Kohlgraf: „Die Welt braucht Handwerker des Friedens“

Gottesdienst und Empfang zum Weltfriedenstag in Heidesheim

Heidesheim, 12. Januar 2020: Bischof Peter Kohlgraf bei seiner Predigt zum Weltfriedenstag in Heidesheim. (c) Bistum Mainz / Blum
So 12. Jan 2020
tob (MBN)

Heidesheim. „Die Welt braucht Handwerker des Friedens. Irgendjemand muss in seinem Umfeld nach seinen Möglichkeiten anfangen, auch wenn andere ihn belächeln.“ Das sagte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf in seiner Predigt zum Weltfriedenstag am Sonntag, 12. Januar. Wenn der Papst zum Jahreswechsel stets an die Krisen- und Kriegsgebiete auf der Erde erinnere, dann verändere dies zunächst nichts, sagte Kohlgraf, der seit Oktober 2019 Präsident der deutschen Sektion von Pax Christi ist.

Heidesheim, 12. Januar 2020: Bischof Peter Kohlgraf beim Stand der Flüchtlingshilfe Heidesheim-Wackernheim. (c) Bistum Mainz / Blum

„Ich meine aber, es ist neben der Erinnerung und der Solidarität immer auch ein Appell und eine Hoffnung, die nicht sterben will: ‚Ihr könnt Frieden schaffen’ und Gott gebe seinen Segen. Auch da mag mancher seinen zynischen Kommentar geben. Wer hofft, erscheint manchmal naiv und weltfremd.“ Der Gottesdienst in der Pfarrei St. Philippus und Jakobus war Auftakt der zentralen Veranstaltung des Bistums Mainz zum Weltfriedenstag.

Wörtlich sagte Bischof Kohlgraf: „Wenn wir unsere kleinen Schritte zum Frieden setzen, steht da nicht zuerst die Frage, ob sich das lohnt. Gelohnt hat sich das Verhalten Jesu für ihn wahrhaftig nicht. Für mich ist die erste Frage die Frage nach einem wahrhaftigen und menschenwürdigen Leben. Und das gelingt nur in echter Nachfolge des Gekreuzigten: nicht der Ruf zum Kreuzzug, sondern der Ruf zur Nachfolge in der Gewaltlosigkeit und zum Frieden trifft mich. Es fängt bei jeder Zeugin und jedem Zeugen des Friedens an. Im Kleinen und Privaten, und es möge sich im Großen bewähren.“ Und weiter: „Gott ist aus der Gewaltspirale selbst ausgestiegen. Das macht den Friedensdialog zu einem geradezu göttlichen Projekt, im Privaten wie im Politischen.“

Heidesheim, 12. Januar 2020: Begegnung mit Bischof Peter Kohlgraf beim Empfang im Gemeindesaal. (c) Bistum Mainz / Blum

Kohlgraf ging auf die Bedeutung des Dialoges für die Friedensarbeit ein: „Dialog muss Unrecht benennen, er muss nach konkreten Schritten suchen, auf dem Weg zum Frieden weiter zu kommen, er muss Sorge tragen, dass der andere sein Gesicht nicht verliert, er bemüht sich um Mäßigung des Tons und vielleicht: er versucht den anderen zu verstehen, auch wenn er dessen Position nicht zu teilen vermag. Dialog kann ein langer und mühsamer Weg sein.“ Als Beispiele für Friedenshandwerker ging Kohlgraf in seiner Predigt außerdem auf Franz von Assisi und die sieben Trappistenmönche ein, die im Jahr 1996 in Algerien ermordet worden waren.

Die Botschaft von Papst Franziskus zum Weltfriedenstag am 1. Januar steht unter der Überschrift: „Der Friede als Weg der Hoffnung: Dialog, Versöhnung und ökologische Umkehr“. Der Weltfriedenstag wird in der Katholischen Kirche seit 1968 weltweit am 1. Januar begangen. Im Bistum Mainz ist es seit vielen Jahren üblich, an einem der folgenden Sonntage in einer zentralen Veranstaltung das Anliegen des Tages aufzugreifen.

Heidesheim, 12. Januar 2020: Der Gemeindesaal war beim Empfang zum Weltfriedenstag gut gefüllt. (c) Bistum Mainz / Blum

Konzelebranten des Gottesdienstes waren Ortspfarrer Markus Metzler und Pfarrer Michael Baunacke, der Geistliche Beirat von Pax Christi im Bistum Mainz. Die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes hatten die Katholische Kirchenmusik Heidesheim unter Leitung von Zena Becker sowie der Chor „Klangfarben“ unter Leitung von Andreas Hesping-Barthelmes übernommen. Die Kollekte im Gottesdienst ist für das Maximilian-Kolbe-Werk bestimmt, das Überlebende aus Ghettos und Konzentrationslagern unterstützt.

Beim anschließenden Empfang im Gemeindesaal stellte sich die internationale katholische Friedensbewegung Pax Christi vor, die den Weltfriedenstag jährlich mitgestaltet. Vorgestellt wurden auch die Arbeit der Flüchtlingshilfe Heidesheim-Wackernheim sowie die Initiative „Fridays for future“ und das Netzwerk „Bingen for future“. Bischof Kohlgraf würdigte in einem Schlusswort das vielfältige Engagement der Gruppen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Eva-Maria Hartmann. Veranstalter des Tages waren die Pfarrei St. Philippus und Jakobus in Heidesheim, zusammen mit dem Pax Christi-Regionalverband Rhein-Main (Bistümer Limburg und Mainz) und der Geschäftsstelle Weltkirche/Gerechtigkeit und Frieden im Bischöflichen Ordinariat Mainz.