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Seelsorge an den Justizvollzugsanstalten im Bistum Mainz

hohe Mauern - Stacheldraht - Alarmanlagen

... und doch findet hier kirchliches Leben statt - gemeinsam mit Männern und Frauen, deren Lebensgeschichten bisweilen banal normal oder erschreckend ungewöhnlich sind.

Sieben Gefängnisse und zwei Abschiebehaftanstalten befinden sich auf dem Gebiet des Bistums Mainz.
Dort leben und arbeiten Seelsorger*innen mit Inhaftierten und Mitarbeiter*innen der Anstalten. Versuchen zu verstehen, ohne zu bewerten, und auszuhalten, was nicht lösbar oder veränderbar ist - stets im Bewusstsein des einen barmherzigen Gottes und im Ernstnehmen der Personen auch in der Verantwortung für ihr - bisweilen erschütterndes - Handeln.

Gefängnis kann zu einem Kirchort werden - wenn es dies nicht bereits schon lange ist - in den Zellen, auf den Fluren, an den Arbeitsstätten, in den Absonderungen... auch in der Gefängniskapelle.

 

Kontakt

Seelsorge an den Justizvollzugsanstalten im Bistum Mainz

Sekretariat
Bischofsplatz 2
55116 Mainz
Telefon:06131 253252

Würdevoll: Zum Tag der Gefangenen hält eine Kleine Königin Einzug in der Abschiebehaft in Darmstadt-Eberstadt

Die kleine Königin der AHE Darmstadt

Eine Kleine Königin hält nun auch in der Abschiebehafteinrichtung (AHE) des Landes Hessen in Darmstadt-Eberstadt Einzug und macht so auf die Würde von Menschen aufmerksam, die inhaftiert sind, um anschließend abgeschoben zu werden. Zum Tag der Gefangenen stellt die Seelsorgerin Evi Lotz-Thielen die Kleine Königin in einem Gottesdienst in den Mittelpunkt.

„Ich bin eine kleine Königin. Ralf Knoblauch, Tischler und Diakon in einer Person, hat mich selbst aus einem Stück alten Eichenholz geschlagen. Mit der menschlichen Gestalt und der goldenen Krone auf meinem Kopf hat er mich mit Königswürde ausgestattet. Ich bin mit Leinöl gesalbt und das weiße Kleid kann Sie an Ihre Taufe erinnern. Es ist mein innerstes Anliegen, mich für die königliche Würde von Menschen stark zu machen“, so stellt sich die Kleine Königin vor.

Wie an vielen anderen Orten, an denen die Gefahr besteht, dass die Menschenwürde vergessen wird – zum Beispiel in den Gefängnissen in Gießen und Butzbach –, ist eine Kleine Königin nun auch in der Abschiebehafteinrichtung in Darmstadt-Eberstadt zu Hause. „Die Frauen sind oft Ausgebeutete und aufgrund von Menschenhandel und Prostitution hier in Deutschland. Die Männer arbeiteten oft als billige Arbeitskräfte, da sie ohne Anspruch und Beschäftigungserlaubnis hier sind“, berichtet die Seelsorgerin Evi Lotz-Thielen. Sie erzählt, was Menschen in der AHE – ihrer momentanen Situation entsprechend – unter Würde verstehen: „Die Frauen wünschen sich einen freien Zugang zu Toiletten, auch nachts. Die Zellen der Frauen haben keine Toiletten – nach dem abendlichen Einschluss müssen sie immer den Wachdienst rausklingeln, um auf Toilette zu gehen. Sie haben, anders als die Männer im Neubau, keinen Zugang zu einer Kochmöglichkeit – zurzeit müssen asiatische Frauen, wenn sie einmal Reis statt des vielen Brotes essen möchten, die Seelsorge bitten, dass sie mit ihnen etwas Reis in einer Küche im Keller kocht.“ Würdevolle Haftbedingungen, ist die Seelsorgerin überzeugt, sehen anders aus: „Würde ist für mich etwas das schmückt, etwas das Glanz verbreitet. Würde ist mehr als die Summe der Teile. Sie betrifft das Ganze. Die Würde darf man einem Menschen nicht nehmen.“

Evi Lotz-Thielen wird am 11. Juli mit der Gemeinde in Darmstadt-Eberstadt einen Gottesdienst feiern.

Seelsorge in der Abschiebehaft

Abschiebehaftanstalten gibt es auf dem Gebiet des Bistums Mainz in Ingelheim und Darmstadt. Insgesamt verfügen die beiden Anstalten über 140 Plätze, die in der Regel mehrheitlich mit Männern, aber auch mit Frauen belegt sind. Inhaftiert werden nur erwachsene Personen, ab mindestens 18 Jahren. Auch ältere Menschen bis ins hohe Seniorenalter werden über die Haftanstalten abgeschoben. Die Menschen verbringen hier meistens zwischen 10 und 28 Tagen, manchmal auch mehrere Monate. Die Inhaftierung erfolgt meistens überraschend, daher stehen die Männer und Frauen oft schockiert vor völlig ungeklärten Lebenssituationen. Die Seelsorge bietet hier Möglichkeiten zu persönlichen Gesprächen an und versucht in konkreten Notsituationen zu unterstützen und Kontakte in das Rückkehrland anzubahnen. Auf Wunsch gibt die Seelsorge Bibeln in der Muttersprache und religiöse Symbole aus und feiert mit den Menschen regelmäßig Gottesdienst innerhalb der Haftanstalt. Seelsorge versucht die Menschen in ihrer meist ausweglosen Situation zu begleiten und zu stärken, um den weiteren unbekannten Lebensweg angehen und annehmen zu können.

Gottesdienst-Entwurf zum Tag der Gefangenen 2026

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