Predigt von Bischof Peter Kohlgraf :Vesper mit Einführung und Verabschiedung der Domkapitulare

Indem der Bischof in Mainz Inhaber eines „Heiligen Stuhls“ ist, erinnert er an die Heiligkeit seiner Diözese und lädt die Gläubigen ein, selbst zu Heiligen zu werden. Zudem stehen wir in einer engen Beziehung zum Heiligen Stuhl in Rom, dem Nachfolger Petri. Lange Zeit war der Mainzer Dom neben der geistlichen Bedeutung auch ein Sinnbild weltlicher Macht. Hier wurden Könige „gemacht“ und Weltpolitik geschrieben. Das Domkapitel hat in den verschiedenen Epochen hieran erheblichen Anteil gehabt, manchmal mehr als der Bischof selbst. Die Domkapitel gehen auf das gemeinsame Leben des Presbyteriums mit dem Bischof in den frühen Jahrhunderten der Kirche zurück.
Jesus hat seine Mission nicht als Idee für Einzelkämpfer verstanden. Er hat seine Jünger zu zweit ausgesandt und auch das Zwölfer-Kollegium der Apostel war eine Gemeinschaft, die mit Jesus unterwegs war. Sie sind bei ihm in die Schule gegangen und haben bei ihm gelernt, was es bedeutet, dem Reich Gottes den Weg zu bereiten. Bis heute sind Menschen unterwegs, um im Namen Jesu das Evangelium zu verkünden. Als Priester, als Haupt- und Ehrenamtliche, als Eltern, als Lehrerinnen und Lehrer und an vielen anderen Stellen.
Auch in der Aufgabe eines Priesters ist es gut, wenn der Priester in Gemeinschaft seinen Dienst tut und in Gemeinschaft das Evangelium verkündet. Ein besonderes Gremium, das den Bischof in seiner Aufgabe unterstützt, ist das Domkapitel.
Die Kapitulare haben neben der Administration den geistlichen Auftrag zu Gebet und Gottesdienst, sie sollen die Menschen in der Diözese mit dem Bischof zusammen ermutigen, zu Heiligen zu werden, als Jüngerinnen und Jünger Christi zu leben. Daher ist die Aufgabe des Kapitulars mehr als nur Repräsentation. Wir müssen uns jeden Tag ermuntern, auch untereinander einen Stil zu pflegen, der diesem geistlichen Anspruch gerecht wird. Aus diesem Geist heraus können wir leiten. Nur im Geist des Dienens an den Menschen im Bistum, nicht in der Selbstverwirklichung, kann heute noch der Sinn eines Domkapitels liegen.
Neben den Kapitularen nehmen andere Priester im sogenannten Domstift die Aufgabe wahr, Seelsorge am Dom zu fördern. Die Dompräpendaten helfen insbesondere mit, das gottesdienstliche Angebot zu unterstützen. In überzeugender Weise hat dies in den letzten Jahren Pfr. Gerold Reinbott neben anderen Aufgaben gewährleistet. Er hat dies in einer bescheidenen, zurückhaltenden Weise getan, die einem Priester gut zu Gesicht steht. Jetzt wird er hinsichtlich dieser Aufgabe in den Ruhestand verabschiedet. Ich danke Ihnen, lieber Pfr. Reinbott, sehr herzlich für Ihre Mitarbeit und Ihre Dienste an vielen Orten im Bistum, heute aber besonders für die Dienste hier am Mainzer Dom. Auch wenn Sie in den Ruhestand gehen, freuen wir uns, wenn Sie hier weiterhin eine Stätte priesterlichen Dienstes sehen.
Seit seiner Weihe zum Weihbischof in der Diözese Mainz ist Weihbischof P. Joshy Pottackal Mitglied des Domkapitels. Da er sein Bischofskreuz trägt und im Zusammenhang seiner Weihe seinen Sitz im Domkapitel eingenommen hat, muss er nicht eigens eingeführt werden. Ich freue mich aber, dass er als bischöflicher Mitbruder auch in diesem Bereich Anteil an der Leitung des Bistums Mainz hat. Derzeit weilt er in seiner ursprünglichen Heimat Indien, wir grüßen ihn von dieser Stelle aus sehr herzlich.
Als neuer Domkapitular wird Pfr. apl. Prof. Dr. Tonke Dennebaum eingeführt. Ich begrüße ihn, seine Familie und seine Wegbegleiter sehr herzlich. Er ist dem Mainzer Dom und dem Bistum nicht nur qua Amt verbunden. Man kann wohl sagen, dass er mit Leib und Seele Mainzer ist. Er ist ein engagierter Priester unseres Bistums, wozu seine Stellen als Bischofskaplan, als Regens und heute als Leiter des Kommissariats der Katholischen Bischöfe im Lande Hessen gehören. Immer war er engagiert als Seelsorger in Gemeinden unseres Bistums. Seine wissenschaftliche Qualifikation zeigen Doktortitel und die Professur. Hier ist nicht der Ort, detailliert seine wissenschaftlichen Schwerpunkte zu benennen, aber eine derartige Kompetenz qualifiziert ihn natürlich auch zur Beteiligung am Leitungsdienst in der Diözese. Lieber Herr Prof. Dennebaum, ich freue mich auf die gemeinsamen Wege. Durch diese Berufung werden wir noch enger verbunden, und dafür bitten wir alle um den Segen Gottes. Mögen wir gemeinsam immer mehr an der Verwirklichung des Reiches Gottes arbeiten.