In jeder StadtPost Neu-Isenburg gibt es ein „Wort der Woche". Pfarrerinnen, Pfarrer und Vertreter der Kirchengemeinden aus Neu-Isenburg teilen ihre Gedanken zur Jahreszeit, zu Entwicklungen in unserer Gesellschaft oder zu Dingen, die sie aus christlicher Sicht bewerten, mit.
Wegmarkierung gesucht
Tiefstehende Sonne - trotz Sonnenbrille und heruntergeklappter Sonnenblende bin ich „fast blind“: Hilfe; ich sehe nichts…. Ganz vorsichtig steuere ich das Auto.
So oder ähnlich mag es uns auf manchen Etappen unseres Lebensweges ergehen: dass unsere Sicht deutlich eingeschränkt ist oder wir nicht durchblicken und uns aufgrund dessen unsicher und beinahe orientierungslos fühlen.
In unserer Sprache benutzen wir Bildworte wie: „Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen können“; „Das Licht am Ende des Tunnels nicht sehen“; „nur noch schwarz sehen“. Dies sind paar Beispiele, die etwas davon zum Ausdruck bringen, was wir möglicherweise aus eigener Erfahrung kennen: Manchmal sehen wir alles klar vor Augen und wissen genau, was als nächstes zu tun ist, doch dann tappen wir im Dunkeln. Manchmal sehen wir viele Möglichkeiten, doch dann nur Leere. Manchmal haben wir voll den Durchblick und dann stehen wir auf dem Schlauch. Manchmal entdecken wir so viel Gutes in unserem Leben und dann ist da wieder so viel Missmut.
Mir persönlich hilft in einer solchen Situation das Gespräch mit anderen: „Wie siehst du das?“ Durch die Gedanken meiner Mitmenschen kann ich manches besser einordnen und sortieren, bekomme mehr Klarheit. Der Austausch weitet meinen Blick und macht Mut.
Oder mein Gegenüber öffnet mir die Augen dafür, dass doch nicht alles schlecht ist und macht mich aufmerksam auf die Chancen, die ich bis dahin übersehen habe.
Am Morgen bitte ich manchmal im Gebet um die richtige Sicht, ähnlich wie es in einem Liedtext heißt: „Meine kurze Sicht bringe ich vor dich.“ Ich bitte Gott, dass Er mir helfen möge, die Dinge im richtigen Licht zu sehen, den Blick für das Wesentliche zu schärfen und die Prioritäten ggfs. neu zu ordnen.
Und beim abendlichen Tagesrückblick gelingt es mir manchmal zu erkennen, dass mich die eine oder andere erlebte Situation meinem Ziel näher gebracht hat.
Von Gott, der Licht in unser Dunkel bringen will, dürfen wir uns getrost immer wieder Zeichen erhoffen: Wegmarkierungen, an denen wir uns orientieren können und die uns den richtigen Weg finden lassen.
Susanne Sturm, Gemeindereferentin Pfarrgemeinde St. Josef, Neu-Isenburg