„Singen verbindet“

Einblicke in gelebtes Ehrenamt im Bonifatius Chor Gießen
Seit sieben Jahren engagiert sich Nicole Gerlach im BonifatiusChor in Gießen. Was für manche nur als regelmäßiger Termin im Kalender erscheinen mag, der Flexibilität im Alltag nimmt, ist für sie viel mehr: ein fester Anker in genau diesem Alltag. „Es ist etwas, worauf ich mich jede Woche freue“, erzählt sie. Selbst an Tagen, an denen sie müde oder erschöpft ist, überwiegt die Vorfreude auf das gemeinsame Singen und die Gemeinschaft.
Der Weg in den Chor begann ganz natürlich. Besonders beeindruckt hat sie die Freude und Selbstverständlichkeit, mit der der BonifatiusChor die Gottesdienste begleitet. „Das hat mich angesteckt“, sagt sie rückblickend. Heute ist sie selbst ein Teil davon und gestaltet diese besondere Atmosphäre aktiv mit. Ein Schlüsselmoment auf diesem Weg war ein Satz, den wohl die Meisten schon einmal gehört haben, der für sie aber eine ganz neue Bedeutung bekam: „Wer singt, betet doppelt.“ In diesem Moment wurde ihr klar, dass das gemeinsame Singen weit über Musik hinausgeht. „Es kann sich tatsächlich wie ein intensives Gebet anfühlen“, beschreibt sie ihre Erfahrungen.
Diese besondere Kraft zeigt sich vor allem dann, wenn alles zusammenkommt: Chor, Gemeinde, vielleicht sogar Orchester oder Orgel. Wenn die Stimmen sich verbinden und die Freude am Singen spürbar wird, entsteht etwas, das sich kaum in Worte fassen lässt. „Das gibt ein ganz starkes Gefühl von Gemeinschaft“, sagt sie. Ein Moment, in dem aus vielen Einzelnen ein großes Ganzes wird. Dass sie sich so konsequent engagiert, überrascht manche in ihrem Umfeld. Besonders Menschen, die sie nicht gut kennen, staunen, wenn sie von ihrem Engagement im Chor hören. Noch größer ist die Verwunderung darüber, wie selbstverständlich sie sich jede Woche Zeit dafür nimmt und wie viel Engagement sie gerade vor größeren Auftritten investiert. Für sie selbst ist das jedoch keine Frage: Es gehört einfach dazu. Werte wie Verbindlichkeit, Respekt und gegenseitiges Zuhören spielen dabei eine wichtige Rolle. Weiter über den Chor hinaus. Ebenso zentral ist für sie der Glaube. „Ohne ihn hätte ich diesen Weg wahrscheinlich gar nicht gefunden“, sagt sie.
Über ihr eigenes Engagement hinaus blickt sie auch auf die Bedeutung von Ehrenamt insgesamt. Für sie ist klar: Ehrenamt ist unverzichtbar – nicht nur in der Kirche, sondern auch für die Gesellschaft. „Das Miteinander, das dadurch entsteht, kann man mit Geld nicht messen“, bringt sie es auf den Punkt. Gleichzeitig spricht sie offen über Herausforderungen. Viele Menschen scheuen sich vor langfristigen Verpflichtungen, und oft fehlt die Sichtbarkeit dessen, was Ehrenamt eigentlich bedeutet. Dabei könnte genau das helfen, mehr Menschen zu ermutigen. „Wenn mehr darüber gesprochen würde, würden sich vielleicht auch mehr trauen, selbst aktiv zu werden“, ist sie überzeugt. Wer darüber nachdenkt, sich ehrenamtlich zu engagieren, dem gibt sie einen einfachen, aber ehrlichen Rat: ausprobieren und auf das eigene Gefühl hören. „Es sollte guttun“, sagt sie. Genau deshalb sei es wichtig, rechtzeitig Grenzen zu setzen, wenn die Balance nicht mehr stimmt.