"Nach dem Frost, nach der Dunkelheit und Nacht des Winters blüht die Erde neu. Die ganze Schöpfung wird ein Hinweis auf Gott, seine Nähe, seine Liebe und Gegenwart. "

Predigt von Bischof Peter Kohlgraf beim Pontifikalamt am Hochfest Auferstehung des Herrn Dom zu Mainz, Ostersonntag, 4. April 2021, 10.00 Uhr

Mainzer Dom Frühling (c) Bistum Mainz / BNichtweiß
Mainzer Dom Frühling
Datum:
So. 4. Apr. 2021
Von:
Bischof Peter Kohlgraf

Die Auferstehung Jesu hat unsere Welt verändert. Das Dunkel des Todes ist nicht mehr die alles bestimmende Wirklichkeit. Auch wir werden auferstehen, wir haben eine Hoffnung über den Tod hinaus. Wir brauchen Hilfen, um verstehen zu können, was Ostern bedeutet. Die Kirche hat, wie auch bereits das Judentum, die Schöpfung zu Hilfe genommen. In der Schöpfung können wir als glaubende Menschen wie in einem Buch lesen. Sie spricht vom Gott des Lebens. Die Schöpfung ist voller Wunder des Lebens.

Unsere christlichen Feste sind oft mit den Rhythmen der Schöpfung verbunden. Zu diesen Symbolen und Zeichen, die uns das Osterfest besser verstehen helfen, gehört der Termin des Osterfestes. Der Glaube an den einen Gott entsteht nicht in den Städten, sondern in der Wüste, wo sich Himmel und Erde berühren, bei wandernden Menschen, denen Gott ein ständiger Wegbegleiter ist, dem sie in ihren Erfahrungen und in ihren Zeitabläufen begegnen. Uns ist als modernen Menschen das Gespür für die Jahreszeiten und ihre Symbolik weitgehend verloren gegangen.

Wir feiern Ostern jedes Jahr am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond. Die Sonne ist ein uraltes Symbol des Lebens. Der Mond gilt in vielen Religionen als Bild des Todes, der Nacht. Im Sonntag nach dem Frühlingsvollmond kommen beide Symbole zusammen. Das Leben siegt über den Tod. Die Sonne strahlt und verwandelt die Erde, verwandelt das menschliche Leben. Der Tod ist vom Leben besiegt. Die Sonne wird zum Bild Christi, der das Leben gebracht hat.

In den ersten christlichen Jahrhunderten lebten Christen in einer Gesellschaft, die sehr stark geprägt war vom Glauben an die Sterne und die Sternbilder. Ostern liegt im Sternzeichen des Widders, und die frühen Christen haben darin einen Hinweis auf Christus gesehen: So wie Gott dem Abraham einen Widder zuführt, der anstelle Isaaks geopfert werden soll, so ist Christus das Opfer, das Gott sich selbst erwählt (vgl. Gen 22,13). Christus nimmt die Sünde der Welt hinweg.

Für uns liegt Ostern im Frühling, am Ende des Winters. Auch das ist ein Bild für das, was Christen an Ostern feiern. Nach dem Frost, nach der Dunkelheit und Nacht des Winters blüht die Erde neu. Die ganze Schöpfung wird ein Hinweis auf Gott, seine Nähe, seine Liebe und Gegenwart.

In einem Osterlied von Friedrich Spee, das auch im Gotteslob steht, wird dies besonders schön besungen (GL 332 „Die ganze Welt, Herr Jesu Christ“). Es heißt dort ab der dritten Strophe:

 

  1. Jetzt grünet, was nur grünen kann,
    Halleluja, Halleluja,
    die Bäum zu blühen fangen an.
  2. Es singen jetzt die Vögel all,
    Halleluja, Halleluja,
    jetzt singt und klingt die Nachtigall.

  3. Der Sonnenschein jetzt kommt herein,
    Halleluja, Halleluja,
    und gibt der Welt ein' neuen Schein.

Der Dichter dieses Liedes lernt zum einen, die schönen Dinge der Schöpfung und des Lebens als Hinweis auf die Nähe Gottes zu sehen. Das Licht, die Sonne, die Pflanzen und Tiere verweisen auf die lebenspendende Macht Gottes. Die größte Hoffnung in einer oft dunklen Welt liegt für ihn aber in der Freundschaft zu Jesus, der wahren Sonne des Lebens. Wo er hinkommt, beginnt die Erde zu blühen, hört der glaubende Mensch Musik und erlebt die Schönheit. Darin sieht der Dichter Friedrich Spee dann auch seine Aufgabe: Im Licht Christi die Welt zum Blühen zu bringen.

Wenn wir Christus, die Sonne in uns tragen, haben wir den Weg, die Wahrheit und das Leben in uns. Die Auferstehung Jesu hat unsere ganze Welt zum Leuchten gebracht. Unsere verwundeten Seelen brauchen gerade in diesen Wochen und Monaten diese Sonne, das Aufblühen, den Glauben an neues Leben und eine Zukunft im Licht.

Ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes Osterfest!

 

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