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Tiergestützte Pädagogik

Tiergestützte Pädagogik im St. Josephshaus

Unter Tiergestützter Pädagogik werden Maßnahmen verstanden, die einen positiven Einfluss auf das Verhalten von Kindern und Jugendlichen haben können – und zwar durch das Zusammenarbeiten mit einem Tier. Die Maßnahmen helfen, soziale, kognitive, sprachliche und motorische Fähigkeiten auszubauen. Besonders profitieren Menschen mit sozial-emotionalen Belastungen, die negative Erfahrungen in der Beziehung zu ihren Bezugspersonen machen mussten und keine sichere Bindung entwickeln konnten.

Das St. Josephshaus verfügt bereits über unterschiedliche tiergestützte pädagogische Angebote. Eine Arbeitsgruppe aus Pädagoginnen und Pädagogen evaluiert diese Angebote regelmäßig und entwickelt sie weiter.

Unsere Tierpädagogik-Angebote

Präsenzhündin Liese

Tiere wie Hunde oder Pferde begegnen jedem Einzelnen werte- und vorurteilsfrei. Dadurch bekommen die Kinder und Jugendlichen Gelegenheit, bedingungslose Kameradschaft kennenzulernen.

Unterschiedliche Kompetenzen werden geschult: Neben einer reinen Wissensvermittlung über die Tiere und zu Tierschutzaspekten lernen die Kinder im Umgang mit dem Tier, Rücksicht zu nehmen, Grenzen zu akzeptieren und soziale Regeln einzuhalten. Verantwortungsbewusstsein, Wahrnehmungsförderung werden gefördert. Auch der motorische Bereich wird angeregt und gefördert. Sprachkompetenzen profitieren, weil sie ihre Erlebnisse mit dem Tier mit anderen teilen wollen. Und die Anwesenheit eines Tieres wirkt nachweislich positiv auf kognitive Fähigkeiten, Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer der Kinder. 

Die Kinder lernen:

  • Rücksicht zu nehmen
  • Kooperation und Hilfsbereitschaft (Absprache bei Konflikten)
  • Empathie, also die Gefühle des Gegenübers zu „lesen“ und sich situationsangemessen zu verhalten und sich in die Rolle des Tieres zu versetzen
  • sich bei gemeinsamen Erlebnissen als Team zu erleben. Dadurch schließen die Kinder Freundschaft mit dem Tier und mit anderen Kindern.

Auch im seelischen Bereich kann der Umgang mit dem Tier vielfach helfen, z. B. durch

  • Stärkung des Selbstwertgefühls („Das große Tier lässt sich von mir führen.“)
  • Emotionale Zuwendung zu einem Lebewesen
  • Vertrauensaufbau
  • Überwinden von Angst

Franca Dechange und Franziska Walberg sind Pädagoginnen im Team der „Jugendhilfe in Schule“ (JiS) in der Bischof-Ketteler-Schule (BKS). JiS fördert die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler über die von Lehrkräften durchgeführte Vermittlung des Lernstoffs hinaus. Seit 2021 setzen sie dafür unter anderem auch Hunde ein. Vorbereitungen, diese spezifischen Förderangebote auszubauen, laufen bereits.

Gemeinsam mit ihren Hündinnen absolvierten sie eine Weiterbildung im Bereich der tiergestützten Pädagogik bei DOGIK, dem vom Schulamt anerkannten Schulungszentrum „Dogs for Kids", das auf Hunde als „Co-Pädagogen“ in der pädagogischen Arbeit spezialisiert ist.

Bedingungslose Kameradschaft

Die Pädagoginnen setzen ihre Pädagogikbegleithunde gezielt zur sozial-emotionalen und kognitiven Förderung ein: Die Hündinnen Bora und Liese werden im Unterricht aktiv mit eingebunden, sind als Präsenzhund anwesend oder unterstützen die Pädagoginnen in Einzel- bzw. Kleingruppenangeboten.  Dabei geht es vorrangig um die Mensch-Tier-Beziehung.

Die meisten Schülerinnen und Schüler an der BKS haben viele Misserfolge in ihrer Schullaufbahn erlebt und Schule ist für die meisten ein großer Stressfaktor. Schon der Weg dorthin, das „in-der-Schule-Sein“ oder der Kontakt zu anderen können Stress und negative Gefühle auslösen. Hier setzen die tierpädagogischen Angebote an: Im Kontakt mit den Hunden werden die Schülerinnen und Schüler nicht bewertet, sondern erfahren eine nonverbale, wertfreie Kommunikation: Die Hunde begrüßen die Kinder und Jugendlichen freundlich, fordern Streicheleinheiten oder schmiegen sich an. Diese natürliche Fähigkeit der Hunde, eine wortlose, emotional zugewandte Beziehung zu den Anwesenden einzugehen, reicht aus, um die Schülerinnen und Schüler positiv zu beeinflussen.

Bora würfelt Aufgaben

Die zweijährige Mischlingshündin Bora wird in der Kleingruppen- oder Einzelförderung eingesetzt. Im Bereich der Lernförderung fungiert Bora ebenfalls als Motivatorin. „Wenn Bora einen Beutel mit Aufgaben bringt oder Aufgaben „erwürfelt“, sind die Kinder sehr interessiert, diese richtig zu lösen.“ erläutert Franca Dechange. „Wenn die Kinder sich Hunde-Leckerli für erarbeitete Blätter verdienen, sind sie deutlich motivierter, diese ordentlich zu erledigen.“

Pädagogikbegleithund Liese

Die zehnjährige Mischlingshündin Liese wird als „Präsenzhund“ eingesetzt. Sie begleitet Franziska Walberg bei Einzel- und Kleingruppenangeboten. Präsenz ist Lieses Stärke und sie bringt sie situationsgerecht ein. So fördert allein ihr entspanntes Liegen die „Zuhörbereitschaft“ der Schülerinnen und Schüler. Ihr neugieriges Agieren aktiviert genauso wie das gezielte Einfordern von Streicheleinheiten. Die Kinder und Jugendlichen schätzen die ungeteilte Aufmerksamkeit sehr, die Liese ihnen schenkt.

Begleithündin Bella

Hunde haben eine große Nähe zum Menschen und fügen sich von allen Haustieren am intensivsten in den Ablauf des menschlichen Alltagslebens ein. Ein Hund bietet wie kaum ein anderes Haustier die Gelegenheit, bedingungslose Kameradschaft kennenzulernen und begegnet jedem einzelnen werte- und vorurteilsfrei – und das macht ihn als Mitbewohner und Begleiter so wertvoll:

Durch die Anwesenheit eines Hundes in Wohn- und Tagesgruppen wird das „familiäre“ Zusammensein gestärkt. Ein Hund kann trösten oder Aggressionen z. B. bei Wutausbrüchen mindern. Gemeinschaftliche Aufgaben für und mit dem Hund wie Pflege- und Fürsorgemaßnahmen fördern gruppendynamische Prozesse. Übernahme von Verantwortung und das Treffen und Einhalten von Vereinbarungen und Absprachen werden geübt.

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Um im pädagogischen Bereich eingesetzt werden zu können, muss der Hund gemeinsam mit seiner Halterin oder seinem Halter ausgebildet und zertifiziert sein. Voraussetzung für diese Ausbildung ist, dass das Tier vom seinem Wesen geeignet, freundlich, sozial aufgeschlossen und vertrauensvoll ist sowie eine hohe Reizschwelle aufweist.

Das St. Josephshaus unterstützt Pädagoginnen und Pädagogen individuell bei einer Ausbildung und übernimmt einen Teil der Finanzierung. Ein Anbieter ist beispiesweise DOGIK, ein vom Schulamt anerkanntes Schulungszentrum. DOGIK - für „Dogs for Kids" - ist auf Hunde als „Co-Pädagogen“ in der pädagogischen Arbeit spezialisiert.

Einige Pädagoginnen und Pädagogen setzen ihre Hunde sind bereits in Wohn- und Tagesgruppen ein – und weitere sollen ausgebildet werden. Neben : Möglichst viele Kinder und Jugendlichen des St. Josephshauses sollen von einem Hund als Mitbewohner und Begleiter profitieren können.

Emotionale Förderung durch Umgang mit Pferden

Bei der Arbeit mit dem Pferd werden die Kinder mit all ihren Sinnen angesprochen und so ganzheitlich in ihrer Entwicklung gefördert.

Die Förderung durch ein Herdentier wie einem Pferd ist sehr wertvoll: Die Kinder erleben das Pferd als Kameraden und gleichberechtigtes Gruppenmitglied mit speziellen Bedürfnissen. Genauso wie im Umgang mit anderen Tieren profitieren die Kinder in vielfacher Weise und ihre sozialen, kognitiven, sprachlichen und motorischen Fähigkeiten werden gefördert.

So werden die Kinder beispielsweise durch den hohen Aufforderungscharakter des Pferdes beispielsweise zum Mitlaufen animiert. Im Bereich der Feinmotorik gibt es im Umgang mit dem Pferd ebenfalls viele Fördermöglichkeiten, wie z. B. Halfter anlegen, Bürsten, Hufe auskratzen etc.

Arbeiten mit dem Pferd

Im Rahmen von Jugendhilfe in Schule (JiS) haben Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, am Projekt „Tiergestützte Pädagogik mit Pferden“ teilzunehmen. So fährt beispielsweise JiS-Pädagogin Franca Dechange in Absprache mit den Lehrkräften mit zwei Kindern oder mit einer größeren Gruppe zum Pferdestall nach Hassenroth. Hier steht ihr Islandpferd Máni. Máni ist 28 Jahre alt, gut ausgebildet und den Umgang mit Kindern gewöhnt. Aktiv unterstützt wird sie dabei von einer weiteren JiS-Kollegin bzw. einem Kollegen.

Bei diesen Besuchen lernen die Kinder viel über den allgemeinen Umgang mit dem Pferd, Pferdeversorgung, Fütterung und Pferdepflege. Auch das Führen des Pferdes – in der Natur oder auf dem Reitplatz z. B. durch einen selbstaufgebauten Parcours – wird geübt. Im Mittelpunkt stehen dabei das Vermitteln neuer Erfahrungen für die Kinder und der ungezwungene und artgerechte Umgang mit einem Tier.

Erste Reitversuche

Die Wohngruppen des St. Josephshauses haben die Möglichkeit, einen Nachmittag pro Woche über einen Zeitraum von 6 bis 8 Wochen auf einem Bauernhof in Hassenroth bei Höchst im Odenwald zu verbringen. Bei diesem reitpädagogischen Angebot erfahren die Kinder und Jugendlichen viel über Lebensweise und Verhalten von Pferden und dürfen erste Reitversuche machen. Durch Gruppenaufgaben wie z. B. ein Reithindernis aufzubauen lernen sie, als Team zusammenzuarbeiten.

Die jungen Menschen sammeln dabei nicht nur Wissen über Pflege oder Futter der Pferde. Sie erleben auch, wie die Pferde die eigenen Gefühle wie Angst oder Wut spiegeln. Angeleitet werden sie von Petra Flath, einer ausgebildeten Landwirtin und deren Tochter, Reitlehrerin Lisa Flath.

Ziegen beim Bauer Mann

In Kooperation mit dem landwirtschaftlichen Betrieb von Bauer Mann in Groß-Zimmern nehmen Kinder und Jugendliche aus dem St. Josephshaus am Bauernhof-Projekt teil. Das Projekt startet mit einem Kennenlern-Tag, an dem die Kinder den kompletten Hof mit seiner Vielzahl an Tieren wie verschiedenen Geflügelarten, Ziegen oder Wollschweinen besichtigen. Im Anschluss entscheiden sie, ob sie an diesem Projekt der tiergestützten Pädagogik teilnehmen wollen.

Mithelfen ist gefragt

Im Projekt kommen die Kinder dann für einen Nachmittag pro Woche auf den Bauernhof. Hier lernen sie auf spielerische Weise, was es bedeutet, Verantwortung für Kleintiere wie Hasen oder Hühner zu übernehmen: Füttern, Ställe ausmisten, aber zum Beispiel auch die Tiere im Sommer vor der Hitze zu schützen. Sie lernen, die Körpersprache der Tiere zu verstehen und auf die Tiere zuzugehen, ohne diese zu erschrecken. Aber auch die Wissensvermittlung z. B. über Nutz- oder Zierpflanzen oder Eier verschiedener Vogelarten gehört zum Projekt. Zum Abschluss des Projekts werden die Kinder mit einem Hof-Fest verabschiedet.

Geleitet wird das Bauernhof-Projekt von Petra Flath, einer ausgebildeten Landwirtin, die im Hauptberuf für die Hauswirtschaft in einer der Kleingruppen des St. Josephshauses verantwortlich ist. Aktiv begleitet wird sie dabei von den Pädagoginnen und Pädagogen der Jugendhilfe in Schule.