Synodaler Weg beginnt (1.12.)

Kohlgraf: „Begleiten Sie diesen Weg mit aktivem Interesse und im Gebet“

Mainz, 1.12.2019: Auch im Mainzer Dom ist zum Start des Synodalen Weges eine Synodalkerze entzündet worden. (c) Bistum Mainz / Matschak
Do 28. Nov 2019
am (MBN)

Mainz. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat die Menschen im Bistum Mainz darum gebeten, den Synodalen Weg der Katholischen Kirche in Deutschland „mit aktivem Interesse und im Gebet“ zu begleiten. Das geht aus einem Brief hervor, den der Mainzer Bischof am Dienstag, 26. November, an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bistum Mainz geschickt hat. Gleichzeitig mit dem Brief sind zahlreiche Materialien zum Synodalen Weg an die Pfarreien des Bistums versandt worden.

Der Synodale Weg, der von der Deutschen Bischofskonferenz gemeinsam mit dem Zentralkomitee der Katholiken in Deutschland (ZdK) initiiert wurde, beginnt am ersten Advent, Sonntag, 1. Dezember. Die erste Plenarsitzung des Synodalen Weges findet vom 30. Januar bis 1. Februar 2020 in Frankfurt statt.

Synodalkerze im Mainzer Dom entzündet

Im Stiftsgottesdienst am Sonntag, 1. Dezember, ist – wie in anderen Domkirchen in Deutschland auch – eine so genannte Synodalkerze gesegnet und entzündet worden. In seiner Ansprache sagte Ehrendomkapitular Monsignore Engelbert Prieß: „Heute am ersten Advent schauen wir auf den Weg unserer Kirche. Und wir sehen, dass da noch viele dabei sind, manche frohen Mutes vorneweg, viele andere, die einfach so mitlaufen, viele, die zurückbleiben. Und wir sehen, dass viele, zu viele nicht mehr mitgehen, sich abgewandt haben, andere Wege gehen. Wir stellen auch fest, dass viele Menschen auch innerhalb der Kirche fragen: Sind wir noch auf dem richtigen Weg? Muss die Kirche, müssen wir als Kirche nicht einfach mal stehenbleiben und nachdenken – nachdenken und die Fragen und Zweifel der Menschen ernstnehmen?“ Die entzündete Kerze sei Symbol des Synodalen Weges. Sie sei ein „Zeichen für Jesus Christus, dessen Licht unserem Weg als Kirche voranleuchten möge“, sagte er. Die Synodalkerze ist in der Sakramentskapelle des Mainzer Doms aufgestellt.

Vier Vertreter aus dem Bistum Mainz bei Plenarversammlungen

Bischof Kohlgraf hatte mehrfach auf die Bedeutung des Synodalen Weges hingewiesen. Zuletzt in seiner Predigt am Sonntag, 25. November, in Mainz-St. Peter. Dort sagte er: „Wir beginnen in Deutschland am kommenden ersten Advent den Synodalen Weg, der vor dem Hintergrund der Missbrauchsstudie auch das Thema der Macht in der Kirche in den Blick nimmt. Manche warnen, das sei eine oberflächliche Strukturdebatte, die geistlich und inhaltlich nichts bewirke. Ich kann diesen Einwand nicht akzeptieren. Es geht ja nicht um die Frage der Farbe der bischöflichen Kleidung oder die Höhe der Mitra auf dem Kopf des Bischofs. Es geht um die Frage, mit welcher Haltung Leitung in der Kirche ausgeübt wird.“

Kohlgraf gehört zu den Teilnehmern der ersten Plenarversammlung. Weitere Teilnehmer sind der Mainzer Weihbischof und Generalvikar Dr. Udo Markus Bentz, Pfarrer Markus Konrad als Vertreter aus dem Priesterrat sowie Martin Buhl, Mitglied des Katholikenrats im Bistum Mainz, der von Seiten des ZdK entsandt wird. Ansprechpartnerin im Bistum Mainz für den Synodalen Weg ist Martina Reißfelder, Geschäftsführerin der Diözesanversammlung und des Katholikenrates im Bistum Mainz.

Vier Gesprächsforen auf Bundesebene

Im Rahmen des Synodalen Weges wird es vier Gesprächsforen geben. Die Themen der Foren lauten: „Macht und Gewaltenteilung in der Kirche – Gemeinsame Teilhabe und Teilhabe am Sendungsauftrag“, „Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft“, „Priesterliche Existenz heute“ sowie „Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche“. Bischof Kohlgraf und der Mainzer Pastoraltheologe Professor Dr. Philipp Müller sind Mitglied des Gesprächsforums „Priesterliche Existenz heute“.

Der Synodale Weg war unter dem Eindruck des Missbrauchsskandals und der so genannten MHG-Studie von Seiten der Deutschen Bischofskonferenz und des ZdK ins Leben gerufen worden. Mit Hilfe des Weges will sich die Katholische Kirche in Deutschland „auf einen Weg der Umkehr und der Erneuerung machen“, wie es in der Satzung des Synodalen Weges heißt. Und weiter: „Der Synodale Weg dient der gemeinsamen Suche nach Schritten zur Stärkung des christlichen Zeugnisses“. Er ist auf zwei Jahre angelegt.

Brief von Kardinal Marx und ZdK-Präsident Sternberg

In einem gemeinsamen Brief schreiben der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und der Präsident des ZdK, Professor Dr. Thomas Sternberg, zum Synodalen Weg: „Er soll auch ein Weg der Umkehr und der Erneuerung sein, der dazu dient, einen Aufbruch im Lichte des Evangeliums zu wagen und dabei über die Bedeutung von Glaube und Kirche in unserer Zeit zu sprechen und Antworten auf drängende Fragen der Kirche zu finden. Denn selbstkritisch müssen wir feststellen: Die Botschaft des Evangeliums wurde verdunkelt, ja sogar aufs Schrecklichste beschädigt. Wir denken dabei besonders an den sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen. Wir müssen Konsequenzen daraus ziehen und dafür sorgen, dass die Kirche ein sicherer Ort ist.“

Und weiter: „Gemeinsam wollen wir den Weg suchen, wie wir als Kirche heute den Menschen, der Welt und Gott dienen können, wie wir ,die Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art‘ teilen können, wie es das Zweite Vatikanische Konzil vor über 50 Jahren ausgedrückt hat (Gaudium et spes 1). Den Glauben neu verkünden zu wollen, verlangt von uns, dass wir das Gespräch besonders über Themen führen, die der Verkündigung im Wege stehen, wenn sie nicht geklärt werden.“

Marx und Sternberg betonen: „Wir laden ein, diesen Synodalen Weg in Freiheit und Vielfalt mitzugehen. Dabei setzen wir auf das Engagement aller, die sich für einen lebendigen Glauben in unserer Kirche engagieren. Als getaufte Frauen und Männer sind wir berufen, die ,Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes‘ (Tit 3,4) in Wort und Tat zu verkündigen. Wir wollen auf dem Synodalen Weg die Voraussetzungen verbessern, diese Aufgabe glaubwürdig erfüllen zu können. Es ist ein offener Weg, der zu Beschlüssen und Voten an die jeweils zuständigen kirchlichen Verantwortlichen führen soll.“

Hinweise:

Logo des Synodalen Weges

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