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Einmal im Monat schreibt Bischof Kohlgraf die Kolumne „Perspektiven“ für das Magazin „Glaube und Leben“.:Perspektiven| Strahlkraft bis heute

Bischof Peter Kohlgraf
Als Bonifatius vor vielen Jahrhunderten in Dokkum den gewaltsamen Tod starb, konnte man sagen, dass seine Mission bei den Friesen gescheitert war. Bei meinem Besuch in Dokkum wurde mir jedoch klar, dass manche Früchte seines Wirkens erst heute aufgehen und geerntet werden. Menschen lassen sich von seinem Glaubenszeugnis ermutigen und inspirieren.
Datum:
Do. 18. Juni 2026
Von:
Bischof Peter Kohlgraf

In diesem Jahr durfte ich das Bonifatiusfest in Dokkum (Niederlande) mitfeiern. Im Jahr 754 nach Christi hat Bonifatius dort sein Martyrium erlitten. Es ist genau 100 Jahre her, dass Bischof Ludwig Maria Hugo von Mainz in Dokkum bei den entsprechenden Feierlichkeiten anwesend war. Ich habe am Ende des Gottesdienstes gesagt, dass es nicht wieder so lange dauern dürfe, bis der Bischof von Mainz an diesem Ort zu Gast sein würde. Von der Glaubensfreude der anwesenden Gläubigen war ich sehr berührt. Auch aus dem Bistum Fulda, wo das Grab des Heiligen verehrt wird, waren Pilgerinnen und Pilger anwesend, darunter auch einige Jugendliche.

Ein Besuch lohnt sich in jedem Fall, und die Herzlichkeit der Niederländer hat tatsächlich Brücken gebaut. Dem jetzigen Bischof von Groningen-Leeuwarden, Ronald Cornelissen, bin ich für seine Gastfreundschaft und die guten persönlichen Gespräche sehr dankbar. Die katholische Kirche befindet sich im Norden der Niederlande in einer Minderheitensituation. Ich habe die Gläubigen dort jedoch nicht verzagt oder frustriert erlebt. In Dokkum kamen sie aus allen Teilen des Landes als Gemeinschaft zusammen, die ihren Glauben freudig und selbstbewusst lebt. Auch wenn Vergleiche aufgrund unterschiedlicher Rahmenbedingungen stets mit Vorsicht zu betrachten sind, spielen selbstverständlich auch hier materielle und personelle Ressourcen eine entscheidende Rolle. Die Gläubigen richten ihren Blick jedoch nicht allein auf die Schwierigkeiten, sondern nehmen auch die kleinen Aufbrüche wahr und freuen sich über sie als Gaben des Heiligen Geistes.

Als Bonifatius vor vielen Jahrhunderten in Dokkum den gewaltsamen Tod starb, konnte man sagen, dass seine Mission bei den Friesen gescheitert war. Bei meinem Besuch in Dokkum wurde mir jedoch klar, dass manche Früchte seines Wirkens erst heute aufgehen und geerntet werden. Menschen lassen sich von seinem Glaubenszeugnis ermutigen und inspirieren. Sie betrachten ihn nicht nur als historische Persönlichkeit, die irgendwann einmal von Bedeutung war. Offensichtlich strahlt sein Glaubenszeugnis über viele Jahrhunderte hinweg. Der Glaube der Menschen in den Niederlanden, der sich am heiligen Bonifatius orientiert, verbindet Gläubige vielerorts.

Das Bonifatiusfest war für mich ein Tag der Hoffnung. Wenn wir uns auf die zentralen Aussagen des Evangeliums besinnen, haben wir Zukunft und Kraft. Dabei hat auch Bonifatius seinerzeit die strukturellen Fragen nicht gering geschätzt, diese müssen wir weiter bearbeiten, so anstrengend dies auch sein mag. Der Blick auf diesen großen Bischof möge uns Mut machen für unseren Auftrag, Kirche zu gestalten und Zeugnis für das Evangelium Jesu Christi zu geben.

// + Peter Kohlgraf