Konzeption des Referates „Menschen mit Behinderung" im Dezernat Seelsorge

1. Grundsätze und Ziele

„Menschen mit Behinderung sind unentbehrlich, weil sie mit letzter Deutlichkeit zur Besinnung auf letzte Grundwerte des Geschöpfseins rufen.
Sie sind Zeichen der Zeit und die leicht überhörbare Stimme Gottes in lebendiger Menschengestalt.
Sie bringen ein Korrektiv, das die gängige Leistungsmentalität herausfordert:
Nachdenken über das, was als normal gelten kann, und nachdenken über das, was den Menschen glücklich macht."
Weihbischof Dr. Franz Dietl
(Statement zur Eröffnung der Arbeitsstelle der DBK „Pastoral für Menschen mit Behinderung". 25.02.2002)
Aus der „Vision für das Bistum Mainz" ergeben sich Grundsätze für die Konzeption des Referates „Menschen mit Behinderung".

1.1. „Gott schenkt allen Menschen Heil und Leben"

Die Würde jedes Menschen gründet in seiner Gottesebenbildlichkeit. Diese Würde ist unantastbar.
Gott liebt und bejaht jeden Menschen, vor aller Leistung, ohne Ansehen seiner Fähigkeiten und Defizite, ganz gleich ob der Mensch in seinen Sinnen, körperlich, geistig oder psychisch beeinträchtigt ist.
Menschen mit Behinderung sind daher zu allererst gleichberechtigte Partner und Adressaten im Handeln der Kirche. Es sind Menschen, die Unterstützung, Hilfe und je eigenes Zugehen in der Pastoral brauchen, und es sind Menschen, die etwas zu geben haben, die etwas beitragen, die ihren spezifischen Glauben und ihre je eigenen Formen einbringen, in das Gesamt der Kirche.
Daher ist eine Pastoral der Solidarität und Gemeinschaft mit Menschen mit Behinderung und eine Pastoral der Anwaltschaft für die Belange dieser Menschen in Kirche und Gesellschaft grundlegend für die Arbeit im Referat.

 

1.2. „Jesus Christus vermittelt diese Gaben in Wort und Tat. Gottes Geist vergegenwärtigt dieses Geschenk zu jeder Zeit."

Das Zeugnis des Evangeliums, und hier vor allem Jesu besondere Zuwendung zu Menschen mit Behinderung, zum Beispiel den gelähmten, gehörlosen, blinden und psychisch kranken Menschen, ist bleibender Auftrag und Herausforderung für die Kirche von heute. Es muss eine Option getroffen werden für diese Menschen, Kirche muss sich vorrangig denen zuwenden, die oft unbeachtet bleiben und deren Lebenschancen beeinträchtigt sind.
Menschen mit Behinderung müssen Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden in ihnen gemäßen Formen und an ihnen gemäßen Orten erfahren, damit sie so Jesus Christus in Wort und Sakrament begegnen und Einheit mit der Gesamtkirche leben zu können.
Daher ist Gemeindebildung nahe am Lebensraum und in angemessenen Formen wichtigstes Ziel der Seelsorge mit Menschen mit Behinderung.
Der Feier des Gottesdienstes und der Begegnung untereinander kommt dabei herausragende Bedeutung zu.
Insbesondere die Feier der Eucharistie ist unverzichtbarer Teil des Gemeindelebens, auch bei Menschen mit Behinderung.

1.3.„Dies bezeugt die Kirche durch ihren Dienst an den Menschen. Hier liegen Quelle und Maß des gesamten Lebens und Wirkens der Kirche von Mainz."

Menschen mit Behinderung sind einerseits vollwertige Glieder der Kirche mit allen Rechten und Pflichten, andererseits bedürfen sie oft einer besonderen Sorge und Hilfe durch die Gemeinschaft.
Eine zeitgemäße Pastoral mit Menschen mit Behinderung bedarf zunächst eines partnerschaftlichen Zugehens auf und Handelns mit den Betroffenen.
Andererseits erfordert sie die Kooperation aller kirchlichen Dienste und Einrichtungen in Seelsorge und Caritas, zum Wohle der Menschen.
Notwendig ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Behindertenseelsorge, Caritasverband, Selbsthilfeorganisationen und den Gemeinden vor Ort.
Der konkrete Dienst am Menschen und der karitative Einsatz als Zeichen der Vermittlung der lebensstiftenden Liebe Gottes, sind konstitutiv und unverzichtbar für die Pastoral mit Menschen mit Behinderung.

1.4. Ziele des Referats „Menschen mit Behinderung"

  • Gemeindeaufbau und partnerschaftliches Handeln mit den Menschen mit Behinderung.
  • Ganzheitliche Seelsorge für und mit betroffenen Menschen und ihren Angehörigen.
  • Ungeteilte Anwaltschaft für diese Menschen.
  • Aufbau von Strukturen und Qualifizierung von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter zur Umsetzung dieser Ziele.

2. Zielgruppen des Referats „Menschen mit Behinderung"

Den „Menschen mit Behinderung" gibt es nicht.
Menschen haben körperliche, sinnesbezogene, geistige, psychische oder zunehmend auch multiple Defizite. Die Vielfältigkeit und Vielschichtigkeit der verschiedenen Behinderungen in verschiedenen Altersstufen erfordert eine differenzierte Pastoral und eine Orientierung an den Bedürfnissen, Fähigkeiten und Anliegen des je einzelnen Betroffenen und seiner Angehörigen.
Auf das mehrfach-behinderte Kind im Rollstuhl muss anders zugegangen werden, als auf die alleinstehende, gehörlose alte Frau.
Ziel ist es, Mitwirken und Teilhabe von Menschen mit Behinderung am gesellschaftlichen und kirchlichen Leben zu ermöglichen und zu verbessern.
Zielgruppe des Referates „Menschen mit Behinderung" sind vor allem die Menschen, die auch mit familiärer Unterstützung nicht an den Angeboten der Pfarrgemeinden teilnehmen können und dort häufig unbeachtet bleiben oder zu kurz kommen.
Dies trifft besonders auf folgende Personengruppen zu:
- Gehörlose Menschen, deren Hauptkommunikationsform die Gebärdensprache ist, und die daher von allen lautsprachlichen Angeboten ausgeschlossen sind.
- Geistig und mehrfach behinderte Menschen, deren Behinderungsgrad oder Sprach- und Denkvermögen die Teilnahme an regulären Veranstaltungen der Seelsorge verhindert.
- Schwerst-körperbehinderte und langzeiterkrankter Menschen, deren Mobilitätseinschränkung so groß ist, dass sie nur zu besonderen Formen der Seelsorge Zugang haben.
- Die Angehörigen der oben genannten Personengruppen, insbesondere die Eltern von Kindern mit Behinderung, die oft einer besonderen seelsorglichen oder sozialen Begleitung bedürfen.
Für diese Personengruppen muss eine kontinuierliche und angemessene Seelsorge im Bistum geleistet werden.
Daneben gibt es noch Personengruppen, deren Behinderung eine Teilnahme an Angeboten der Gemeindeseelsorge erschwert, aber nicht unmöglich macht.
Hierzu zählen Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, blinde, sehbehinderte und schwerhörige Menschen.
Für diese Gruppen unterstützt und berät das Referat" Pastoral mit Menschen mit Behinderung" die Territorialgemeinden bei der Integration der Betroffenen ins Gemeinde leben.
Punktuelle Angebote, besonders für blinde Menschen, bei denen auf die besondere Lebenssituation dieser Menschen eingegangen wird, werden durch das Referat gemacht.

3. Struktur des Referates „Menschen mit Behinderung"

- Das Referat ist Teil der Abteilung Übergemeindliche Seelsorge des Dezernates Seelsorge des Bischöflichen Ordinariats.
- Leiter ist der „Diözesanseelsorger für Menschen mit Behinderung" (Priester).
- Das Referat hat zwei Fachreferenten, die jeweils einem Schwerpunkt zugeordnet sind.
1 Fachreferentin Pastoral mit gehörlosen Menschen.
1 Fachreferent mit Schwerpunkt Pastoral mit geistig und mehrfach behinderten Menschen / Pastoral mit schwerst-körperbehinderten Menschen.
- Dazu gibt es Mitarbeiter/innen im Bereich Sekretariat und Organisation.
- Für die Wahrnehmung der Aufgaben des Referats ist der Einsatz von Mitarbeiter/innen im FSJ und Bundesfreiwilligendienst notwendig.
- Dienstsitz ist die „Diözesanstelle des Referates „Menschen mit Behinderung". Diese ist als Außenstelle des Bischöflichen Ordinariats in einer Pfarrei eingerichtet. Dadurch ist eine kirchliche Beheimatung der betroffenen Menschen gegeben.
Erforderlich dafür sind:
behindertengerechte Räume, ausreichende Nutzungsmöglichkeiten der Kirche, Räume für Treffpunkt- und Bildungsarbeit, sowie Büroräume und Besprechungsräume für die Diözesanstelle.
Die Diözesanstelle ist zurzeit in der Pfarrei St. Petrus Canisius in Mainz-Gonsenheim verortet, da hier viele Voraussetzungen bereits gegeben sind.
- Die Diözesanstelle erhält aus den Haushaltsmitteln des Dezernates V eine ausreichende Haushaltszuweisung.

4. Aufgaben und Zuständigkeitsbereiche der Diözesanstelle und der Fachreferate

4.1. Gesamtaufgaben
- Sicherstellung und Entwicklung der Pastoral mit Menschen mit Behinderung im Bistum Mainz.
- Fachstelle des Bischöflichen Ordinariats für alle Fragen aus dem Bereich „Pastoral mit Menschen mit Behinderung".
- Beratung und Unterstützung der Pfarrgemeinden in diesem Themenfeld.
- Kontaktpflege und Interessensvertretung bei kirchlichen und staatlichen Einrichtungen, die ebenfalls mit der Zielgruppe befaßt sind.
- Öffentlichkeitsarbeit, Informationsdienste, Publikationen, Internetpräsenz
- Stellungnahme zu ethischen Fragen im Zusammenhang mit Behinderung.
- Außenvertretung in relevanten Gremien auf staatlicher und kirchlicher Ebene.
- Mitarbeit bei Veranstaltung auf Bistumsebene zur Sicherstellung der Teilhabe von Menschen mit Behinderung.
- Fachgespräche mit den Seelsorgern anderer Diözesen in den jeweiligen Feldern.
- Ökumenische Zusammenarbeit mit den zuständigen Seelsorgern

4.2. Aufgaben im Bereich Pastoral mit gehörlosen Menschen

4.2.1. Erhalt beziehungsweise Aufbau von drei regionalen Gehörlosengemeinschaften in den Räumen Oberhessen, Landkreis und Stadt Offenbach und Rheinhessen.

4.2.2. Gottesdienste für gehörlose Menschen
- Monatliche Gottesdienste in Gebärdensprache, in den Regionalgruppen Friedberg, Mainz und Offenbach.
- Gottesdienste auf Bistumsebene zu besonderen Anlässen
- Dolmetscherdienst bei Gottesdiensten zu besonderen Anlässen vor Ort
- Qualifizierung ehrenamtlicher gehörloser Mitarbeiter für Aufgaben in Gottesdienst, religiöser Bildung und Pastoral

4.2.3. Seelsorgliche Dienste
- Sakramentenspendung und Beerdigung für gehörlose Menschen
- Sakramentenkatechese
- Hausbesuche und Einzelseelsorge
- Vergemeinschaftung in den regionalen Gruppen

4.2.4. Religiöse Bildung
- Wallfahrten zu besonderen Anlässen
- Durchführung von Einkehrtagen in der Advent- und Fastenzeit
- Entwicklung und Verbreitung adäquater religiöser Gebärden in Zusammenarbeit mit den Betroffenen
- Bildungsfahrten, Freizeiten und Ausflüge
- Seniorentreffs mit Bildungsangeboten
- Fachvorträge zu aktuellen Themen

4.2.5. Schulpastoral an der Schule für hörgeschädigte Schüler/innen in Friedberg
- Religionsunterricht
- Sakramentenvorbereitung
- Mitarbeit in der Fachkonferenz der Religionslehrer
- Schulgottesdienste
- projektbezogene Zusammenarbeit mit der Schule
4.2.6. Sonstige Aufgaben
- Kontakt zur hörenden Partnergemeinde
- Integration der Gemeinschaften auf Bistumsebene
- Mitarbeit in Arbeitsgemeinschaften
- Gehörlosigkeit/Gehörlosenseelsorge
- regelmäßige Weiterbildung des Referenten im Bereich Gebärdensprache

4.3. Aufgaben im Bereich „Pastoral mit geistig und mehrfach behinderten Menschen"

4.3.1.Familienarbeit
- Familienwochenenden für Familien mit behinderten Kindern und Jugendlichen
- Familiengottesdienste, die mit und für Menschen mit Behinderung gestaltet werden
- Begegnungsnachmittage in verschiedenen Regionen des Bistums
- Begleitung von Familien in besonderen Situationen
- Familienfreizeiten
- Regionale Informationsveranstaltungen für Familien
- Begleitung von Elterninitiativen

4.3.2.Kinder- und Jugendarbeit
- Sakramentenvorbereitung und Feier von Erstkommunion und Firmung
- Regionale Kindertage
- Kinderfreizeiten
- Jugendfreizeiten

4.3.3.Erwachsenenarbeit
- Besinnungstage für Erwachsene
- Freizeiten für Erwachsene
- Bildungsangebote
- Wallfahrten
- Angebote zur kreativen Gestaltung wie Theaterwoche

4.3.4.Schulpastoral
- Sakramentenvorbereitung an den Schulen nach Anfrage
- Teilnahme an der Fachkonferenz der Religionslehrer
- Schulgottesdienste an verschiedenen Schulen
- projektbezogene Zusammenarbeit mit den Schulen nach Anfrage

4.3.5.Sonstige Aufgaben
- Mitarbeit in Arbeitsgemeinschaften
- Mitarbeit bei Informationsveranstaltungen zum Thema
- Zusammenarbeit Caritas- und anderen Fachverbänden
- Zusammenarbeit mit Einrichtungen bei besonderen Veranstaltungen wie Einweihungen, Jubiläen, Gottesdienste
- Begleitung von Einrichtungen: Bewohner und Mitarbeiter in besonderen Situationen wie Trauerfall

4.4. Aufgaben im Bereich „Pastoral mit körperbehinderten und langzeitkranken Menschen"

4.4.1.Freizeit und Bildung
- behinderungsgerechte Freizeiten
- Besinnungstage
- Wallfahrten
- religiöse Bildung wie Bibelwoche

4.4.2.Sonstige Aufgaben
- seelsorgliche Begleitung von Selbsthilfegruppen
- Mitarbeit in Arbeitsgemeinschaften
- Zusammenarbeit Caritas- und anderen Fachverbänden
- Zusammenarbeit mit Einrichtungen bei besonderen Veranstaltungen wie Einweihungen, Jubiläen, Gottesdienste
- Begleitung von Einrichtungen: Bewohner und Mitarbeiter in besonderen Situationen wie Trauerfall

4.5. Aufgaben im Bereich „Pastoral mit blinden und sehbehinderten Menschen"

4.5.1. Religiöse Bildung und Freizeit
- barrierefreie Veranstaltungen die auf die besondere Situation blinder und sehbehinderter Menschen eingehen an Orten die für diese Personengruppe geeignet sind:
Wallfahrten
Freizeiten
Bibelwoche
Besinnungstage
besondere Hilfen sind dazu erforderlich wie: Begleitpersonen, Hilfsmittel, Punktschriftbücher

4.5.2.Schulpastoral an der Schule für blinde und sehbehinderte Schüler/innen in Friedberg
- Sakramentenvorbereitung
- Teilnahme an der Fachkonferenz der Religionslehrer
- Schulgottesdienste
- projektbezogene Zusammenarbeit mit der Schule

4.5.3.Sonstige Aufgaben
- seelsorgliche Begleitung von Selbsthilfegruppen
- Mitarbeit in Arbeitsgemeinschaften
- Fachgespräche mit Seelsorgern anderer Diözesen
- Zusammenarbeit Caritas- und anderen Fachverbänden
- Begleitung von Familien in besonderen Situationen

4.6.Aufgaben im Bereich „Integration von Menschen mit Behinderung in die Territorialgemeinde"

4.6.1.Sakramentenkatechese
- Hilfen für Katecheten
- Entwicklung von Arbeitshilfen
- Begleitung und Feier der Sakramente vor Ort in besonderen Situationen

4.6.2. Selbsthilfegruppen
- Beratung und Vermittlung
- finanzielle Unterstützung

4.6.3. Sonstige Aufgaben
- Informationen für Sachausschüsse erstellen
- Informationen für Pfarrgemeinden erstellen
- Informationen für Bauamt und Verwaltungsräte bei Baumaßnahmen
- Informationen für Hauptamtliche in Dekanatsversammlungen
- Informationen für hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Ausbildung