„Gott sucht keine Superhelden, sondern Menschen aus Fleisch und Blut“

Bischof Peter Kohlgraf spendete vier Männern im Mainzer Dom die Diakonenweihe

Mainz, 18. April 2026: Der Mainzer Bischof mit den vier neuen Diakonen im Bistum Mainz (v.l.n.r.): Dr. Karl Josef Gruber, Joseph Möller, Bischof Peter Kohlgraf, Mario zur Löwen und Alexander Deick. (c) Bistum Mainz / Blum
Datum:
Sa. 18. Apr. 2026
Von:
tob (MBN)

Mainz. Durch Handauflegung und Gebet hat der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf am Samstag, 18. April, Alexander Deick (26) aus Nackenheim-St. Gereon, Dr. Karl Josef Gruber (71) aus Ockstadt-St. Jakobus, Mario zur Löwen (46) aus Wickstadt-St. Nikolaus und Joseph Möller (31) aus Bürstadt-St. Peter bei einem Gottesdienst im Mainzer Dom zu Diakonen weiht. 

Mainz, 18. April 2026: Bischof Peter Kohlgraf legt Joseph Möller bei der Diakonenweihe die Hände auf. (c) Bistum Mainz / Blum

„Das Schöne am Seelsorgeberuf scheint mir zu sein, dass es keine menschliche Begabung gibt, die Sie nicht einbringen können“, betonte Bischof Kohlgraf in seiner Predigt. Die vier Kandidaten hatten sich als Leitmotiv für den Weihegottesdienst den Vers „Ich will den Namen des Herrn verkünden. Preist die Größe unseres Gottes!“ (Dtn 32,3) ausgewählt.

Mainz, 18. April 2026: Die Weihe erfolgt durch Handauflegung und das anschließende Weihegebet des Bischofs. (c) Bistum Mainz / Blum

Wörtlich sagte der Bischof in seiner Predigt: „Jeder von Ihnen bringt seine eigenen Stärken mit in den Beruf des Diakons. Auch Ihre Schwächen und Grenzen gehören zu diesem Zeugnis, denn gerade sie können für andere stärkend sein: Gott sucht keine Superhelden, sondern Menschen aus Fleisch und Blut - mit Hand und Fuß, mit Herz und Verstand. Wer seine Stärken und seine Grenzen kennt, wird auch den anderen Menschen nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung und Unterstützung verstehen.“

Mainz, 18. April 2026: Bischof Peter Kohlgraf bei seiner Predigt im Weihegottesdienst, daneben Regens Michael Leja und Weihbischof P. Joshy Pottackal. (c) Bistum Mainz / Blum

Und weiter: „Freude am Glauben leben und weitergeben ist ein wichtiger Punkt für den kirchlichen Dienst. Dazu muss man nicht naiv sein. Wir alle wissen um die Schwierigkeiten der Kirche, wir wissen um die Situation in Kirche und Gesellschaft. Gerade da brauchen Menschen Quellen des Glaubens, des Vertrauens und der Hoffnung. Sie brauchen heute dringend Vorbilder, die Licht in eine oft dunkle Welt bringen.“

Wieder gemeinsamer Weihetermin für Diakone und Ständige Diakone

Mainz, 18. April 2026: Die vier Weihekandidaten stehenvor dem Bischof (v.l.n.r.): Joseph Möller, Mario zur Löwen Alexander Deick und Karl Josef Gruber. (c) Bistum Mainz / Blum

Nachdem die Diakonenweihe von Priesteramtskandidaten und die Weihe von Ständigen Diakonen in den vergangenen Jahrzehnten in je eigenen Gottesdiensten stattgefunden hatte, wurde mit diesem Gottesdienst erstmals wieder ein gemeinsamer Weihegottesdienst gefeiert. Alexander Deick und Joseph Möller sind Priesteramtskandidaten und haben sich bei der Diakonenweihe zu einem zölibatären Leben verpflichtet; Karl Josef Gruber und Mario zur Löwen werden als Ständige im Bistum Mainz tätig sein, wobei sich Mario zur Löwen ebenfalls für den Zölibat entschieden hat. Die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes hatten Domorganist Professor Daniel Beckmann an der Domorgel, eine Schola von Studierenden aus dem Haus der Kirchlichen Berufe unter Leitung von Mechthild Bitsch-Molitor übernommen.

Stichwort: Diakon / Ständiger Diakon

Mainz, 18. April 2026: Während der Litanei legen sich die Kandidaten ausgestreckt auf den Boden. (c) Bistum Mainz / Blum

Diakone sind bereits in der Apostelgeschichte erwähnt. In der frühen Kirche wirkte der Diakon (griechisch: Diener) in der Armenpflege oder als Gehilfe des Bischofs beim Gottesdienst. Seit dem fünften Jahrhundert verlor das Amt an Bedeutung. Lange Zeit war der Diakon nur noch eine Durchgangsstufe auf dem Weg zur Priesterweihe. Das Sakrament der Weihe ist in der katholischen Kirche in drei Stufen gegliedert: die Diakonenweihe, die Priesterweihe und die Bischofsweihe. Das Zweite Vatikanische Konzil hat das eigenständige Amt des Diakons in der Dogmatischen Konstitution über die Kirche „Lumen Gentium“ vom 21. November 1964 erneuert und sein spezifisches Profil betont.

Mainz, 18. April 2026: Der Bischof und alle anwesenden Diakone umarmten die neugeweihten Diakone, hier Alexander Deick (links) und Karl Josef Gruber. (c) Bistum Mainz / Blum

Dort heißt es: „Mit sakramentaler Gnade gestärkt, dienen sie in der liturgischen Diakonie, in der Diakonie des Wortes und der Liebe in Gemeinschaft mit dem Bischof und seinem Presbyterium dem Volke Gottes. Sache des Diakons ist es, je nach Weisung der zuständigen Autorität, feierlich die Taufe zu spenden, die Eucharistie zu verwahren und auszuteilen, der Eheschließung im Namen der Kirche zu assistieren und sie zu segnen, die Wegzehrung den Sterbenden zu überbringen, vor den Gläubigen die Heilige Schrift zu lesen, das Volk zu lehren und zu ermahnen, Gottesdienst und Gebet der Gläubigen zu leiten, die Sakramentalien zu betreuen, den Beerdigungsritus vorzunehmen.“ (Lumen Gentium 29)

Mainz, 18. April 2026: Aufstellung zum Auszug beim Schlusslied des Weihegottesdienstes im Mainzer Dom. (c) Bistum Mainz / Blum

Das Zweite Vatikanische Konzil eröffnete auch verheirateten Männern die Weihe zu so genannten Ständigen Diakonen. Dabei wird zwischen dem „Diakon mit Zivilberuf“ und dem „Diakon im Hauptberuf“ unterschieden. In der Diözese Mainz wurden 1971 die ersten Männer zu Ständigen Diakonen geweiht. Die Bezeichnung „Ständiger Diakonat“ macht deutlich, dass es sich nicht um eine Durchgangsstufe zur Priesterweihe handelt. Der Diakon ist in besonderer Weise zum helfenden Dienst aufgerufen und kann mit verschiedenen pastoralen und karitativen Aufgaben betraut werden. In der Liturgie assistiert er unter anderem bei Eucharistiefeiern. Er leitet Wortgottesdienste und spendet das Sakrament der Taufe. Außerdem kann er mit Beerdigungen und Trauungen beauftragt werden. Das Mindestalter bei der Diakonenweihe für Ständige Diakone liegt bei 35 Jahren für Verheiratete. Eine Bedingung für den Ständigen Diakonat ist, dass die Ehefrau des Bewerbers die Entscheidung zur Diakonatsweihe mitträgt. Bischöflicher Beauftragter für den Ständigen Diakonat im Bistum Mainz ist P. Ralf Sagner OP.