Stellungnahme des Mainzer Bischofs Peter Kohlgraf

zur Veröffentlichung der Glaubenskongregation am 15. März 2021

Bischof Peter Kohlgraf (c) Bistum Mainz / Blum
Datum:
Di. 16. März 2021
Von:
tob (MBN)

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf reagiert mit folgender Stellungnahme auf das am 15. März von der Glaubenskongregation veröffentlichte „Responsum ad dubium“ über die Segnung homosexueller Paare:

Nach der gestrigen Veröffentlichung der Glaubenskongregation haben mich viele Rückmeldungen erreicht, die ihr Unverständnis und ihre Enttäuschung über die Aussage der Erklärung äußern. Ich nehme wahr, wie viele gläubige Menschen dadurch enttäuscht und verletzt sind, keineswegs nur unmittelbar Betroffene. Ich nehme dies sehr ernst. Auch mich treibt das Thema um. Gleichzeitig nehme ich dies als Auftrag und Ansporn, dass wir im Bistum Mainz verstärkt seelsorgliche Angebote und Konzepte entwickeln für und insbesondere: gemeinsam mit homosexuellen Menschen. Und ich bin allen Betroffenen dankbar, denen daran gelegen ist, mit unserer Kirche in Verbindung zu bleiben. 

Ich habe mich im Februar in einem Beitrag in unserer Kirchenzeitung „Glaube und Leben“ zum Thema Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare geäußert. Ich möchte insbesondere nochmals auf den letzten Absatz meines Textes hinweisen, zu dem ich nach wie vor stehe:

„Vor kurzem ist ein Buch erschienen, das Beispiele liturgischer Segensfeiern vorstellt, die unter anderem gleichgeschlechtlichen Paaren von Seelsorgern angeboten wurden (Stefan Diefenbach und andere, Paare. Riten. Kirche, Paderborn 2020). Mitarbeiter unseres Ordinariats wirkten an dem Projekt mit, ich habe die Veröffentlichung des Buches befürwortet. Das Buch wertet nicht, es sammelt Beispiele aus der Praxis.

Wie gehe ich als Bischof damit um? Will ich das gar nicht wissen? Denn die Beispiele sind zumeist gegen die kirchliche Ordnung. Aber es gibt sie und wird sie weiter geben. Ist es Aufgabe des Bischofs, nicht hinzuschauen? Die Beispiele sind aus vielen Diözesen. Oder schreite ich ein? Aber die Feiern haben stattgefunden. Kann ich als Bischof einen Segen rückgängig machen? Will ich derart viel zartes Porzellan bei glaubenden Menschen zerbrechen? Mir erscheint dies wenig sinnvoll. Die Segensfeiern sind entstanden aus der seelsorglichen Begleitung der betroffenen Menschen. Die meisten sind weder Formulare, die der kirchlichen Trauung nachgebildet sind, noch wollen sie eine Einheitsliturgie entwickeln. Seelsorgerinnen und Seelsorger haben Menschen begleitet und über das Gute ihres Lebens den Segen gesprochen. Nein, ich plädiere nicht für eine Segensform, die einer Trauung ähnlich ist. Aber ich plädiere für eine Begleitung - anstatt zu urteilen. Und ich plädiere dafür, mit den „nicht wenigen“ (Katechismus!) Betroffenen zu reden – und nicht über sie - und bei ihnen zu bleiben“.