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„Sinn stiften und wachsen“

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Margit Klumpp begleitet Menschen in der JVA Darmstadt und der forensischen Psychiatrie – und hat dabei eine Erkenntnis gemacht, die sie nachhaltig verändert hat: „Ich dachte, ich würde den Menschen etwas geben, und habe gemerkt, dass ich selbst viel mehr zurückbekomme.“ Was sie seit 2014 in der Gefangenenseelsorge antreibt und warum sie ihr Ehrenamt als „Dankeschön an Gott und die Welt“ versteht.
Datum:
27. Mai 2026
Von:
Matthias Makowski

Margit Klumpp über ihr Ehrenamt in der Gefangenenseelsorge

Für Margit Klumpp ist Ehrenamt weit mehr als eine Aufgabe – es ist ein tief persönlicher Weg. „In meiner Tätigkeit sehe ich eine sinnstiftende Aufgabe, die sowohl bei den Menschen als auch bei mir Wachstum und innere Reife fördert“, beschreibt sie ihr Engagement. Seit vielen Jahren engagiert sie sich ehrenamtlich, seit 2014 ganz konkret in der Gefangenenseelsorge im Rahmen der Sozialpastoral. Dabei begleitet sie Menschen in der JVA Darmstadt, in Eberstadt, zeitweise auch in Schwalmstadt sowie in der forensischen Psychiatrie.

Die Grundlagen ihres Engagements liegen in ihrem Glauben und in ihrer Lebenshaltung. Für Margit Klumpp ist klar: Was man für andere tut, ist immer auch Ausdruck des eigenen Glaubens. Sie sieht ihr Ehrenamt als „Dankeschön an Gott und die Welt“ und zugleich als Möglichkeit, die eigenen Fähigkeiten sinnvoll einzusetzen. Dabei schöpft sie aus einem reichen Erfahrungsschatz an Ausbildungen und persönlichen Kompetenzen. Eine prägende Erkenntnis hat sie im Laufe der Zeit besonders bewegt: „Ich dachte lange, ich würde den Menschen etwas geben und habe dann gemerkt, dass ich selbst viel mehr zurückbekomme.“ Dieses Erlebnis hat ihren Blick auf ihr Engagement grundlegend verändert. Denn tatsächlich beschreibt sie ihr Ehrenamt heute als großes Geschenk: Es habe ihr persönliches Wachstum gefördert, innere Reife entstehen lassen und ihr ein tiefes Gefühl von Zufriedenheit und Dankbarkeit geschenkt.

Einen wichtigen Teil davon macht für sie die Begegnung mit anderen Menschen aus. „Der Mensch braucht den Menschen – face to face“, sagt sie. Gemeinschaft entsteht für sie ganz konkret im Gespräch, im Austausch und in der gemeinsamen Arbeit an Themen. Aktuell etwa in der Neustrukturierung des Pastoralraums. Für sie ist klar: Positive Entwicklung ist nur in lebendiger Gemeinschaft möglich. Ihr Engagement ist geprägt von christlichen Werten wie Nächstenliebe, Demut, Bescheidenheit, Dankbarkeit, aber auch von Selbstfürsorge. Ihr Glaube durchzieht dabei ihr gesamtes Leben. „Mein Tun ist Ausdruck meines Glaubens“, sagt sie. Ehrenamt ist für sie kein zusätzlicher Bereich, sondern ein selbstverständlicher Teil davon.

Auch für die Kirche insgesamt sieht sie im Ehrenamt eine zentrale Bedeutung. „Die Menschen bilden die Kirche“, betont sie. Jede und jeder sei eingeladen, sich mit den eigenen Fähigkeiten einzubringen – ganz gleich, in welchem Bereich. Ehrenamt verbindet dabei Haupt- und Ehrenamtliche und macht kirchliches Leben erst lebendig. Gleichzeitig spricht sie offen auch über Herausforderungen. Wo Menschen zusammenarbeiten, entstünden auch Missverständnisse, das sei ganz normal. „Seitens dieser Konflikte kann aber auch Wachstum entstehen“, sagt sie. Entscheidend sei, miteinander im Gespräch zu bleiben. Um mehr Menschen für ein Ehrenamt zu gewinnen, wünscht sie sich vor allem mehr Sichtbarkeit und Klarheit. Aufgabenfelder sollten konkreter benannt werden, damit Menschen besser erkennen können, wo sie sich einbringen können. Auch Unterstützung und gegebenenfalls Aufwandsentschädigungen könnten helfen.

Was ihr dabei besonders wichtig ist: Ehrenamt muss für die Menschen sinnstiftend sein. „Wenn jemand Sinn in einer Aufgabe erkennt, stellt sich die Frage nach dem Warum gar nicht mehr“, sagt sie. Genau darin sieht sie den Schlüssel für Engagement und für eine lebendige Gesellschaft. Mehr Wertschätzung und Begegnung auf Augenhöhe wünscht sie sich im Umgang mit Ehrenamtlichen. Denn oft werde unterschätzt, wie viel Zeit, Kompetenz und auch persönliche Mittel in dieses Engagement fließen. Viele tragen Kosten selbst und investieren viel, ohne dass es selbstverständlich gesehen wird.

Für Margit Klumpp bleibt ihr Ehrenamt daher vor allem eines: ein Weg, sich selbst und anderen zu begegnen, zu wachsen und Sinn zu erfahren – Tag für Tag.