Schutz und Förderung von Kindern gehört an erste Stelle

Katholikenrat veröffentlicht Stellungnahme zum Thema „Sexueller Missbrauch“

Katholikenrat (c) Bistum Mainz / Blum
Di 6. Nov 2018
tob (MBN)
Mainz. Der Katholikenrat im Bistum Mainz hat am Montag, 5. November, eine Stellungnahme zum Thema „Sexueller Missbrauch in der Kirche“ veröffentlicht. Der Katholikenrat ist das höchste Laiengremium in der Diözese Mainz und hat rund 70 Mitglieder. Im Folgenden dokumentieren wir die Erklärung des Gremiums im Wortlaut:

Die Zahl der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche, die die MHG-Studie aufgezeigt hat, ist erschreckend hoch und offenbart ein überaus düsteres Bild der Kirche. Viel zu lange sind diese Vorgänge von kirchlich Verantwortlichen verdrängt und nicht ernst genug genommen worden. Gleichzeitig wurden die Täter häufig geschont und konnten ohne nennenswerte Konsequenzen im kirchlichen Dienst verbleiben.

Demgegenüber ist das Schicksal der Betroffenen nicht in den Mittelpunkt gestellt und keine wirkliche Aufklärung betrieben worden. Das ist leider auch in unserem Bistum geschehen, was das Leid und den Schmerz der Opfer noch verstärkt hat.

Die Kirche muss die Vorgänge gründlich klären und begangene eigene Fehler und ihre Schuld eingestehen. Dies hat Bischof Dr. Peter Kohlgraf für das Bistum Mainz auch unmittelbar nach der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischöfe Ende September mehrfach öffentlich angekündigt. Hierzu gehört auch, dass sich der Bischof inzwischen mit Opfern zu persönlichen Gesprächen getroffen hat.

Der Schutz und die Förderung von Kindern und Jugendlichen in allen Bereichen kirchlichen Lebens müssen an erster Stelle stehen. Kinder, Jugendliche und deren Erziehungsberechtigte müssen sicher sein können, dass ihnen in kirchlichen Zusammenhängen und Einrichtungen kein Leid geschieht und ihnen mit Achtung und Wertschätzung begegnet wird.

Wenn es überhaupt gelingen kann, verloren gegangenes Vertrauen wiederzugewinnen, dann geht das nur über den Weg der Offenheit und Transparenz, einer wirksamen Prävention so-wie der Bereitschaft, auch brisante kirchliche Fragen offensiv anzugehen. Hierzu gehören die Fragen nach dem Pflichtzölibat, nach der Bewertung von Sexualität, die Beteiligung von Frauen an wesentlichen Entscheidungsprozessen und in Leitungspositionen, genauso wie die Frage nach dem grundsätzlichen Umgang mit Macht in der Kirche.

Wir Ehrenamtliche fragen uns als Teil der kirchlichen Strukturen auch kritisch, wo unser
Anteil daran liegt, dass Missbrauch begünstigt werden konnte, z. B. indem Gemeinden ihren Pfarrer in seiner Rolle überhöhten.

Als Katholikenrat werden wir verstärkt darauf achten, dass die Herausforderungen, die mit dem Thema „Missbrauch“ verbunden sind, in unserem Bistum nicht wieder in den Hintergrund geraten, dass ein Ausbau der bereits begonnenen Prävention erfolgt und dass alle Möglichkeiten genutzt werden, um gegen sexualisierte Gewalt vorzugehen. Vertuschungen und Schutz der Institution darf es dabei nicht geben.

Als Vertreter der Laien im Bistum Mainz sehen wir die Laisierung von Priestern nicht als an-gemessene Strafe an. Der Stand der Laien ist kein Strafstand. Deshalb verlangen wir, dass die Klärung von Missbrauchsfällen konsequent den staatlichen Strafbehörden übergeben wird. Werden Mitarbeiter der Kirche des Missbrauchs überführt, erwarten wir, dass sie aus dem Dienst entlassen werden.

Wir rufen die Pfarrgemeinden im Bistum und alle anderen gesellschaftlichen Kräfte auf, sich dieser Thematik zu stellen. Denn Opfer von Sexuellem Missbrauch treffen wir nicht nur in der Kirche, sondern auch in Familien und Vereinen an. Hier bedarf es gemeinschaftlicher Sensi-bilität, solche Gefährdungen früh wahrzunehmen, ernst zu nehmen und dagegen anzugehen.

Mainz, 5. November 2018

Patrick Landua
Sprecher des Katholikenrates