Neue Trägerstruktur für Kitas im Bistum Mainz

Weihbischof Bentz beim Dialogforum „Neue Trägerstrukturen“ für Kindertagesstätten

Mainz, 13.5.2019: Vor rund 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmern äußerte sich Weihbischof Udo Markus Bentz zur Zukunft der Trägerstrukturen katholischer Kindertagesstätten im Bistum Mainz. (c) Bistum Mainz / Matschak
Mo 13. Mai 2019
am (MBN)

Mainz. Der Mainzer Weihbischof Dr. Udo Markus Bentz hat angekündigt, dass die Trägerschaft der 207 Kindertagesstätten (Kitas) im Bistum Mainz neu strukturiert wird. Derzeit ist aber noch keine Entscheidung über das künftige Format der Trägerschaft gefallen.

„Wir befinden uns in einer offenen Debatte, der allerdings im Laufe des Jahres eine Entscheidung folgen soll“, sagte Bentz. Die neue Trägerstruktur soll zum 1. Januar 2020 gegründet und mit Modellstandorten am 1. Januar 2021 starten. Bentz, der auch Generalvikar des Bistums Mainz ist, äußerte sich beim Dialogforum „Neue Trägerstrukturen“ am Montag, 13. Mai, im Mainzer Dom. Bei dem Dialogforum, zu dem rund 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem Bereich der Kindertagesstätten im Bistum Mainz gekommen waren, wurden unterschiedliche Trägerstrukturen für Kitas vorgestellt und von den Teilnehmenden diskutiert. 

Bentz unterstrich, dass das katholische Profil der Kitas im Bistum Mainz trotz aller anstehenden Veränderungen „unbedingt beibehalten“ werden solle. Eine Kita werde als „pastorale Chance, als Kirchort und Berührungspunkt auch für der Kirchengemeinde eher fernstehender Menschen“ wahrgenommen. „Eltern in unseren katholischen Kindertageseinrichtungen möchten, dass ihr Kind in einer katholischen Kindertageseinrichtung erzogen, gebildet und betreut wird. Das tun wir. Wir tun dies mit rund 2.500 Mitarbeitenden in 207 Kitas für rund 15.000 Kinder im Bistum Mainz“, sagte der Weihbischof. „Unsere Kindertagesstätten nehmen als Einrichtungen der Kirche am Sendungsauftrag der Kirche teil“, betonte er. „In unseren Kitas haben wir 38 Prozent katholische Kinder, 16 Prozent evangelische, aber auch 15 Prozent Kinder ohne Angabe zur Konfession; dazu 15 Prozent Kinder ohne Konfession und 13 Prozent Kinder muslimischen Glaubens. Hierin bildet sich die Pluralität der Menschen ab, die uns im alltäglichen Umfeld begegnen“, sagte Bentz. Eine Kita sei daher Gesprächsort, familienpastorale Chance, ein Ort der Begegnung und Wertschätzung, ein Ort, wo „Glaube geteilt wird“.

Bentz: Pastorale Verantwortung bleibt vor Ort

Gleichzeitig seien die Träger der Kindertagesstätten, allen voran die Pfarreien der Diözese, vor wachsende Herausforderungen gestellt – unter anderem durch sich verändernde rechtliche Regelungen, steigende Personalverantwortung oder den Rückgang von Ehrenamtlichen. „Die seelsorgliche Arbeit droht zu kurz zu kommen“, sagte Bentz. Stattdessen werde nach Modellen Ausschau gehalten, „die die seelsorgliche Verantwortung vor Ort belässt, aber die gesamten Trägeraufgaben auf andere professionelle Beine stellen soll“, sagte der Weihbischof. Neue Trägerstrukturen seien auch aufgrund des Pastoralen Wegs des Bistums Mainz notwendig: In dessen Rahmen werden bis 2030 die derzeit 134 Pastoralen Einheiten des Bistums Mainz zu 50 Pfarreien als Verwaltungseinheiten zusammengeführt. Auch deswegen seien die Kirchengemeinden als Träger einer Kita nicht beizubehalten.

Bentz unterstrich zugleich, dass das Bistum „sehr vorsichtig bei der Aufgabe oder Abgabe von Kindertageseinrichtungen an andere freie Träger oder an die Kommunen“ sei. Eine Kita in eine andere katholische Trägerschaft zu überführen, unterscheide sich maßgeblich davon, eine Kita abzugeben. Trotzdem werden in den kommenden Jahren im Bistum aus finanziellen Gründen nicht alle Kitas in kirchlicher Trägerschaft gehalten werden können, sagte der Weihbischof. Konkrete Zahlen würden dazu allerdings noch nicht vorliegen.

Adick: Kitas sind zentrale Orte von Familienpastoral

Bentz dankte gemeinsam mit Nicola Adick, Dezernentin für Caritas und Soziale Arbeit im Bistum, allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Bereich der Kindertagesstätten für „die großartige Arbeit“. Adick sagte in ihrem Grußwort: „Wir haben viele ausgezeichnete Kindertageseinrichtungen, die über unterschiedliche Auszeichnungen verfügen, Auszeichnungen von außen und Auszeichnungen von innen. Alle haben Respekt, Anerkennung und Wertschätzung verdient.“ Sie betonte: „Dennoch dürfen wir bei allem Dank und Respekt nicht die Aufgaben vernachlässigen, die uns vor große Herausforderungen stellen.“

Adick wies darauf hin, dass 169 Pfarreien Träger von 198 Kindertageseinrichtungen seien, die übrigen in Trägerschaft der Caritasverbände und des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF). Sie betonte, dass katholische Kitas „zentrale Orte von Familienpastoral“ seien und eine „hohe Relevanz im Leben der Familien“ haben: „Im Bistum Mainz wurde die pastorale Begleitung der Kitas konzeptionell weiterentwickelt, mit viel Engagement ausgebaut und in die Fläche gebracht.“

Molitor: Neue Pfarreien brauchen professionelle Verwaltungsunterstützung

Der Finanzdirektor des Bistums Mainz, Christof Molitor, unterstrich in seinem Grußwort, dass für die neuen Pfarreien, die im Rahmen des Pastoralen Wegs errichtet werden, eine „professionelle Verwaltungsunterstützung gewährleistet sein muss“. „In der derzeitigen regionalisierten Struktur mit 169 Kirchengemeinden als Träger von Kindertageseinrichtungen sind administrative Abläufe sehr unterschiedlich geregelt. Die Zersplitterung der Kita-Landschaft birgt nach unserer Analyse hinsichtlich der Finanzierung der Einrichtungen, der Personalverwaltung und der Qualität der Verwaltungsprozesse deutliche Nachteile. Bei den ehrenamtlichen Verwaltungsräten wird ein wachsendes Gefühl der Überforderung wahrgenommen. Auch eine eindeutige Abgrenzung von den sonstigen Kosten der Kirchengemeinde soll durch eine neue Trägerstruktur sichergestellt werden und somit absehbare strukturelle Veränderungen auf dem Pastoralen Weg erleichtern“, sagte er.

Molitor machte darauf aufmerksam, dass aufgrund rückläufiger Kirchensteuereinnahmen dem Bistum Mainz mittelfristig weniger Finanzmittel zur Verfügung stehen werden. Er betonte: „Dem künftigen Träger wird ein verlässlicher Budgetrahmen zur nachhaltigen Finanzierung der Kitas zur Verfügung gestellt.“ Und weiter: „Ein ganz wichtiges Element der zukünftigen Struktur wird die Anbindung der Kita an den Kirchort sein: Identifikation und Engagement vor Ort muss auch in einer größeren Trägerstruktur weiterhin gewährleistet bleiben.“ Er wisse um die Tragweite und die besonderen Herausforderungen für alle Beteiligten: „Ihre Erfahrung, Kompetenz und Ihr Engagement sind für uns sehr wertvoll. Wir sind zuversichtlich, den Wandel gemeinsam positiv zu gestalten.“

Vorträge und Dialoggruppen

Im Rahmen des Tages gab Professor Dr. Thomas de Nocker, Essen, zudem einen „Einblick in bundesweite Entwicklungen“ hinsichtlich von Trägerstrukturen bei Kindertagesstätten. Vorgestellt wurden den Teilnehmerinnen und Teilnehmern unter anderem die Trägerstrukturen im Bistum Trier sowie in Gießen. Am Mittag und Nachmittag bestand die Möglichkeit, an verschiedenen Dialoggruppen zum Tagesthema teilzunehmen.