 Uhr vor und in der St. Johanniskirche ein ökumenisches Friedensgebet für ganz Mainz statt. Jedes der nächsten Gebete ist schwerpunktmäßig den Kriegen eines Kontinentes gewidmet. Alle Gebete werden außerdem die Entwicklung im Irak und andere aktuelle Entwicklungen im Blick haben. Am 19. Mai lautet das Thema „Kriege in Asien", am 26. Mai geht es um „Kriege im Nahen und Mittleren Osten" und am 2. Juni um „Kriege in Lateinamerika und in Europa". Im Anschluss an das letzte Gebet wird gemeinsam darüber beraten, ob und wie die Gebete weitergeführt werden. Die ökumenische Initiative hat sich Anfang März vor dem Kriegsausbruch im Irak zusammengefunden. Veranstalter sind das Katholische und das Evangelische Dekanat Mainz, die Pax Christi Bistumsstelle sowie das Referat Gerechtigkeit und Frieden des Bischöflichen Ordinariates Mainz.
tob (MBN)