„Einfach da sein“

Barbara Wehrstein engagiert sich seit 2013 im Ökumenischen Helferkreis Griesheim. Ihre Aufgabe beschreibt sie selbst ganz schlicht: Sie nimmt Anfragen entgegen und bringt die passenden Helferinnen und Helfer mit den Menschen zusammen, die Unterstützung brauchen. Was im ersten Moment organisatorisch klingt, ist in Wirklichkeit eine Aufgabe, bei der es vor allem um Vertrauen, Verantwortung und Menschlichkeit geht.
Angefangen hat alles mit einem Gedanken, der sie bis heute begleitet: „Kirche im Außendienst.“ Für Barbara Wehrstein bedeutet das, nicht nur innerhalb von Kirchenräumen präsent zu sein, sondern mitten im Alltag der Menschen. Dort, wo Hilfe konkret gebraucht wird. Der Helferkreis unterstützt ganz unterschiedliche Menschen – ältere, alleinlebende oder nicht mehr mobile Personen ebenso wie Familien, Kinder oder Geflüchtete. Gerade diese Vielfalt macht für sie den besonderen Wert des Engagements aus: „Ich finde dieses Angebot einfach unglaublich wertvoll.“ Es sind vor allem einzelne Begegnungen, die ihr besonders nahegehen und die lange nachwirken. Eine davon hat sich tief eingeprägt: Gemeinsam mit einer Helferin war sie die Einzige, die eine Frau auf ihrem letzten Weg begleitet hat. „Wir waren die Einzigen bei der Beerdigung“, erzählt sie. Solche Momente machen deutlich, worum es im Kern geht: nicht allein zu sein – weder im Leben noch am Ende.
Vielleicht ist es genau diese persönliche Nähe, die Außenstehende oft überrascht. Denn das Ehrenamt im Helferkreis ist viel mehr als nur praktische Hilfe: Es ist so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Und es lebt davon, dass sich andere mit genauso viel Herz einbringen. „Es tut gut zu sehen, wie gerne Menschen helfen, wenn sie sich gut begleitet fühlen“, sagt Wehrstein. Ihre Erfahrung: Wer sich angenommen fühlt und unterstützt wird, bringt sich mit ganzem Einsatz ein. Viele Helferinnen und Helfer sind im Helferkreis oft alleine unterwegs, dennoch entstehen echte Gemeinschaften unter den Ehrenamtlichen. Bei gemeinsamen Treffen, Ausflügen oder im Austausch miteinander wächst ein Gefühl der Verbundenheit. Besonders wichtig ist dabei auch der geistliche Rahmen: Andachten, Gebet und gemeinsames Singen gehören einfach dazu. „Das gibt uns Kraft und verbindet uns“, erklärt sie. Ihr Glaube prägt dieses Engagement ganz deutlich. Für Wehrstein gehört es dazu, die Helferinnen und Helfer nicht nur organisatorisch vorzubereiten, sondern ihnen auch etwas mitzugeben, das über den Moment hinausträgt. Deshalb bekommen sie vor jedem Einsatz einen Segen. „Wir müssen nicht alles allein schaffen“, sagt sie. „Zu wissen, dass Gott mitgeht, nimmt Druck und macht vieles leichter.“
Dass Ehrenamt heute eine entscheidende Rolle spielt, steht für sie außer Frage. Für sie ist es nicht nur ein „guter Zusatz“, sondern ein wesentlicher Teil davon, wie Kirche und Gesellschaft funktionieren. „Wir gehen dorthin, wo Menschen Zeit, Aufmerksamkeit und Unterstützung brauchen. Genau das ist unser Auftrag“, fasst sie es zusammen. Gleichzeitig weiß sie auch, dass Engagement nicht einfach so entsteht oder bleibt. Wer darüber nachdenkt, sich einzubringen, dem rät sie vor allem eines: „Einfach ausprobieren und neugierig bleiben.“ Doch damit Menschen dabeibleiben, braucht es gute Bedingungen. Begleitung, klare Absprachen und ein wertschätzender Umgang sind aus ihrer Sicht entscheidend. „Wenn Ehrenamtliche sich alleingelassen fühlen oder überfordert sind, geht die Freude schnell verloren.“
Deshalb wünscht sie sich auch mehr Vertrauen und Freiraum im Umgang mit Ehrenamtlichen. „Es ist wichtig, dass man Dinge mitgestalten kann“, sagt sie. Nur so könne aus Engagement etwas entstehen, das alle Beteiligten langfristig motiviert. Ihr Blick in die Zukunft ist dabei nüchtern, aber klar: „Ohne Ehrenamt wird es nicht mehr gehen.“ Umso wichtiger ist es für sie, hinzuschauen, wo Menschen sich einsetzen, und das nicht als selbstverständlich zu nehmen.
Was am Ende bleibt, ist eine einfache, aber kraftvolle Erkenntnis: Oft ist das Wichtigste, was man geben kann, einfach Zeit. Zeit und das Gefühl, gesehen zu werden.