Einmal im Monat schreibt Bischof Kohlgraf die Kolumne „Perspektiven“ für das Magazin „Glaube und Leben“.:Perspektiven| Kinder sind ein Geschenk Gottes

Vor kurzem wurde im Zusammenhang mit dem damaligen CDU-Fraktionsvorsitzenden Jens Spahn intensiv über Leihmutterschaft und eine damit zusammenhängende Doppelmoral diskutiert. Unabhängig von diesem konkreten Fall ist die Position der katholischen Kirche zur Leihmutterschaft eindeutig. Bischof Stefan Oster gehörte zu den ersten kirchlichen Vertretern, die sich zu dem Fall äußerten. Inhaltlich kann ich seiner grundsätzlichen Bewertung der Leihmutterschaft weitgehend zustimmen. Der Rücktritt Jens Spahns war nur eine Frage der Zeit. Die wesentlichen ethischen, rechtlichen und gesellschaftspolitischen Fragen wurden dabei aber auch ohne weitere kirchliche Stellungnahmen breit verhandelt.
Aus verschiedenen Gründen habe ich mir daher mit meiner Positionierung etwas Zeit gelassen. Es hat einen gewissen Beigeschmack, eine derartige Debatte zu nutzen, um Vorbehalte gegen eine einzelne Person als Instrument einzusetzen. Gerade an dem folgenden Sonntag wurde das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen verlesen, das davor warnt, ein zu schnelles Urteil über einen einzelnen Menschen zu fällen. Mich hat tatsächlich das Wort Jesu beschäftigt, den Balken im eigenen Auge nicht zu übersehen, sondern nur den Splitter im Auge des Anderen zu kommentieren.
Dennoch halte ich das Thema der Leihmutterschaft für ein zentrales Problem. Es gibt kein Recht auf ein Kind. Kinder sind kein Besitz und keine Verfügbarkeit des Menschen, sondern ein Geschenk Gottes, das in Liebe empfangen und mit Verantwortung begleitet werden will. Kinder werden im Zusammenhang der Leihmutterschaft zu einem wirtschaftlichen Produkt. Später werden sie womöglich nach ihren Eltern und nach ihrer Herkunft fragen. Die Frage, was es für einen Menschen bedeutet, wenn die Entstehung seines Lebens mit einem Vertrag und möglicherweise auch mit wirtschaftlichen Interessen verbunden war, ist nicht banal. Kinder haben ein Recht darauf, ihre Herkunft zu kennen und die eigenen leiblichen Wurzeln nachvollziehen zu können.
Auch die Rolle der Frau ist problematisch: Ihr Körper droht zum Mittel wirtschaftlicher Interessen zu werden. Die Kirche verweist in diesem Zusammenhang auf die Gefahr eines neuen Kolonialismus. Wohlhabende Menschen können sich eine derartige Geburt leisten. Eine besondere ethische Herausforderung liegt darin, dass wirtschaftliche Notlagen und soziale Ungleichheiten dazu führen können, dass Frauen sich aus finanzieller Abhängigkeit heraus auf eine Leihmutterschaft einlassen.
Ich halte das Verbot der Leihmutterschaft in Deutschland für richtig. Das Beispiel von Jens Spahn und seinem Partner hat eine wichtige Diskussion entfacht. Dass sich viele Menschen gegen Leihmutterschaft positioniert haben, kann ein hoffnungsvolles Signal sein.
// + Peter Kohlgraf