Schmuckband Rad

Gemeinsam, betend durch die Krise

Katholische Kirchen im Kreis Offenbach beten örtlich getrennt und doch gemeinsam

Gemeinsam glauben (c) Carola Simon
Gemeinsam glauben
Fr 20. Mär 2020
Dietmar Thiel

Wir wollen als Kirchen im Kreis Offenbach ein Zeichen gegen die Isolation und für die Gemeinschaft setzen. Wir laden ein zum Gebet!

In Zeiten, in denen wir soziale Kontakte vermeiden müssen und keine gemeinsamen Gottesdienste mehr feiern können, laden wir dennoch zum gemeinsamen Beten ein! Auch wenn wir örtlich getrennt sind, können wir gemeinsam beten.

Gottesdienste fallen aus, wir sollen soziale Kontakte meiden, Großeltern sehen sicherheitshalber ihre Enkel nicht. Menschen isolieren sich und ziehen sich zurück, um andere nicht zu gefährden oder sich selbst zu schützen. Für uns Christen ist der Gemeinschaftsaspekt im Glauben ein zentrales Element. Wir wissen, dass „wo zwei oder drei in meinem Namen zusammen sind“, Christus unter uns ist. Und jetzt…. Corona, Angst, Unsicherheit und letztlich für viele auch Einsamkeit.

Daher wollen wir ab dem 20.März 2020 örtlich getrennt und dennoch gemeinsam, jeden Tag, wenn um 18.00 Uhr die Kirchenglocken läuten, beten.

Traditionell wird zu diesem Zeitpunkt im katholischen Raum das „Angelus“ und im evangelischen Raum das Vaterunser gebetet. Hieran möchten wir anknüpfen und das               -Gemeinsames Gebet in der Krise- mit einbinden. Sie dürfen sich, wenn es nicht der Sprache Ihres Herzens entspricht jedoch gerne auf das andere Gebet beschränken. Ebenso können Sie statt des Angelus auch das Vaterunser beten. Jene, die das Angelus beten, beten im Anschluss daran „Mein Gott, ich bin hier…“. Andere beten nur dieses Gebet oder ergänzen es um das Vaterunser. „Mein Gott, ich bin hier“ will uns in der jetzigen Situation miteinander verbinden im Gebet auch füreinander und für jene, um die wir uns sorgen.

Im Moment nehmen an der Aktion das Dekanat Dreieich, Rodgau, Seligenstadt und Alsfeld teil. Weitere werden aller Voraussicht nachfolgen. Unsere Evangelischen Nachbardekanate werden informiert. Wer mitmachen will, ist herzlich eingeladen.

Auch, wenn wir einander nicht sehen, sollen Sie wissen: wir denken an Sie und sie sind nicht allein. Wir wünschen Ihnen, dass Sie und alle, die zu Ihnen gehören gut durch diese Zeit der Krise kommen und dass wir uns später, wenn es wieder möglich ist, wiedersehen.

Wir freuen uns, wenn Sie mit in unserer Gebetsgemeinschaft dabei sind!

Der Engel des Herrn (Angelus)

Der Engel des Herrn
brachte Maria die Botschaft.
- Und sie empfing vom Heiligen Geist.

Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus. Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.

Maria sprach: 
Siehe, ich bin die Magd des Herrn.
- Mir geschehe nach deinem Wort.

Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus. Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.

Und das Wort ist Fleisch geworden.
- Und hat unter uns gewohnt.

Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus. Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.

Bitte für uns, heilige Gottesmutter.
Dass wir würdig werden
der Verheißungen Christi.

Lasset uns beten.

Allmächtiger Gott, gieße deine Gnade in unsere Herzen ein. Durch die Botschaft des Engels haben wir die Menschwerdung Christi, deines Sohnes, erkannt. Führe uns durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung. Darum bitten wir durch Christus, unsern Herrn. Amen.

Gemeinsames Gebet in der Krise

Mein Gott, ich bin hier.

Viele, die meinem Herzen nah sind, sind jetzt fern.

Gewohntes und liebgewonnenes ist nicht möglich.

Ich sorge mich um das, was um mich herum geschieht.

Ich sorge mich um Menschen, die ich liebe und auch um Menschen,

deren Namen ich nicht einmal kenne.

 

Du hast die Welt und ihre Natur gut geschaffen.

Sie schenkt uns alles, was wir täglich brauchen.

Sie birgt jedoch auch Gefahren und Tod.

Du hast auch uns Menschen geschaffen,

fähig zu Liebe und Mitgefühl,

Mut und der Sehnsucht, gemeinsam diese Welt zu gestalten.

 

Ich bete für jene, die krank sind,

für jene, die alleine sind und isoliert.

Ich bete, dass du an der Seite derer bist,

die jetzt deine Hilfe und Kraft brauchen,

dass dein „Stecken und Stab“ ihnen wie im Psalm (23) Zuversicht verheißt.

Ich bete für jene, die sich um einen lieben Menschen sorgen

Und auch für jene, die mit all ihrem Wissen und ihrer Kunst

im Einsatz sind, um für das Leben einzustehen.

 

Für alle diese Menschen bitte ich um deinen Segen.

Segne du auch mich, damit wir alle diese Tage überstehen.

 

Gebetstext: Carola Rebecca Simon, Dekanatsreferentin Dreieich

 

Ich ging am Samstagabend auf einer meiner üblichen Runden spazieren und war außerhalb der Ortschaft. Am Tag zuvor kam die Anweisung, dass keine gemeinsamen Gottesdienste gefeiert werden dürfen. In einem Gespräch spürte ich den Schock, den dieser weitreichende Schritt für einen Mitchristen auslöste. Für die Menschen entsteht eine Lücke. Vertrautes wird erstmal ausgesetzt. Und diese Lücke sollte mit einer Alternative gefüllt werden. Auf dem Rückweg des besagten Spaziergangs hörte ich das abendliche Läuten der Kirche, die in Hörweite lag. Es war ein schönes und tröstliches Gefühl, jene Glocken zu hören, die seit Jahrhunderten zu traurigen und freudigen Ereignissen begleiten und zum Gebet rufen.

Ich wusste, dass ich nicht alleine bin und auf dem Rückweg entstand die oben beschriebene Idee und erste Zeilen des Gebets.

Vaterunser

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.