Kohlgraf: Gott braucht Menschen, die sein Licht weitergeben

Sendungsgottesdienst für zwei neue Pastoralreferenten im Mainzer Dom

Mainz, 31. Oktober 2020: Bischof Peter Kohlgraf mit den beiden neu gesandten Pastoralreferenten Lena Ullges und Patrick Strosche. (c) Bistum Mainz / Blum
Datum:
Sa 31. Okt 2020
Von:
tob (MBN)

Mainz. Der Bischof von Mainz, Peter Kohlgraf, hat am Samstag, 31. Oktober, eine Frau und einen Mann als Pastoralreferentin und als Pastoralreferent in den Dienst des Bistums Mainz gesendet. Im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes im Mainzer Dom erhielten Lena Ullges und Patrick Strosche die kirchliche Sendung für ihren Dienst im Bistum Mainz. Bischof Kohlgraf dankte den beiden für die Bereitschaft, sich in Dienst nehmen zu lassen und wünschte ihnen „die Erfahrung des lebendigen, wirkmächtigen Wortes, in dem Gott zu uns spricht“.

Mainz, 31. Oktober 2020: Bischof Kohlgraf beim Sendungsgottesdienst für Lena Ullges und Patrick Strosche. (c) Bistum Mainz / Blum

Ullges ist in der Krankenhausseelsorge an den Kliniken in Darmstadt tätig und Strosche im Religionsunterricht und der Schulseelsorge an der Werner Heisenberg-Schule in Rüsselsheim. Die Sendungsfeier stand unter dem biblischen Leitwort: „In Jesus Christus ist das Leben, und das Leben ist das Licht der Menschen.“, ein frühchristliches Glaubensbekenntnis aus dem Evangelium (nach Joh 1,4).

In seiner Predigt ging Kohlgraf auf das Leitwort der Feier ein: Der Christ lebe im Licht Gottes. Und darüber hinaus brauche es Fenster, um dieses Licht in die Welt zu lassen. „Unsere Aufgabe ist es, solch ein Kathedralfenster zu sein, um dem Licht die Möglichkeit zu geben, in die Welt hinein zu strahlen“, sagte Kohlgraf. „Dieses Licht kommt nicht aus uns. Aber das Licht braucht uns, um leuchten zu können, um seine ganze Farbenpracht zu entfalten. Sicher, Gott braucht den Menschen nicht, um Licht zu sein. Aber er braucht Menschen, die sein Licht aufnehmen und weitergeben. Erst dadurch wird das Licht Gottes wahrnehmbar, wird es farbig. Die ganze Heilsgeschichte erzählt vom Suchen Gottes nach Menschen, die sein Leuchten weitergeben, die Hoffnung geben in der Dunkelheit. Gott wird auch heute ohne uns die Welt nicht erhellen. Ohne uns wird sich die Welt nicht verändern.“

Mainz, 31. Oktober 2020: Als Zeichen der Sendung überreichte Bischof Peter Kohlgraf Lena Ullges  ein Evangelium. (c) Bistum Mainz / Blum

Weiter sagte der Bischof: „Ohne Gottesbeziehung kann niemand Christ sein. Wenn ich meine, es reicht, ein guter Mensch zu sein, ohne mit Gott in Beziehung zu stehen, dann versuche ich, mein eigenes Licht weiterzugeben. Ein Fenster ohne die Sonne, die es bestrahlt, ist auf Dauer eine recht blasse, ja langweilige Angelegenheit. Ein Mensch, der die Kraft zum Leben allein in sich selbst sucht, muss sorgen, dass er die Leuchtkraft nicht verliert. Wenn wir uns nicht weit öffnen für Gott, der zu uns kommen will, wenn wir unser Herz nicht aufmachen, ist christliches Leben der fade Versuch, aus sich selbst gut zu sein. Das überfordert den Menschen auf Dauer.“

Da coronabedingt die Zahl der Teilnehmer am Gottesdienst beschränkt war, hatten Ullges und Strosche ein Video mit einem 45-minütiges Segensgebet aufgenommen, um Menschen über den Kreis der Gottesdienstteilnehmer hinaus an der Sendungsfeier teilhaben zu lassen und mit dem die beiden um Begleitung im Gebet bitten. Bei der Sendungsfeier hinaus herrschte für alle Teilnehmer entsprechend der aktuell gültigen Corona-Verordnung für Mainz auch am Platz Maskenpflicht.

Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst vom Mainzer Domorganisten, Professor Daniel Beckmann, Franz Stüber (Saxophon) und einer Gesangsschola unter der Leitung von Kantorin Mechthild Bitsch-Molitor. An der Feier nahmen unter anderen auch der Personaldezernent des Bistums Mainz, Domkapitular Prälat Hans-Jürgen Eberhardt, die Bischöfliche Beauftragte für die Berufsgruppe der Pastoralreferenten im Bistum Mainz, Ordinariatsrätin Carola Daniel, sowie die beiden Ausbildungsverantwortlichen im Pastoralseminar teil, Regens Dr. Tonke Dennebaum und Pastoralreferentin Lucia Kehr.

Stichwort: Pastoralreferent/Pastoralreferentin

Mainz, 31. Oktober 2020: Als Zeichen der Sendung überreichte Bischof Kohlgraf an Patrick Strosche ein Evangelium. (c) Bistum Mainz / Blum

Pastoralreferenten sind Diplom-Theologen bzw. Theologen mit dem Abschluss „Magister Theologiae“ im pastoralen Dienst der Kirche. Der Beruf steht Männern und Frauen - verheiratet oder unverheiratet - gleichermaßen offen. Grundlage für den Beruf ist der Leitgedanke des Zweiten Vatikanischen Konzils über die Kirche als Volk Gottes in der dogmatischen Konstitution „Lumen Gentium“ vom 21. November 1964: „Das Apostolat der Laien ist Teilnahme an der Heilssendung der Kirche selbst. Zu diesem Apostolat werden alle vom Herrn selbst durch Taufe und Firmung bestellt.“ (Lumen Gentium 33)

Bei der Gemeinsamen Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland, der so genannten „Würzburger Synode“ von 1971 bis 1975, wurde dieser Ansatz weitergeführt, und so entstand dieser pastorale Beruf für Laien mit theologischem Hochschulabschluss. Pastoralreferenten ergänzen neben Gemeindereferenten den Dienst des kirchlichen Amtes, also von Diakonen, Priestern und Bischöfen, mit eigener Kompetenz in bestimmten pastoralen Sachgebieten. Die Beauftragung für ihren Dienst erhalten Pastoralreferenten in einem Sendungsgottesdienst durch den Bischof.  

Im Bistum Mainz, wo es den Beruf seit 1973 gibt, sind Pastoralreferenten vor allem in der kategorialen Seelsorge tätig. Einen wichtigen Schwerpunkt stellt dabei der Religionsunterricht an Gymnasien und Berufsschulen sowie die Schulseelsorge dar. Darüber hinaus sind Pastoralreferenten in der Krankenhaus-, Gefängnis-, Hochschul- und Betriebsseelsorge eingesetzt, ebenso wie in Cityseelsorge, Polizeiseelsorge, Telefonseelsorge und der geistlichen Begleitung. Ebenso sind sie als Referenten und leitende Mitarbeiter im Bischöflichen Ordinariat oder als Dekanatsreferenten tätig. Nur wenige Pastoralreferenten arbeiten im Bistum Mainz in der Gemeindeseelsorge. In den deutschen Bistümern sind die Arbeitsfelder für Pastoralreferenten sehr unterschiedlich.

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