Ziehen an einem Strang:  Elternkurse Kess-erziehen und Prävention von sexuellem Missbrauch

Der bundesweit verbreitete Elternkurs kess-erziehen steht mit seinen vier Buchstaben KESS für kooperativ, ermutigend, sozial und situationsorientiert.

kess erziehen (c) Bistum Mainz
kess erziehen
Do 31. Jan 2019
Annette Reithmeier-Schmitt

Kess erziehen lebt von Menschen, Begegnungen, Situationen in der Kursarbeit zwischen Kursleitung und Eltern. Partizipation und Beteiligung sind Grundhaltungen von Kess erziehen – und wesentliche Anliegen der Prävention.

Angeregt durch die Ergebnisse der Missbrauchsstudie, die die katholische Kirche beauftragt hatte und den daraus entstehenden Diskussionen gingen Kursleiterinnen der Elternkurse kess- erziehen aus den  Diözesen Mainz und Speyer  der Frage nach, welche Chancen und Grenzen Kess erziehen KURSE präventiv zu bieten haben. Die Fortbildung legte in der Auseinandersetzung mit dem Kurskonzept das große Potential von Kess erziehen für die Stärkung von Eltern und Kindern im achtsamen und respektvollen Umgang offen.

Die Kursleiterinnen beschäftigten sich mit der Unterscheidung und Abgrenzung der Fachbegriffe Grenzverletzungen, Übergriffen und sexueller Gewalt. Grenzverletzungen geschehen unabsichtlich. Persönliche psychische oder körperliche Grenzen werden aus Unachtsamkeit oder Unwissenheit überschritten, weil eigene Grenzen bzw. die der andere nicht wahrgenommen werden. Bewusst gewordene Grenzverletzungen sind korrigierbar, lassen sich durch Achtsamkeit vermeiden und werden durch die Bitte um Entschuldigung glaubwürdig. In kleinen Übungen verdeutlichten die Supervisor*innen, wie wichtig es ist in den alltäglichen Situationen ein gutes Gespür für die eigenen Grenzen sowie die des Gegenübers zu haben: Das zeigt sich im respektvoller Umgang zwischen Eltern und Kindern, im Abstimmen von angemessenen Regeln, Grenzen und Konsequenzen bei Streit und Auseinandersetzungen rund um das das selbstständig werden der Kinder sowie das Erwachsenwerden der Jugendlichen in der Pubertät . Übergriffe sind bewusste körperliche oder psychische Grenzüberschreitungen. Sexualisierte Gewalt beginnt mit der Verwendung sexualisierter Sprache, setzt sich fort in unangemessenen Berührungen und  geht bis hin zur Vergewaltigung.

Die Elternkurse geben klare Orientierung zu den Themen „Grenzen achten“ und „Umgang mit Macht-Kämpfen“. Das Wissen um die sozialen Grundbedürfnisse, das respektvolle Umgehen in Konflikten, das Einladen zu Kooperation und Verantwortungsübernahme und das respektvolle Grenzen ziehen in einer wertschätzenden Haltung prägt das Miteinander zwischen Eltern und Kindern.

Fazit

Die Kurs-Module von Kess erziehen dürfen in keinem Präventionskonzept katholischer Einrichtungen fehlen. Die 14 Kursleitungen wurden durch die Fortbildung in ihrer Arbeit bestätigt: Es geht darum, Menschen in ihrer Persönlichkeit zu stärken und zu sensibilisieren. Das ist die beste Basis für eine Kultur der Achtsamkeit, die das erklärte Ziel der Prävention sexualisierter Gewalt ist.

Unter www.kess-erziehen.de und bei den Diözesanen Koordinierungsstellen in Mainz unter www.bistum-mainz.de/kess und Speyer unter www.bistum-speyer.de gibt es weitere Informationen.

Annette Reithmeier-Schmitt, Kess-Koordinatorin  Diözese Mainz

Rita Höfer, Kess-Koordinatorin Diözese Speyer