In einem bekannten Lied heißt es: „Vergiss nicht zu danken dem ewigen Herrn, er hat dir viel Gutes getan.“ Dankbarkeit ist eine christliche Grundhaltung, Ausdruck des Glaubens an einen gütigen und liebenden Gott.
Vielen von uns ist zurzeit nicht gerade zum Danken zumute. Zu groß und zu vielfältig sind die Nöte und Leiden der Menschen weltweit. Ja wir ringen alle mit Sorgen, Problemen und Schwierigkeiten. Kann man unter solchen Umständen eine dankbare Grundhaltung bewahren?
Die Juden haben einen tiefsinnigen Spruch: „Das Geheimnis der Erlösung ist die Erinnerung!“ Es ist auffällig, wie oft das Volk Israel im Alten Testament an Gottes große Taten in der Geschichte erinnert wird. Und wenn man solche Texte näher untersucht, merkt man sehr schnell: Es waren meistens schwere Zeiten, in denen das Volk Israel an Gottes große Taten in der Vergangenheit erinnert wurde. Die Erinnerung wurde für das Volk Israel gleichsam zur Quelle der Hoffnung und der Zuversicht. Der Gott, der sich in der Vergangenheit als machtvoller Retter erwiesen hat, wird sein Volk auch in den Schwierigkeiten der Gegenwart nicht im Stich lassen!
Eine ähnliche Erfahrung hat Dietrich Bonhoeffer im Gefängnis gemacht. In einem Brief an seine Eltern schreibt er: „Jedenfalls lernt man in solchen Zeiten dankbar werden. Im normalen Leben wird es einem oft gar nicht bewusst, dass der Mensch unendlich mehr empfängt als er gibt, und dass Dankbarkeit das Leben erst reich macht.“
Das Geheimnis der Dankbarkeit ist die Erinnerung! Es ist die Erinnerung an das Gute, das uns geschenkt wurde, das nicht selbstverständlich ist. Und: Nur wer nachdenkt und sich erinnert, der ist dankbar. Viele Menschen kommen vom Danken auch zum Glauben. Darum hat das Erntedankfest, dass in unseren Gemeinden am ersten Wochenende im Oktober wieder gefeiert wird, einen festen Platz im Leben einer Glaubensgemeinschaft. „Vergiss nicht zu danken dem ewigen Herrn, er hat dir viel Gutes getan.“
Ihr Pfarrer Karl Zirmer