Triegel: Maltechnik nützt nichts, wenn ich nicht mit dem Herzen dabei bin

Pontifikalamt mit Bischof Peter Kohlgraf zum Feiertag des Mainzer Priesterseminars

Mainz, 9. Dezember 2019: Seminarfeiertag zum Jahresthema
Mo 9. Dez 2019
tob (MBN)

Mainz. „Es ist immer wichtig, sich eine Offenheit für verschiedene Interpretationen eines Kunstwerkes zu bewahren.“ Das sagte der Maler Michael Triegel am Montagabend, 9. Dezember, bei einer Veranstaltung in der Mainzer Seminarkirche. Der Betrachter dürfe sich nicht einnehmen lassen von den Erklärungen des Künstlers oder vermeintlicher Experten.

Insofern sei es schwierig, dass er bei diesem „Lichtbildervortrag“ über seine eigenen Werke spreche, sagte Triegel, der sich selbst als zeitgenössischen Maler bezeichnete. Allerdings würden sich seine Deutungen mit den Jahren auch immer wieder ändern. Einer größeren Öffentlichkeit bekannt wurde der 1968 geborene Michael Triegel durch seine Porträts von Papst Benedikt XVI.

Der Abend stand unter der Überschrift „Vom Sichtbaren zum Unsichtbaren - Michael Triegel erzählt von seiner Arbeit“. Anhand verschiedener Bilder erläuterte Triegel seine Arbeitsweise und die Entstehungsgeschichte der Arbeiten. Die Veranstaltung fand anlässlich des traditionellen Seminarfeiertages des Mainzer Priesterseminars statt und war Teil des Jahresthemas „Kirche und moderne Kunst“. Der Feiertag des Mainzer Priesterseminars findet traditionell am Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria statt. An der Veranstaltung nahm unter anderen auch der Mainzer Weihbischof und Generalvikar, Dr. Udo Markus Bentz, teil.

„Der Künstler muss wissen, dass es immer etwas Größeres gibt als ihn selbst. Diese Idee von Kunst liegt mir sehr am Herzen“, sagte Triegel. Der aktuelle Kunstmarkt neige sehr zur Selbstbespiegelung, sagte Triegel. „Da ist die Kirche fast die einzige Institution, die Kunst noch als Gebrauchsgegenstände braucht.“ Für ihn seien Aufträge aus dem kirchlichen Bereich immer auch eine Chance, aus dem Atelier zu kommen, was er sehr schätze. „Solche Aufträge bieten mir die Möglichkeit, aus dem selbstbezüglichen Kunstsystem herauszukommen und mich mit den Auftraggebern auszutauschen.“

Triegel machte deutlich, dass er auch Aufträge ablehne. Als er für St. Oswald in Baunach gebeten worden sei, den heiligen Oswald zu malen, „habe ich überhaupt nichts mit dem Heiligen anfangen können. Da nützt dann auch die Maltechnik nichts, wenn ich nicht mit dem Herzen dabei bin.“ Entstanden sei für die Kirche daraufhin das Weihnachtsbild „Menschwerdung“, das eines seiner liebsten Bilder sei. Die Begrüßung und Moderation hatte der Regens des Mainzer Priesterseminars, Dr. Tonke Dennebaum, übernommen.

Gottesdienst mit Bischof Kohlgraf zum Auftakt

Mainz, 9. Dezember 2019: Bischof Peter Kohlgraf bei seiner Predigt in der Augustinerkirche zum Seminarfeiertag. (c) Bistum Mainz / Blum

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat zum Auftakt des Seminarfeiertages mit den Teilnehmern einen Gottesdienst in der Augustinerkirche gefeiert. In seiner Predigt im Pontifikalamt in der Mainzer Augustinerkirche sagte er: „Das Böse und der Tod bleiben Realität - und sind doch im letzten machtlos geworden. Damit wir nicht mutlos werden und das Ziel aus dem Blick verlieren, müssen wir wohl immer wieder auf die Zeuginnen und Zeugen des Glaubens schauen, die für den Sieg über das Böse stehen.“

Am Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria feiere die Kirche die Erwählung Mariens, „den Sieg über Sünde und Tod, der sich in ihrer Erwählung abzeichnet“. Weiter sagte der Bischof: „Im Leben der Kirche, im Leben des Einzelnen meldet sich immer wieder die alte Schlange zu Wort. Papst Franziskus hat immer wieder von ‚dem Bösen’ gesprochen, der in dieser Welt regiert, und dafür hat ihn viel Kritik getroffen. Allerdings schiebt die biblische Sprache die Schuld und das Versagen nicht auf die Schlange. Der Mensch ist und bleibt Täter oder Täterin des Bösen. Und doch macht die Heilige Schrift Mut: zur alltäglichen Nachfolge, zur Treue zu Gottes Wort, zum Tun des Guten inmitten einer Welt von Licht und Dunkel. Unser Seminar soll ein Haus der Berufenen und der Berufung sein, in dem wir uns gegenseitig helfen, ermutigen, stützen und begleiten. Die Erwählung Mariens lässt uns über unsere Erwählung staunen, über die Freundschaft, die Gott uns anbietet. Ich wünsche allen, dass wir das große Ziel nicht aus dem Blick verlieren, und dass wir nie mutlos werden im Advent unserer Zeit und unseres Lebens.“ Am Ende des Gottesdienstes dankte Bischof Kohlgraf allen, die im Priesterseminar und den Ausbildungsstätten des Bistums dafür sorgen, „dass dieses Haus der geistlichen Berufe menschlich und geistlich mit Leben gefüllt wird“.