Künstler am Rande des Abgrunds

„Aschermittwoch der Künstler“ in der Bistumsakademie Erbacher Hof

1-aschermittwoch-der-kuenstler-13-03-05-007-jpg (c) Bistum Mainz / Matschak (Ersteller: Bistum Mainz / Matschak)
Datum:
Do. 6. März 2014
Von:
am (MBN)
Mainz. Unter der Überschrift „Der ,Große Krieg‘ (1914-1918) – Kunst und Künstler am Rande des Abgrunds“ stand am Mittwoch, 5. März, die traditionelle Veranstaltung „Aschermittwoch der Künstler und Publizisten“ in der Bistumsakademie Erbacher Hof.

Im Rahmen des Abends stellte Dr. Cathrin Klingsöhr-Leroy, Direktorin des Franz Marc-Museums in Kochel am See, die Ausstellung „1913 - Bilder vor der Apokalypse" vor. Dabei widersprach sie der gängigen These, dass man im Werk des Malers Franz Marc „seismographische Vorahnungen des kommenden Krieges" erahnen könne. Marc habe den Krieg „nicht vorausgeahnt, sondern die vielfältigen Spannungen dieser Zeit mit in seine Kunst aufgenommen". Gleichwohl habe Marc, der zu den bedeutendsten Malern des Expressionismus in Deutschland gehört, dem ausbrechenden Krieg positiv gegenüber gestanden, da er sich davon eine „Reinigung bzw. Läuterung der Gesellschaft" erwartete.

Professor Dr. Uwe M. Schneede, Kunsthistoriker und langjähriger Direktor der Hamburger Kunsthalle, sagte, dass der damalige Kriegsbegriff ein anderer war als heute. „Krieg stand als Metapher für ein erneuerndes Ereignis, nicht für ein großes Morden", sagte Schneede. Die künstlerische Avantgarde habe auf gesellschaftliche Veränderungen durch den Krieg gehofft. Künstler wie Max Beckmann oder Otto Dix wollten „um der Kunst willen" im Krieg Extreme des Lebens erfahren, „Erfahrungen, die sie im Atelier nicht hatten". In den Werken der Künstler, die als Soldaten den Krieg erlebten, sei nach den ersten Kriegserfahrungen dann auch „persönlich erlebte Kriegsgewalt" eingeflossen. Der Historiker Professor Dr. Michael Kißener, Mainz, wies auf den „fragmentarischen Zustand" der Gesellschaft des deutschen Kaiserreiches hin. Sie habe aus scharf voneinander abgegrenzten Milieus bestanden, die durch die Monarchie, den Nationalismus und eine starke Militarisierung zusammengehalten worden sei. „Je länger der Krieg allerdings dauerte, desto brüchiger wurden diese Klammern", betonte Kißener.

Moderiert wurde der Abend von Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates. Zu Beginn hatte der Direktor der Bistumsakademie, Professor Dr. Peter Reifenberg, die Gäste begrüßt.

Gottesdienst mit Lehmann im Mainzer Dom

Zuvor hatte der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, einen Gottesdienst im Mainzer Dom gefeiert, in dem auch das Aschenkreuz ausgeteilt wurde. In seiner Predigt unterstrich Lehmann, dass „uns das Aschenkreuz zeigt, dass wir zu dieser Erde gehören". „Wir sind Teil dieser Erde und sollten eine grundlegende Solidarität mit ihr üben", betonte der Kardinal. Aschermittwoch als Beginn der Österlichen Bußzeit sei zudem mit dem Begriff der Umkehr verbunden, sagte Lehmann weiter. Auf einem einmal eingeschlagenen Weg umzukehren, sei oft schwierig: „Oft brauchen wir jemanden, der uns bei der Umkehr an die Hand nimmt." Eine gelungene Umkehr könne Freude und Zufriedenheit schenken, sagte der Kardinal.