Zum Inhalt springen

Tag der Gefangenen 2026:

Gemeindemitglieder aus Sankt Gottfried besuchten JVA am Tag der Gefangenen

Keine Handtaschen, keine Handys, keine Smartwatches: Bevor sich die 14 Gäste aus der katholischen Kirchengemeinde Sankt Gottfried auf den Weg in den Gottesdienstraum der JVA Butzbach machen können, müssen sie etliche Dinge in einem Schließfach vor dem Gefängnistor verstauen. In der lichtdurchfluteten Kapelle warten schon die ersten Gefangenen auf die Besucherinnen und Besucher. Sie freuen sich auf den gemeinsamen Gottesdienst mit Gästen von „draußen“. Anlass dafür ist der „Tag der Gefangenen“. Dieser wird im Bistum Mainz immer am zweiten Sonntag im Juli gefeiert. Er soll für die Menschen in Haft ein Zeichen der Hoffnung sein und ihnen signalisieren: Ihr seid nicht vergessen. Wir sehen euch als Menschen, nicht als Täter.

„Wir versuchen heute das, was im Gefängnis eigentlich unmöglich ist“, eröffnete Gefängnispfarrer Pater Georg Menke op den Gottesdienst: „Ein Fest zu feiern.“ Das könne gelingen, weil der Glaube die gemeinsame Basis sei: „Wer glaubt, ist nie allein.“ Das spiegelte sich im Gottesdienst wider, denn Besucher und Inhaftierte gestalteten die Feier gemeinsam. Die musikalische Gestaltung übernahmen die sieben Sänger des JVA-Chores unter Leitung von Stefan Maier, geb. Worlitsch. Pater Georg ergänzte den Chor bei einigen Liedern mit seiner Stimme und eine Sängerin aus der Kirchengemeinde sang die Wechselgesänge. Auch die Fürbitten trugen eine Besucherin und ein Gefangener im Wechsel vor.

Die Predigt von Pater Christophe Holzer op, stellvertretender Leiter des Dominikanerordens in Deutschland und Österreich war ein Hoffnungszeichen für alle Menschen, Gefangene und Nicht-Gefangene gleichermaßen. Sein Thema war Gottes Zuwendung zu jedem einzelnen Menschen ganz persönlich, egal wo dieser sich aufhalte. „Gottes Zuwendung ist immer und überall spürbar“, sagte der Geistliche, denn „Gott liebt 9 Milliarden Menschen auf der Welt so, als wäre jeder ein Einzelkind“.

Nach dem Gottesdienst blieb noch Zeit für einen gemeinsamen Eiskaffee und einen Austausch zwischen Gefangenen und Gästen – kurze Gespräche, in denen die Männer in den dunkelroten Hemden kleine Eindrücke vom Gefängnisalltag gaben oder aktuelle Ereignisse diskutiert wurden, von der Hitzewelle bis zum Steinfurter Rosenfest. Dann ging es zurück in den Alltag: für die Gefangenen zurück in ihre Zellen und für die Gäste hinaus zum Gefängnistor, zu ihrem Schließfach und nach Hause.

 

Foto: Tag der Gefangenen Butzbach 2026_68.JPG

BU: Gemeindemitglieder aus Sankt Gottfried in Butzbach besuchten gemeinsam mit Pater Christophe Holzer op (2. v. links) , die JVA Butzbach und feierten Gottesdienst mit Gefangenen.

Würdevoll: Zum Tag der Gefangenen hält eine Kleine Königin Einzug in der Abschiebehaft in Darmstadt-Eberstadt

Eine Kleine Königin hält in der Abschiebehafteinrichtung (AHE) des Landes Hessen in Darmstadt-Eberstadt Einzug und macht so auf die Würde von Menschen aufmerksam, die inhaftiert sind, um anschließend abgeschoben zu werden. Zum Tag der Gefangenen stellt die Seelsorgerin Evi Lotz-Thielen die Kleine Königin in einem Gottesdienst in den Mittelpunkt.

„Ich bin eine kleine Königin. Ralf Knoblauch, Tischler und Diakon in einer Person, hat mich selbst aus einem Stück alten Eichenholz geschlagen. Mit der menschlichen Gestalt und der goldenen Krone auf meinem Kopf hat er mich mit Königswürde ausgestattet. Ich bin mit Leinöl gesalbt und das weiße Kleid kann Sie an Ihre Taufe erinnern. Es ist mein innerstes Anliegen, mich für die königliche Würde von Menschen stark zu machen“, so stellt sich die Kleine Königin vor.

Wie an vielen anderen Orten, an denen die Gefahr besteht, dass die Menschenwürde vergessen wird – zum Beispiel in den Gefängnissen in Gießen und Butzbach –, ist eine Kleine Königin nun auch in der Abschiebehafteinrichtung in Darmstadt-Eberstadt zu Hause. „Die Frauen sind oft Ausgebeutete und aufgrund von Menschenhandel und Prostitution hier in Deutschland. Die Männer arbeiteten oft als billige Arbeitskräfte, da sie ohne Anspruch und Beschäftigungserlaubnis hier sind“, berichtet die Seelsorgerin Evi Lotz-Thielen. Sie erzählt, was Menschen in der AHE – ihrer momentanen Situation entsprechend – unter Würde verstehen: „Die Frauen wünschen sich einen freien Zugang zu Toiletten, auch nachts. Die Zellen der Frauen haben keine Toiletten – nach dem abendlichen Einschluss müssen sie immer den Wachdienst rausklingeln, um auf Toilette zu gehen. Sie haben, anders als die Männer im Neubau, keinen Zugang zu einer Kochmöglichkeit – zurzeit müssen asiatische Frauen, wenn sie einmal Reis statt des vielen Brotes essen möchten, die Seelsorge bitten, dass sie mit ihnen etwas Reis in einer Küche im Keller kocht.“ Würdevolle Haftbedingungen, ist die Seelsorgerin überzeugt, sehen anders aus: „Würde ist für mich etwas das schmückt, etwas das Glanz verbreitet. Würde ist mehr als die Summe der Teile. Sie betrifft das Ganze. Die Würde darf man einem Menschen nicht nehmen.“

Evi Lotz-Thielen wird am 12. Juli um 10.00 Uhr in St. Josef, Darmstadt-Eberstadt (Gabelsbergerstraße) mit der Gemeinde einen Gottesdienst feiern.

Gottesdienst_in_der_JVA

Seelsorge in der Abschiebehaft

Abschiebehaftanstalten gibt es auf dem Gebiet des Bistums Mainz in Ingelheim und Darmstadt. Insgesamt verfügen die beiden Anstalten über 140 Plätze, die in der Regel mehrheitlich mit Männern, aber auch mit Frauen belegt sind. Inhaftiert werden nur erwachsene Personen, ab mindestens 18 Jahren. Auch ältere Menschen bis ins hohe Seniorenalter werden über die Haftanstalten abgeschoben. Die Menschen verbringen hier meistens zwischen 10 und 28 Tagen, manchmal auch mehrere Monate. Die Inhaftierung erfolgt meistens überraschend, daher stehen die Männer und Frauen oft schockiert vor völlig ungeklärten Lebenssituationen. Die Seelsorge bietet hier Möglichkeiten zu persönlichen Gesprächen an und versucht in konkreten Notsituationen zu unterstützen und Kontakte in das Rückkehrland anzubahnen. Auf Wunsch gibt die Seelsorge Bibeln in der Muttersprache und religiöse Symbole aus und feiert mit den Menschen regelmäßig Gottesdienst innerhalb der Haftanstalt. Seelsorge versucht die Menschen in ihrer meist ausweglosen Situation zu begleiten und zu stärken, um den weiteren unbekannten Lebensweg angehen und annehmen zu können.