Kohlgraf: „KI ist ein Hilfsmittel, das man kritisch nutzen kann“

Gespräch von Hanns-Josef Ortheil mit dem Mainzer Bischof zum Welttag des Buches

Mainz, 23. April 2026: Gespräch zum Welttag des Buches im Glashaus des Staatstheaters (v.l.n.r.): Alexander Wasner, Bischof Peter Kohlgraf und Hanns-Josef Ortheil. (c) Bistum Mainz / Blum
Datum:
Do. 23. Apr. 2026
Von:
tob (MBN)

Mainz. Das Schreiben werde auch durch die Möglichkeiten Künstlicher Intelligenz (KI) nicht zu einem Ende kommen, hat der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf betont. Bei einem Gespräch mit dem Schriftsteller Hanns-Josef Ortheil am Donnerstagabend, 23. April, im Glashaus des Mainzer Staatstheaters sagte er: „Man wird lernen müssen, die verschiedenen Arten von Texten zu unterscheiden und mit ihnen entsprechend umzugehen. Aber vielleicht hilft uns das auch, den Wert des eigenen Schreibens neu zu entdecken. Künstliche Intelligenz ist ein Hilfsmittel, das man kritisch nutzen kann.“ 

Mainz, 23. April 2026: Bischof Peter Kohlgraf im Gespräch mit dem Schriftsteller Hanns-Josef Ortheil (rechts). (c) Bistum Mainz / Blum

Kohlgraf hob hervor, „dass man Predigten selbst schreiben muss“. Einmal habe er eine KI gebeten, eine Predigt zu schreiben: „Aber das Ergebnis ist wenig überzeugend gewesen. In die Predigt muss das eigene Glaubenszeugnis mit einfließen.“

Der Abend stand unter der Überschrift „Glück und Gnade des Schreibens. Zur Begegnung des Menschen mit seiner Sprache“. Das Gespräch wurde vom Hörfunk des Südwestrundfunks (SWR) aufgezeichnet. Die Akademie des Bistums Mainz hat den ausgebuchten Abend mit rund 130 Gästen anlässlich des UNESCO-Welttag des Buches veranstaltet.  

Mainz, 23. April 2026: Das Glashaus des Mainzer Staatstheaters bietet einen schönen Blick auf den Mainzer Dom. (c) Bistum Mainz / Blum

„Man muss sich einen Rhythmus geben, wenn man schreibt“, berichtete Kohlgraf aus der Zeit seiner Promotion: „Das waren wichtige Jahre der Selbstdisziplin und Selbstbeobachtung für mich. Auch heute weiß mein Büro, dass bei mir mindestens ein Nachmittag in der Woche freigehalten werden muss für Textarbeit“, sagte der Bischof. Kohlgraf berichtete davon, dass er ein, zwei Jahre lang vor seiner Priesterweihe ein religiöses Tagebuch geführt habe, das er noch gelegentlich zur Hand nehme: „So ein Tagebuch bringt einfach Ordnung in den Kopf.“

Mainz, 23. April 2026: Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf beim Vorgespräch mit Hanns-Josef Ortheil (rechts) im Glashaus des Mainzer Staatstheaters. (c) Bistum Mainz / Blum

„Der Beruf des Schriftstellers wird durch Künstliche Intelligenz nicht aussterben“, war sich auch Ortheil sicher. Er habe das Schreiben „mit acht Jahren begonnen, in einer kleinen Blockhütte im Westerwald“, erzählte Ortheil. Sein Vater habe ihn dabei sehr gefördert „und ich bekam Sympathie von meinem Vater für das Schreiben in der Blockhütte“. So habe er „das Glück des Schreibens“ erfahren: „Ich wollte es jeden Tag machen und empfand es als unangenehm, wenn ich nicht geschrieben habe. Es fehlt mir etwas, wenn ich nicht geschrieben habe. Es macht einfach zufrieden, wenn man im Schreiben auf etwas reagiert hat, was man in der Welt gesehen hat.“

Am Ende des Abends las Hanns-Josef Ortheil einen Abschnitt aus seinem im vergangenen Jahr erschienenen Roman „Schwebebahnen“ vor, in dem sich zwei Kinder auf die Beichte vor ihrer Erstkommunion vorbereiten. Die Begrüßung hatte Dr. Marita Liebermann, Direktorin der Akademie des Bistums Mainz, übernommen; moderiert wurde das Gespräch zwischen Ortheil und Kohlgraf von Alexander Wasner vom SWR.