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Einmal im Monat schreibt Bischof Kohlgraf die Kolumne „Perspektiven“ für das Magazin „Glaube und Leben“.:Perspektiven| Dienst für Gott und die Menschen ohne Verzagtheit fortsetzen

Bischof Peter Kohlgraf
Wenn Christsein auch etwas mit einer Gottes- und Christusbeziehung zu tun hat, wird keine Partei die Glaubensgemeinschaft ersetzen können.
Datum:
Mo. 7. Sept. 2026
Von:
Bischof Peter Kohlgraf

Die AfD in Sachsen-Anhalt ist die klare Wahlsiegerin der Landtagswahl vom 6. September. Wirklich überraschend war das Ergebnis wohl nicht. Rund 44 Prozent der Menschen haben sich für eine Partei ausgesprochen, die für völkischen Nationalismus steht, immer wieder durch menschenverachtende Parolen aufgefallen ist und sich durch Sympathien für Kriegstreiber und Autokraten auszeichnet.

Zunächst möchte ich der Minderheit der katholischen Christinnen und Christen und vor allem Bischof Gerhard Feige meinen Respekt für das mutige Einstehen für die Würde aller Menschen und die gemeinsame Verantwortung für den Erhalt der Demokratie aussprechen. Ich wünsche der Kirche in diesem Bundesland die innere Kraft, ihren Dienst für Gott und die Menschen ohne Verzagtheit fortzusetzen. Wenn die religionspolitische Sprecherin der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag am Abend der Wahl dem Bischof von Magdeburg Zeitgeistigkeit und mangelnde Liebe zum Vaterland vorwirft, ist dies ein Hohn angesichts der Tatsache, dass sich diese Fraktion kritiklos zu Russland bekennt, das zunehmend auch hierzulande als Bedrohung wahrgenommen wird. Gerade seitens der AfD kommt immer wieder der Vorwurf, die Kirche mische sich zu sehr in die Politik ein. Dies und andere Begründungen nimmt die Partei zum Anlass, die Kirchenfinanzierung insgesamt infrage zu stellen. Das betrifft im Übrigen auch das Bistum Mainz. Im Jahr 2025 hat die Stadtratsfraktion in Mainz das Bistum auf eine Liste nicht mehr förderungswürdiger, vermeintlich linksradikaler Organisationen gesetzt. Institutionen, die der Parteilinie nicht entsprechen, sollen ausgehungert werden.

Auf der anderen Seite beansprucht die AfD, die eigentlich christlichen Themen zu vertreten: Lebensschutz, die Anerkennung zweier Geschlechter, die Förderung der Familie, den Kampf gegen die Frühsexualisierung von Kindern an den Schulen, den Erhalt der christlich-abendländischen Kultur sowie den Einsatz gegen die Christenverfolgung weltweit. Entscheidend wäre ein Bekenntnis der Partei zu der Frage, ob die genannten Menschenrechte gleichermaßen für alle gelten. Reden und Stellungnahmen scheinen mir doch klar dagegen zu sprechen.

Was ist eine christlich-abendländische Kultur? Sicher keine Bewegung, die Vielfalt zerstört. Dass eine Partei in einem Bundesland mit knapp 14 Prozent Christinnen und Christen und 86 Prozent Menschen ohne Bekenntnis die Deutungshoheit darüber beansprucht, was christlich ist, scheint mir abwegig. Wenn Christsein auch etwas mit einer Gottes- und Christusbeziehung zu tun hat, wird keine Partei die Glaubensgemeinschaft ersetzen können. Als Bischof von Mainz kann ich jedenfalls sagen: Wir werden unsere Arbeit fortsetzen – zur Ehre Gottes und in der Liebe zu allen Menschen.