Mainzer Bistumsnachrichten Nr. 1

Vom 27. Januar 2021

Silvester im Glas (c) Bistum Mainz
Silvester im Glas
Datum:
Fr. 29. Jan. 2021
Von:
Tobias Blum / Pressestelle

Unter anderem mit Informationen zu den Anerkennungszahlen, einem Rückblick auf die Online-Wohnzimmer des Bistums in der Advents-und Weihnachtsszeit,dem Gottesdienst zum Weltfriedenstag sowie dem Bericht über die digitale Veranstaltung mit Bischof Kohlgraf und Professor Trabert zur Situation im Flüchtlingslager Moria.

Neuregelungen der Anerkennungszahlungen|Bischof Peter Kohlgraf begrüßt das weiterentwickelte Verfahren

Mainz. Auch im Bistum Mainz tritt mit Beginn des Jahres 2021 die neue Ordnung für das Verfahren zur Anerkennung des Leids in Fällen sexualisierter Gewalt in Kraft. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf begrüßt die neue Ordnung, die einheitlich für alle 27 Bistümer in Deutschland gilt: „Sie soll Betroffenen von sexualisierter Gewalt im Bereich der Katholischen Kirche ermöglichen, in allen deutschen Bistümern auf einem einheitlichen und unabhängigen Verfahrensweg und nach transparenten Kriterien materielle Anerkennung ihres Leids zu erfahren. Mit den materiellen Leistungen bringen wir gegenüber den Betroffenen zum Ausdruck, dass auch wir als Bistümer Verantwortung für erlittenes Unrecht und Leid übernehmen.“

Keine Kirchensteuer für Anerkennungszahlungen

Das einheitliche Verfahren, das auf der Herbstvollversammlung in Fulda beschlossen wurde, garantiert Transparenz und Unabhängigkeit. „Ich kann Betroffene aus dem Bistum Mainz nur ermutigen, sich an Schwester Marie Bernadette zu wenden, die aktuell unsere zuständige Ansprechperson ist. Unsere Ausschreibung für eine zweite unabhängige Ansprechperson ist schon so weit vorangekommen, dass schon in Kürze eine weitere Ansprechperson ihre Tätigkeit aufnehmen kann.“

Kohlgraf betont, dass „auch Personen, die bereits einen Antrag gestellt und Leistungen erhalten haben, am erneuerten Verfahren teilnehmen können“. Und weiter: „Zusammen mit dem unabhängigen Aufklärungsprojekt von Rechtsanwalt Ulrich Weber, unserer Zusammenarbeit mit den Staatsanwaltschaften, der Einrichtung eines Beraterstabes und einer Aufarbeitungskommission, der Arbeit unserer Präventions- und Interventionsbeauftragten sowie der anstehenden Ausschreibung für einen überdiözesanen Betroffenenbeirat ist die Neuregelung ein weiterer wichtiger Baustein für unseren Weg als Kirche im Bistum Mainz, um Glaubwürdigkeit und Vertrauen zurückzugewinnen, die durch sexualisierte Gewalt in unserer Kirche zerstört worden sind.“

Betroffene aus dem Bistum Mainz können ab sofort nach der neuen Ordnung einen Antrag bei der zuständigen Ansprechperson stellen. Zukünftig werden alle Leistungen in Anerkennung des Leids durch ein zentrales und unabhängig besetztes Gremium festgelegt. Zudem wird das Entscheidungsgremium nicht nur die Leistungshöhe festlegen, sondern auch die Auszahlung der Summen anweisen. Auf diesem Wege soll das Verfahren beschleunigt werden, was viele Betroffene angemahnt haben. Neben den Anerkennungszahlungen sind auch Leistungen für Therapie und Paarberatung Leistungen nach der neuen Ordnung. 

Vor der Neuorganisation der Aufarbeitung und Aufklärung im Bistum Mainz im Jahr 2018 wurden Anerkennungszahlungen unter anderem auch aus Kirchensteuermitteln geleistet. Inzwischen wurde ein eigenes Konto für Anerkennungszahlungen eingerichtet, das nicht über Kirchensteuermittel finanziert wird. Für die Leistung der Anerkennungszahlungen werden seitdem ausschließlich Kapitalerträge des Bistums Mainz verwendet. Darüber hinaus fordert das Bistum von noch lebenden Tätern die Übernahme subsidiär geleisteter Anerkennungszahlungen. 

Unabhängiges Aufarbeitungsprojekt „Erfahren. Verstehen. Vorsorgen“

Das Bistum Mainz hat im Juni 2019 den Regensburger Rechtsanwalt Ulrich Weber beauftragt, ein unabhängiges Projekt zur Aufklärung der Missbrauchstaten im Bistum Mainz durchzuführen. Das Projekt „Erfahren. Verstehen. Vorsorgen“ nimmt Taten sexuellen Missbrauchs und sexualisierter Gewalt seit 1945 in den Blick und fragt danach, wie im Bistum damit umgegangen wurde. Ein großes Anliegen ist es auch, bislang verborgenes Wissen über Fälle sexueller Gewalt im Bistum ans Licht zu bringen. Bischof Kohlgraf hat mehrfach dazu aufgerufen, dass sich Menschen, die Kenntnis von Taten sexueller Gewalt im Bistum Mainz haben, den Kontakt zu Rechtsanwalt Weber suchen. Im Rahmen seines Zwischenberichtes im Oktober 2020 hat Weber darauf hingewiesen, dass „Anfang 2022 ein realistischer Termin“ für seinen Abschlussbericht sei. 

Hinweise:

·        Ansprechpartner für Betroffene im Bistum Mainz:

bistummainz.de/organisation/praevention/hilfe-bei-missbrauch/ansprechpartner-in

·        Text der neuen Ordnung: 
dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/presse_2020/2020-ORDNUNG-Verfahren-zur-Anerkennung-des-Leids_final.pdf

·        FAQ der Bischofskonferenz:
dbk.de/themen/sexueller-missbrauch/informationen-fuer-betroffene

tob (MBN)

 

Bischof Kohlgraf: „Wir müssen handeln“ |Zwei gehandicapte Flüchtlinge aus Moria in Wohnung des Bistums Mainz vermittelt

Akademienachmittag: Kein Weihnachten in Moria (c) Bistum Mainz
Akademienachmittag: Kein Weihnachten in Moria

Mainz. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat eine humanitäre Lösung für die europäischen Flüchtlingslager angemahnt: „Wir müssen handeln. Auch der Barmherzige Samariter aus Jesu Gleichnis hat einfach geholfen, ohne nach Gründen oder Schuld zu fragen. Ich will dafür werben, dass jeder nach seinen Möglichkeiten aktiv wird. Wir dürfen dabei nicht trennen zwischen lokaler und globaler Verantwortung. Beides muss im Blick bleiben.“ Das sagte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf am Freitag, 22. Januar, bei einem als Videokonferenz durchgeführten Akademienachmittag der Bistumsakademie Erbacher Hof.

Angesichts der derzeitigen Flüchtlingslage in Europa betonte Kohlgraf, der auch Präsident der deutschen Sektion der Friedensbewegung Pax Christi ist: „Wir müssen uns angesichts dessen, was Europa leisten könnte, vor einer moralischen Bankrotterklärung hüten. Wer so mit Menschen umgeht, der verrät den Glauben, für den Europa mal gestanden hat.“ Die Veranstaltung stand unter der Überschrift „Moria. Die geplante Krise an den EU-Außengrenzen“.

Professor Dr. Gerhard Trabert, der die Situation in Flüchtlingslagern Moria, aber auch etwa aus Bosnien-Herzegowina und dem Libanon von eigenen Besuchen her kennt, bezeichnete die Situation im Flüchtlingslager Moria als „eine Katastrophe mit Ansage. Es herrschen dort zustände, die ich mir so für Europa bisher nicht vorstellen konnte.“ Auch die nach dem Brand errichteten neuen Lager seien kein wirklicher Lebensraum für Menschen. Die einzig wirkliche Lösung sei eine Evakuierung der Menschen aus den Flüchtlingslagern, betonte Trabert. Und weiter: „Es macht mich wütend, dass sich die Politik einer humanitären Lösung verweigert.“

Professor Trabert dankt dem Bistum für Wohnungsvermittlung an Flüchtlinge

Trabert berichtete davon, dass es gelungen sei, dass zumindest zwei gehandicapte Flüchtlinge des Lagers Moria aus humanitären Gründen nach Deutschland ausreisen konnten. „Das ist angesichts von über 200 gehandicapten Flüchtlingen allein in diesem Lager natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Ausdrücklich dankte er Bischof Kohlgraf für die Unterstützung des Bistums Mainz bei der Wohnungssuche: Die beiden Flüchtlinge aus Moria werden ab März in einer Wohnung des Bistums Mainz unterkommen.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Norbert Altenkamp verwies darauf, dass „Deutschland einer der letzten verbliebenen humanitären Riesen“ sei. Seit 2015 habe Deutschland über 1,5 Millionen Menschen eine Zuflucht gegeben. Die aktuelle Situation sei „bedrückend“, sagte Altenkamp und betonte die Notwendigkeit einer gemeinsamen europäischen Lösung.

Bernward Ostrop, Referent für Migration und Flüchtlinge des Deutschen Caritasverbandes, verwies darauf, dass Hilfsorganisationen wie Caritas International etwa in Griechenland ihre Hilfe anböten, diese aber von der Regierung nicht wahrgenommen werde.

Auch Jana Freudenberger, Referentin für Friedenarbeit bei Pax Christi Rhein-Main, betonte die Notwendigkeit einer gemeinsamen europäischen Lösung. „Allerdings kann es keine Alternative sein, in der Zeit bis es eine solche Lösung gibt, nur Zuzuschauen. Deutschland müsste Menschen aufnehmen und sich stärker für eine Evakuierung der Menschen aus den Flüchtlingslagern einsetzen.“

Die Moderation der Veranstaltung hatte die Journalistin Nadja Baran übernommen. Studienleiter Professor Dr. Ralf Rothenbusch hatte die Teilnehmer begrüßt. Veranstaltet wurde der Akademienachmittag von der Bistumsakademie Erbacher Hof in Zusammenarbeit mit Pax Christi Rhein-Main und der Geschäftsstelle Weltkirche/Gerechtigkeit und Frieden des Bischöflichen Ordinariates Mainz.

Hinweis: www.kein-weihnachten-in-moria.de  

tob (MBN)

Dietmar Heeg-Medienpreis ausgeschrieben| Thema: „Familie macht Sinn!“ / Bewerbungsfrist bis 31. März

Bensheim. Der Dietmar Heeg-Medienpreis der Karl Kübel-Stiftung steht in diesem Jahr unter dem Motto „Familie macht Sinn!“. Ausgezeichnet werden herausragende Beiträge aus den Bereichen Print, Online, Fernsehen und Hörfunk, die im Zeitraum vom 1. Januar 2020 bis 31. März 2021 in deutscher Sprache erstmals veröffentlicht wurden. Der Preis ist mit insgesamt 10.000 Euro dotiert und wird im September im Rahmen einer Verleihung an bis zu drei Journalisten vergeben. Der Preis wird seit 2016 vergeben. Benannt wurde der Preis im Gedenken an das 2015 verstorbene Stiftungsratsmitglied Dietmar Heeg, der Priester des Bistums Mainz war.

PM (MBN)

Hinweis

Bischof Kohlgraf: „Glaube ist Friedensarbeit“| Zentraler Gottesdienst im Bistum zum Weltfriedenstag im Mainzer Dom

Mainz, 17. Januar 2021: Der Gottesdienst zum Weltfriedenstag mit Bischof Peter Kohlgraf wurde von Pax Christi mitgestaltet. (c) Bistum Mainz / Blum
Mainz, 17. Januar 2021: Der Gottesdienst zum Weltfriedenstag mit Bischof Peter Kohlgraf wurde von Pax Christi mitgestaltet.

Mainz. „Frieden kann nicht entstehen, indem jede Partei ohne Rücksicht auf die eigene Position pocht. Es funktioniert nur im gegenseitigen Hören und Verstehenwollen. Das ist keine ‚Harmoniesauce‘, sondern mühevolle Arbeit.“ Das sagte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf am Sonntag, 17. Januar, bei seiner Predigt im Mainzer Dom. Ausgangspunkt seiner Predigt ist das Verständnis von Frieden beim heiligen Nikolaus von Flüe (1417-1487): „Achtsamkeit als Weg zum Frieden heißt für mich zuerst: die Achtsamkeit gegenüber dem Gott, der Friede ist. Die Achtsamkeit Gott gegenüber kann Nikolaus von Flüe nicht von der Achtsamkeit gegenüber Menschen trennen. Glaube ist Friedensarbeit. Sein Rezept beschreibt er kurz und knapp: ‚Aufeinander horchen - einander gehorchen‘.“  

Der Gottesdienst mit Bischof Kohlgraf, der Präsident der deutschen Sektion der internationalen katholischen Friedensbewegung Pax Christi ist, war zentraler Gottesdienst im Bistum Mainz zum Weltfriedenstag. Der Gottesdienst wurde live auf der Internetseite und der Facebook-Seite des Bistums Mainz übertragen. Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst von Mitgliedern der Domkantorei St. Martin in Mainz, und des Mainzer Domorchesters unter der Leitung des Mainzer Domkapellmeister, Professor Karsten Storck, sowie Domorganist Professor Daniel Beckmann an der Mainzer Domorgel.

Wörtlich sagte Kohlgraf: „Wir müssten gerade in der Kirche Vorbilder sein, indem wir so miteinander auf dem Weg sind. Die Realität ist oft anders. Auch das macht uns in einer Welt unglaubwürdig, in der es genügend Spaltung und Säbelrasseln gibt. Achtsamkeit bedeutet, den anderen verstehen zu wollen, ohne dass man seine Position teilen muss. Es bedeutet, auch im Gegner das Ebenbild Gottes zu sehen und seine Würde anzuerkennen. Die Einheit der Menschen untereinander ist die Grundlage für mögliche Vielfalt.“ Und weiter: „Ich vermute, dass unser Glaube für viele Menschen erheblich attraktiver wäre, wenn sie uns alle als Menschen erleben würden, die auf der Suche nach ‚dem einig Wesen‘ sind - und nicht schon alles wissen und haben. Und dass wir Menschen sind, in denen sich diese Achtsamkeit und Aufmerksamkeit in der Friedensliebe ausdrückt. Achtsamkeit als Weg zum Frieden heißt für mich zuerst: die Achtsamkeit gegenüber dem Gott, der Friede ist.“

„Nicht der Friedensstifter ist naiv“

„Nicht der Friedensstifter ist naiv“, betonte Kohlgraf. „Vielmehr weist die christliche Tradition darauf hin: Eher ist derjenige realitätsfern, der meint, Frieden sei das Schweigen aufgerichteter und aufeinander gerichteter Waffen. Achtsamkeit bedeutete für Nikolaus von Flüe ein radikales Ernstnehmen der Wirklichkeit. Diese Wirklichkeit war für ihn aber nicht nur die Realität der Kriege damals und der zerrissenen Welt, sondern auch das Wissen darum, dass Gott Frieden wirken will und wirken kann - durch jeden einzelnen Menschen. Für ihn wäre der Glaube an die Kraft des Guten Realität, die sich zutraut, die Welt zu verändern und zu gestalten.“ 

Bischof Kohlgraf wies darauf hin, dass es bei der Friedensarbeit genauso wie bei der Klimaentwicklung darum gehe, Entscheidungen nicht mehr auf die lange Bank zu schieben, um keine Chancen zum Wandel zu verpassen: „Nicht nur an die großen Waffensysteme haben wir uns gewöhnt, an neue Nationalismen, sondern auch an Lügen, Beschimpfungen und Herabsetzung von Menschen in der Öffentlichkeit zur Durchsetzung eigener Ziele.“ Am Ende seiner Predigt zitierte der Bischof einen Satz von Martin Luther King: „‚Wir müssen lernen zusammenzuleben wie Brüder und Schwestern oder wir werden zusammen untergehen wie Idioten.‘ Ich denke, diesen Satz kann man sich gut merken. Achtsamkeit als Friedensarbeit beginnt im Kleinen und erstreckt sich ins Große der Politik.“

Die Botschaft von Papst Franziskus zum Weltfriedenstag am 1. Januar steht unter der Überschrift: „Die Kultur der Achtsamkeit als Weg zum Frieden“. Der Weltfriedenstag wird in der Katholischen Kirche seit 1968 weltweit am 1. Januar begangen. Mitgestaltet wurde die Feier vom Pax Christi-Regionalverband Rhein-Main (Bistümer Limburg und Mainz) und der Geschäftsstelle Weltkirche/Gerechtigkeit und Frieden im Bischöflichen Ordinariat Mainz. 

Fotos unter www.bistummainz.de/presse

  tob (MBN)

Zeichen gegen Antisemitismus und für mehr Verständnis| Ökumenisches Treffen mit jüdischen Gemeinden / Vorstellung von #beziehungsweise

Bischof Kohlgraf-beziehungsweise (1) (c) EKHN
Bischof Kohlgraf-beziehungsweise (1)

Darmstadt/Mainz. Im 1700. Jahr des jüdischen Lebens in Deutschland haben jüdische Gemeinden und christliche Kirchen in Hessen bei einer digitalen Begegnung ein Zeichen für mehr Verständnis und gegen Antisemitismus gesetzt. Im Zentrum der Begegnung stand am Mittwochabend, 20. Januar, der regionale Auftakt der Initiative „#beziehungsweise – jüdisch und christlich: näher als du denkst“. Mit Plakaten, Unterrichtsmaterialien und Online-Angeboten sensibilisiert die bundesweite Aktion für die Gemeinsamkeiten der Glaubensrichtungen. Sie setzt vor allem bei den jeweiligen religiösen Festen ein und vergleicht etwa das Purim-Fest mit Karneval.

Das ursprünglich in der Darmstädter Synagoge vorgesehene Treffen wurde aufgrund der Corona-Pandemie als Videokonferenz abgehalten. Daran nahmen Daniel Neumann, Direktor des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Hessen, Beate Hofmann, Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW), Volker Jung, Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Peter Kohlgraf, Bischof des Bistums Mainz, und Thomas Löhr, Weihbischof des Bistums Limburg, teil. Es war die erste Begegnung in dieser Zusammensetzung

Daniel Neumann: Was Juden und Christen zusammenführt

Nach Worten von Daniel Neumann, Direktor des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Hessen, ist eine Zeit der „neuen Realität“ angebrochen, die ein neuesVerhältnis der Glaubensrichtungen in Hessen markiere. Es sei ein „vertrauensvolles und freundschaftliches Verhältnis entstanden“, das aufgrund der historischen Erfahrung vor wenigen Jahrzehnten so nicht denkbar gewesen wäre. Juden und Christen hätten sich in der Vergangenheit über die Abgrenzung zu dem jeweils anderen definiert. Es sei ein Neuanfang im Verhältnis entstanden, der „all das Geschehene in das Gedachte einbringt und neue Wege eröffnet“. Er würdigte die Aktion „#beziehungsweise“ als gelungenen Versuch, „das zu konzentrieren, was Juden und Christen zusammenbringt“.

Peter Kohlgraf: Eintreten gegen Antisemitismus

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf zeigte sich „sehr dankbar dafür, dass die Beziehung zwischen Juden und Christen heute von einer Kultur des Miteinanders und des Dialogs geprägt ist“. „Wenn ich sehe, was in den vergangenen Jahrzehnten, seit dem Zweiten Weltkrieg, gerade hier in Deutschland gewachsen ist, bin ich fast versucht, von einem Wunder zu sprechen“, sagte er. Dieser Weg der Versöhnung sei nicht zuletzt ein Weg der Theologie gewesen, die „an die Wurzeln des christlichen Glaubens ging und zu einer Neuorientierung der christlichen Theologie in Bezug auf das Judentum führte“. Zugleich erfülle es ihn „mit Sorge, dass Antisemitismus in unserer Gesellschaft weiterhin ein großes Problem ist, in den vergangenen Jahren sogar wieder in steigendem Maße“. Antisemitismus als „gesellschaftliches Krisensymptom rührt an den Grundlagen unserer Gesellschaft“, sagte der Bischof. Er unterstrich, dass das Eintreten gegen Antisemitismus in allen seinen Formen eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei. Er begrüße daher sehr die ökumenische Kampagne „#beziehungsweise“ und verband damit die Hoffnung, dass aus der Aktion auch eine neue Haltung erwachse.

Volker Jung: Aktuellen Entgleisungen etwas entgegensetzen

Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung erklärte, dass die Kirchen mit der gemeinsamen Aktion „ein öffentliches Zeichen der Verbundenheit mit den jüdischen Gemeinden setzen wollen“. Es bleibe nach wie vor erschütternd, dass antisemitische Ressentiments beispielsweise zum Repertoire von Verschwörungstheoretikern gehörten. So sei es „unerträglich“, dass auf Anti-Corona-Demonstrationen beispielsweise Davidsterne getragen worden seien. „Wir wollen den Entgleisungen etwas entgegensetzen.“ Jung erinnerte auch an die antisemitischen Äußerungen des Reformators Martin Luther, von denen sich die evangelischen Kirchen heute deutlich distanzierten.

Beate Hofmann: Verantwortung füreinander übernehmen

„Nach wie vor ist es leider nicht selbstverständlich, die positiven Beziehungen zwischen Judentum und Christentum wahrzunehmen. Deswegen ist es wichtig, aufzuzeigen, was uns verbindet“, sagte die Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann. Verbundenheit schaffe Verantwortung füreinander. „In Kassel war es nach den Anschlägen in Halle und dem Mord an Walter Lübcke die Sorge umeinander“, ergänzte Hofmann und erinnerte an die christlichen Wächterdienste vor der dortigen Synagoge. „Corona hat diese Mahnwachen beendet, aber nicht die Beziehungen, die dadurch entstanden sind.“ Ein Ergebnis sei die Sonderausgabe des Gemeindebriefs „Die Brücke“, die gemeinsam von jüdischer, evangelischer und katholischer Gemeinde entwickelt wurde. Zur Begegnung würden auch die Plakate der Kampagne „#beziehungsweise“ einladen, sagte die Bischöfin, und „dazu, voneinander zu lernen und Glaube in diesen schwierigen Zeiten zu leben“.

Weihbischof Löhr: Sensibler Umgang mit der Schrift

Der Limburger Weihbischof Thomas Löhr erinnerte an das gemeinsame Erbe von Christentum und Judentum in der hebräischen Bibel, die Christinnen und Christen das Alte Testament nennen. „Das wird uns immer wieder bewusst durch unsere biblischen Lesungen in unseren Gottesdiensten, die Psalmen sind für uns Alltag in unserem religiösen Leben“, sagte Löhr. Er warb für mehr Sensibilität im Umgang mit den gemeinsamen Schriften. „Wir sollten als Christen den Mut haben, sie nicht exklusiv auszulegen.“ Gleichzeitig dankte er auch für den interreligiösen Impuls, darin das Buch des gemeinsamen Glaubens von katholischer und evangelischer Kirche zu sehen. „Wir wollen den jüdischen Gemeinden als Kirchen gemeinsam begegnen. „Keine Kirche kann sich aus der Geschichte stehlen“, sagte Löhr. Und es sei allen bewusst.

Versand an die Gemeinden im Bistum Mainz

Die Plakatsätze waren im Bistum Mainz bereits im Dezember an Pfarreien und Einrichtungen versandt worden. In einem Begleitbrief hatte der Mainzer Weihbischof und Generalvikar Dr. Udo Markus Bentz um eine Teilnahme an der Aktion gebeten. „Wir im Bistum Mainz, auf dessen Gebiet mit den Städten Mainz und Worms zwei SchUM-Städte liegen, wollen uns an dieser Kampagne beteiligen“, schreibt Bentz. Die Plakataktion ist im Januar gestartet und geht bis Januar 2022: Herzstück dieser Kampagne sind insgesamt 13 Monats-plakate, die anhand von Festen und Traditionen sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede der beiden Religionen benennen. Die Pfarreien und Einrichtungen sind gebeten, monatlich wechselnd ein Plakat aufzuhängen: in der Kirche, im Gemeindehaus oder im Schaukasten. Auf den Plakaten ist zudem ein QR-Code aufgedruckt, der zu der Internetseite www.juedisch-beziehungsweise-christlich.de führt, auf der das jeweilige Monatsthema vertieft wird.

Hinweis: www.juedisch-beziehungsweise-christlich.de

 

Hinweis für Redaktionen: Fotos der Videokonferenz sowie der komplette Mitschnitt als Audio sowie Video-Datei stehen hier zum Download zur Verfügung:

https://kirchencloud.kigst.de/index.php/s/W4f86u5l6rIxcw6

 

                                                             EKHN/am (MBN)

 

 

 

Dürfen uns nicht an derartige Vorfälle gewöhnen|Reaktion von Bischof Kohlgraf auf antisemitischen Angriff in Offenbach

Mainz. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat sich am Dienstag, 5. Januar, zu dem antisemitischen Angriff auf einen Rabbiner in Offenbach geäußert. Der jüdische Geistliche war am Neujahrstag in Offenbach auf dem Heimweg mit seinen Kindern verbal angegriffen worden. Wörtlich sagte Bischof Kohlgraf: „Mit Betroffenheit habe ich vom Angriff auf Rabbiner Mendel Gurewitz in Offenbach erfahren. Ihn, seine Familie und die Gemeinde versichere ich meiner Solidarität. Denen, die beherzt reagiert haben, danke ich aufrichtig. An antisemitische Einstellungen und derartige Vorfälle dürfen wir uns nicht gewöhnen.“                                                                            tob (MBN)

Gemeinsame Erklärung von Pax Christi und Justitia et Pax| Inkrafttreten des UNO-Vertrags über das Verbot von Kernwaffen am 22. Januar

paxchristi (c) pax christi
paxchristi

Berlin/Hildesheim/Mainz. Der Vorsitzende der Deutschen Kommission Justitia et Pax, Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ (Hildesheim) und der Präsident der Deutschen Sektion Pax Christi, Bischof Dr. Peter Kohlgraf (Mainz), haben sich am Mittwoch, 20. Januar, aus Anlass des Inkrafttretens des Atomwaffenverbotsvertrags in einer gemeinsamen Erklärung geäußert. Die Erklärung im Wortlaut:

„Am 22. Januar 2021 tritt der Vertrag der UNO über das Verbot von Kernwaffen in Kraft. Als Bischöfe, die sich in unterschiedlichen Positionen in besonderer Weise dem Einsatz für Frieden in der Welt verpflichtet sehen, begrüßen wir diese Entwicklung ausdrücklich.

All jene Staaten, die den Vertrag nicht nur unterzeichnet, sondern auch ratifiziert haben, geben uns ein leuchtendes Beispiel dafür, dass wir uns niemals mit vermeintlich unverrückbaren Gegebenheiten abfinden sollten. Die sogenannte nukleare Abschreckung, die seit über 60 Jahren eine vermeintliche Sicherheit suggeriert, baut auf dem unvorstellbaren Vernichtungspotential von Nuklearwaffen auf. Wie wir schon oft betont haben, stellt zwar jede militärische Konflikteskalation in gewisser Weise eine Niederlage des menschlichen Miteinanders dar, doch kein Konfliktgeschehen kann in unseren Augen jemals den Einsatz von Kernwaffen legitimieren. Ausdrücklich unterstreichen wir daher die Botschaft von Papst Franziskus, dass nicht nur der Einsatz, sondern bereits der Besitz solcher Waffensysteme unethisch ist.

Wir rufen daher alle Staaten, die den Vertrag noch nicht unterzeichnet oder ratifiziert haben, insbesondere die Atommächte dazu auf, dem Vertrag beizutreten und die Doktrin der nuklearen Abschreckung zu überdenken.

Der gerechte Friede erwächst nicht aus der Furcht vor der totalen Zerstörung, sondern aus den Samen des Dialogs und des Miteinanders.“

(MBN)

Neujahrsbotschaft von Bischof Peter Kohlgraf und Dr. Susanne Barner| Gemeinsames Video aus dem Dommuseum für abgesagten Neujahrsempfang

Neujahrsansprache (c) Bistum Mainz
Neujahrsansprache

Mainz. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf und die Geschäftsführende Vorsitzende der Diözesanversammlung im Bistum Mainz, Dr. Susanne Barner, haben sich am Samstag, 9. Januar, in einer gemeinsamen Neujahrsbotschaft an die Menschen im Bistum Mainz gewandt. Am 9. Januar hätte eigentlich der Neujahrsempfang des Bistums Mainz mit über 200 Teilnehmern im Erbacher Hof in Mainz stattfinden sollen, der coronabedingt abgesagt worden war.

Kohlgraf bringt in dem Video seine Hoffnung zum Ausdruck, dass es gerade mit der Möglichkeit zur Impfung in absehbarer Zeit zu Schritten in die Normalität kommen werde. Neben der Verunsicherung durch die Corona-Pandemie habe das Jahr 2020 auch viel Positives und große Kreativität im Engagement der Haupt- und Ehrenamtlichen hervorgebracht, betonte der Bischof. „Kirche war im vergangenen Jahr viel und nah bei den Menschen.“ Ein Beispiel dafür sei, dass sich 16 Seelsorger für die Seelsorge mit Covid-Patienten haben fortbilden lassen, sagte Kohlgraf. Vernetzung laute ein wesentliches Stichwort für den Fortgang des Pastoralen Weges im Bistum Mainz, dessen Zeitplan sich durch die Pandemie etwas verzögern werde. Er wünschte den Zuschauern gemeinsam mit Susanne Barner „ein gesegnetes und von Gott getragenes Jahr 2021“.

Barner wies darauf hin, dass 2021 für den Pastoralen Weg ein entscheidendes Jahr sei, da die pastoralen Prioritäten diskutiert und festgelegt werden müssen.  Daher müssten die Räte in den Gemeinden und auf Bistumsebene gut informiert und mitgenommen werden, damit eine breite Diskussion auch in den Gemeinden stattfinden kann, sagte Barner. Außerdem erinnerte sie an die für dieses Jahr geplante Einrichtung einer Frauenkommission für das Bistum und wies mit Blick auf die Ökumene auf den 500. Jahrestag des Wormser Reichstages und den Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt hin, der in veränderter Form stattfinden wird: „Es ist gut, wenn Christen sich gemeinsam zu ihrem Glauben und zu ihren Werten bekennen und gemeinsam Stellung beziehen, in einer Zeit großer Verunsicherung und einer Zeit, in der Fremdenfeindlichkeit, Hass und Gewaltbereitschaft zunehmen und in der eine Klimakatastrophe droht.“

Das gemeinsame Video war von der Katholischen Rundfunkarbeit des Bistums Mainz im Mainzer Dom- und Diözesanmuseum aufgenommen worden. Musikalisch gestaltet wurde der rund 17-minütige Film von Mitgliedern der Chöre am Mainzer Dom und des Mainzer Domorchesters.

Hinweis: bistummainz.de/neujahrsempfang2021 

 

Nachricht voraus am 9.1.2021                                                                                 tob (MBN)

Nächster Termin auf dem Synodalen Weg |Online-Konferenz am 4. und 5. Februar / Thematischer Sachausschuss auf Bistumsebene

Das Logo des Synodalen Weges (c) Deutsche Bischofskonferenz
Das Logo des Synodalen Weges

Frankfurt/Mainz. Nach der ersten Synodalversammlung vor einem Jahr in Frankfurt am Main und den Regionenkonferenzen im vergangenen Herbst geht der Synodale Weg jetzt unter Coronabedingungen in die nächste Etappe. Am Donnerstag, 4., und Freitag, 5. Februar, findet eine Online-Konferenz statt, an der neben den Mitgliedern der Synodalversammlung auch die weiteren Mitglieder der vier Synodalforen sowie die Beobachterinnen und Beobachter aus dem benachbarten Ausland und der Ökumene teilnehmen werden.

Dabei soll der aktuelle Stand des Synodalen Weges diskutiert werden. Neben Berichten aus den Foren wird es dabei auch um weitere, von den Synodalen eingebrachte Themen gehen. In der Konferenz wird es außerdem eine Diskussion zu den Maßnahmen zur Aufarbeitung und Aufklärung sexuellen Missbrauchs in der Kirche geben. Die Online-Konferenz versteht sich als Zwischenschritt für eine substanzielle Weiterarbeit in den thematischen Synodalforen. Ziel ist es außerdem, die Eindrücke der Beobachterinnen und Beobachter aus dem Ausland und der Ökumene ausführlicher wahrzunehmen.

Aus dem Bistum Mainz werden Bischof Peter Kohlgraf, Weihbischof Dr. Udo Markus Bentz, Pfarrer Markus W. Konrad für den Priesterrat, Martin Buhl, Schulleiter aus Riedstadt für den Katholikenrat sowie Daniela Ordowski (BDKJ) und Isabella Vergata (Pastoralrat der Muttersprachler) teilnehmen. Der Sachausschuss „Synodaler Weg“, den die Diözesanversammlung des Bistums 2020 nach den Neuwahlen eigens gebildet hat, wird im Nachgang zur Konferenz mit den Teilnehmenden aus dem Bistum Kontakt aufnehmen und gemeinsam überlegen, wie die Themen auch im Bistum Mainz auf eine breitere Basis gestellt werden können.

 

mr (MBN)

„Christen als Garant für gesellschaftlichen Zusammenhalt“ | 21. Internationales Bischofstreffen zur Solidarität mit den Christen im Heiligen Land

Mainz. Das 21. Bischofstreffen zur Solidarität mit den Christen im Heiligen Land ist am Mittwoch, 20. Januar, - coronabedingt als Online-Konferenz - zu Ende gegangen. Seit dem 16. Januar 2021 war eine Delegation von 16 Bischöfen aus elf europäischen und nordamerikanischen Bischofskonferenzen sowie aus Südafrika zu mehreren Videokonferenzen zusammengekommen, um sich über die Situation der Christen im Heiligen Land auszutauschen. Dabei standen die verheerenden Folgen der Corona-Pandemie sowie die immer weiter durchgreifende Trennung zwischen Israel und den palästinensischen Gebieten im Mittelpunkt der Gespräche.

Für die Deutsche Bischofskonferenz nahm Weihbischof Dr. Udo Markus Bentz (Mainz), Vorsitzender der Arbeitsgruppe Naher und Mittlerer Osten der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, an dem Treffen teil: „Die Pandemie hat eine Reise zum Internationalen Bischofstreffen in diesem Frühjahr nicht zugelassen. Es ist während der Online-Konferenzen einmal mehr deutlich geworden, wie viel verloren geht, wenn wirkliche Begegnung nicht möglich ist. Dennoch bin ich dankbar, dass wir wenigstens in dieser reduzierten Form einige Menschen treffen und unsere Solidarität mit den Christen im Heiligen Land ausdrücken konnten. Berührend waren für mich die Gespräche mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Caritas im Gazastreifen und Schülern und Lehrern einer katholischen Schule im Westjordanland. In ihren Erfahrungsberichten spiegelten sich alle Schwierigkeiten des Heiligen Landes, von denen wir zuvor gehört hatten“, sagte Weihbischof Bentz. „Bei allen Schwierigkeiten und problematischen Entwicklungen im Schulbereich war es beeindruckend zu hören, wie Lehrer und Schüler sogar in dieser Situation über ihre Hoffnungen, ihre Perspektiven und Chancen sprechen.“

Der neue Lateinische Patriarch von Jerusalem, Erzbischof Pierbattista Pizzaballa, hob die Bedeutung hervor, die der Friedensarbeit in der Region insgesamt zukommt. Nachdem er in den zurückliegenden Jahren als Administrator des Patriarchats vor allem mit Verwaltungs- und Finanzfragen befasst gewesen sei, könne er nun pastorale und soziale Themen in den Mittelpunkt stellen. Geistliches Leben, pastorale Begleitung sowie das Wirken der Christen für die Gesellschaft seien ihm wichtige Anliegen. Das gelte auch für das ökumenische Gespräch und den interreligiösen Dialog.

Das dominierende Thema war die Corona-Pandemie mit ihren unterschiedlichen Auswirkungen auf die Menschen in Israel und in den palästinensischen Gebieten. Während in Israel eine im Weltmaßstab beeindruckende Impfkampagne umgesetzt wird, stehen die palästinensischen Gebiete noch ganz am Anfang. Sami el-Yousef, der Geschäftsführer des Lateinischen Patriarchats, berichtete von einer Verdoppelung der Arbeitslosigkeit im Westjordanland. Davon seien insbesondere die Christen betroffen, die vielfach im Tourismussektor beschäftigt seien. Nach den enormen Wachstumsraten der vergangenen Jahre sei der Markt gänzlich eingebrochen. Laufende Einnahmen seien weggefallen und viele Familien blieben auf ihren Schulden sitzen, sagte el-Yousef. Nach Auskunft der Gesprächspartner aus dem Heiligen Land plane Israel die Impfkampagne bis Ende März abzuschließen. Sollten im Laufe des Sommers wieder Pilger ins Land reisen, muss sichergestellt werden, dass auch die Heiligen Stätten im Westjordanland und nicht nur in Israel und Jerusalem besucht werden können. Auch dafür bedarf es einer zwischen israelischen und palästinensischen Behörden abgestimmten Impfstrategie. Andernfalls droht ein weiteres Auseinanderdriften der christlichen Gemeinden, die je nach Wohnort ganz unterschiedliche Chancen haben, am Aufleben der Pilgerreisen partizipieren zu können.

In den weiteren Gesprächen zur Impfstrategie Israels wurde zudem an die völkerrechtliche Verpflichtung erinnert, die sich für Israel in der Gesundheitsvorsorge für die Palästinenser ergebe. Israel muss die Impfungen auf alle Einwohner ausweiten, für die es in der Westbank verantwortlich ist. Bisher kommt der Staat dieser Verpflichtung in keiner Weise nach. Sie wird sogar konterkariert, indem die Bewohner der israelischen Siedlungen im Westjordanland in das Impfprogramm eingeschlossen sind, ihre palästinensischen Nachbarn aber nicht berücksichtigt werden.

Die politische Situation wurde mit wenig Hoffnung auf Veränderung geschildert. Es greife eine Resignation bei vielen Palästinensern weiter um sich. Der Umsetzung einer Zwei-Staaten-Lösung stünden mehr und mehr Menschen skeptisch gegenüber. Auch der Vertrauensverlust vieler palästinensischer Jugendlicher gegenüber ihrer Führung bereite Sorge. „Wir Bischöfe sind uns einig: Die internationale Gemeinschaft muss sich wieder viel stärker für eine Friedenslösung engagieren – die letztlich nur die Frucht von direkten Verhandlungen zwischen Palästina und Israel sein kann“, betonte Weihbischof Bentz. Niemand dürfe die Situation als ein neues „Normal“ akzeptieren. „Besatzung kann keinen dauerhaften Frieden schaffen – und wird einer guten Entwicklung auch der Palästinenser immer im Weg stehen.“

Die Gespräche mit dem katholischen Pfarrer in Gaza-City, Pater Gabriel Romanelli, und Vertretern der Caritas führten die dramatischen Folgen einer „doppelten Blockade“ des Gazastreifens vor Augen. Zu der Abriegelung durch Israel seien die strengen Auflagen der Hamas-Regierung zur Corona-Eindämmung hinzugekommen, sagte Pater Romanelli. Das stelle für die Christen eine große Belastung dar. In dieser kritischen Situation setzten die Berichte der Gesprächspartner aus Gaza ein eindrucksvolles Zeichen der Zuversicht, wenn beispielsweise der ambulante Service der Caritas nach offiziellen Angaben der lokalen Behörden über die Hälfte aller Hausbesuche im Gazastreifen übernimmt.

„Die wenigen Christen sind stark in ihrem Engagement, sie sind echte Hoffnungsträger. An ihnen sieht man, was möglich ist, wenn man nicht nur Optimismus, sondern Hoffnung in sich trägt. Sie sind unverzichtbare Garanten für den gesellschaftlichen Zusammenhalt“, fasste Weihbischof Bentz seine Eindrücke zusammen. „Sind die Christen in Zahlen auch nur eine kleine Gruppe, so leisten sie doch großartige und unverzichtbare Dienste für die Menschen. Ihre Institutionen, in denen sich Christen und Muslime gemeinsam engagieren, sind wichtige Zeichen. Sie arbeiten gemeinsam für Gerechtigkeit, Versöhnung und Frieden, indem sie Kranke besuchen und sich um die Alten und die Menschen am Rande kümmern. Glaube, Hoffnung, Liebe – ganz konkret im Kampf gegen die Pandemie“, so Weihbischof Bentz.

Das Internationale Bischofstreffen ruft in seiner Abschlusserklärung zur Solidarität und zum gemeinsamen Gebet für die Christen im Heiligen Land auf. „Ihr Beispiel zeigt, dass es keine Frage von Zahlen ist, ob Christen einen Unterschied für die Gesellschaft ausmachen. Ihr Einsatz unter schwierigen Bedingungen macht uns demütig. Mit ihrem Leben aus dem Glauben leisten sie Erstaunliches für das Heilige Land“, sagte Weihbischof Bentz. „Wenn die Situation es wieder zulässt, sollten alle Pilger im Land Jesu in Offenheit die Begegnung mit den heute dort lebenden Christen suchen und sich von ihrem Zeugnis anrühren lassen.“

Am digitalen Bischofstreffen haben neben Weihbischof Bentz teilgenommen: Erzbischof Stephen Brislin (Kapstadt, Südafrikanische Bischofskonferenz); Bischof em. Michel Dubost (Evry, Französische Bischofskonferenz); Bischof Lionel Gendron (Saint-Jean Longueuil, Kanadische Bischofskonferenz); Bischof Felix Gmür (Basel, Schweizer Bischofskonferenz); Weihbischof Nicholas Hudson (London, Bischofskonferenz von England und Wales); Erzbischof em. Patrick Kelly (Liverpool, Bischofskonferenz von England und Wales); Weihbischof William Kenney CP (Birmingham, Bischofskonferenz von England und Wales); Bischof Declan Lang (Clifton, Bischofskonferenz von England und Wales); Bischof Alan McGuckian (Raphoe, Irische Bischofskonferenz); Bischof David Malloy (Rockford, Bischofskonferenz der USA); Bischof William Nolan (Galloway, Schottische Bischofskonferenz); Bischof Raymond Poisson (Mont-Laurier, Kanadische Bischofskonferenz); Bischof Noel Treanor (Down and Connor, Irische Bischofskonferenz) und Erzbischof Joan Enric Vives i Sicília (Urgell, Spanische Bischofskonferenz). Darüber hinaus waren Bischof Christopher Chessum als Vertreter der Kirche von England und der Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) an der Veranstaltung beteiligt.

Hinweis: Link zur Abschlusserklärung des Internationalen Bischofstreffens:

www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/presse_2021/2021-006a-Erklaerung-Internationales-Bischofstreffen-Heiliges-Land-online-Konferenz.pdf

Nachricht voraus am 21.1.21                                                                                     tob (MBN)

21. Internationales Bischofstreffen zur Lage der Christen im Heiligen Land | Virtuelles Treffen während Lockdown / Teilnahme von Weihbischof Udo Markus Bentz

Weihbischof Dr. Udo Markus Bentz (c) Bistum Mainz / Blum
Weihbischof Dr. Udo Markus Bentz

Bonn. Das 21. Internationale Bischofstreffen zur Situation der Christen im Heiligen Land findet vom Samstag, 16., bis Donnerstag, 21. Januar, in mehreren Online-Konferenzen statt. Vorgesehen ist die Teilnahme von 15 Bischöfen aus elf europäischen und nordamerikanischen Bischofskonferenzen sowie aus Südafrika. Die Deutsche Bischofskonferenz wird wie im vergangenen Jahr durch den Vorsitzenden der Arbeitsgruppe Naher und Mittlerer Osten der Kommission Weltkirche, Weihbischof Dr. Udo Markus Bentz (Mainz), vertreten sein.

Die jährlich stattfindenden Bischofstreffen bringen die Verbundenheit der Weltkirche mit den Christen im Heiligen Land zum Ausdruck. Sie sollen darüber hinaus die internationale Aufmerksamkeit auf die Situation der Kirchen in der Region lenken. Dies ist in der Pandemie-Situation besonders wichtig. Denn viele Christen sind im Tourismus beschäftigt, einer Branche, die seit Beginn der Corona-Pandemie am Boden liegt. Es gibt keine Pilgerreisen, die Gäste bleiben aus, und viele Familien haben kein Einkommen mehr. Die ohnehin schon schwierige politische und soziale Situation wird so für die kleine Gruppe der Christen noch bedrückender.

Das diesjährige virtuelle Treffen dient vor allem dem Austausch von Informationen und der Diskussion von Perspektiven. Der neue Lateinische Patriarch von Jerusalem, Erzbischof Pierbattista Pizzaballa OFM, wird ebenso daran teilnehmen wie der Apostolische Nuntius im Heiligen Land, Erzbischof Leopoldo Girelli. Außerdem werden sich die Bischöfe über die aktuelle Situation im Gazastreifen informieren und im Gespräch mit Verantwortlichen und Schülern die Situation der christlichen Schulen im Heiligen Land erörtern. Mit den Schwerpunkten „Gaza“ und „Bildung“ knüpft die Heilig-Land-Koordination an die Besuche der vergangenen Jahre an.

Da das bevorstehende Internationale Bischofstreffen pandemiebedingt ins Internet verlagert werden musste, sind die Begegnungen vor Ort, sonst ein wesentlicher Bestandteil der Konferenz, dieses Mal nicht möglich. Sobald die Pandemie-Situation es erlaubt, wird kurzfristig – möglichst im Sommer 2021 – eine kleinere Delegation zu außerplanmäßigen Begegnungen in das Heilige Land reisen.

Das Internationale Bischofstreffen verfolgt das Ziel, Christen und Kirchen im Heiligen Land in ihrem Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Verständigung zwischen den Völkern und Religionsgemeinschaften zu stärken und die Verbindung der Weltkirche mit ihnen zu festigen. In den vergangenen Jahren haben die Bischöfe während ihrer Treffen die Heiligen Stätten im Land als Pilger besucht und dort Gottesdienste gefeiert. So sollten auch die Gläubigen in ihren Heimatländern zu Pilgerreisen ermutigt werden.

Hinweis:  In der Zeit vom 16. bis 21. Januar 2021 steht Weihbischof Dr. Udo Markus Bentz für Interviews zur Verfügung. Anfragen werden über die Pressestelle der Deutschen Bischofskonferenz (E-Mail: pressestelle@dbk.de) koordiniert.

SDBK (MBN)

Vom Morgengebet bis zum virtuellen Krippenspaziergang |Bistum Mainz bietet über Weihnachten 27 Online-Wohnzimmer an

Das Weihnachtsteam leuchtet (c) Bistum Mainz
Das Weihnachtsteam leuchtet

Mainz. Über die Weihnachtstage (24. bis 27. Dezember) lädt das Bistum Mainz zur Teilnahme an insgesamt 27 Online-Wohnzimmern ein. „Wir bieten an den Feiertagen über den Tag verteilt jeweils für eine Stunde eine gemeinsame Zeit zu verschiedenen Themen an. Die Online-Wohnzimmer sind als virtuelle Videokonferenzen konzipiert, zu denen man sich von Zuhause aus zuschalten kann“, erklärt Anette Schermuly, Internetbeauftragte des Bistums Mainz.

Die Wohnzimmer werden von verschiedenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Bistums Mainz gestaltet, die Themen reichen von einem gemeinsamen Morgengebet über „Weihnachten im Heiligen Land“ bis hin zu „Weihnachtsgeschichten erzählen“. Für die Teilnahme an dem Online-Wohnzimmer ist eine Anmeldung erforderlich, die bis zwei Stunden vorher möglich ist. Die Angebote sind auf der Internetseite https://bistummainz.de/online-wohnzimmer versammelt. Unter jedem Angebot findet sich eine Anmeldemaske. Eine Anmeldung ist aber auch unter der E-Mail-Adresse weihnachten2020@bistum-mainz.de  möglich. Nach erfolgter Anmeldung erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen Link zur Einwahl in den virtuellen Wohnzimmer-Raum. Für die Teilnahme sind ein stabiler Internetzugang, eine Webkamera und ein Mikrophon notwendig.

Die Online-Wohnzimmer seien bereits am Ersten Advent erfolgreich gestartet, betont Schermuly. „Als im Laufe des Novembers klar wurde, dass die Corona-Beschränkungen auch über Weihnachten bleiben werden, haben wir im Bistum Mainz dieses Format entwickelt. Hintergrund der Idee war, dass ja derzeit bei vielen Menschen sehr viel online läuft – beruflich und privat. Da war es naheliegend, auch von Seiten des Bistums Mainz ein entsprechendes virtuelles Angebot zu entwickeln“, sagt sie. Die Online-Wohnzimmer sind Teil der Weihnachtsangebote im Bistum Mainz, die unter der Internetadresse https://bistummainz.de/weihnachten-soll-leuchten  zusammengefasst sind.

Hinweise: Die Online-Wohnzimmer finden sich auf der Internetseite des Bistums Mainz unter https://bistummainz.de sowie unter https://bistummainz.de/online-wohnzimmer. Die Zusammenfassung aller Angebote unter https://bistummainz.de/weihnachten-soll-leuchten.

Fotos unter www.bistummainz.de/presse

 

Nachricht voraus am 22.12.2020                                                                              am (MBN)

Kirche soll guter Wegbegleiter der Menschen bleiben |Predigt von Bischof Peter Kohlgraf im Mainzer Dom zum Jahresschluss

Mainz. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat an Silvester, 31. Dezember, im Mainzer Dom einen Gottesdienst zum Jahresschluss gefeiert. Im Folgenden dokumentieren wir den Wortlaut seiner Predigt:

 

„Meine Zeit steht in deinen Händen.
Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir.
Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden.
Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir.“
(Peter Strauch)

Viele von uns werden dieses Lied kennen, das auch in unseren Gottesdiensten gerne gesungen wird.

Es läge nahe, in der diesjährigen Silvesterpredigt viel Trübsal zu verbreiten, denn natürlich war es ein schwieriges Jahr. Für manchen war es existenzbedrohend, wegen Krankheit, materieller oder auch psychischer Folgen. Ich verfolge mit Aufmerksamkeit die weiteren Schritte der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in den Diözesen Deutschlands. Alle diese Themen dürfen nicht mit einem religiösen Zuckerguss allzu schnell schöngeredet werden. Auch hüte ich mich davor, die Pandemie zu schnell zur Chance zu erklären. Wenigstens für mich darf ich sagen: Es war nicht immer so einfach, die Aussagen des Liedes zu verwirklichen und im Alltag zu glauben. Es gab mehr äußere Ruhe, aber damit war nicht immer die glaubende Herzensruhe verbunden, die sich der Geborgenheit in Gottes Händen gewiss ist. Gerne greife ich deshalb das Gebet auf: dass sich mein Herz auch in Zukunft immer mehr in Gott festmachen möge, vertrauend auf dessen verwandelnde Kraft und dessen Macht, alles zu wenden. Dennoch richtet sich der Blick zurück (und auch vorwärts) nicht allein auf die schwierigen Erfahrungen in der Pandemie, die aber doch fast alle Wahrnehmungen überlagert.

„Meine Zeit steht in deinen Händen. Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir.“

Ich richte dankbar meinen Blick auf viel Gutes und Kreatives in unserer Kirche, das in den vergangenen Monaten manchmal übersehen worden ist. Gerade in den Wochen des Advents und an Weihnachten gab es wunderbare Angebote. Ich erinnere an den musikalischen Adventskalender, die Weihnachtswohnzimmer, vielfältige Gottesdienstangebote, die sich nicht nur im Streamen der Eucharistiefeiern erschöpften. Damit sind nur wenige Beispiele genannt, die dankbar angenommen wurden und vielen Menschen Mut gemacht haben. Allen, die zu einer großen Gebetsgemeinschaft beigetragen haben und weiter beitragen, sage ich von Herzen meinen Dank. Denn sie haben Menschen geholfen, sich in diesen Monaten in Gott festzumachen, und ihre Zeit in Gott zu sehen. Daneben gab es soziale Angebote, die Menschen aller Altersgruppen für andere organisiert haben. Eine Reihe von Seelsorgerinnen und Seelsorgern hat sich zur Begleitung von Menschen bereit erklärt, die schwer an Covid-19 erkrankt sind. In den vergangenen Monaten haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Seelsorgeabteilung eine groß angelegte Umfrage zur Erfahrung in den Monaten der Pandemie durchgeführt. Die Auswertung wird noch wichtige Ergebnisse zutage fördern. Es zeigt sich ein buntes Bild. Es gab Enttäuschung über fehlende kirchliche Präsenz, aber auch Dankbarkeit für viel Engagement. Im digitalen Bereich müssen wir noch besser werden, aber das gilt wohl für unsere gesamte Gesellschaft. Es gab in den Gemeinden eine starke Konzentration auf die Gottesdienste, der soziale Bereich war dagegen schwach ausgebildet. Das sollten wir uns zur Aufgabe machen, denn es werden weitere Herausforderungen folgen. Menschen in Altenheimen und sozialen Einrichtungen bleiben oft abgeriegelt und allein. Dass seelische Gesundheit und geistliche Bedürfnisse neben der Sorge um die körperliche Gesundheit nicht völlig unwichtig sind, daran erlaube ich mir zu erinnern. Allen Menschen in sozialen und pflegenden Berufen sei ebenfalls ein großer Dank gesagt, ebenso denen, die sich hier ehrenamtlich engagiert haben. Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer haben hingebungsvoll gearbeitet. Auch als Bischof darf ich denen danken, die in den verschiedenen Berufen für unsere tägliche Versorgung gearbeitet haben. Ein dankbares Gebet will ich zudem denen schenken, die in politischer Verantwortung stehen. Es hat sich eines gezeigt und das wird hoffentlich über diese Krise hinaus als Haltung bleiben: Es geht nur in gegenseitiger Rücksichtnahme. Papst Franziskus nennt es „Liebe“. Tatsächlich lässt sich nur in dieser Haltung der Liebe, sei es im persönlichen Einsatz Einzelner oder sei es im politischen Einsatz für andere eine Gesellschaft gestalten und leben.

 

„Meine Zeit steht in deinen Händen. Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir.“

„Ruhig sein in ihm“: Das bedeutet für mich zunehmend, genau dies als Grundhaltung einzuüben: mein persönliches Recht zurückstellen zu können für das Wohl eines anderen. Wir haben in diesem Sinne seltsame Debatten um die sogenannte „Maskenpflicht“ geführt. Wir haben auch vor Weihnachten teils hitzige Diskussionen um die Präsenzgottesdienste geführt. Präsenzgottesdienste sind teilweise mit guten Gründen abgesagt, teilweise in verantwortbarer Weise durchgeführt worden. Vielleicht ist manchem aufgefallen: Wir haben an ihnen festgehalten, gerade nicht unter dem Hinweis auf das im Grundgesetz verankerte Recht auf freie Religionsausübung. Vielmehr haben wir mit den spirituellen Bedürfnissen vieler Menschen argumentiert, denen die Gottesdienste Mut schenken und in großer Vorsicht eine Gemeinschaft ermöglichen, die sie ansonsten derzeit nicht erleben. Wenn es nur darum gegangen wäre, ein Recht durchzusetzen ohne Rücksicht auf Leib und Leben, wäre es keine gute Entscheidung gewesen. Das gilt es auch in Zukunft immer wieder abzuwägen. Es waren für mich seltsame Erfahrungen: Gab es an Ostern massive Proteste wegen der Absage öffentlicher Gottesdienste, kündigen mir jetzt Menschen ihren Kirchenaustritt an, weil wir Gottesdienste gefeiert haben. Wenn wir um die Herzensruhe in Gott beten, dann ist diese uns allen auch in derartigen Debatten zu wünschen. Es täte allen gut, den Dampf herauszunehmen und die Bereitschaft einzubringen, kritisch zu sein, aber der eigenen Meinung die Unfehlbarkeit zu nehmen. Eine Sorge will ich nicht verschweigen: So wichtig ein vielfältiges digitales geistliches Angebot auch über die Zeit der Pandemie bleiben wird, so wenig dürfen wir uns der Eucharistie entwöhnen. Kommentare zu den Weihnachtsgottesdiensten im Sinne von: „Ich kann zuhause genauso gut beten“, mögen immer mal wieder stimmen, und in diesen Zeiten für viele ganz sicher. Als Dauerzustand auf die Eucharistie zu verzichten, geht jedoch an den Kern des Katholischen.

 

„Meine Zeit steht in deinen Händen. Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir.“

Die Ruhe des Herzens brauchen wir auch in vielen Bereichen unseres Bistums. Wir gehen weiter auf dem Pastoralen Weg. Ich werde nicht müde zu betonen: Es darf nicht nur um Strukturen gehen, sondern auch um die Frage des kirchlichen Auftrags in dieser Zeit. Und die sich verändernden Strukturen müssen diesem Ziel dienen. „Meine Zeit steht in deinen Händen“ – es ist wichtig, uns daran zu erinnern, dass jedes Jahr ein „Jahr des Herrn“ ist, seine Zeit, und wir gehen unter seinem Segen. Das gilt gerade auch in den Zeiten, in denen erste schmerzliche Entscheidungen im Bistum getroffen wurden. Sie sind auch Ausdruck einer schwindenden kirchlichen Präsenz, die nicht vom Bischof oder der Bistumsleitung ausgehen. Sie sind Folge von Kirchenaustritten und anderen gesellschaftlichen Entwicklungen, die selbstverständlich auch die Kirche und das Bistum nicht unberührt lassen. Schulen und Bildungseinrichtungen sowie auch soziale Einrichtungen abzugeben, wird nicht leichtfertig und einsam entschieden. Davor liegt ein jahrelanges Ringen, Abwägen und schließlich auch Entscheiden, das nicht immer in der Öffentlichkeit diskutiert werden kann, bevor es ernst wird. Ich bitte um das Vertrauen, dass auch künftige Entscheidungen nicht leichtfertig getroffen werden. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist für ihr Engagement zu danken, denn jede betroffene Einrichtung leistet hervorragende Arbeit. Am Ende zeichnen sich unsere Einrichtungen nicht durch das Etikett „katholische Trägerschaft“ aus, sondern hoffentlich durch den guten Geist der Menschen, die aus christlicher Motivation dort arbeiten. Das gilt auch für Einrichtungen in anderen Trägerschaften, in denen Menschen christliche Liebe verwirklichen. Auch unter sich verändernden Bedingungen bleiben unsere Jahre „seine“ Zeit.

 

Auch das Jahr 2021 wird ein „Jahr des Herrn“ sein. „Meine Zeit steht in deinen Händen. Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir.“

Es wird weiter Geduld und Gottvertrauen brauchen. Wie schnell sich Normalität entwickelt und wie die künftige Normalität aussehen wird, das sind offene Fragen. Ich bete um die Ruhe des Herzens, und ich bete darum, dass es uns als Kirche gelingen möge, gute Wegbegleiterin der Menschen zu bleiben. Denn die Ruhe, von der das Lied singt, meint nicht, die Hände in den Schoß zu legen. Auf den vielen Baustellen unserer Kirche gilt es, beherzt anzupacken. Das kann ich nicht allein. Daher mein Dank an alle Menschen, die sich im Seelsorgedienst, im Haupt- und Ehrenamt engagieren. Ich darf besonders einmal meine engsten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Menschen im Ordinariat auf den verschiedenen Ebenen erwähnen, an der Spitze den Generalvikar. Sie sind mehr als eine Behörde. Die Art, wie wir gemeinsam arbeiten, möge positiv ins Bistum ausstrahlen.

 

Möge Gott uns segnen, damit die Erfahrung immer tiefer gehen kann:

„Meine Zeit steht in deinen Händen.

Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir.

Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden.

Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir.“

 

(MBN)

Dankbar unserer Wurzeln erinnern, und sie immer wieder zum Blühen bringen| Predigt von Bischof Peter Kohlgraf am zweiten Weihnachtsfeiertag in Mainz-St. Quintin

Mainz. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat am ersten Weihnachtsfeiertag, 25. Dezember, den Weihnachtsgottesdienst im Mainzer Dom gefeiert. Im Folgenden dokumentieren wir den Wortlaut seiner Predigt:

zur Predigt

„Vertrauen ist die stillste Form des Mutes“| Predigt von Weihbischof Dr. Udo Markus Bentz in der Christmette im Mainzer Dom

Mainz. Der Mainzer Weihbischof und Generalvikar, Dr. Udo Markus Bentz, hat am Heiligen Abend, 24. Dezember, die Christmette im Mainzer Dom einen Gottesdienst gefeiert. Im Folgenden dokumentieren wir den Wortlaut seiner Predigt:

zur Predigt

Ein Blick ins Jahr 2021 |Aktualisierte Planungsvorschau für die Termine im Bistum Mainz

31.1.                                                               Bibel Aktuell

                                                                       mit Pfarrer Michael Tomaszewski, Mainz

  1. 7.35 Uhr Hit Radio FFH

 

31.1.                                                               Kirche

                                                                       mit Pastoralreferentin Claudia Fontana

  1. 7.20 Uhr Antenne Mainz

 

31.1.                                                               Begegnungen

                                                                       mit Martin Wolf, Kaiserslautern

  1. 9.15 bis 9.30 Uhr SWR 1

 

31.1.-6.2.                                                        Gedanken

                                                                       mit Martin Wolf, Kaiserslautern

täglich zw. 9.00 und 12.00 Uhr                   SWR 3

auf SWR aktuell täglich um 9.50 Uhr

 

31.1.-6.2.                                                        Angedacht!

                                                                       mit Pastoralreferentin Maike Jakob

  1. 6.40 Uhr,

mo.-fr. 5.50 Uhr, sa. 6.20 Uhr                     RPR1

 

31.1.-6.2.                                                        Feels like Heaven!

                                                                       mit Pastoralreferentin Maike Jakob

5.30 und 14.30 Uhr                                      Rocklandradio

 

14.2.                                                               Sonntagsgedanken

                                                                       mit Beate Hirt, Frankfurt

  1. ca 7.45 bis 7.55 Uhr HR 1

 

15.2.-20.2.                                                      Carpe Diem!

                                                                       mit Pastoralreferentin Andrea Emmel

mo.-sa. 6.15 Uhr                                           Klassikradio

 

17.2.-20.2.                                                      Wort zum Tag

                                                                       mit Thomas Weißer, Budenheim

mo.-sa. 7.57 Uhr                                           SWR 2

 

28.02.                                                             Bibel Aktuell

                                                                       mit Pfarrer Hans-Peter Weindorf,
Mainz-Gonsenheim

  1. 7.35 Uhr Hit Radio FFH

 

 

 

 

28.02.                                                            Kirche

                                                                       mit Pastoralreferent Tobias Sattler

  1. 7.20 Uhr Antenne Mainz

 

                                                                      

Hinweis: Die religiösen Sendungen des Hessischen Rundfunks und des Südwestrundfunks stehen nach Ausstrahlung zum Nachlesen und -hören im Internet unter www.kirche-im-hr.de bzw. www.kirche-im-swr.de bereit. Die Sendungen des privaten Hörfunks können auf der Internetseite des Bistums Mainz www.bistum-mainz.de nachgehört werden.                                                                                                                      

 

  (MBN)

Ein Blick ins Jahr 2021| Aktualisierte Planungsvorschau für die Termine im Bistum Mainz

Mainz. In dieser aktualisierten Planungsvorschau (Stand: 27. Januar 2021) sind ausgewählte Termine aus dem Bistum Mainz für das Jahr 2021 chronologisch zusammengestellt.

Zur Planungsvorschau (PDF-Datei)