„Das ist für uns wie Familienzuwachs“

Mainzer Dom- und Diözesanmuseum erhält Kunstwerk aus Kroatien

Treffen im Mainzer Dom- und Diözesanmuseum, von links: Domkapitular Professor Dr. Franz-Rudolf Weinert, Direktorin des Mainzer Dom- und Diözesanmuseums, Dr. Anja Lempges, Professorin Daška Domljan und ihr Mann Dr. Tomislav Luetić (c) Bistum Mainz/Hoffmann
Datum:
Di. 2. Juni 2026
Von:
hoff (MBN)

Mainz. Die Direktorin des Mainzer Dom- und Diözesanmuseums, Dr. Anja Lempges, zeigte sich sehr dankbar für das Kunstwerk, das ihr am Donnerstag, 28. Mai, übergeben wurde: Ein Hundekopf aus feinem Kalkstein, vollplastisch ausgearbeitet und offensichtlich aus dem Spätmittelalter. „Das ist für uns wie Familienzuwachs“, sagte Lempges an den Besuch gewandt. Der Kopf ist 16x12 cm groß und wurde am Hals abgetrennt, gehörte also zu einem größeren Kunstwerk. Denkbar wäre, dass die Figur zu einem Grabmal gehörte und als Grabwächter fungierte. „Da wollte ein Auftraggeber beste Qualität, und die hat er auch bekommen“, sagte Lempges bei dem Treffen im Mainzer Dom- und Diözesanmuseum.

Hundekopf aus Kroatien, ursprünglich aus dem Schutt der Nachkriegszeit am Mainzer Dom (c) Bistum Mainz/Hoffmann

Mitgebracht hatte die Skulptur Professorin Daška Domljan aus Zagreb/Kroatien, die gemeinsam mit ihrem Mann Dr. Tomislav Luetić nach Mainz gekommen war, um das Fragment zurückzugeben. Der Hundekopf gehörte ursprünglich Domljans Vater, Dr. Žarko Domljan, der inzwischen verstorben ist. Dieser war nach dem Zweiten Weltkrieg nach Deutschland gereist, um einen Freund zu besuchen. Von Mainz war der damalige Student der Kunstgeschichte und spätere Lexikograph sehr begeistert, der Hundekopf stammt wohl aus dem Nachkriegs-Schutt am Mainzer Dom. Domljan nahm ihn mit nach Kroatien, nutzte ihn zunächst als Briefbeschwerer auf seinem Schreibtisch, und zeigte ihn später einem seiner Professoren. Seitdem hatte Domljan, der später der erste Präsident des kroatischen Parlaments nach der Unabhängigkeit wurde, das Kunstwerk in einer gläsernen Vitrine aufbewahrt.

Dr. Žarko Domljan (c) Bistum Mainz/Hoffmann

Im März 2020 wurde Zagreb von einem Erdbeben erschüttert, das an der Kathedrale in Zagreb erheblichen Schaden anrichtete. Unter anderem stürzte dabei einer der Türme herab. In einem Brief an den Mainzer Bischof Peter Kohlgraf schrieb Zarko Domljan, dass ihm beim Anblick dieser Bilder wieder einfiel, dass er ja das Kunstwerk aus dem Mainzer Dom noch bei sich hatte, und er verspürte den „nachdrücklichen Wunsch, das Fragment wieder dorthin zurückzubringen, wo es sich jahrhundertelang befand“. Aus seinem Vorhaben, persönlich nach Mainz zu reisen, wurde leider nichts, weil kurz darauf die Corona-Pandemie begann. Inzwischen ist Domljan verstorben, daher hat nun seine Tochter den Hundekopf nach Mainz zurückgebracht.

 

 

Bei der Begegnung im Mainzer Dom- und Diözesanmuseum war auch Domkapitular Professor Dr. Franz-Rudolf Weinert anwesend. „Vielen Dank für dieses Zeichen der Verbundenheit und dafür, dass Sie den Kopf zurückgebracht haben“, sagte Weinert. Zum Dank ihrerseits überreichten Lempges und Weinert den Gästen das Begleitbuch zur Sonderausstellung: „Vom Bombenkrieg gezeichnet. Vergessene Fragmente erzählen Geschichte“, sowie ein Buch über Mainzer Liturgische Gewänder. Domljan hatte noch eine Nachbildung des „Silbernen Kreuz der Äbtissin Čika“ in Form eines Anhängers als Geschenk mitgebracht. Das Team des Dom- und Diözesanmuseums wird den Hundekopf nun erforschen.

 

Bischöfliches Dom- und Diözesanmuseum