Kirchenkrise als Chance zur Erneuerung der kirchlichen Sprache

Fortbildung mit Pater Ansgar Wucherpfennig SJ im Erbacher Hof in Mainz

Mainz, 12. Februar 2020: Pater Professor Dr. Ansgar Wucherpfennig SJ bei seinem Vortrag im Erbacher Hof. (c) Bistum Mainz / blum
Do 13. Feb 2020
SDBK (MBN)

Mainz. Pater Professor Dr. Ansgar Wucherpfennig SJ hat dazu aufgefordert, die Krise der Kirche in Folge des Missbrauch-Skandals als „eine Chance zur Erneuerung der kirchlichen Sprache“ zu sehen und die Perspektive von Menschen einzubringen, die von sexueller Gewalt betroffen sind.

Es sei für viele Betroffenen eine Hilfe, wenn sie innerhalb der Kirche Menschen erleben, denen sie mit ihren Verletzungen vertrauen können. Oftmals müssten Betroffene in der Kirche noch die Erfahrung machen, dass sie ausgegrenzt würden.

Wucherpfennig äußerte sich am Mittwoch, 12. Februar, im Erbacher Hof in Mainz. Ziel seines Vortrages war anhand von biblischen Beispielen, einen konstruktiven Umgang mit Widerstandserfahrungen aufzuzeigen. Wucherpfennig sprach im Rahmen einer Fortbildung des Bischöflichen Ordinariates Mainz. Der Nachmittag stand unter der Überschrift „Update Theologie 22 - Perspektiven aus dem Neuen Testament für eine Kirche in der Krise“.

Unter anderem ging er auf die Textstelle vom „Mühlstein“ im Markus- und im Matthäus-Evangelium ein. Das Wort „Wer einem von diesen Kleinen, die an mich glauben, Ärgernis gibt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen würde“ sei „eine der schärftsten Warnungen im Evangelium“, sagte Wucherpfennig.

Während Kardinal Joseph Ratzinger in seinem Beitrag im Klerusblatt aus dem vergangenen Jahr davon ausgehe, dass mit „diese Kleinen“ einfache Gläubige gemeint seien, bezeichnete Wucherpfennig „den Ursinn dieser Stelle als nicht so klar wie von Ratzinger vorgegeben“. Es sei wahrscheinlicher, dass damit „Vernachlässigung, grausame Erziehung, Kinderarbeit und auch sexuelle Gewalt gegenüber Kindern gemeint“ seien, betonte Wucherpfennig.

Im Matthäus-Evangelium sei außerdem ablesbar, wie sich die Jesus-Gemeinde mit patriarchalen Strukturen auseinandersetze: „Auch sollt ihr niemanden auf Erden euren Vater nennen; denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel.“ (Mt 23,9) Daran werde deutlich, dass Christen untereinander gleichrangig seien und weder Vaterschaft noch Elternschaft religiös überhöht werden.

Wucherpfennig ist seit 2008 Inhaber des Lehrstuhls Exegese des Neues Testaments an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt, wo er auch seit 2014 Rektor ist. Die Kursbegleitung und Moderation des Tages hatte Dr. Claudia Sticher übernommen, Leiterin der Abteilung Fortbildung und Beratung im Bischöflichen Ordinariat Mainz.