Einmal im Monat schreibt Bischof Kohlgraf die Kolumne „Perspektiven“ für das Magazin „Glaube und Leben“.:Perspektiven|Vertrauenssache

Er stiftet überall dort, wo er auftaucht, Streit und Misstrauen und zerstört die Gemeinschaft. Cäsar, der immer noch daran arbeitet, das kleine, widerspenstige gallische Dorf zu besiegen, kommt dieser Mann gerade recht. Militärisch haben die Römer gegen die Gallier keine Chance, aber wenn sie das Miteinander durch Misstrauen zerstören können, sind die Gallier besiegt. Tullius Destructivus arbeitet mit unbelegbaren Anschuldigungen, Unterstellungen, Beleidigungen und Gerüchten. So wird er in das gallische Dorf eingeschleust. Tatsächlich scheint das Ende des kleinen Dorfes gekommen, als es ihm gelingt, das gegenseitige Vertrauen zu zerstören. Gerüchte bestimmen den Alltag und die Wirklichkeit wird durch gezielt gestreute Behauptungen geprägt. Alle misstrauen einander. Am Ende fällt sein Lügengebilde jedoch zusammen und es gibt ein großes Fest des Friedens im gallischen Dorf.
Ein solches Happy End zeichnet sich heute jedoch nicht ab. Entsprechend geht es darum, Lüge von Wahrheit zu unterscheiden. Eine Möglichkeit, globale, nationale und örtliche Konflikte zu schüren, besteht darin, Misstrauen zu säen, Lügen und Halbwahrheiten zu verbreiten und das Vertrauen in politisch und kirchlich Verantwortliche zu zerstören. Diese Methoden werden beispielsweise von politisch Radikalen genutzt, um selbst zu profitieren. Sie treten nicht immer so erkennbar wie die Comicfigur mit dem giftgrünen Gesicht auf. Sie sind freundlich, täuschen Verständnis vor und präsentieren einfache, manchmal sogar primitive Lösungen für komplexe Probleme. So gewinnen sie Menschen, die verunsichert sind. Wenn sie sich in die Ecke gedrängt fühlen, ist es mit dem freundlichen Miteinander häufig vorbei.
In einem Lied aus dem Gotteslob von 1975 von Lothar Zenetti heißt es: „Worauf sollen wir hören, sag uns, worauf? So viele Geräusche, welches ist wichtig? So viele Beweise, welcher ist richtig? So viele Reden! Ein Wort ist wahr.“ In diesen Zeiten sind Christinnen und Christen besonders aufgefordert, genau zu prüfen, auf welche Stimmen sie hören. Wer Gift verbreitet, Misstrauen sät und Gemeinschaft zerstört, kann keine Quelle der Wahrheitsfindung sein. Das gilt außerhalb und innerhalb der Kirche. Wahrheit zu erkennen, ist nicht immer einfach. Hass und Misstrauen können jedoch keine Quellen von Wahrheit sein.
// + Peter Kohlgraf