Kohlgraf: „Synodalität ist unverzichtbar“

Vorträge von Bischof Kohlgraf und Professor Müller im Erbacher Hof in Mainz

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf (c) Bistum Mainz / Blum
Datum:
Fr 16. Okt 2020
Von:
am (MBN)

Mainz. „Auf dem Pastoralen Weg sind wir in intensivem Austausch über die Frage der Leitung und der Beteiligung vieler. Uns wird bewusst, dass wir auf einem oft auch mühsamen Weg des Lernens und des Gestaltens sind. Aber wir spüren auch, dass wir keine Kirche gestalten können, an deren Leben sich nicht viele mit ihren Gaben und Charismen beteiligen. Es bedarf an vielen Stellen eines Mentalitätswechsels, nicht nur bei den leitenden Personen. Ziel ist wohl, den oder die andere nicht als Konkurrenz zu sehen, sondern als Bereicherung, auch in den unterschiedlichen Zugängen und Erfahrungen. Das scheint mir ein Weg zu einer authentischen Kirche zu sein.“

Das sagte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf in einem Vortrag am Freitag, 16. Oktober, in der Bistumsakademie Erbacher Hof in Mainz. Kohlgraf äußerte sich im Rahmen des Akademieabends „Wer Macht Kirche? Macht und Partizipation in der Kirche?“. Der Vortrag des Bischofs war mit „Authentisch sein. Für eine dienende und partizipative Kirche der Zukunft“ überschrieben.

Weiter sagte Kohlgraf, dass ihn das Thema „Macht“ „spätestens seit der Bischofsweihe, wenn nicht gar mit der Priesterweihe beginnend, unter einen Generalverdacht“ stelle: „Nicht nur Protestbewegungen wie Maria 2.0 nehmen päpstliches, bischöfliches und priesterliches Handeln grundsätzlich so wahr.“ Er als Bischof wolle sich aber „nicht allein unter dem Verdacht der Sorge um den Machterhalt sehen lassen“. Kohlgraf betonte: „Zu einer geistlichen und dem Evangelium entsprechenden Gestaltung des bischöflichen und priesterlichen Dienstes ist die Kritik, die Kontrolle, kirchlich gesprochen: die Synodalität, unverzichtbar.“

Der Mainzer Bischof wies in seinem Vortrag dabei auf einen Grundsatz der kirchlichen Synodalität hin: „Es darf in der Kirche um den rechten Weg gestritten werden und es wurde immer gestritten. Dabei gilt es, einen Weg der Unterscheidung zu finden. Das unterscheidet einen Synodenprozess von einer Parlamentsdebatte. Ein Weg der Unterscheidung sucht nicht allein nach Mehrheiten für die eigene Meinung. Er traut dem Geist zu, in der Wahrheit des anderen die eigene Wahrheit zu bereichern, zu verändern.“ Und weiter: „Ich glaube fest, dass ein Ringen um eine glaubwürdige und authentische Gestalt und Praxis der Kirche eine Grundvoraussetzung dafür ist, dass man der Kirche und den Verantwortlichen in ihr die Botschaft abnehmen kann.“

Kohlgraf betonte, dass es in Deutschland „verschiedene Räte und Gremien auf verschiedenen Ebenen an der Leitung“ teilnehmen, sie seien nicht nur beratend, sondern ebenso kontrollierend und entscheidend tätig. „Partizipation findet auf vielen Ebenen satt“, sagte er. Als Beispiele nannte er den Diözsanvermögensverwaltungsrat oder den Kirchensteuerrat sowie andere diözesanen Räte. Zudem wies er im Zusammenhang mit der Missbrauchsaufarbeitung auf die extern besetzte Aufarbeitungskommission oder das unabhängige Aufklärungsprojekt „Erfahren.Verstehen.Vorsorgen (EVV)“ des Regensburger Rechtsanwalt Ulrich Weber hin.

Vortrag von Philipp Müller

Neben Bischof Kohlgraf hielt der Mainzer Pastoraltheologie Professor Dr. Philipp Müller einen Vortrag zum Thema „Die Versuchung zu Macht“. Müller betonte in seinem Vortrag, dass „nicht das Phänomen der Macht an sich ist das Problem“ sei, sondern „wie Menschen mit ihr im Bewusstsein der damit verbundenen realen Gefährdungen umgehen“. Müller unterstrich, dass kirchliche Verantwortungsträger die ihnen anvertrauten Macht und Verantwortung „nur im Geiste Jesu“ ausüben dürften: „Wer im Namen Jesu in der Kirche Verantwortung trägt, dessen Tun sollte so wenig wie möglich egoistisch motiviert sein und ein selbstloser Dienst an anderen und an der Gemeinschaft sein. Hierfür bedarf es der Demut, die etymologisch auch als ,Dienmut‘, als Mut und Bereitschaft zum Dienen, verstanden werden kann.“