Kohlgraf: Christus zum Leuchten bringen und nicht verwalten

Begegnungstag der Geistlichen und Missa chrismatis im Mainzer Dom

Mainz, 15. April 2019: Bischof Peter Kohlgraf bei der Weihe der Heiligen Öle während der Missa chrismatis im Mainzer Dom. (c) Bistum Mainz / Blum
Mo 15. Apr 2019
tob (MBN)

Mainz. „Christus zum Leuchten zu bringen, und nicht zu verwalten, oder an bestimmten Formen eines zeitbedingten Leitungsverständnisses zu hängen“, sei das Entscheidende des priesterlichen Dienstes. Das betonte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf in seiner Predigt in der Missa chrismatis am Montag, 15. April im Mainzer Dom.

Mainz, 15. April 2019: Zu dem Begegnungstag der Geistlichen, der erstmals im Rahmen der Missa chrismatis stattfand, waren rund 210 Priester und Diakone aus dem ganzen Bistum gekommen. (c) Bistum Mainz / Blum

Er rief die Diakone und Priester dazu auf, das Augustinus-Wort „Für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ“ als Modell für den heutigen Dienst in der Kirche zu beherzigen. Die Missa chrismatis fand in diesem Jahr eingebettet in einen Begegnungstag der Geistlichen mit Bischof Peter Kohlgraf statt. Zu dem Tag, der erstmals im Rahmen der Missa chrismatis stattfand, waren rund 210 Priester und Diakone aus dem ganzen Bistum gekommen.

Wörtlich sagte Kohlgraf: „Die Gemeinschaft aller Getauften zu erinnern, scheint mir in der aktuellen Situation unserer Kirche von großer Bedeutung zu sein. Unsere Wege als Kirche können wir nur gemeinsam finden, im gemeinsamen Hören auf den Willen Gottes in dieser Zeit. Ich hoffe und bete darum, dass wir im Bistum zwischen allen Ebenen im Gespräch bleiben und dass sich niemand dem Gespräch und dem gemeinsamen Ringen entzieht. Priester brauchen eine Gemeinde, die sie mittragen und begleiten will. Und unsere Gemeinden und die unterschiedlichen Felder brauchen Priester und Diakone, die sich nicht über die Menschen stellen, sondern an ihre Seite.“

Priesterbild hat sich immer wieder verändert in der Kirchengeschichte

Mainz, 15. April 2019: Bischof Peter Kohlgraf beim Einzug zur Missa chrismatis im Mainzer Dom. (c) Bistum Mainz / Blum

Kohlgraf verwies darauf, dass sich das Priesterbild in den 2.000 Jahren der Kirchengeschichte immer wieder verändert habe. „Lassen wir uns nicht auseinanderbringen.“ Unterschiedliche Sichtweisen und Erfahrungen in der Kirche habe es immer gegeben und werde es immer geben, sagte der Bischof: „Es war aber immer auch katholisch, konträre Positionen auszuhalten und nach Synthesen zu suchen.“ Weiter sagte er: „Wir befinden uns im Prozess weiterer Veränderungen, der manchen auch verunsichert und nach seiner Rolle oder Identität fragen lässt. In allen Suchbewegungen will ich an das starke Fundament der Taufe erinnern, das uns in der Kirche verbindet. Wir alle sind ein Leib in Christus. Das Christsein ist die Grundlage für die vielfältigen unterschiedlichen Wege, Dienste und Ämter, die es in der Kirche gibt und die deren Reichtum ausmachen.“

Der Bischof verwies auf ein Wort von Papst Franziskus aus dessen nachsynodalen Schreiben zur Jugendsynode („Christus vivit“), wo dieser schreibt, das Evangelium sei „mehr ein Vorbild als eine Unterweisung. Die in gelebtes Leben verwandelte Botschaft.“ Und weiter sagte der Bischof: „Darum geht es, wenn ich alle an ihre priesterliche Berufung erinnere. Das geht nur in Einheit, und das geht nur in der Verschiedenheit der Berufungen. Das muss jeder an der Stelle tun, an der er lebt und arbeitet.“

Kohlgraf ging auch auf Frage geistlicher Macht ein. Wörtlich sagte er: „Natürlich stellt der geweihte Priester auch Christus gegenüber der Gemeinde dar, aber für sein Selbstverständnis ist es heilsam, an Christus, dem einzigen Priester Maß zu nehmen. Jesus macht sich zum Diener und Sklaven im Hinblick auf zwei ‚Richtungen’: gegenüber dem Vater und gegenüber den Menschen, zu denen er gesandt ist.“ Das Priestersein Jesu vollziehe sich nicht in der Überordnung über jemanden, sondern im Gehorsam und im Hinhören, sagte Kohlgraf.

Mainz, 15. April 2019: Zu Beginn des Begegnungstages der Geistlichen bestand in der Seminarkirche die Möglichkeit zu Anbetung vor dem ausgesetzten Allerheiligsten und Beichte. (c) Bistum Mainz / Blum

Er wies auf „eine gute Aktualisierung“ dieser Fragestellung in „Christus vivit“ von Papst Franziskus hin, die als „Grundhaltung“ nicht nur im Blick auf die Jugend wichtig sei. Darin schreibt Papst Franziskus: „Auch wenn es junge Menschen gibt, die mit einer Kirche zufrieden sind, die sich in aller Demut ihrer Gaben gewiss ist und eine redliche und brüderliche Kritik zu üben weiß, so wünschen doch andere junge Menschen eine Kirche, die mehr zuhört und nicht ständig die Welt verdammt. Sie wollen keine schweigende und schüchterne Kirche sehen, aber auch keine, die immer Krieg führt wegen zwei oder drei Themen, auf die sie fixiert ist. Um in den Augen der jungen Menschen glaubwürdig zu sein, muss sie zuweilen die Demut wieder zurückgewinnen und einfach zuhören, und in dem, was andere sagen, ein Licht erkennen, das ihr helfen kann, das Evangelium tiefer zu verstehen. Eine Kirche in Defensive, die die Demut verliert, das Zuhören aufgibt und die sich nicht infrage stellen lässt, verliert die Jugendlichkeit und verwandelt sich in ein Museum. Wie kann sie so die Träume der jungen Menschen beherbergen? Wenn sie auch die Wahrheit des Evangeliums besitzt, heißt das nicht, dass sie es in seiner Fülle verstanden hätte; sie muss vielmehr im Verständnis dieses unerschöpflichen Schatzes immer weiter wachsen.“ Und weiter: „Ich bin davon überzeugt, dass die jetzige Krise unserer Kirche uns die notwendige Frage stellt, wie wir es mit Macht und Verantwortung in der Kirche halten wollen.“

Weihe der Heiligen Öle

Im Rahmen der Missa Chrismatis weihte Kohlgraf das Katechumenenöl (mit dem der Taufbewerber gesalbt wird), das Krankenöl (zur Spendung der Krankensalbung) und das Chrisam (das bei der Spendung der Taufe, des Firmsakramentes und der Priesterweihe Verwendung findet). Am Ende des Gottesdienstes nahmen die Vertreter der Dekanate die Heiligen Öle in Empfang, um sie in die Pfarrgemeinden mitzunehmen. Bei dem Gottesdienst haben die anwesenden Priester außerdem ihre Bereitschaftserklärung zum priesterlichen Dienst erneuert.

Konzelebranten des Gottesdienstes waren unter anderen Weihbischof Dr. Udo Markus Bentz, der auch Generalvikar des Bistums Mainz ist, Domkapitular Prälat Hans-Jürgen Eberhardt sowie mehrere Dekane aus dem Bistum Mainz. Die musikalische Gestaltung hatten ein Vokalemsemble Mädchenchor am Dom und St. Quintin unter der Leitung von Domkantor Michael Kaltenbach, eine Schola des Mainzer Domchores sowie Domorganist Professor Daniel Beckmann an der Domorgel übernommen.

Vortrag von Äbtissin Elisabeth Kralemann

Mainz, 15. April 2019: Die Äbtissin der Benediktinerinnen-Abtei Kloster Engelthal, Schwester Elisabeth Kralemann OSB, bei ihrem Vortrag in der Seminarkirche des Mainzer Priesterseminars. (c) Bistum Mainz / Blum

Zum Auftakt des Begegnungstages hatte die Äbtissin der Benediktinerinnen-Abtei Kloster Engelthal, Schwester Elisabeth Kralemann OSB, in der Seminarkirche des Mainzer Priesterseminars einen Geistlichen Vortrag gehalten. Sie sprach zum Thema „Das ist meine Liebe, vergossen für dich - Das Zeichen des Nardenöls (Mk 14,3-9)“. Bischof Kohlgraf hatte den Priestern und Diakonen in seiner Begrüßung für ihren „treuen Dienst“ gedankt: „Ich danke Ihnen, dass Sie für die Menschen da sind und für den Herrn unterwegs sind.“

Der Begegnungstag solle zunächst ein Tag des Hörens und des Gebets sein, sagte Kohlgraf. Die Möglichkeit zur Diskussion mit dem Bischof über die anstehenden Aufgaben des Pastoralen Weges biete sich für die Priester an zwei Gesprächsabenden Ende Mai und Ende Juni. Nach dem Vortrag der Äbtissin bestand die Möglichkeit zur Anbetung und Gelegenheit zum Empfang des Beichtsakramentes. Nach dem Gottesdienst im Dom trafen sich die Teilnehmer im Priesterseminar zu Begegnung und Imbiss.