Schmuckband Rad

Gedanke zum Evangelium

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder,

Die Heilung des Blindgeborenen (c) M. Berker
Die Heilung des Blindgeborenen
Sa 21. Mär 2020
Pfarrer Martin Berker

ein Bild aus der Fastenkrippe lässt uns mit unserer Kirche St. Josef innerlich verbunden sein. Die Aussage Jesu, er sei das Licht der Welt, passt zum vierten Fastensonntag Laetare – "Freue dich!" Denn heute ist die Mitte der österlichen Bußzeit erreicht, und wir dürfen auch schon mit Freude auf Ostern schauen.

Sicher wird es dieses Jahr kein so frohes Fest wie sonst werden. Denn die Einschränkungen des öffentlichen und kirchlichen Lebens gelten über das Osterfest hinaus. Im Blick auf das Leiden und Sterben Jesu am Kreuz am Freitag vor Ostern dürfen wir aber wissen, dass Jesus mit uns geht und uns helfend und heilend zur Seite steht. So auch in diesen Tagen. Uns wird eine neue Sichtweise geschenkt, denn plötzlich ist nichts mehr selbstverständlich.

Gebet

Guter Gott, du blickst anders auf uns Menschen als wir es selbst tun. Du schaust in unser Herz und nicht nur auf den äußeren Schein. Du kennst uns ganz. Dein liebevoller Blick auf uns Menschen kann uns verändern und uns die Augen öffnen, gerade dann, wenn wir in unserem Leben mutlos werden und keine Perspektiven mehr sehen. Mache unser Dunkel hell und weite unseren Blick und unseren menschlichen Horizont.

Darum bitten wir dich durch deinen Sohn, das Licht der Welt, der uns deine Barmherzigkeit offenbar gemacht hat.

 

Joh 9,1-41
Aus dem Johannesevangelium

1 Unterwegs sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war. 6 Jesus spuckte er auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen 7 und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach! Das heißt übersetzt: der Gesandte. Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen.

8 Die Nachbarn und jene, die ihn früher als Bettler gesehen hatten, sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte? 9 Einige sagten: Er ist es. Andere sagten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich. Er selbst aber sagte: Ich bin es.

 

13 Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisäern. 14 Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte. 15 Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei. Er antwortete ihnen: Er legte mir einen Teig auf die Augen und ich wusch mich und jetzt sehe ich. 16 Einige der Pharisäer sagten: Dieser Mensch ist nicht von Gott, weil er den Sabbat nicht hält. Andere aber sagten: Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun? So entstand eine Spaltung unter ihnen. 17 Da fragten sie den Blinden noch einmal: Was sagst du selbst über ihn? Er hat doch deine Augen geöffnet. Der Mann sagte: Er ist ein Prophet.

34 Sie entgegneten ihm: Du bist ganz und gar in Sünden geboren und du willst uns belehren? Und sie stießen ihn hinaus. 35 Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten, und als er ihn traf, sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn?

36 Da antwortete jener und sagte: Wer ist das, Herr, damit ich an ihn glaube? 37 Jesus sagte zu ihm: Du hast ihn bereits gesehen; er, der mit dir redet, ist es. 38 Er aber sagte: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder. 39 Da sprach Jesus: Um zu richten, bin ich in diese Welt gekommen: damit die nicht Sehenden sehen und die Sehenden blind werden.

 

Gedanken zum Evangelium in 100 Sekunden

Der Blinde im Evangelium weiß um sein Blind sein. Er macht sich nichts vor. Er sieht seine Zukunft klar vor sich:

  • auf andere angewiesen sein,
  • sich bei jedem Schritt helfen lassen,
  • keine Zukunft haben, nur Last sein...

Und nun bleibt da einer stehen. Der nimmt ihn ernst. Dieser Jesus sieht ihn an, schenkt ihm Zuneigung. Jesus will ihm lediglich die Angst nehmen und Mut machen. Durch die intensive Zuwendung fasst der Blinde Vertrauen ins Leben und bekommt schön langsam den Mut, die Augen zu öffnen.

Dann schickt Jesus den Blinden zum Teich Schiloach zum Waschen. Jesus fordert also zum Mittun auf. Der Blinde muss die Neuwerdung wollen und auch etwas dafür tun. Auch wir sind in diesen Tagen angehalten etwas zu tun (Abstand halten, Solidarität zeigen usw.), damit Neuwerdung geschehen kann.

Christus zeigt sich in dieser Heilungsgeschichte als das Licht der Welt. Er will auch uns die Augen öffnen. Er will auch uns von unseren blinden Flecken, unserer Kurzsichtigkeit, unserer Blindheit befreien. Aber vergessen wir nicht: Ausgangspunkt für die Erleuchtung des Blindgeborenen war seine Sehnsucht nach Licht (nach Neuwerdung)!

Jesus öffnet dem Blinden nicht nur die Augen, dass er seine Umwelt sehen kann. Er öffnet ihm auch die Augen für den Glauben. Er ist es, der uns die Augen öffnet und uns zu Sehenden macht, damit wir selbst zum Licht für andere werden können.

 

Lied:                   485, 1+2+5

 

Fürbitten

 

Jesus Christus, du begegnest uns im Unterwegs sein. Wir bitten dich:

 

  • Schenke deiner Kirche offene Augen für die Begegnungen mit dir am Wegesrand.

 

Christus höre uns …

 

  • Wir beten für alle, die unter der Corona-Pandemie leiden: Für die an Covid19 Erkrankten, die im Krankenhaus sind und für alle in Quarantäne.

 

  • Für die Berufstätigen, die unsicher sind, wie es weitergeht. Für Arbeitgeber und Selbständige, deren Existenz in Gefahr gerät. Für alle, die voller Angst sind und sich bedroht fühlen.

 

  • Wir beten für die vielen Menschen, die unermüdlich im Einsatz sind: Für alle, die sich in Arztpraxen und Krankenhäusern um das Wohl der Patienten und Patientinnen kümmern.

 

  • Gib uns Einsicht und Tapferkeit, damit wir glauben können und die aktuelle Krise aus deiner Hand annehmen mit allem, was es uns bringt.

 

  • Stelle den Menschen mit Behinderung Begleiterinnen und Begleiter an die Seite, die mit ihnen neue Wege wagen.

 

  • Schenke den jungen Menschen, die in diesen Tagen ihr Abitur schreiben innere Ruhe und Gelassenheit.

 

  • Schenke unseren Verstorbenen neues Leben an der immer fließenden Quelle deiner Liebe.

 

 

Du siehst uns, bevor wir dich sehen können, und du weißt, was uns bewegt. Dafür danken wir dir und loben durch dich den Vater im Heiligen Geist in Ewigkeit. Amen.

 

 

Vater unser …

 

Wort auf den Weg

Blind geboren,

kein Augenlicht,

schlechte Aussichten.

 

Wer ist schuld,

wer hat gesündigt,

wie heißt der Sündenbock?

 

Wasch dich,

folge dem Wort

und befolge es!

 

Du wirst sehen,

du siehst mehr,

als du je gedacht hast!

 

Trifft mich diese

Aufforderung Jesu

in meiner Seele?

 

Geh auch ich,

damit mir die Augen

aufgehen?

 

Brauch nicht auch ich

hin und wieder solche

Geh-hilfen und Seh-hilfen?

 

(Paul Weismantel)

 

Segen

Der Herr sei mit Euch.

Und mit Deinem Geiste.

Es segne Euch und alle die zu Euch gehören der gütige und barmherzige Gott.

Der Vater + und der Sohn und der Heilige Geist.

Amen.

 

Lied:                   392, 1+5