Ein wunderbarer Schatz

Kardinal Lehmann würdigte Mainzer Martinus-Bibliothek zum 350-jährigen Bestehen

FLASCH--LEHMANN--HINKEL (c) Bistum Mainz / Blum (Ersteller: Bistum Mainz / Blum)
Datum:
Fr. 9. Nov. 2012
Von:
tob (MBN)
Mainz. Der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, hat die Martinus-Bibliothek in Mainz anlässlich ihres 350-jährigen Bestehens gewürdigt. Bei einem Festakt in der Aula des Mainzer Priesterseminars bezeichnete er die Bibliothek am Donnerstagabend, 8. November, als „wunderbaren Schatz”.
HINKEL (c) Bistum Mainz / Blum (Ersteller: Bistum Mainz / Blum)

Zum Jubiläum ist in der Reihe „Neues Jahrbuch für das Bistum Mainz" eine Festschrift über die Martinus-Bibliothek erschienen.

In seinem Grußwort zur Festschrift schreibt Kardinal Lehmann: „Das Bistum ist stolz auf diese reiche, immer mehr bekannt gewordene Bibliothek und wird auch in Zukunft besondere Sorge für sie tragen. Herrn Direktor Dr. Helmut Hinkel und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie allen Vorgängern danke ich für ihr hohes Interesse und ihren großen Einsatz, vor allem aber auch dafür, dass sie in letzter Zeit durch Publikationen aus den Beständen die Martinus-Bibliothek noch stärker in das öffentliche Gespräch brachten."

In seiner Predigt im Gottesdienst zum Auftakt der Feierlichkeiten, der in der Augustinerkirche stattfand, war Kardinal Lehmann grundsätzlich auf die Bedeutung von Schrift und Buch eingegangen. Wörtlich sagte er: „Das Buch lebt in der Kirche, nicht nur im Sinne der Bibel als dem Buch der Bücher. Auch wenn wir keine Buchreligion sind, so gehört mit zur Kirche eine Lese- und Buchkultur. Lesen heißt Sichsammeln, das zum Denken führt. In diesem Sinne gehört der Gewinn und die Verteidigung der Freiheit, gerade auch des Denkens, zum Menschlichen. Gerade hier hat auch der Glaube, der den Menschen immer wieder auch in seiner Individualität stärkt und zur Verantwortung ruft, eine tiefe humane Aufgabe. Darum gehören auch Bibliotheken nicht nur zur Geschichte, sondern auch zur Gegenwart der Kirche."

Nach dem Gottesdienst würdigte Professor Dr. Kurt Flasch die Bibliothek in seinem Festvortrag. Der Mainzer Philosophiehistoriker, der seit seiner Jugend eine enge Beziehung zur Martinus-Bibliothek hat, präsentierte in einem anregenden „Rundgang" besondere Bücher aus dem Bestand der Bibliothek. Der Direktor der Martinus-Bibliothek, Dr. Helmut Hinkel, stellte die Festschrift zum Jubiläum vor. Die 28 Beiträge sind unterteilt in die Rubriken „Neu entdeckte mittelalterliche Handschriften in der Martinus-Bibliothek", „Buchhistorische Streiflichter aus der Martinus-Bibliothek" und „Arnsburger Hof und Priesterseminar". Der Regens des Mainzer Priesterseminars, Dr. Udo Bentz, hatte die rund 120 Gäste in der Aula des Priesterseminars begrüßt. Er bezeichnete die Martinus-Bibliothek als „wichtige und große Bibliothek für die Stadt Mainz". Die musikalische Gestaltung des Festaktes übernahmen Mitglieder des Domkammerchores unter Leitung von Domkapellmeister Karsten Storck und Domorganist Daniel Beckmann an der Orgel.
 
Stichwort: Martinus-Bibliothek

Die Martinus-Bibliothek - Wissenschaftliche Diözesanbibliothek im Priesterseminar Mainz - ist eine für jeden zugängliche theologisch-geisteswissenschaftliche Bibliothek. Mit einem Bestand von rund 300.000 Bänden und etwa 200 laufenden Zeitschriften ist sie eine der großen wissenschaftlich-theologischen Spezialbibliotheken Deutschlands. Der Schwerpunkt der Bestände liegt in den Bereichen Theologie, Philosophie, Ethik, Quelleneditionen und Kirchengeschichte, insbesondere des Mainzer Raumes. Hinzu kommt ein großer Altbestand, sowie rund 1.000 Inkunabeln (vor dem Jahr 1500 gedruckte Bücher), 270 Handschriften und 300 Handschriftenfragmente. Der Altbestand sichert der Bibliothek ein unverwechselbares wissenschaftliches Profil. Ein Schwerpunkt ist die „Schlossersche Bibliothek" mit Originalausgaben aus allen Wissensgebieten, vorzüglich der deutschen Literatur des 16. bis 19. Jahrhunderts und vielen Goethiana. Seit 1999 steht die Martinus-Bibliothek unter Leitung von Direktor Dr. Helmut Hinkel.

Das älteste Fragment in der Schatzkammer der Martinus-Bibliothek stammt aus dem Jahr 830. Das älteste erhaltene Buch ist ein Sakramentar aus Mainz-St. Alban aus dem Jahr 880. Im großen Altbestand der Bibliothek macht Direktor Hinkel immer wieder neue Entdeckungen. So hat er wenige Wochen vor den Feierlichkeiten zum 350-jährigen Bestehen eine Inkunabel mit einem Pesttraktat entdeckt. Das von einem Doktor Apollonius aus Mainz verfasste Büchlein war als Druck bisher vollkommen unbekannt. Gerade durch solche Funde und den „ganz fantastischen Altbestand, der die Bibliothek im Vergleich zu ähnlichen Einrichtungen auszeichnet" könne die Martinus-Bibliothek der Wissenschaft immer wieder neue Wege eröffnen, betont Hinkel.

Die Diözesanbibliothek wendet sich mit ihrem kostenlosen aktuellen Angebot in besonderer Weise an Theologie-Studierende und pastorale Mitarbeiter, aber auch an alle philosophisch-theologisch Interessierten. Mit ihren Beständen ist sie ebenso eine wertvolle Fundgrube für alle Geisteswissenschaftler, insbesondere für Historiker und Germanisten, aber auch für Mediziner und Naturwissenschaftler. Der Lesesaal der Martinus-Bibliothek bietet 20 Arbeitsplätze. Darüber hinaus helfen und beraten die Mitarbeiter bei der Literatursuche und der Besorgung von in Mainz nicht verfügbaren Büchern.

Seit 1968 ist die Martinus Bibliothek im Arnsburger Hof in der Mainzer Grebenstraße untergebracht. Damals wurde der Bestand auch öffentlich zugänglich gemacht. Seit dem Jahr 2000 trägt sie als theologische Zentralbibliothek des Bistums den Namen „Martinus-Bibliothek" - nach dem Mainzer Diözesanpatron Martin von Tours. Errichtet wurde die Bibliothek 1662 durch Kurfürst Johann Philipp von Schönborn für das Mainzer Priesterseminar. Die Martinus-Bibliothek ist damit die älteste Bibliothek in Mainz, die ununterbrochen bis heute ihre ursprüngliche Funktion erfüllt.

Hinweise:

  • Martinus-Bibliothek - Wissenschaftliche Diözesanbibliothek im Priesterseminar Mainz - Grebenstraße 8 (Eingang), Augustinerstraße 34 (Post), 55116 Mainz, Tel.: 06131/266-222, Fax: 06131/266-387, E-Mail: martinus.bibliothek@bistum-mainz.de, Internet: www.bistum-mainz.de/martinus-bibliothek - Öffnungszeiten: montags bis freitags von 9.00 bis 12.30 Uhr und von 13.30 bis 18.00 Uhr
  • Helmut Hinkel (Hg.): Bibliotheca S. Martini Moguntina. Alte Bücher - neue Funde (Neues Jahrbuch für das Bistum Mainz 2012, hg. von Barbara Nichtweiß), Mainz, Würzburg: Bistum Mainz Publikationen / Echter-Verlag 2012. 528 Seiten mit zahlreichen Illustrationen; 29,80 Euro. ISBN 978-3-934450-56-1. ISBN 978-3-429-03569-3