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Kirchenmagazin Glaube und Leben Nr. 19 :Herr Krüger, was fasziniert Sie an Literatur?

Norbert Krüger, Professor für KI an der Syddansk Universitet in Dänemark, widmet sich unter dem Pseudonym Jakob Matthiessen dem Schreiben von Romanen.
Datum:
6. Okt. 2026
Von:
Anja Weiffen

Als Wissenschaftler schreibt man viel, zum Beispiel Forschungsanträge. Dies ist auch eine Art Science-Fiction, nur für eine sehr nahe Zukunft. Als Wissenschaftler merkt man aber auch, wo man an Grenzen stößt. Die Literatur gibt mehr Möglichkeiten des Ausdrucks. Dabei braucht es nicht immer diese Eindeutigkeit und Klarheit wie in der Wissenschaft und man kann Dinge miteinander in Schwingungen setzen.

Auf den religiösen Stoff für meinen ersten Roman „Tod oder Taufe“ kam ich, weil mich der jüdisch-christliche Dialog beschäftigt. Der Roman basiert auf historischen Ereignissen im Jahr 1096, als Kreuzfahrer die jüdischen Gemeinden im Rheinland zur Taufe zwingen wollten.

Bereits in der 1. und 2. Klasse haben mich die biblischen Geschichten gefangen genommen. Als ich 13 war, wurden bei uns in der Schule diese enggedruckten Gideon-Ausgaben des Neuen Testaments verteilt. Da habe ich die Evangelien noch einmal ganz anders gelesen. Die Bergpredigt, die Gleichnisse und das Vaterunser haben mich sehr fasziniert. Ich hatte aber Probleme mit den Wundererzählungen und die Sache mit der Auferstehung Jesu war mir höchst suspekt. Von der Erbsündentheorie will ich gar nicht reden. Jesus als Juden zu verstehen, hat mir noch einmal einen ganz anderen Zugang zur Religion gegeben. So hat mich der jüdisch-christliche Dialog, der auch in meinem Roman immer wieder durchscheint, letztendlich zurück zur Kirche gebracht. Dafür bin ich heute sehr dankbar.