Schmuckband Rad
2016_Predigtkopf
Liebe Heimatgemeinde,
liebe Schwestern und Brüder,

50 Jahre Kirche hier in Bad Nauheim-Schwalheim. Die Initiative ging - soweit ich das noch weiß - auf Pfr. Dr. Lutz zurück. Ein Haus stand zum Verkauf und die Idee war, eine kleine Kirche anzubauen. Sie wurde ja nach der Vollendung scherzhaft "Garage" genannt.
Unser Papst hat als Erzbischof von Buenos Aires einmal in einem Interview gesagt: "Meinen Geistlichen habe ich gesagt: Tut eure Pflicht; die Aufgaben eures Amtes kennt ihr ja, übernehmt eure Verantwortung und lasst dann die Türen offen. Unsere Religionssoziologen sagen uns, dass sich der Einfluss einer Pfarrei auf einen Umkreis von 600 m erstreckt. In Buenos Aires liegen zwischen einer Pfarrei und der nächsten ca. 2000 m. Ich habe den Geistlichen damals gesagt: Wenn Ihr könnt, mietet eine Garage, und wenn ihr den einen oder anderen disponiblen Laien auftreiben könnt, dann lasst ihn nur machen! Er soll sich um diese Leute hier kümmern, ein bisschen Katechese machen, ja, auch die Kommunion spenden, wenn er darum gebeten wird. Ein Pfarrer entgegnete mir: Aber Pater, wenn wir das tun, kommen die Leute nicht mehr in die Kirche! Na und?, meinte ich nur. Kommen sie denn jetzt zur Messe? Nein, musste er zugeben."
50 Jahre Kirche Schwalheim. Unser Blick muss zurückgehen und nach vorn. Indem wir unsere Herkunft wahrnehmen, dienen wir der Zukunft. Diese Kirche soll uns heute den Anstoß geben, den Auftrag unserer Kirche auf die Zukunft hin neu wahrzunehmen.
Was macht diese Kirche eigentlich so kostbar?
Manche Dinge, die wir besitzen, sind kostbar, weil sie viel gekostet haben: das Auto, das Haus, die Wohnungseinrichtung ...
Andererseits gibt es Kostbarkeiten, die mit Geld nicht zu bezahlen sind: ein Ring, von der Mutter oder Großmutter ererbt, von Generation zu Generation weitergegeben, ist unbezahlbar. Es ist ja nicht nur der Stein, der ihn kostbar macht. Es hängt viel mehr daran: eine Lebens- und Familiengeschiehte; der unersetzliche Wert von Menschen, die ihn getragen haben.
So ist es auch mit dieser Kirche. Es ist nicht der Nutzwert, der sie kostbar macht.
Diese Kirche, ein Ort der Eucharistie, der Anbetung und der Stille, erscheint für mich wie der Mittelpunkt einer in Gott geordneten Welt. Es ist ein Vorentwurf dessen, was wir in der Lesung gehört haben: Die himmlische Gottesstadt verbindet sich mit unserer Welt zu einem neuen Himmel und zu einer neuen Erde. "Haus Gottes unter den Menschen".
Diese Kirche, jenseits menschlicher Zwecke und Nützlichkeitserwägungen zur Ehre Gottes gebaut und zum Heil der Menschen, erweist sich gerade so als überaus menschenfreundlich.
Wo wir Menschen gegen alles Kalkül Gott Raum lassen, da können wir frei atmen, da können wir uns selbst finden.
Die Vision einer in Gott geordneten Menschenwelt lässt uns erkennen, wo wir eine Bleibe haben.
Diese Kirche ist nicht ein Haus wie andere Häuser hier in Schwalheim. Es ist das Haus Gottes unter uns Menschen. Es ist kein kirchlicher Privatbesitz. Kein Refugium für Weltflüchtige. Diese Kirche ist ein öffentliches Haus.
Haus - ist ja mehr als eine Ansammlung von Steinen oder Beton.
Haus - ist für mich immer Ausdruck von Geborgenheit.
Unser Lebensraum ist doch festgefügt: Vier Wände, Boden unter den Füßen - nicht nur aus Holz und Stein - sondern überhaupt. Ein Dach über dem Kopf: Wir ragen nicht ins Leere.
Haus ist ein Stück Erfüllung der alten Sehnsucht von uns Menschen: endlich daheim zu sein.
Es ist die Antwort auf die Frage: Wo gehöre ich hin? - Wo kann ich bleiben?
Die Antwort, die diese Kirche gibt, bleibt aber nicht auf den privaten Bereich der eigenen Existenz beschränkt. Die Antwort betrifft auch unsere Welt.
Weil die Welt Gottes gute Schöpfung ist, weist sie in allen Schöpfungsbereichen über sich selbst hinaus auf ihren Schöpfer hin.
So weitet sich das "Haus Gottes" auf das "Weltenhaus" hin aus. - Das Weltenhaus als Haus Gottes - ob wir uns dieser Wahrheit unseres Glaubens heute auf anderen Wegen nähern?
Wir denken ja über die Wohnkultur im Weltenhaus nach, über eine Wohnkultur, die allen Menschen in Nord und Süd, in Ost und West Raum lässt und darauf achtet, dass das Haus selbst nicht zu Bruch geht.