Schmuckband Kreuzgang

Wort zur Woche

Spirituelles Wohlbefinden

Wort zur Woche (c) D. Thiel
Wort zur Woche
Do 11. Jun 2020
Dietmar Thiel

In Dezember 2018 startete die StadtPost eine neue Serie. In jeder StadtPost Neu-Isenburg gibt es ab sofort ein „Wort der Woche". Pfarrerinnen, Pfarrer und Vertreter der Kirchengemeinden aus Neu-Isenburg teilen ihre Gedanken zur Jahreszeit, zu Entwicklungen in unserer Gesellschaft oder zu Dingen, die sie aus christlicher Sicht bewerten, mit.

In der Ausgabe: Jahrgang 36, Ausgabe Nr. 24, Donnerstag, 11. Juni 2020, veröffentlichte die StadtPost folgenden Artikel:

Spirituelles Wohlbefinden

Zurzeit werden verschiedene Maßnahmen ergriffen, um die Ausbreitung der Pandemie einzudämmen, mit der wir konfrontiert sind. Lange Diskussionen werden geführt und Richtlinien für unser körperliches, geistiges und soziales Wohlergehen werden vorgeschlagen. Ich stelle mir jedoch Fragen zum spirituellen Wohlbefinden: Was sind die spirituellen Auswirkungen der Corona-Pandemie? Fühle ich mich vernachlässigt und allein gelassen, obwohl mein letzter Augenblick noch vor mir liegt, ob ich es will oder nicht. Wie ist der Zustand meiner Seele?

In der Müdigkeit des Herzens, dem Bewusstsein der Hilflosigkeit, der Existenzangst und dem wachsenden Gefühl, dass nichts wirklich wichtig ist, vermindert sich das spirituelle Wohlergehen. Diese Erfahrungen machen zurzeit viele Menschen.

Die aufgeworfenen Fragen sind keine beginnenden metaphysischen Spekulationen. Sie sollen hier in keiner Weise tiefenpsychologisch ausführlich erörtert werden. Vielmehr geht es darum, Wege zu finden, die einfach sind, um unser spirituelles Wohlbefinden zu verbessern.

Das könnten hilfreiche Ansätze sein:

  • Ein Gefühl für den Sinn des Lebens und unseren eigenen Wert und Zweck zu suchen.
  • Lieben und geliebt werden.
  • Anderen zu dienen.
  • Den inneren Frieden und die innere Freude anzapfen.

Je näher wir unserer Seele kommen, desto größer ist das Selbstbewusstsein.

Unsere Seele ist der intimste Teil von uns. Hier komme ich in ein tieferes Gespräch mit mir selbst. Aus diesem Gespräch und innerer Standortbestimmung entspringen Akte der Freundlichkeit, Worte der Wertschätzung, die Bereitschaft, einem anderen zu helfen, und die Zärtlichkeit des Trostes für Einsame und Ängstliche. Dort finden wir inneren Frieden und Freude. All dies kommt von innen heraus.

In den Weisheitstraditionen der Welt wurde in jeder Kultur gelehrt, dass innerer Frieden und Freude nur durch den Blick nach innen möglich sind. Das Neue Testament sagt, dass das Himmelreich im Inneren ist.

Universelle Wahrheiten spielen keine Rolle, solange sie nicht für einen persönlich wahr sind. Das Geheimnis, das durch die Weisheitstraditionen der Welt vermittelt wird, ist, dass der innere Frieden und die innere Freude in mir sind.

Möge diese Zeit der Einschränkungen eine große Öffnung und Reise zu den weiten Horizonten unseres eigenen inneren Selbst ermöglichen. Ziel ist dabei, den inneren Frieden zu stärken und unser spirituelles Wohlbefinden zu sichern.

Pater Biji, Kaplan in St. Josef Neu-Isenburg