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Predigt zur Feier der Bischofsweihe von Pater Joshy Pottackal O.Carm.:„Durch Vertrauen geführt“

Pater Joshy Pottackal O.Carm.
Datum:
So. 15. März 2026
Von:
Bischof Peter Kohlgraf

Predigt zur Feier der Bischofsweihe von Pater Joshy Pottackal O.Carm. am 15. März 2026 im Hohen Dom zu Mainz

„Durch Vertrauen geführt“ – diesen bischöflichen Wahlspruch haben Sie, lieber P. Joshy, sich ausgewählt. Als Karmelit haben Sie sich den Propheten Elija und die Gottesmutter Maria als Leitbilder für Ihren Weg gegeben. Wer sich auf Gott verlässt, trifft eine Entscheidung für das Leben. Er glaubt zum einen daran, dass Gott ihn berufen hat und ihn auf seinen Wegen führt; zum anderen will er ihm vertrauen und sein Leben in seine Hände legen. Ihre persönlichen Pläne waren andere, als Weihbischof in Mainz zu werden. Sie wollten in absehbarer Zeit einer missionarischen Aufgabe in der Weltkirche nachgehen. Nun aber sind Sie Missionar, das heißt Glaubenszeuge hier im Bistum, in dem Sie seit vielen Jahren leben, als Priester und Ordensmann wirken und in verantwortungsvollen Aufgaben Zeugnis für den Glauben an Christus abgelegt haben. Ganz sicher brauchten Sie dieses Vertrauen bereits vor über zwanzig Jahren, als Sie von Indien nach Mainz kamen, um hier als Priester zu arbeiten. Immer wieder haben Sie sich auf neue Aufgaben eingelassen, im Orden wie im Bistum Mainz. Vielleicht erkennen Sie im Rückblick, dass Gott Sie geführt hat. Im Glauben an ihn dürfen wir dieser Gewissheit trauen.

Ihre beiden Vorbilder im Glauben, Elija und Maria, folgen unterschiedlichen Berufungen, aber es ist der eine Gott, der sie ruft. Beide konnten im Vertrauen auf Gottes Führung ihr Ja sprechen. Elija steht immer wieder für den Glauben an den einen Gott ein. Auf seinem Weg muss er viel über Gott lernen: Gott ist der Mächtige, stärker als alle Bilder, die Menschen sich von ihm machen. Elija erfährt durchaus Erfolg mit seiner Botschaft – doch er macht auch andere Erfahrungen. Gott erspart ihm den Weg durch die Wüste nicht. Oft bleibt er verborgen, höchstens zu erahnen im leisen Hauch des Windes, nicht im Sturm und nicht im Feuer. Elija tritt ein gegen Ungerechtigkeit und Ausbeutung. Sein Glaube an Gott ist von diesem politischen Auftrag nicht zu trennen. Immer wieder wird er an Grenzen geführt. Und doch wird er im Letzten durch Vertrauen geführt.

Wer heute Bischof wird, hat einen prophetischen Auftrag. In unserer Zeit und Kultur muss er an den einen Gott erinnern, den viele Menschen vergessen haben und der für nicht wenige hier in Deutschland keine Rolle mehr zu spielen scheint. Dabei ist die angemessene Geste nicht der erhobene, drohende Zeigefinger. Wer an Gott glaubt und sich im Vertrauen geführt weiß, darf vielmehr Zeugnis geben – von diesem Vertrauen und von Gott, ohne den sich der Glaubende sein Leben nicht vorstellen kann. Mir persönlich würde das Fundament meines Lebens fehlen, wenn Gott fehlte. Wer heute als Bischof prophetisch wirkt, darf werben für diesen großartigen, schönen und begeisternden Gott, der Menschen führt und ihnen Vertrauen und Hoffnung schenkt. Wie dem Propheten wird jedoch auch heute den Zeuginnen und Zeugen Gottes die Wüste und auch das Schweigen Gottes oder die Dunkelheit des Glaubens nicht erspart. Elija steht für die Treue Gottes und zugleich bleibt auch er seinem Gott treu.

Maria steht für die einzigartige Berufung, Gott Mensch werden zu lassen. So berichten es die Evangelien. Sie hat ihren Sohn wohl nicht immer verstanden, aber sie bleibt ihm treu, bis unter das Kreuz. Gott wird Mensch. Er interessiert sich für uns; niemand ist ihm gleichgültig. Er erniedrigt sich und wird den Menschen gleich. Wer heute als Priester oder Bischof – oder in anderen seelsorglichen Berufen als Frau oder Mann – wirkt, ist in diese Haltung der Nähe zu den Menschen gerufen. Maria hat zu dieser Berufung Ja gesagt. So ist sie uns zum Vorbild geworden: Ja zu sagen zur je eigenen Sendung, Gott in dieser Welt erfahrbar und berührbar zu machen.

Sie, lieber P. Joshy, haben Ihr Ja gesprochen zu dem Weg, den Gott Sie in dieser Zeit, in diesem Bistum, mit den Menschen unserer Tage gehen lassen will. Dafür sind wir, dafür bin ich, Ihnen sehr dankbar. Über zwanzig Jahre haben Sie diesen Dienst im Bistum und im Orden gelebt. Nun führen Sie ihn als Weihbischof im Bistum Mainz weiter. Ich bin überzeugt, dass die Menschen in unserem Bistum Ihnen als glaubwürdigem Zeugen und Nachfolger begegnen werden. Mit Ihrem bischöflichen Wahlspruch „Durch Vertrauen geführt“ geben Sie uns ein starkes persönliches Glaubenszeugnis. In Ihren Insignien erscheint der Delphin als Symboltier – ein ungewöhnliches Wappentier. Tatsächlich spielt der Delphin bereits in der Antike und später auch in der christlichen Bildwelt eine Rolle. Delphine gelten als Begleiter und Beschützer der Menschen in stürmischer See. Sie geben Richtung und Orientierung und manchmal retten sie Menschen, die zu ertrinken drohen. In der antiken Kunst geleiten Delphine die Seelen der Verstorbenen in ein glückliches Jenseits. Frühchristliche Legenden und Predigten greifen diese Deutungen auf. So werden Delphine zu Sinnbildern für Treue, Liebe und Glück, aber auch für Begleitung und Schutz bis hinein in die jenseitige Welt Gottes. Der Delphin steht damit auch bildlich für die Treue Gottes, der Menschen im Leben und im Tod begleitet. Lieber P. Joshy, der Delphin möge Sie stets daran erinnern, dass Sie getragen, begleitet und geführt sind – auch in den Stürmen des Lebens. Mögen Sie Orientierung finden im Wort Gottes, selbst wenn die Wellen hochschlagen. Wir wünschen Ihnen, dass Menschen Sie als Begleiter erfahren und als einen, der Orientierung schenken kann und will. Mögen Sie immer wieder an die große Perspektive erinnern, die uns im Glauben an das ewige Leben geschenkt ist.

Eine Bischofsweihe ist ein großes Glaubensfest für unsere Diözese. Durch Handauflegung und Gebet lassen Sie sich in den bischöflichen Dienst nehmen. Wie Elija und Maria verkünden sie nicht sich selbst, sondern den einen Gott, der auch heute unter uns Mensch werden will. Die Menschen werden spüren, dass Sie nicht eine abstrakte Botschaft verkünden, sondern den, an den Sie persönlich glauben, von dem Sie sich ergreifen und begeistern lassen. Es gehört Mut dazu, sich in ein Bistum senden zu lassen, das über viele Jahre zur Heimat geworden ist, auch wenn Ihre ursprüngliche Herkunft nicht zu verleugnen ist. In Ihrer Berufung wird sichtbar, dass wir eine Weltkirche sind. Ich bin Papst Leo XIV. dankbar für diesen Schritt hier in Deutschland, im Bistum Mainz. Glaube verbindet über alle Grenzen hinweg, die Menschen ziehen können.

Ihnen, lieber P. Joshy, wünsche ich täglich das feste Vertrauen, geführt zu sein. Mögen Sie dieses Vertrauen in Begegnungen, Gottesdiensten und den vielen alltäglichen Aufgaben, die Zeugnis für den einen Gott ablegen, weitergeben. Delphine gewinnen durch Schallwellen ein genaues Bild ihrer Umgebung und finden so Orientierung. Auch wir leben nicht in einer künstlichen Sonderwelt. Die Welt und die Gesellschaft, in der wir stehen, sind unsere notwendigen Gesprächspartner. Halten wir gemeinsam den Glauben an den einen Gott lebendig, der uns alle berufen hat, vor ihm zu stehen und ihm zu dienen.

Zur Website von Weihbischof Pottackal O.Carm.

Der neue Weihbischof von Mainz - Das sind seine Insignien

Weihbischof mit Insignien

Am 15. März 2026 wird der Karmelitenpater Joshy  Pottackal O.Carm. zum Weihbischof in Mainz geweiht. Seine Isignien, die Zeichen der Bischofswürde, spiegeln seinen Lebens- und Glaubensweg: die Herkunft aus dem indischen Kerala und die spirituelle Heimat im Karmelitenorden. Pater Joshy hat sich bei der Gestaltung der Mitra, dem Brustkreuz, dem Ring und dem Bischofsstab bewusst für eine reduzierte und doch ausdrucksstarke Formensprache entschieden. Der Stab wurde von einem Schreiner aus seiner ehemaligen Gemeinde im Neckartal gefertigt; der Delfin symbolisiert den Seelenretter, der die Menschen aus der Gefahr rettet.

Der neue Weihbischof von Mainz - Wappen & Wahlspruch

Der neue Weihbischof von Mainz - Wappen & Wahlspruch

Am 15. März 2026 wird der Karmelitenpater Joshy Pottackal O.Carm. zum Weihbischof in Mainz geweiht. Sein Wappen spiegelt seinen Lebens- und Glaubensweg: die Herkunft aus dem indischen Kerala und die spirituelle Heimat im Karmelitenorden aber auch die Verbundenheit mit Mainz. Mit den Buchstaben A für Alpha und O für Omega, geschrieben in Malayalam-Schrift, seiner Muttersprache, bindet er seine Wurzeln mit in das Wappen ein. Seinen Wahlspruch „Durch Vertrauen geführt“ nach Psalm 37, 5, zeigt sein tiefes Vertrauen in den Weg, den Gott ihm auferlegt.