„Wir geben 110 Prozent für den Ort“:Das Gebet geht hier weiter

Der Parkplatz auf dem Jakobsberg ist fast belegt – und das mitten in der Woche. Auf dem Gelände sind einige Gruppen unterwegs. Anja Günther, Referentin für Spiritualität, erklärt beim Gang zur Baustelle, dass man den Belegungsplan für Tagungsgäste angepasst habe. Buchungen von Montag bis Mittwoch oder dann ab Mittwoch werden bevorzugt. Auf diese Weise können mehr Termine gebucht werden, die Auslastung erhöht sich. Auf der Baustelle im alten Kloster kommen Betriebsleiterin Kerstin Offringa und Giovanni LoGiudice dazu. Bei ihm liegt die betriebswirtschaftliche Leitung des Geistlichen Zentrums. Kabel hängen von den Decken, die Massivholztüren sind abgeklebt, genauso der Boden. 18 Zimmer mit eigenen Bädern für Exerzitiengäste entstehen im Haus der Stille.
Seit einem Jahr ist das Kloster Jakobsberg in der Trägerschaft des Bistums Mainz. Das Team des Instituts für Spiritualität hat den Auftrag für die spirituelle und konzeptionelle Weiterentwicklung des Geistlichen Zentrums. Die betriebswirtschaftliche Verantwortung wird von der Geschäftsführung des Seelsorgedezernates und der Betriebsleitung vor Ort getragen.
Vieles hat sich schon getan: Ein Zukunftstag im letzten Herbst war erst der Anfang. Im Mai folgte ein weiterer Austausch zum Zukunftsprozess. Für das Team vor Ort – Anja Günther, Kerstin Offringa und Giovanni LoGiudice – ist es wichtig, das neue Geistliche Zentrum Kloster Jakobsberg weiterhin als Ort der Begegnung zu stärken. „Ziel ist es, dass jeder hierherkommen kann, um den Ort der Stille zu genießen. Mit neuen Kontaktpunkten wollen wir zeigen, was Kirche alles kann“, sagt LoGiudice.
Betriebsleiterin Offringa verweist auf die drei Säulen des Betriebs: das Jugendhaus, Fortbildungsangebote aus dem Bistum und von externen Anbietern sowie Angebote rund um Exerzitien. Auf Letzteres soll insbesondere das Haus der Stille einzahlen. Offringa hofft hier auch auf Verständnis in der Umbauphase: „Da wird es bestimmt hier und da mal ein bisschen lauter sein oder Staub durch die Gebäude ziehen.“ Der Umbau erfolgt im laufenden Betrieb. Ist das erste Haus fertig, startet die Modernisierung in den weiteren Häusern. Wie umfangreich die Baumaßnahmen sind, kann man im Bautagebuch auf der Homepage mitverfolgen, erklärt die Betriebsleiterin. Im Haus St. Florian soll ein multifunktionaler Raum für Tagungen, Feierlichkeiten oder beispielsweise Wallfahrtsverköstigung entstehen. Auch in der Kirche wird es Veränderungen geben: Die Marienfigur wurde bereits umgesetzt, der Ambo wird einen neuen Platz bekommen. 2029 soll alles fertig sein.
Um die Herausforderungen stemmen zu können, bedarf es jedoch auch Personal, sagt Giovanni LoGiudice. In Zeiten des Fachkräftemangels nicht immer so einfach. Und auch die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sei noch ausbaufähig. Momentan kommt der Bus einmal in der Stunde. Aktuell gibt es 26 Mitarbeitende für Empfang, Küche, Service, Haustechnik, Reinigung, Belegung und Buchhaltung. Kerstin Offringa freut sich: „Wir haben jetzt eine Konditorin, die beispielsweise die Kaffeepausen der Tagungsgäste bestückt. Das wächst jetzt. Das ist alles im Prozess.“ Dazu passt gut, dass es die Idee von der Zukunftswerkstatt gibt, den Klosterladen in ein Café umzuwandeln. Dort könnten auch Spaziergänger, Wanderer oder Pilger auf dem Jakobsweg einkehren.
„Wir geben 110 Prozent für den Ort“
Für Referentin Anja Günther ist es wichtig, dass die Menschen das Engagement wahrnehmen, dass es mit dem Kloster Jakobsberg nicht nur weitergeht wie bisher: „Wir wollen den Ort mit neuer Energie beleben, damit hier etwas sein kann.“ Kerstin Offringa betont: „Wir geben 110 Prozent für den Ort.“
Die Modernisierung ist ein Teil der Veränderung. Ein weiterer das inhaltliche Angebot. Neu ist die „Gesprächsbank“ – eine Sitzbank ist an wechselnden Stellen auf dem Gelände zu finden. An festen Terminen kann der Besucher mit einer haupt- oder ehrenamtlichen Seelsorgerin, einem Seelsorger ins Gespräch kommen. Seit dem letzten Jahr gibt es das Klanggebet, den Abend in Stille und den Kost-Bar-Gottesdienst. Das Kloster Jakobsberg bleibt ein Ort des Gebets, betont Anja Günther: „Das Gebet geht hier weiter.“ Es gebe Gebetssteine vor der Osterkerze in der Kirche. „Es gibt die Erinnerungswiese für krebskranke Kinder. Dort können Familien einen Baum oder eine Weinrebe für ihr verstorbenes Kind pflanzen. Den Ort nutzen viele zum Beten. Es ist ein Kraftort.“ Die Wallfahrten auf dem Jakobsberg werden von der Pfarrei St. Maria Magdalena Ingelheim mit Unterstützung des Klosterteams ausgerichtet, so dass auch hier das Gebet weitergeht.
Wenn die Umbaumaßnahmen 2029 abgeschlossen sind, werden insgesamt etwa 60 Zimmer zur Verfügung stehen. So ist geplant, verstärkt Einzelgäste anzusprechen, erklärt Kerstin Offringa. Als Geistliches Zentrum sei man zwar kein normales Hotel. Doch könne es für Touristen schön sein, Zeit in einem Kloster zu verbringen. Bereits jetzt ist das Kloster auf dem Portal stillefinden.org buchbar.
Auf dem Jakobsberg verändert sich gerade einiges. Doch er bleibt, was er ist – ein Ort der Stille, ein Ort der Begegnung, ein Kraftort.
Zur Sache
Auf dem Jakobsberg lebten und wirkten verschiedene Orden – zuletzt bis 2023 die Missionsbenediktiner der Erzabtei St. Ottilien und die benediktinischen Schwestern vom Eucharistischen König von den Philippinen. Hatte das Bistum schon lange die Trägerschaft des Jakobsberg wirtschaftlich unterstützt, übernahm es zum 1. Juli 2025 die alleinige Verantwortung für das neue Geistliche Zentrum im Bistum Mainz.
Termin Tipp: 23. August, 15 bis 18 Uhr: Offenes Haus mit Führungen durch die Baustelle, spirituellen und kulinarischen Angeboten.