Mainz. Dr. Barbara Nichtweiß, die langjährige Leiterin der Abteilung Publikationen im Bischöflichen Ordinariat Mainz, geht Ende April in Ruhestand. Im Rahmen einer kleinen Feierstunde im Garten des Bischöflichen Ordinariates am Mittwochabend, 29. April, würdigte die Bevollmächtigte des Generalvikars, Ordinariatsdirektorin Stephanie Rieth, das über 40-jährige Wirken von Nichtweiß im Bistum Mainz und dankte ihr für ihren Dienst.
„Mit Ihrem Abschied verlieren wir im Bistum Mainz eine prägende Persönlichkeit“, betonte Rieth: „Sie hinterlassen bleibende Spuren, denn Sie waren an der Geschichtsschreibung des Bistums beteiligt. Es wird etwas fehlen, wenn Sie gehen.“ Und weiter: „Ich möchte Ihnen im Namen des Bistums danken für Ihr langjähriges Wirken. Mit einem hohen persönlichen Einsatz und einem großen Anspruch an Qualität haben Sie die Abteilung Publikationen gestaltet. Die Arbeit war für Sie nie nur ein Job, sondern an ganz vielen Stationen war es für Sie eine Berufung.“ Nichtweiß habe mit viel Herz oftmals Zugänge zu Menschen gefunden. „Ihr unglaublich großes Engagement, Ihre Verlässlichkeit und Ihre zugewandte Wertschätzung zeichnen Sie besonders aus“, hob Rieth hervor. Die Abteilung Publikationen des Bischöflichen Ordinariats wird mit dem Ruhestand von Barbara Nichtweiß aufgelöst. Der Infoladen des Bistums Mainz (Heiliggrabgasse 8) bleibt unter Leitung von Katharina Kadura weiterhin bestehen.
Barbara Nichtweiß wurde 1960 in Ankara geboren; aufgewachsen ist sie zunächst in Tripolis/Libyen und ab 1968 in Seligenstadt mit Abitur 1979 an der Marienschule Offenbach. Nach Abschluss ihres Studiums der Theologie und Germanistik, zeitweise mit den Nebenfächern Kunstgeschichte und Latein, in Trier und Freiburg war sie von 1985 bis 1993 in Mainz wissenschaftliche Mitarbeiterin von Bischof Karl Lehmann. In dieser Zeit promovierte sie bei ihm mit einer Arbeit über den Theologen und Konvertiten Erik Peterson (1890-1960). Im Jahr 1992 erschien im Herder-Verlag ihre umfangreiche Doktorarbeit mit dem Titel „Erik Peterson. Neue Sicht auf Leben und Werk“ (2. Aufl. 1994). Anschließend war sie bis 2012 Gesamtherausgeberin der elfbändigen Nachlass-Edition „Erik Peterson: Ausgewählte Schriften“, die im Echter-Verlag erschienen ist und von vielen Fachaufsätzen sowie Lexikonartikeln aus ihrer Feder begleitet wurde.
1993 wurde ihr als erster Ordinariatsrätin des Bistums die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit übertragen. In diese Zeit fällt unter anderem die gemeinsame dreijährige Kommunikationsinitiative der Nachbar-Bistümer Limburg, Mainz, Speyer und Trier „Wir sind nicht nur sonntags da“; darüber hinaus die Präsentation des Bistums beim Katholikentag in Dresden (1994) und die Mitgestaltung des Kulturprogramms beim Mainzer Jubiläumskatholikentag (1998). Auch die Bistumsstände bei den jährlichen Rheinland-Pfalz-Ausstellungen seit 1996 sowie der Aufbau des diözesanen Internetangebotes ab 1996 und des 1998 gegründeten Infoladens gehörten zu ihren Aufgaben.
Im Rahmen einer Neuorganisation der Öffentlichkeitsarbeit konzentrierte sich Nichtweiß ab 2000 auf die Leitung der neugegründeten Abteilung Publikationen, um zusammen mit ihrer Mitarbeiterin Gabriela Hart weiterhin die Buchpublikationen des Bistums im eigenen Verlag inklusive der damit verbundenen Satzarbeiten zu betreuen. Auch der Infoladen blieb in ihrem Verantwortungsbereich. Neben zahlreichen Einzelveröffentlichungen (Ausstellungskataloge, Kalender, CDs, Umfrageauswertungen, Festschriften und Flyer) erschienen insgesamt 22 stattliche Bände der Reihe „Neues Jahrbuch für das Bistum Mainz“ zur Zeit- und Kulturgeschichte der Diözese und 44 Bändchen der Reihe „Mainzer Perspektiven“. Im Rahmen ihrer vielseitigen Tätigkeit war sie unter anderem auch als Librettistin tätig für das Bonifatius-Oratorium von Thomas Gabriel anlässlich des 1250. Todestages des heiligen Bonifatius im Jahr 2004. Außerdem gehörte die Gestaltung der Finanzkommunikation des Bistums (Finanzberichte, Prospekte über die Verwendung der Kirchensteuer) und der Hirtenworte zu ihren Pflichten.
„Unser erfolgreichstes Buchprojekt war übrigens ein Kochbuch“, schmunzelt Nichtweiß. „Das Bändchen ‚Kulinarisch durchs christliche Leben‘ mit Texten zum Kirchenjahr, Kochrezepten aus dem Bistum und Illustrationen aus alten Büchern der Martinus-Bibliothek wurde nach Erscheinen 1997 in 65.000 Exemplaren bundesweit rasch und restlos verkauft.“
Als leidenschaftliche Fotografin brachte Nichtweiß zudem eine große Kollektion von Schmuckkarten mit 387 Motiven aus dem Bistum Mainz heraus. Mit ihren Fotos sind unzählige Veröffentlichungen des Bistums in den vergangenen Jahrzehnten illustriert. Fast die gesamte Amtszeit von Bischof Lehmann hat sie im Bistum begleitet, mit Dokumentationen zum zehnten Bischofsjubiläum über die Kardinalserhebung bis zur Beisetzung. Auch etliche seiner Buchpublikationen bei anderen Verlagen hat sie redaktionell betreut. 2009 übernahm sie zusätzlich die Ordnung der umfangreichen Privatbibliothek Lehmanns – bis zur Übergabe des Bestandes nach Berlin und Koblenz in den vergangenen Jahren.
„41 Dienstjahre mit derselben Hausadresse, das klingt zunächst sehr eintönig“, sagt Nichtweiß rückblickend. „Ich habe mich aber zu keiner Zeit gelangweilt, da die Themen, Projekte und medialen Herausforderungen im Bistum ständig wechselten. Ich bin meinen Vorgesetzten sehr dankbar, dass sie mir zwischen Pflicht und Neigung viele Freiräume gewährt haben, in einem großen Spektrum von historischer Forschung in Archiven bis hin zur kreativen Gestaltung von Weihnachtskarten, zudem in so guter Kooperation mit den engagierten Kollegen und Kolleginnen der Medienarbeit und anderen diözesanen Institutionen sowie besonders meinen eigenen tatkräftigen Mitarbeiterinnen. Ich hatte viel Freude dabei. Herzlichen Dank an alle!“