Die architektonische Bildsprache der Bibel

Ausstellung „Göttliche Schöpfung und menschliches Schaffen“ in Martinus-Bibliothek

Mainz, 29. April 2026: Dr. Hedwig Suwelack erläuterte den Aufbau der neuen Ausstellung mit Werken von Holger Kleine in der Martinus-Bibliothek. (c) Bistum Mainz / Blum
Datum:
Mi. 29. Apr. 2026
Von:
tob (MBN)

Mainz. Zur Vernissage der Ausstellung „Göttliche Schöpfung und menschliches Schaffen – Bauen erzählen im Buch Genesis“ war am Mittwochabend, 29. April, auch der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf in die Martinus-Bibliothek gekommen. Gezeigt werden bis Freitag, 19. Juni, eine Bildwand mit neun Zeichnungen des Architekten und Künstlers, Professor Holger Kleine von der Hochschule RheinMain, im Dialog mit Bibelillustrationen aus drei Jahrhunderten. 

Mainz, 29. April 2026: Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf bei seinem Grußwort in der Martinus-Bibliothek. (c) Bistum Mainz / Blum

Die Ausstellung kann bei freiem Eintritt zu den Öffnungszeiten der Martinus-Bibliothek (montags bis freitags von 9.00 bis 18.00 Uhr) besucht werden. Veranstalter sind neben der Martinus-Bibliothek Mainz, die Hochschule RheinMain und die Akademie des Bistums Mainz.

Die biblische Schöpfungserzählung mache deutlich, dass Gott eine Welt schaffe, „die nicht abgeschlossen ist, sondern offen bleibt für die Mitwirkung des Menschen“, sagte Kohlgraf in seinem Grußwort. Und weiter: „Der Mensch ist kein zweiter Schöpfer im eigentlichen Sinne, aber er ist berufen, kreativ und sorgsam gestaltend mitzuwirken. Möge das Nachdenken über das Bauen und Erzählen uns helfen, unsere eigene Verantwortung für die Gestaltung der Welt bewusster wahrzunehmen.“

Kohlgraf hob hervor, dass in den Schöpfungserzählungen der Bibel besonders die „architektonische Bildsprache“ auffalle: „In diesen Bildern zeigt sich ein Verständnis von Schöpfung als Raumgestaltung: Gott schafft nicht nur Dinge, sondern Ordnung, Struktur und Lebensräume. In gewisser Weise ist Gott der erste ,Architektʼ. Und der Mensch, als Ebenbild Gottes geschaffen, wird eingeladen, an dieser schöpferischen Gestaltung teilzuhaben.“

Mainz, 29. April 2026: Gespräch zu den Werken, die in der MArtinus-Bibliothek gezeigt werden (v.l.n.r.): Marita Liebermann, Holger Kleine und Dietrich Erben. (c) Bistum Mainz / Blum

Räume wie der Garten Eden, die Wüste oder der Tempel seien in der Bibel stets Ausdruck von Beziehung zwischen Gott und Mensch, sagte Bischof Kohlgraf: „Gerade darin liegt eine Herausforderung für unsere Zeit. Denn unser Bauen prägt nicht nur unsere Städte und Landschaften, sondern auch unsere Lebensweise und unser Miteinander. Die Frage nach guter Architektur ist immer auch eine Frage nach dem guten Leben. Sie berührt ökologische Verantwortung ebenso wie soziale Gerechtigkeit.“

Holger Kleine und der Münchner Kunsthistoriker Prof. Dr. Dietrich Erben hatten bei der Vernissage im Gespräch in die Bildwand eingeführt. Kleine bezeichnete das Buch Genesis als „grundsätzlichen Text der westlichen Architekturphilosophie“. Die Moderation hatte PD Dr. Marita Liebermann von der Akademie des Bistums Mainz übernommen. Dr. Hedwig Suwelack, Leiterin der Martinus-Bibliothek, führte in den Ausstellungsraum ein sowie die ausgestellten Bibelausgaben. Zu Beginn hatte die Präsidentin der Hochschule RheinMain, Prof. Dr. Eva Waller, hatte ein Grußwort gesprochen.