Das Gebet „Ave verum“ ist älter als bislang angenommen

Fragment in Martinus-Bibliothek entdeckt / Uraufführung einer Neuvertonung (26.5.)

Das in der Martinus-Bibliothek entdeckte handschriftliche Pergamentfragment aus dem 13. Jahrhundert enthält den lateinischen und den deutschen, wohl rheinfränkischen Text des „Ave verum“. (c) Martinus-Bibliothek
Di 14. Mai 2019
tob (MBN)

Mainz. Das besonders im Mittelalter weit verbreitete und auch oft vertonte Reimgebet „Ave verum“ ist älter als bisher angenommen. Bislang galt das „Ave verum“ als im 14. Jahrhundert entstanden. Der Fund eines Textfragmentes in der Mainzer Martinus-Bibliothek weist nun nach, dass der Text des „Ave verum“ bereits im 13. Jahrhundert bekannt und verbreitet war.

Die berühmteste Vertonung des „Ave verum“ stammt von Wolfgang Amadeus Mozart, aber auch im aktuellen Gotteslob finden sich noch mehrere Vertonungen. Benannt ist das Gebet nach seinen ersten Worten: „Ave verum corpus natum“ - Sei gegrüßt, wahrer Leib“.

Das nun entdeckte handschriftliche Pergamentfragment aus dem 13. Jahrhundert ist Teil eines Gebetbuches für eine Frau. Das Doppelblatt enthält den lateinischen und den deutschen, wohl rheinfränkischen Text des „Ave verum“. Das Gebetbuch war im 16. Jahrhundert zerschnitten und als Bucheinband verwendet worden. Deshalb fehlen im Fragment die letzten Zeilen der deutschen Übersetzung. Das „Ave verum“ war im 15. und 16. Jahrhundert eines der gebräuchlichsten stillen Gebete zur Wandlung und Vorbereitung auf die Kommunion während der Messe. Es wird zur so genannten Elevation, der Erhebung der gewandelten Gaben von Brot und Wein während der Eucharistiefeier gebetet.

Uraufführung des „Mainzer Ave verum“ am 26. Mai

Der Direktor der Mainzer Martinus-Bibliothek, Dr. Helmut Hinkel, hat anlässlich seines 40. Priesterjubiläums am Sonntag, 30. Juni, einen Kompositionsauftrag für eine Vertonung des „Mainzer Ave verum“ vergeben. Der Eichstätter Domkapellmeister Christian Matthias Heiß hat das Fragment aus der Mainzer Martinus-Bibliothek für Chor, Solisten und Orchester vertont. Das dreiteilige Stück enthält den lateinischen und den deutschen Text. Das Stück ist so angelegt, dass die lateinische Fassung auch abgekoppelt vom Gesamtwerk in der Liturgie eingesetzt werden kann. Heiß wird im September die Leitung der Regensburger Domspatzen übernehmen.

Am Sonntag, 26. Mai, um 17.00 Uhr, wird die Uraufführung der Komposition von Christian Matthias Heiß in der Mainzer Augustinerkirche erfolgen. Unter Leitung des Mainzer Domkapellmeisters Karsten Storck werden die Domkantorei St. Martin zusammen mit dem Mainzer Domorchester sowie Victoria Braum (Sopran) und Frederic Bak (Tenor) das Stück erstmals erklingen lassen. Zuvor stehen außerdem „Ave verum“-Vertonungen von William Byrd, Edward Elgar und Wolfgang Amadeus Mozart auf dem Programm. Im Rahmen der musikalischen Akademie in der Augustinerkirche wird außerdem Dr. Martin Lüstraeten von der Katholisch-Theologischen Fakultät der Johannes Gutenberg-Univer-sität einen Vortrag über das neu entdeckte Fragment halten. Er spricht zum Thema „Das Mainzer Ave Verum-Fragment der Martinus-Bibliothek. Ältestes Zeugnis des Elevationsgebetes“. Die Begrüßung wird der Regens des Mainzer Priesterseminars, Dr. Tonke Dennebaum, übernehmen.